Diese Arbeit behandelt das Kreuzzugslied "Mîn herze und mîn lîp diu wellent scheiden" (MF 47,9) von Friedrich von Hausen. Neben einer Darstellung der erhaltenen urkundlichen Belege, die Hausens Lebensweg kennzeichnen, werden sein Werk und dessen Überlieferung vorgestellt, um seine Bedeutung für die mittelalterliche Lyrik zu unterstreichen. Im Mittelpunkt dieser Arbeit steht die Untersuchung von Inhalt, Form und Thematik von Hausens bekanntestem Kreuzzugslied "Mîn herze und mîn lîp diu wellent scheiden" (MF 47,9).
Inhaltsverzeichnis
I. Einleitung
II. Zum Autor
1. Urkundliche Zeugnisse
2. Werk und Überlieferung
a) Das Werk
b) Die Überlieferung
III. Mîn herze und mîn lîp diu wellent scheiden
1. Inhalt
2. Form und Metrik
3. Das Problem der Strophenfolge
4. Zur Verbesserung der Verse MF 47,19f.
5. Thematik und Konflikt
IV. Zusammenfassung
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit analysiert das Kreuzzugslied "Mîn herze und mîn lîp diu wellent scheiden" (MF 47,9) von Friedrich von Hausen. Ziel ist es, unter Einbeziehung des historischen Kontextes und der Überlieferungsgeschichte, die zentrale Thematik des Konflikts zwischen göttlichem und weltlichem Minnedienst durch eine tiefgehende Interpretation von Inhalt, Form und Sprecherkonstellation zu erarbeiten.
- Historische Einordnung des Autors Friedrich von Hausen
- Analyse der Überlieferung und Textkritik des Liedes
- Untersuchung der Sprecherrollen (Ich, Leib, Herz)
- Diskussion der Strophenfolge und textphilologischer Kontroversen
- Interpretation der Thematik des Gottes- und Frauendienstes
Auszug aus dem Buch
3. Das Problem der Strophenfolge
Die Strophenfolge des Liedes ist in der Forschung ein äußerst umstrittenes Thema. Einerseits geht es darum, ob die handschriftlich überlieferte Strophenfolge als die richtige anzusehen ist, andererseits herrscht Uneinigkeit, ob das Lied nun aus drei Strophen besteht und die vierte eine Nachtragsstrophe ist oder ob diese sogar ein eigenes, selbständiges Lied darstellt. Diese Fragestellung ergibt sich aus der unterschiedlichen handschriftlichen Überlieferung. Zwar sind in den beiden Handschriften B und C die Strophen des Liedes in der gleichen Reihenfolge überliefert, aber in B wird das Lied in der Mitte durch einen Einschub geteilt, was bereits in Kapitel II, 2 b dargestellt wurde. Dadurch sind die Strophen nicht als zusammenhängend erkennbar. In C dagegen ist es als Lied aus vier zusammenhängenden Strophen überliefert, die eine Einheit bilden.
Seit Lachmann wurde die Reihenfolge der überlieferten Strophen dieses Liedes immer wieder problematisiert. Aber nicht Lachmann, wie oft behauptet, sondern Haupt hat die überlieferte ursprüngliche Reihenfolge geändert. Er hat die originär zweite (MF 47,17-24) und dritte Strophe (MF 47,25-32) miteinander vertauscht, weil so die inhaltliche Interpretation schlüssiger sein sollte. Der Änderung der Strophenfolge folgen u. a. von Kraus, Brinkmann und de Boor.
Zusammenfassung der Kapitel
I. Einleitung: Diese Einleitung führt in das Thema ein, skizziert den Lebensweg von Friedrich von Hausen und benennt die Zielsetzung sowie die methodische Herangehensweise der Arbeit.
II. Zum Autor: Dieses Kapitel behandelt die urkundlichen Belege zu Friedrich von Hausen sowie sein Werk und dessen Überlieferungsgeschichte im Kontext des staufischen Hofes.
III. Mîn herze und mîn lîp diu wellent scheiden: Dieser Hauptteil analysiert das Lied in Bezug auf seinen Inhalt, die metrische Struktur, die Problematik der Strophenfolge, textkritische Fragen zu den Versen 19f. sowie die Sprecherkonstellation und Thematik.
IV. Zusammenfassung: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen, insbesondere die Erkenntnis, dass das Lied als Streitgespräch zwischen den personifizierten Instanzen Ich, Leib und Herz zu verstehen ist, in dem der Gottesdienst den weltlichen Minnedienst überlagert.
Schlüsselwörter
Friedrich von Hausen, Minnesang, Kreuzzugslied, Mittelhochdeutsch, Mîn herze und mîn lîp, Gottesdienst, Minnedienst, Strophenfolge, Streitgedicht, Sprecherkonstellation, Textkritik, Hohe Minne, Stauferhof, Handschrift B, Handschrift C.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundlegend?
Die Arbeit untersucht das bedeutende und umstrittene Kreuzzugslied von Friedrich von Hausen, das einen inneren Konflikt des lyrischen Ichs zwischen irdischer Liebe und dem Dienst an Gott thematisiert.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Felder sind die Rolle von Friedrich von Hausen am staufischen Hof, die mittelalterliche Überlieferung seiner Texte, die formale Analyse des Liedes sowie die Interpretation des moralisch-religiösen Konflikts.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist eine fundierte Interpretation des Liedes unter Berücksichtigung neuester Forschungsergebnisse zur Sprecherrollenverteilung und zur Textkritik, um den Kern des Konflikts zwischen Leib und Herz zu klären.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt eine philologische und literaturwissenschaftliche Analyse, die sowohl urkundliche Lebenszeugnisse als auch die handschriftliche Überlieferung und textkritische Kontroversen der Forschung miteinbezieht.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine inhaltliche Vorstellung, formale und metrische Untersuchungen, die Diskussion um die Strophenfolge, die Analyse schwieriger Textpassagen und eine tiefgreifende thematische Interpretation.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird durch Begriffe wie Minnesang, Kreuzzugslied, Streitgedicht, Gottesdienst, Minnedienst und textkritische Analyse charakterisiert.
Inwiefern spielt das Konzept der Sprecherrollen eine Rolle?
Eine moderne Theorie sieht das Lied nicht als bloße Selbstreflexion eines Ichs, sondern als ein Streitgespräch, in dem Leib und Herz eigene Sprecherrollen erhalten, was für das Verständnis des Textes entscheidend ist.
Wie wird das Problem der Strophenfolge bewertet?
Die Arbeit vertritt die Ansicht, dass die handschriftlich überlieferte Strophenfolge (wie in den Handschriften B und C) beibehalten werden sollte, da ein Fortschreiten der Handlung in dieser Reihenfolge erkennbar ist.
- Quote paper
- Magistra Artium Melanie Kindermann (Author), 2003, Friedrich von Hausen: Mîn herze und mîn lîp diu wellent scheiden (MF 47,9), Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/26045