Parallele Forschung zum Widerstand in Ost und West anhand von ausgewählten Abhandlungen von u.a. Hans Rothfels, Hans Mommsen zwischen 1945 und heute
Inhaltsverzeichnis
A Einleitung
B
1 Die Situation nach Ende des 2. Weltkrieges
1.1. Die Epoche der Mitlebenden – Zeugen berichten
1.2. Selektive Geschichtsbetrachtung in SBZ und DDR
2 Perspektivenwechsel
2.1. In der Bundesrepublik wird Kritik laut
2.2. Erbe und Tradition in der DDR
3 Die nächste Generation setzt neue Maßstäbe
3.1. Begriffsentwicklung und Milieustudien
3.2. Ostdeutsche „Koalition der Vernunft“
C Ausblick
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die unterschiedliche Aufarbeitung der Widerstandsgeschichte gegen den Nationalsozialismus in der Bundesrepublik Deutschland und der DDR seit 1945. Dabei steht die Forschungsfrage im Mittelpunkt, wie politische Rahmenbedingungen und gesellschaftliche Bedürfnisse die selektive Wahrnehmung sowie die wissenschaftliche Bewertung verschiedener Widerstandsgruppen durch Historiker und Politiker beeinflusst haben.
- Vergleich der Widerstandsforschung in Ost- und Westdeutschland
- Einfluss politischer Systeme auf die historische Geschichtsbetrachtung
- Wandel des Widerstandsbegriffs über die Jahrzehnte
- Analyse der Rezeption des Attentats vom 20. Juli 1944
- Entwicklung von Milieustudien und der Kulturgeschichte in der Forschung
Auszug aus dem Buch
1.1. Die Epoche der Mitlebenden – Zeugen berichten
Wie bereits angedeutet, entstanden kurz nach 1945 die ersten geschichtswissenschaftlichen Abhandlungen zum Widerstand. Was die Besonderheit dieser Historiker war und was nach ihnen keiner mehr erreichen konnte, war die Tatsache, dass sie die NS-Herrschaft selbst miterlebt hatten und womöglich Widerstandskämpfer gekannt hatten. Das bekannteste Beispiel hierbei ist Gerhard Ritter, der 1954 sein Buch „Carl Goerdeler und die deutsche Widerstandsbewegung“ veröffentlichte. Ritter war mit Goerdeler befreundet gewesen, war zwar am Attentat am 20. Juli nicht beteiligt, gehörte aber der Widerstandsgruppe an. Ritter wurde wie Goerdeler verhaftet und die beiden Männer sahen sich kurz vor Goerdelers Hinrichtung noch einmal. So ist es wenig verwunderlich, dass Gerhard Ritter in seinem Buch bewusst diese Gruppe von Verschwörern in den Mittelpunkt stellt, ja gar Goerdeler als Zentralfigur der Widerstandsbewegung überschätzt.
Zusammenfassung der Kapitel
A Einleitung: Die Einleitung führt in die Problematik der selektiven Widerstandsforschung ein und erläutert den Fokus auf die konträren Entwicklungen in Ost und West.
1 Die Situation nach Ende des 2. Weltkrieges: Dieses Kapitel beschreibt die frühe Verdrängung des Widerstandes und die Anfänge der geschichtswissenschaftlichen Betrachtung durch Zeitzeugen.
1.1. Die Epoche der Mitlebenden – Zeugen berichten: Es wird analysiert, wie Historiker, die den Nationalsozialismus selbst miterlebt hatten, die ersten Werke zum Widerstand prägten.
1.2. Selektive Geschichtsbetrachtung in SBZ und DDR: Hier liegt der Fokus auf der anfänglichen Tolerierung und späteren ideologischen Umdeutung des Widerstandes in der sowjetischen Besatzungszone.
2 Perspektivenwechsel: Dieses Kapitel thematisiert die wissenschaftliche Revision und kritische Auseinandersetzung mit der bisherigen Forschung ab den 1960er Jahren.
