1. Definition
Das Wort Integration stammt vom lateinischen Verbum „integrare“ (in etwa „ergänzen,
wiederherstellen“) und von dem Adjektiv „integer“ („unberührt“, „ganz“) ab.
Über die Philosophie und besonders durch die Soziologie, Psychologie und Bildungspolitik des
19. Jahrhunderts erlangte der Integrationsbegriff seine heutige gesellschaftliche Bedeutung.
(Cloerkes, 2001, S. 173).
Integration bezeichnet eine gemeinsame (z.B. schulische) Daseinsgestaltungsform von Menschen
mit (z.B. infolge einer Behinderung) voneinander abweichenden (z.B. das Lernen betreffenden)
Erlebnis- und Erfahrungsweisen und Bewältigungsformen. (Kobi, 1999, S. 242)
Integration meint die Gemeinsamkeit von behinderten und nichtbehinderten Menschen in allen
Lebensbereichen der Gesellschaft, z.B. das gemeinsame Unterrichten von behinderten und
nichtbehinderten Kindern. „Integration ist ein Grundrecht im Zusammenleben der Menschen“
(Muth, 1992 zit. in Cloerkes, 2001, S. 206), das zwischenzeitlich auf Beschluss des Deutschen
Bundestages 1994 gesetzlich im Grundgesetz (Art. Abs. 3.2 GG) verankert wurde.
2. Ziel der Integration
Aus behindertensoziologischer Sicht ist das Verständnis von Integration als Entstigmatisierung
wesentlich. Integration ist danach ein auf Solidarität und Emanzipation ausgerichteter
Interaktionsprozess, der sich die bestmögliche Teilhabe eines Behinderten an allen
gesellschaftlichen und sozialen Prozessen der Nichtbehinderten (Familie, Kindergarten, Schule,
Beruf, Freizeit, Öffentlichkeit...), ohne dass sich der Behinderte selbst dabei unwohl fühlt, zum
Ziel gesetzt hat.
Integration ist Weg und Ziel zugleich. Integration als Weg meint die Mittel, die man einsetzt, um
das Ziel zu erreichen.
Untersuchungen ergaben folgende Erfolge:
Toleranz, intellektuellen und emotionalen Gewinn, positive Entwicklungen im psychosozialen
Bereich, kognitive Fortschritte, höhere Wertschätzung, respektieren der Grenzen Anderer,
Fürsorgeentwicklung, etc. (Prengel, 1995).
Inhaltsverzeichnis
1. Definition
2. Ziel der Integration
2.1. Zielgleiche Integration
2.2. Zieldifferente Integration
3. Kooperation- Bindeglied zwischen zielgleicher und zieldifferenter Integration
4. Grundsätze und fundamentale Prinzipien für das Verständnis von Integration
5. Rahmenbedingungen der schulischen Integration
6. Soziologisch relevante Ergebnisse und Erkenntnisse
6.1. Stand der schulischen Integration
6.1.1. Internationale Entwicklungen
6.1.2. Schulische Integration in Deutschland
6.1.3. Kosten
6.2. Sozialentwicklung und Selbstbild behinderter Kinder
6.3. Urteile von Eltern über Integration
7. Adressen
8. HTZ- Integrative Kindertagesstätte Andernach
9. Erfahrungsbericht von Jenny H.
10. Fazit
11. Diskussionsfrage
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Diese Arbeit untersucht den Integrationsbegriff sowie die praktische Umsetzung der gemeinsamen Erziehung von behinderten und nichtbehinderten Kindern. Ziel ist es, die pädagogischen Konzepte, die notwendigen Rahmenbedingungen und die sozialen Auswirkungen der Integration auf die betroffenen Kinder und deren Umfeld kritisch zu beleuchten.
- Theoretische Grundlagen und Definitionen von Integration
- Differenzierung zwischen zielgleicher und zieldifferenter Integration
- Analyse soziologischer Erkenntnisse zum Selbstbild und zur Sozialentwicklung
- Evaluierung von Rahmenbedingungen und Kostenaspekten schulischer Integration
- Praxisbeispiel: Integrative Arbeit in der Kindertagesstätte Andernach
Auszug aus dem Buch
6.2. Sozialentwicklung und Selbstbild behinderter Kinder
Der Erfolg von Integration wird in erster Linie am Kriterium „positive Sozialentwicklung“ gemessen. In einer Untersuchung überprüfte Wocken (1987) in Hamburger Grundschulen, ob der subjektive Eindruck der Schüler mit dem angestrebten Ziel sozialer Integration übereinstimmt.
