Integration von Behinderten


Referat (Ausarbeitung), 2004

15 Seiten, Note: 1,2


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Definition

2. Ziel der Integration
2.1. Zielgleiche Integration
2.2. Zieldifferente Integration

3. Kooperation- Bindeglied zwischen zielgleicher und zieldifferenter Integration

4. Grundsätze und fundamentale Prinzipien für das Verständnis von Integration

5. Rahmenbedingungen der schulischen Integration

6. Soziologisch relevante Ergebnisse und Erkenntnisse
6.1. Stand der schulischen Integration
6.1.1. Internationale Entwicklungen
6.1.2. Schulische Integration in Deutschland
6.1.3. Kosten
6.2. Sozialentwicklung und Selbstbild behinderter Kinder
6.3. Urteile von Eltern über Integration

7. Adressen

8. HTZ- Integrative Kindertagesstätte Andernach

9. Erfahrungsbericht von Jenny H.

10. Fazit

11. Diskussionsfrage

12. Literaturverzeichnis

1. Definition

Das Wort Integration stammt vom lateinischen Verbum „integrare“ (in etwa „ergänzen, wiederherstellen“) und von dem Adjektiv „integer“ („unberührt“, „ganz“) ab.

Über die Philosophie und besonders durch die Soziologie, Psychologie und Bildungspolitik des 19. Jahrhunderts erlangte der Integrationsbegriff seine heutige gesellschaftliche Bedeutung. (Cloerkes, 2001, S. 173).

Integration bezeichnet eine gemeinsame (z.B. schulische) Daseinsgestaltungsform von Menschen mit (z.B. infolge einer Behinderung) voneinander abweichenden (z.B. das Lernen betreffenden) Erlebnis- und Erfahrungsweisen und Bewältigungsformen. (Kobi, 1999, S. 242)

Integration meint die Gemeinsamkeit von behinderten und nichtbehinderten Menschen in allen Lebensbereichen der Gesellschaft, z.B. das gemeinsame Unterrichten von behinderten und nichtbehinderten Kindern. „Integration ist ein Grundrecht im Zusammenleben der Menschen“ (Muth, 1992 zit. in Cloerkes, 2001, S. 206), das zwischenzeitlich auf Beschluss des Deutschen Bundestages 1994 gesetzlich im Grundgesetz (Art. Abs. 3.2 GG) verankert wurde.

2. Ziel der Integration

Aus behindertensoziologischer Sicht ist das Verständnis von Integration als Entstigmatisierung wesentlich. Integration ist danach ein auf Solidarität und Emanzipation ausgerichteter Interaktionsprozess, der sich die bestmögliche Teilhabe eines Behinderten an allen gesellschaftlichen und sozialen Prozessen der Nichtbehinderten (Familie, Kindergarten, Schule, Beruf, Freizeit, Öffentlichkeit...), ohne dass sich der Behinderte selbst dabei unwohl fühlt, zum Ziel gesetzt hat.

Integration ist Weg und Ziel zugleich. Integration als Weg meint die Mittel, die man einsetzt, um das Ziel zu erreichen.

Untersuchungen ergaben folgende Erfolge:

Toleranz, intellektuellen und emotionalen Gewinn, positive Entwicklungen im psychosozialen Bereich, kognitive Fortschritte, höhere Wertschätzung, respektieren der Grenzen Anderer, Fürsorgeentwicklung, etc. (Prengel, 1995).

2.1. Zielgleiche Integration

Die Integration von Kindern und Jugendlichen, die auch mit ihrer Behinderung den Leistungsanforderungen, die an gleichaltrige nichtbehinderte Kinder und Jugendliche gestellt werden, ohne größere und aufwendigere Maßnahmen entsprechen können, hat schon immer stattgefunden, ohne dass der Integrationsbegriff dafür verwendet wurde.

Bei zielgleicher Integration hat sich der Behinderte Mensch dem System Schule und all seinen Anforderungen voll unterzuordnen. Zielgleiche Integration ist zugleich auch selektive (aussondernde) Integration. Denn so wird eine neue Gruppe definiert: Die „nicht integrierbaren Behinderten“. Die zielgleiche Integration verursacht jedoch kaum Mehrkosten, da der sonderpädagogische Förderbedarf keine oder nur sehr geringe personelle, sächliche oder räumliche Veränderungen notwendig macht.