2.1. In der Bundesrepublik wird Kritik laut: Es wird dargestellt, wie neue Historikergenerationen begannen, den konservativen Widerstand und dessen gesellschaftliche Motive kritisch zu hinterfragen.
2.2. Erbe und Tradition in der DDR: Das Kapitel behandelt die Instrumentalisierung von Geschichte durch das SED-Regime mittels der Unterscheidung von „Erbe“ und „Tradition“.
3 Die nächste Generation setzt neue Maßstäbe: Dieser Abschnitt beschreibt die methodische Erweiterung der Forschung durch Milieu- und Kulturgeschichte sowie neue ostdeutsche Deutungsansätze.
3.1. Begriffsentwicklung und Milieustudien: Die Ausdifferenzierung des Widerstandsbegriffs und die Hinwendung zur Alltags- und Regionalgeschichte stehen hier im Vordergrund.
3.2. Ostdeutsche „Koalition der Vernunft“: Hier wird die politisch motivierte Suche der DDR-Forschung nach historischen Vorläufern für zeitgenössische außenpolitische Entspannungsstrategien analysiert.
C Ausblick: Der Ausblick resümiert das heutige, umfassendere Verständnis des Widerstandes, weist jedoch auch auf das fortwährende Erbe der selektiven Wahrnehmung hin.
Schlüsselwörter
Widerstandsforschung, Nationalsozialismus, Geschichtsschreibung, 20. Juli 1944, Bundesrepublik, DDR, Konservativer Widerstand, SED-Regime, Geschichtsbewusstsein, Politische Instrumentalisierung, Milieustudien, Antifaschismus, Erinnerungskultur.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der vorliegenden Arbeit im Kern?
Die Arbeit untersucht, wie sich die wissenschaftliche Aufarbeitung des deutschen Widerstandes gegen den Nationalsozialismus in Ost- und Westdeutschland zwischen 1945 und der Gegenwart unterscheidet und welche politischen Faktoren diese Entwicklung beeinflusst haben.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Die Schwerpunkte liegen auf der frühen Nachkriegsverdrängung, der ideologisch geprägten Geschichtsschreibung der DDR sowie der kritischen Revision und methodischen Erweiterung der Widerstandsforschung in der Bundesrepublik.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es aufzuzeigen, wie Historiker und Politiker in beiden deutschen Staaten je nach zeitgenössischem Bedarf Widerstandsgruppen instrumentalisierten, um eigene politische Ziele zu stützen oder Legitimität zu erlangen.
Welche wissenschaftliche Methode wird angewandt?
Es handelt sich um eine rezeptionsgeschichtliche und historisch-kritische Analyse, die Fachliteratur sowie zeitgenössische geschichtswissenschaftliche Abhandlungen vergleicht.
Was ist der inhaltliche Fokus im Hauptteil?
Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung der frühen Phase der Zeitzeugenberichte, den kritischen Perspektivenwechsel in den 1960er Jahren und die Etablierung neuer methodischer Ansätze sowie politischer Deutungsmuster bis in die 1980er Jahre.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind unter anderem Widerstandsforschung, selektive Geschichtsschreibung, Kollektivschuld, Tradition, Milieustudien und die politische Instrumentalisierung des 20. Juli.
Welche Rolle spielten die Zeitzeugen in der frühen Forschung?
Historiker wie Gerhard Ritter, die selbst Zeitzeugen waren, prägten die frühe Forschung durch eine oft subjektive und mit der eigenen Biografie verwobene Perspektive auf den konservativen Widerstand.
Wie unterschied sich die DDR-Geschichtsschreibung von der westdeutschen?
Während im Westen nach einer kritischen Distanzierung das Spektrum der Widerstandsforschung breiter wurde, blieb die DDR-Geschichtsforschung lange Zeit einem engen, durch das SED-Regime vorgegebenen marxistisch-leninistischen Filter unterworfen, der Widerstand vornehmlich als antifaschistischen Kampf der Arbeiterklasse definierte.
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- Claudia Fröhling (Author), 2004, Widerstandsforschung - Selektive Geschichtsschreibung in BRD und DDR seit 1945, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/26149