Aspekte des Neoliberalismus


Seminararbeit, 1998

17 Seiten, Note: 1


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

1. Begrifflichkeiten zwischen Ökonomie und Ideologie
1.1. Exkurs in die Ökonomie
a. Merkantilismus
b. Klassik
c. Neoklassik
d. Keynesianismus
e. Zeit nach
f. Monetarismus
1.2. Was ist Neoliberalismus?

2. Kapitalismus und Freiheit
2.1. Zusammenhang zwischen wirtschaftlicher und politischer Freiheit
2.2. Die Rolle des Staates in einer freien Gesellschaft
2.3. Einkommensverteilung
2.4. Sozial und Wohlfahrtsmaßnahmen

3. Schlußbemerkung und Kritik

Literaturverzeichnis

Einleitung

Eigentlich wollte ich diese Arbeit schlicht und einfach „Neoliberalismus“ nennen, doch kam ich zu der Erkenntnis, daß es nicht möglich ist alle maßgeblichen Vertreter des neoliberalen Paradigmas in diesem Rahmen seriös zu behandeln und deshalb habe ich mich entschlossen Milton Friedmans Werk „Kapitalismus und Freiheit“, in den Mittelpunkt meiner Betrachtungen zu stellen. Außerdem scheint es mir auch interessanter mehr Raum für die kritische Auseinandersetzung mit der neuen neoliberalen „Weltreligion“ zu reservieren, als sämtliche Autoren und Werke zusammenzufassen.

Gerade aufgrund der Dominanz des neoliberalen Theorems in der Gegenwart ist es wichtig die Ideologie der freien Märkte, den Rückzug des Staates und alle anderen Rezepte dieses politischen und ökonomischen Programms zu beleuchten und deren Auswirkungen, die sich bereits bemerkbar machen zu hinterfragen. Wenn man Friedmans Ideen mit der heutigen Realität vergleicht, wird klar, daß vieles von dem, was er fordert, bereits verwirklicht ist und kaum angezweifelt wird.

Daher scheint es nicht vermessen „Kapitalismus und Freiheit“ als die Bibel des Neoliberalismus zu bezeichnen ( vielleicht nicht die einzige ) und rechtfertigt die Ausklammerung anderer neoliberaler Autoren. Schließlich wird der Lückenhaftigkeit der Arbeit auch durch den Titel Rechnung getragen.

Die Arbeit gliedert sich in drei Teile:

Im ersten Teil soll ein kleiner Exkurs in die Ökonomie unternommen werden, um die verschiedenen ökonomischen Denkschulen gegenüberzustellen, die ja letztendlich als wissenschaftliche Rechtfertigungen für die jeweiligen wirtschaftspolitischen Programme herangezogen werden und um Friedmans Position in der Wissenschaft zu zeigen. Weiters sollen Begriffe wie Neoliberalismus definiert, erklärt und ein bißchen kommentiert werden.

Im zweiten Teil wird „das Buch“ zusammengefaßt und es wird versucht das politische Programm darzustellen.

Der Kritik an Friedmans Werk und am Neoliberalismus soll im dritten Teil Raum gegeben werden.

1. Begrifflichkeiten zwischen Ökonomie und Ideologie

1.1. Exkurs in die Ökonomie

Die Unterscheidung der großen Denkschulen wird hier nach der Angebots- bzw. Nachfragebetonung vorgenommen. Für alle Richtungen bestehen Märkte aus Anbietern und Nachfragern, wobei die Frage, wie es zu Marktgleichgewichten kommt, jeweils unterschiedlich beurteilt wird.

a. Merkantilismus (1625 - 1776)

Die in den absolutistischen Staaten Europas zwischen dem 16. Und 18. Jahrhundert vorherrschende Lehre stellt die gesamtwirtschaftliche Nachfrage ins Zentrum ihrer Analyse, als oberste Ziele sind die Mehrung der beschäftigbaren Bevölkerung, des Volkswohlstands und die Vergrößerung der landesherrlichen Klasse zu nennen.

Ausreichende Beschäftigung aber setzt die Verkäuflichkeit der erzeugten Güter und damit eine kaufkräftige Nachfrage voraus. Die Merkantilisten glaubten nicht, daß ein Marktgleichgewicht notwendigerweise zustande kommt und traten deshalb für eine aktive Wirtschaftspolitik ein ( z.b. öffentliche Bauten ). Damit und mit einer aktiven Handelsbilanz sah man die ausreichende Nachfrage gewährleistet. Übrigends sei es eine Geschichtsfälschung von Smith, daß sich die Theorie der Merkantilisten in dem Gedanken erschöpfe, der Reichtum eines Landes bestehe einfach in seinem Geld und Edelmetallvorrat. ( vgl. Streissler, 1994:42ff )

b. Klassik (1776 - 1867)

Im Gegensatz zu den Merkantilisten ist die klassische Schule der Nationalökonomie rein angebotsorientiert. Danach ergibt sich der Preis und der Wert eines Gutes aus den Kosten, die zur Produktion desselben aufgewendet werden müssen. Diese von den Klassikern ( Smith, Ricardo.. ) vertretene Anschauung wird Kostenwertlehre genannt. Die Grundannahme ist, daß jedes Angebot seine Nachfrage schaffe ( Say ) und das individuelle Profitstreben ( invisible hand ) den Wohlstand aller vermehrt. Ein sich natürlich einpendelndes Marktgleichgewicht wird also angenommen und Staatsinterventionen abgelehnt. Arbeitslosigkeit kann nur kurzfristig sein, da sich durch die Flexibilität der Löhne automatisch ein Vollbeschäftigungsgleichgewicht einstelle. Nach dieser Theorie ist also längerfristige Arbeitslosigkeit freiwillig.

