Widerstandsforschung - Selektive Geschichtsschreibung in BRD und DDR seit 1945


Hausarbeit, 2004

14 Seiten, Note: 1 -


Leseprobe

Gliederung

A Einleitung

B
1 Die Situation nach Ende des 2. Weltkrieges
1.1. Die Epoche der Mitlebenden – Zeugen berichten
1.2. Selektive Geschichtsbetrachtung in SBZ und DDR
2 Perspektivenwechsel
2.1. In der Bundesrepublik wird Kritik laut
2.2. Erbe und Tradition in der DDR
3 Die nächste Generation setzt neue Maßstäbe
3.1. Begriffsentwicklung und Milieustudien
3.2. Ostdeutsche „Koalition der Vernunft“

C Ausblick

A Einleitung

Am 20. Juli 2004 jährt sich das von Claus Schenk Graf von Stauffenberg ausgeführte Attentat an Hitler zum 60. Mal. Fast genau so lange setzt sich die deutsche Geschichtsschreibung mit dem Ereignis auseinander. Der Rummel, den das Fernsehen in beinahe wöchentlich ausgestrahlten Filmen und Dokumentationen macht, zeigt ganz gut, wie prominent der konservative Widerstand von Historikern behandelt wurde und immer noch wird. Doch die Militärs waren nicht die einzigen, die gegen Hitler agierten: der Kreisauer Kreis, die rote Kapelle, die Kirche oder die Studenten – die Liste der Widerstandsgruppen ist lang. Nach der Teilung Deutschlands bewegte sich die Geschichtsschreibung in Ost und West in völlig verschiedene Richtungen, Objektivität fehlte besonders in den Anfangsjahren in beiden Staaten. Den Grund dafür muss man in erster Linie in der politischen Situation dieser Zeit sehen. Politiker wie Historiker in Ost und West bezogen sich meist auf jene Widerstandsgruppen, aus deren Motiven und Zielen heraus sie Orientierungen für die Gegenwart ableiten konnten.

Diese Arbeit soll die unterschiedlichen Aufarbeitungen der Widerstandsgeschichte in der Bundesrepublik und der DDR behandeln. Sie zeichnet die Entwicklung der Sichtweisen der Historiker ab dem Ende des Krieges bis heute nach.

B

1 Die Situation nach Ende des 2. Weltkrieges

Nach dem Krieg herrschte eine Verdrängung des Widerstandes vor. Den Alliierten lag nichts an einer Erinnerung an das „andere Deutschland“. Die NS-Herrschaft sollte aus den Köpfen der Deutschen verschwinden, Widerstand bildete dabei keine Ausnahme. Zusätzlich waren die propagandistischen Argumente der Nationalsozialisten noch präsent: Stauffenberg und seine Mitverschwörer hätten sich in letzter Minute retten wollen, Landesverrat sei begangen worden, der Zusammenbruch der Ostfront sei durch diese Handlungen beschleunigt worden und deutsche Soldaten hätten durch Spionage ihr Leben verloren.

Doch die Alliierten konnten weder die Erinnerungen derjenigen löschen, die die Konzentrationslager überlebt hatten, noch die der Freunde und Familien, deren Angehörige wegen offenen Widerstandes gegen Hitler – seien es die Männer des 20. Juli oder die Studenten der Weißen Rose - zum Tode verurteilt worden waren. Diese Menschen, Militärs wie Zivilisten, waren die ersten, die öffentlich Erinnerungsarbeit als Gedenken an ihre Helden begannen, obwohl sie dabei oft in der Bevölkerung auf Ablehnung stießen.[1]

Widerstand befand sich bis in die fünfziger Jahre hinein in einer Art Defensivhaltung, anerkannt wurde er von der breiten Masse noch nicht. Das zeigte damals unter anderem eine Umfrage des Allensbacher Instituts, nach der etwa die Hälfte der deutschen Bundesbürger es ablehnte, eine Schule nach Claus Schenk Graf von Stauffenberg zu benennen[2]. Trotzdem bot die Existenz eines Widerstandes die Möglichkeit, eine so genannte Kollektivschuld der Deutschen auszuschließen. Das ist wohl auch mit der Grund, warum in den ersten Jahren nach dem Krieg wichtige Werke von Historikern entstanden, die sich mit dem Nationalsozialismus und dem Widerstand auseinander setzten. Bereits 1945 schrieb Friedrich Meinecke „Die deutsche Katastrophe“, im Exil veröffentlichte Hans Rothfels „Die deutsche Opposition gegen Hitler“.