2.2. Zieldifferente Integration

Von zieldifferenter Integration spricht man, wenn behinderte Kinder am Unterricht von nichtbehinderten Kindern teilnehmen dürfen, obwohl sie nicht den lehrplanmäßigen Anforderungen der Regelschule entsprechen können.

Dies kann nur durch ein Mehr-Pädagogenteam (meist ein Regelschullehrer und ein Sonderschullehrer, die gemeinsam unterrichten) ermöglicht werden. Zieldifferente Integration heißt, dass jeder Behinderte, unabhängig von Art, Ausmaß und Schweregrad seiner Behinderung, nach dem Lehrplan unterrichtet wird, nach dem er auch an der Sonderschule unterrichtet werden würde. Ein zieldifferenter Unterricht ist ein binnendifferenzierter Unterricht, das heißt, dass die Ziele, die Inhalte, die Methoden und die Medien unterschiedlich sind.

Die zieldifferente Integration ist sehr kostenintensiv, da sie nicht ohne veränderte Rahmenbedingungen, fachlich qualifizierte Pädagogen und Therapeuten, sowie ein hohes Maß an integrativer Didaktik und Methodik stattfinden kann (Cloerkes, 2001).

In der Praxis bedeutet dies, dass es in integrativen Schulklassen keine verbindlichen Lernziele mehr gibt, sondern individuell auf das Können der Kinder ausgerichtete Lernziele.

Annedore Prengel (1995, S.161) betont, dass es zum Grundkonsens der Integrationspädagogik gehört, dass sich Gemeinsamkeit in der Gruppe herstellen kann und dass Kinder nicht isoliert voneinander auf ihrem jeweiligen Lernniveau für sich arbeiten, sondern dass sie an den Erfolgen der Anderen teilhaben und einander helfen.

3. Kooperation- Bindeglied zwischen zielgleicher und zieldifferenter Integration

Die Kooperation ist ein wichtiger Schritt in Richtung Integration.

Feuser (1995) unterscheidet zwei Formen des Kooperations-Modells. In beiden Modellen ist der Schulstandort auch für die behinderten Schüler nicht mehr die Sonderschule, sondern die Regelschule. In der ersten Form wird eine Gruppe behinderter Kinder zusammen mit ihren Lehrern und Therapeuten räumlich in die Regelschule verlegt. Sie erhalten dort ein Klassenzimmer, in dem sie nach dem System der Sonderschule unterrichtet werden. Dieser Klasse ist eine sogenannte Kooperationsklasse zugeordnet, die nach dem System der Regelschule

Unterrichtet wird. Es finden kleine gemeinsame Projekte statt, sowie gemeinsamer Unterricht in einzelnen Fächern wie z.B. Kunst oder Religion.

Die zweite Variante unterscheidet sich darin, dass in einer Kooperationsklasse die behinderten Kinder mit den nichtbehinderten Kindern gemeinsamen Unterricht erhalten. Nur für spezielle Therapie- und Förderangebote findet eine räumliche Trennung statt. Der Unterricht selbst wird auf der Grundlage der jeweiligen Lehrpläne aus Sonder- und Regelschule differenziert nach Zielen, Inhalten, Methoden und Medien abgehalten. Dieser Unterricht ist sehr zeit- und vorbereitungsintensiv und verlangt ein hohes Maß an Kooperation bei den beteiligten Lehrkräften. Die Schwäche der integrativen Gruppe liegt darin, dass sie meistens ein überregionales Einzugsgebiet haben und nicht in der Lage sind, Kontakte in den wohngebietsnahen Lebenszusammenhängen zu fördern (Hössl, 1997, S.152).

Kooperation ist nicht die beste Form der Integration, sie stellt jedoch einen Kompromiss dar, vor allem dann, wenn umfassendere strukturelle Veränderungen und bildungspolitische Lockerungen zunächst nicht erwirkt werden können (Cloerkes, 2001).