Drei Ergebnisse wurden sichtbar: o Behinderte nehmen seltener die positiv bewerteten Rollen „Beliebte“ und „Anerkannte“ ein, sind aber häufiger unter den „Lieblingen“ im anderen Geschlecht vertreten und im Vergleich zu den Nichtbehinderten gibt es bei den Behinderten mehr „Unauffällige“, „Unbeliebte“ und „Außenseiter“ o Die affektiven Austauschbeziehungen zwischen Behinderten und Nichtbehinderten sind in hohem Maße ausgeglichen, die nichtbehinderten Schüler grenzen sich aber geringfügig stärker von den behinderten Mitschülern ab o Für Körperbehinderte und Geistigbehinderte treffen tendenziell alle Rollen der Rollenskala zu, Kinder mit Lernbehinderungen und Verhaltensstörungen werden dagegen eher neutrale und negative Rollen zugeschrieben
Auch Feuser/Meyer (1987) berichten, dass nicht die Geistigbehinderten die schwersten Anforderungen an einen integrativen Unterricht stellen, sondern Schüler mit Verhaltensstörungen. Integrationsklassen weisen im allgemeinen eine intakte Sozialstruktur auf. Außerdem wurde festgestellt, dass sich die Statusposition der behinderten Kinder im Laufe der Zeit verbessert hat und auch mehr außerschulische Kontakte geknüpft wurden, als in Regelklassen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Definition: Erläutert die etymologischen Wurzeln und die gesellschaftliche Bedeutung des Begriffs Integration als gemeinsame Daseinsgestaltungsform.
2. Ziel der Integration: Beschreibt Integration als Prozess der Entstigmatisierung sowie als Weg und Ziel für die gesellschaftliche Teilhabe behinderter Menschen.
3. Kooperation- Bindeglied zwischen zielgleicher und zieldifferenter Integration: Analysiert verschiedene Kooperationsmodelle zwischen Sonder- und Regelschulen als Kompromisslösung.
4. Grundsätze und fundamentale Prinzipien für das Verständnis von Integration: Visualisiert zentrale Leitprinzipien wie Normalisierung, Individualisierung und Elternwahlrecht.
5. Rahmenbedingungen der schulischen Integration: Listet notwendige Voraussetzungen wie Fortbildung, Klassenreduktion und therapeutische Unterstützung auf.
6. Soziologisch relevante Ergebnisse und Erkenntnisse: Untersucht internationale Entwicklungen, Kostenfaktoren, das Selbstbild behinderter Kinder sowie elterliche Einschätzungen.
7. Adressen: Bietet Kontaktinformationen zu relevanten Organisationen und Projekten der Integrationsförderung.
8. HTZ- Integrative Kindertagesstätte Andernach: Stellt das praktische Konzept und den pädagogischen Alltag einer spezifischen integrativen Einrichtung vor.
9. Erfahrungsbericht von Jenny H.: Schildert die persönliche Perspektive einer betroffenen Schülerin auf ihre Erfahrungen in verschiedenen Schulformen.
10. Fazit: Reflektiert kritisch über die Notwendigkeit einer guten Organisation und individueller Erfahrungsberichte für den Integrationserfolg.
11. Diskussionsfrage: Hinterfragt die generelle Sinnhaftigkeit von Inklusion aus der Sicht betroffener Menschen.
Schlüsselwörter
Integration, Behindertenpädagogik, Sozialentwicklung, Regelschule, Sonderschule, Kooperation, Inklusion, Selbstbild, Entstigmatisierung, Heilpädagogik, Förderbedarf, Schulische Integration, Elterninitiativen, Kindertagesstätte, Teilhabe.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit behandelt die pädagogischen und sozialen Aspekte der Integration behinderter Menschen in Regelsysteme wie Kindertagesstätten und Schulen.
Welche Themenfelder stehen im Mittelpunkt?
Zentrale Schwerpunkte sind die Definition der Integration, die praktische Umsetzung durch verschiedene Kooperationsmodelle, die notwendigen Rahmenbedingungen sowie die Auswirkungen auf die Sozialentwicklung.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, den aktuellen Stand der Integration zu beleuchten und aufzuzeigen, unter welchen Voraussetzungen eine erfolgreiche Teilhabe behinderter Kinder im Alltag möglich ist.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine theoretische Auseinandersetzung auf Basis soziologischer und pädagogischer Literatur sowie um die Analyse von Praxisbeispielen und persönlichen Erfahrungsberichten.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in theoretische Grundlagen, eine Kosten-Nutzen-Analyse, die Auswertung von Studien zur Sozialentwicklung sowie die Darstellung konkreter Einrichtungen und individueller Erfahrungen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit ist geprägt durch Begriffe wie Integration, Inklusion, Förderbedarf, Sozialentwicklung, Regelschule und Heilpädagogik.
Warum ist das HTZ Andernach als Beispiel aufgeführt?
Es dient als konkretes Praxisbeispiel für eine integrative Kindertagesstätte, um aufzuzeigen, wie Förderung und Betreuung interdisziplinär gestaltet werden können.
Welche Erkenntnisse bringt der Erfahrungsbericht von Jenny H.?
Er verdeutlicht die Diskrepanz zwischen dem idealistischen Anspruch der Integration und der realen, teils belastenden Schulerfahrung aus der Sicht eines behinderten Kindes.
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- Sandra Röches (Author), 2004, Integration von Behinderten, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/26130