1.1. Die Epoche der Mitlebenden – Zeugen berichten

Wie bereits angedeutet, entstanden kurz nach 1945 die ersten geschichtswissenschaftlichen Abhandlungen zum Widerstand. Was die Besonderheit dieser Historiker war und was nach ihnen keiner mehr erreichen konnte, war die Tatsache, dass sie die NS-Herrschaft selbst miterlebt hatten und womöglich Widerstandskämpfer gekannt hatten. Das bekannteste Beispiel hierbei ist Gerhard Ritter, der 1954 sein Buch „Carl Goerdeler und die deutsche Widerstandsbewegung“ veröffentlichte. Ritter war mit Goerdeler befreundet gewesen, war zwar am Attentat am 20. Juli nicht beteiligt, gehörte aber der Widerstandsgruppe an. Ritter wurde wie Goerdeler verhaftet und die beiden Männer sahen sich kurz vor Goerdelers Hinrichtung noch einmal. So ist es wenig verwunderlich, dass Gerhard Ritter in seinem Buch bewusst diese Gruppe von Verschwörern in den Mittelpunkt stellt, ja gar Goerdeler als Zentralfigur der Widerstandsbewegung überschätzt[3].

Sechs Jahre vor Ritter veröffentlichte der damals in Chicago lehrende Hans Rothfels den ersten Beitrag zur deutschen Widerstandshistorie: „The german opposition to Hitler“. 1964 wurde das Buch ins Deutsche übersetzt. Auch Rothfels war ein „Kind seiner Zeit“. Beim Blick auf seine Biographie wird klar, warum auch er den Fokus auf die Verschwörung der Männer des 20. Juli setzte. Er war ein Schüler Friedrich Meineckes, wandte sich aber bald intellektuell von seinem Lehrer ab, war eher anti-liberal und konservativ eingestellt. Seine Geschichtsschreibung war meist politisch motiviert. Rothfels war Jude, Wahlpreuße und ging überzeugt als Soldat in den 1. Weltkrieg, aus dem er schwer verwundet heimkehrte. Das Verdienst im Krieg war auch der Grund, warum Rothfels nach der „Machtergreifung“ von den Nationalsozialisten nicht verfolgt wurde. Jedoch wurde er als Professor in Königsberg immer wieder von Kollegen und Vorgesetzten geschnitten, so dass er sich schließlich zur Emigration entschied.

[...]


[1] Toyka-Seid, Widerstand gegen Hitler, S.572

[2] Steinbach, Widerstandsforschung, S. 597

[3] Ritter, Goerdeler, aus dem Vorwort von Theodor Eschenburg, S. 5

Ende der Leseprobe aus 14 Seiten

Details

Titel
Widerstandsforschung - Selektive Geschichtsschreibung in BRD und DDR seit 1945
Hochschule
Katholische Universität Eichstätt-Ingolstadt  (Geschichts- und Gesellschaftswissenschaftliche Fakultät)
Note
1 -
Autor
Jahr
2004
Seiten
14
Katalognummer
V26149
ISBN (eBook)
9783638285704
Dateigröße
472 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Parallele Forschung zum Widerstand in Ost und West anhand von ausgewählten Abhandlungen von u.a. Hans Rothfels, Hans Mommsen zwischen 1945 und heute
Schlagworte
Widerstandsforschung, Selektive, Geschichtsschreibung
Arbeit zitieren
Claudia Fröhling (Autor), 2004, Widerstandsforschung - Selektive Geschichtsschreibung in BRD und DDR seit 1945, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/26149

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