Die sogenannte Einzelintegration behinderter Kinder in wohnortnahen Regelkindergärten und –schulen hat den Vorteil, dass Kontakte außerhalb, also in der Nachbarschaft, besser gepflegt werden können, wenn die Kinder zusammen in die Schule oder den Kindergarten gehen. Der Nachteil allerdings besteht darin, dass meist nicht ausreichende heilpädagogische und therapeutische Möglichkeiten vorhanden sind und auch die Gruppen zu groß sind. Ob die Unterbringung eines Kindes in einer solchen Einrichtung sinnvoll ist, kann nur im Einzelfall entschieden werden (Hössl, 1997).

4. Grundsätze und fundamentale Prinzipien für das Verständnis von Integration

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

(Cloerkes, 2001)

5. Rahmenbedingungen der schulischen Integration

Die gemeinsame Erziehung, Bildung und Unterrichtung behinderter und nichtbehinderter Kinder und Jugendlicher braucht günstige und gesicherte Rahmenbedingungen.

Der Verband Deutscher Sonderschulen (1994) nennt folgende Beispiele tatsächlich stattfindender Formen der Integration in den deutschen Bundesländern:

- Integrativer Schulanfang im Grundschulbereich
- Langzeitklassen (Dehnungsklassen) in Sonder- und Regelklassen
- Sonderpädagogische Diagnose- und Förderklassen
- Sonderpädagogische Kleinklassen, Sonderklassen, Außenklassen in Regelschulen
- Kooperationsformen zwischen Sonder- und Regelschule bis hin zum Verbundsystem
- Sonderschullehrkräfte an Regelschulen, stundenweise (ambulant) oder dauerhaft
- Mobile sonderpädagogische Dienste
- Sonderpädagogische Förderzentren in unterschiedlichen Formen und Aufgabenstellungen
- Integrationsklassen in Sonderschulen („umgekehrte Integration“)
- Integrationsklassen in Regelschulen (Zwei Lehrer-System, 3-4 verschieden behinderte Kinder plus 16-17 nichtbehinderte Kinder)
- Einzelintegration in der wohnortnahen Regelschule (mit stundenweiser sonderpäda-gogischen Unterstützung)
- Integrative Regelschulen

Die gemeinsame Erziehung, Bildung und Unterrichtung behinderter und nichtbehinderter Kinder und Jugendlicher braucht günstige und gesicherte Rahmenbedingungen:

- Fort- und Weiterbildung vor Beginn der integrativen Praxis für das Personal
- Praxisbegleitende Fort- und Weiterbildung in allen integrationsrelevanten Fragestellungen aus Theorie und Praxis
- Erwerb von Kompetenzen für die integrative Erziehung, Bildung und Unterrichtung bereits in der 1. und 2. Phase der Lehrerausbildung
- Reduktion der Gruppenstärken und Klassenfrequenzen
- Team- Teaching: Sonder- und Regelpädagoge arbeiten kooperativ zusammen
- Schaffen der baulichen und räumlichen Voraussetzungen, orientiert an den Bedürfnissen und Besonderheiten der aufzunehmenden Kinder
- Lernanregende und behindertengerechte Gestaltung von Schulraum und Schulgelände
- Anschaffung von Spiel-, Lern-, Förder- und Therapiematerial
- Intensive und kooperative Elternarbeit
- Kooperation mit Fachdiensten, Schulämtern, Gesundheitsämtern, etc.
- Eventuell externe Supervision

Diese Rahmenbedingungen machen deutlich, dass sie individuell auf die beabsichtigte Organisationsform bzw. die Kinder abgestimmt werden müssen.

(Cloerkes, 2001, S.195)

[...]

Ende der Leseprobe aus 15 Seiten

Details

Titel
Integration von Behinderten
Hochschule
Fachhochschule Düsseldorf  (Sozialpädagogik)
Note
1,2
Autor
Jahr
2004
Seiten
15
Katalognummer
V26130
ISBN (eBook)
9783638285551
ISBN (Buch)
9783640870059
Dateigröße
927 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Das Referat behandelt die Integration von behinderten Kindern und Jugendlichen in Kindergarten und Schule. Verschiedene Integrationsformen werden erläutert.
Schlagworte
Integration, Behinderten
Arbeit zitieren
Sandra Röches (Autor), 2004, Integration von Behinderten, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/26130

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