Die Klassiker interessieren sich nur für die langfristigen Gleichgewichte, kurzfristige Schwankungen seien uninteressant und die technischen Produktionsbedingungen seien langfristig preisbestimmend.

Angebotsorientierung in diesem Zusammenhang heißt, daß man das Angebot als gleichbleibend und fest bestimmt ansieht, die Nachfrage hingegen als zufällig schwankend und kaum analysierbar vernachlässigt. Als Beispiel könnte man die vielen kleinen Gewerbebetriebe nennen, die durch technisch fest bestimmte Produktionsbedingungen und eine starke Konkurrenz untereinander gekennzeichnet sind. Dadurch werden die Preise der Güter auf die Kosten der Produktion gedrückt. (vgl. Streissler,1994:45f )

c. Neoklassik (1871 - 1936)

Die auf die Klassik folgende rein nachfrageorientierte Richtung kann folgend beschrieben werden:

„ Konsumenten bestimmen als Nachfrager auf den Gütermärkten die Preise, Produzenten als Nachfrager bestimmen auf den Arbeitsmärkten die Löhne und auf den Investitionsgütermärkten die Kapitalgüterpreise. Beides geschieht entsprechend der Nutzwertlehre, welche besagt: Die Preise (einschließlich des Preises der Arbeit) werden anhand des subjektiven Nutzens, welchen der Nachfrager aus dem nachgefragten Gut zu ziehen erwartet, kalkuliert.“ (Streissler,1994:46)

So wie die Klassik geht auch die Neoklassik von einem „natürlichen“ Marktgleichgewicht aus, das durch staatliche Interventionen nur gestört wird, jedoch legt sie ihr Augenmerk mehr auf mikroökonomische Entscheidungen der Nachfrager, die ja den Preis bestimmen. Vor allem die kurzfristige Preisbildung ist für die Neoklassik interessant. So ist für die Neoklassik das Angebot eine nicht analysierbare, von Zeit zu Zeit schwankende Größe, die einer gleichbleibenden Nachfrage gegenübersteht. Als Beispiel für die neoklassische Marktsicht können Märkte mit verderblichen, wetterabhängigen Waren (schwankendes Angebot, Fischmarkt) angeführt werden.

d. Keynesianismus (1936 - 1945)

Im Zuge der großen Wirtschaftskrise der frühen 30er Jahre trat Keynes mit seiner „Allgemeinen Theorie der Beschäftigung, des Zinses und des Geldes“ auf den Plan.

Er stellte ähnlich den Merkantilisten die makroökonomische Größe der gesamtwirtschaftlichen Nachfrage in den Mittelpunkt seiner Betrachtung. Demnach kann es in der freien Marktwirtschaft zu einem allgemeinen Nachfragemangel kommen der wiederum zu einem Unterbeschäftigungsgleichgewicht führt. Die Klassiker gestanden zwar ein, daß es zu solchen Ungleichgewichten kommen könne, sie behaupteten aber, daß sich diese wieder langfristig einpendeln würden. Keynes entgegnete darauf, „in the long run we are all dead“, was die kurzfristige Betrachtung seiner Analyse zum Ausdruck bringt.

Um den allgemeinen Nachfragemangel zu überwinden, forderte er eine antizyklische Konjunkturpolitik, der Staat solle also in Zeiten der Krise investieren, die Geldmenge erhöhen und die Umverteilung forcieren.

Bis Ende der 70er Jahre Dominierte die keynesianische Wirtschaftspolitik in der westlichen Welt. (vgl. Streissler,1994:49)

e. Zeit nach 1945

Seit 45 kann man kann man von keinem vorherrschenden Paradigma in der Ökonomie sprechen. Die genannten Theorieschulen und deren Abspaltungen existieren nebeneinander.

[...]

Ende der Leseprobe aus 17 Seiten

Details

Titel
Aspekte des Neoliberalismus
Hochschule
Universität Wien  (Institut für Politikwissenschaften)
Veranstaltung
Proseminar Ideengeschichte
Note
1
Autor
Jahr
1998
Seiten
17
Katalognummer
V2611
ISBN (eBook)
9783638115735
Dateigröße
531 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Es wird der Frage was Neoliberalismus ist nachgegangen. Das Werk Kapitalismus und Freiheit von Milton Friedman wird genauer betrachtet. 133 KB
Schlagworte
Aspekte, Neoliberalismus, Proseminar, Ideengeschichte
Arbeit zitieren
Andreas Holzer (Autor), 1998, Aspekte des Neoliberalismus, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/2611

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