Hitlers Kriegsziele - Kontinentalhegemonie oder Weltherrschaft?


Hausarbeit (Hauptseminar), 2001

32 Seiten, Note: 1


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung
1.1. Fragestellung
1.2. Quellenlage
1.3. Forschungsstand

2. Die „kontinentale Stufe“
2.1. Die „Neuordnung Europas“ in „Mein Kampf“ und in der Praxis
2.1.1. Die Revision des Versailler Vertrages
2.1.1.1. Rüstungsbeschränkungen
2.1.1.2. Territorialfragen
2.1.2. Die Wiederherstellung der Großmacht Deutschland
2.2. Die europäischen Großmächte
2.2.1. Der Lebensraum im Osten
2.2.2. Todfeind Frankreich
2.2.3. Die Verbündeten: England und Italien
2.3. Zusammenfassung: Europas neue Ordnung

3. Die „Übersee – Stufe“
3.1. Weltmachtstatus
3.1.1. Der vorübergehende Verzicht
3.1.2. Weltmacht Deutschland
3.2. Kolonialpolitik
3.2.1. Die Kolonialfrage in „Mein Kampf“
3.2.2. Die Kolonialfrage in der Tagespolitik
3.2.2.1. Kolonien als Lockmittel: 1933 – 1937
3.2.2.2. Kolonien als Druckmittel: 1937 – 1939
3.2.3. Die Kolonialfrage im Krieg
3.2.3.1. Hitlers Position
3.2.3.2. Der „Kontinentalblock“ – Gedanke
3.3. Zusammenfassung: Weltmacht Deutschland

4. Die "Weltherrschaft"
4.1. Der „Wanderpokal“ und die „jüdische Weltverschwörung"
4.2. Architektur als Ausdruck von Weltherrschaftsambitionen
4.3. Der Endkampf um die Weltherrschaft

5. Zusammenfassung
5.1. Stufe I: Europa
5.2. Stufe II: Übersee
5.3. Stufe III: Die Welt
5.4. Fazit

6. Literatur

1. Einleitung

1.1. Fragestellung

Thema dieser Arbeit sind die Kriegsziele Adolf Hitlers unter besonderer Berücksichtigung der Frage, inwieweit Hitler die Errichtung einer globalen Machtstellung des Deutschen Reiches anvisierte, mit welchen Mitteln er eine solche zu erreichen hoffte und vor allem, wie das Endresultat dieses Kampfes aussehen sollte: Das deutsche Reich als Beherrscher Europas nach der Niederringung der Sowjetunion und Frankreichs; als Weltmacht in Konkurrenz zu den bereits etablierten oder als Beherrscher der Welt ?

Es wird dabei von der These ausgegangen, daß die Erlangung der Kontinentalhegemonie das Minimalziel Hitlers darstellte (Kap. 2). Nach der von Trevor-Roper begründeten Theorie des „Programms“ oder „Stufenplans“[1] behandeln die folgenden Kapitel die weitergehenden Pläne bis hin zum Gedanken des „Endkampfes“ um die Weltherrschaft (Kap. 3 und 4). Während hierbei hauptsächlich Hitlers Aussagen in seinen Schriften und Reden herangezogen werden, soll in Kap. 5 der Versuch unternommen werden, das Festhalten Hitlers an diesem Programm während der Kriegsjahre nachzuzeichnen und ein Fazit aus dem gesammelten Material zu ziehen.

1.2. Quellenlage

Das Thema dieser Arbeit beruht hauptsächlich auf Quellen aus Hitlers eigener Feder, namentlich seine Schriften aus den zwanziger Jahren – „Mein Kampf“ und das unbetitelte „zweite Buch“ – sowie auf Reden, Befehle, Weisungen u.ä. aus der Zeit bis in den Krieg hinein. Als nichtschriftliche im eigentlichen Sinne, aber ebenfalls direkt auf Hitler zuruckzuführende Quellen werden auch die Architektur-planungen berücksichtigt.

Als Sekundärquellen dienten mir vor allem spezifische Aufsätze zum Thema der Arbeit oder zu einzelnen Bereichen. Bücher, die sich ausschließlich mit Hitlers Endzielen beschäftigen, sind nicht sehr zahlreich; hierbei habe ich mich vor allem auf die Forschungen von Jochen Thies zu diesem Thema gestützt[2], ferner zog ich das populärwissenschaftliche Buch "Wenn Hitler den Krieg gewonnen hätte" von Giordano hinzu[3]. Für einen Teil der Gesamtfragestellung, nämlich die Errichtung eines deutschen Weltreiches mit überseeischen Besitzungen, stellt Hildebrands Buch „Vom Reich zum Weltreich“[4] die wichtigste Grundlage dar. Als Zeitzeuge aus Hitlers engstem Umfeld gewinnen die Memoiren Speers besonders für das Thema der NS-Architektur an Bedeutung[5].

1.3. Forschungsstand

Die Frage nach Hitlers Kriegszielen ist noch nicht eindeutig beantwortet. Erhalten geblieben sind aus der Zeit des Dritten Reiches zahlreiche mehr oder weniger konkrete Planungen, die zumindest auf das Ziel eines deutschen Weltreiches hinweisen; strittig ist jedoch die Frage, ob dieses oder gar das höhergesteckte Ziel der Welt herrschaft zu Hitlers unerschütterlichen Grundgedanken zählten, ob sie aus Notwendigkeit oder Enthusiasmus entstanden oder vielleicht nur Planspiele darstellten. Kurz gesagt, ist das Hauptproblem, eine direkte Kontinuität zwischen Hitlers Theorien und den später erfolgten praktischen Maßnahmen nachzuweisen, um damit seinen unzweideutigen Ausführungen in den zwanziger Jahren, die auf die Absicht zur Herrschaft über den Rest der Welt hinweisen, den Anschein bloßer Gedankenspielerei abnehmen zu können. Diese Frage nach der Kontinuität ist von zentraler Bedeutung, denn wenn Hitler tatsächlich seine politischen und militärischen Entscheidungen nur aus der jeweiligen Situation heraus getroffen hätte, würde sich die Frage nach einem Programm oder "Endzielen" gar nicht erst stellen. Diese Forschungsmeinung von Hitler als Opportunisten gilt allerdings mittlerweile als überholt; die Programmatik in seinem Denken und Handeln wird als gegeben erachtet[6]. Je weiter sich die Kriegszielvorstellungen aber von der kontinentalen Ebene entfernen und sich einem globalen Konzept nähern, desto schwieriger wird eine „Beweisführung“.

2. Die „kontinentale Stufe“

2.1. Die „Neuordnung Europas“ in „Mein Kampf“ und in der Praxis

Die Ausführungen, die Adolf Hitler in „Mein Kampf“ hinsichtlich seiner zukünfrigen Europapolitik gemacht hat, sind so deutlich formuliert, daß sie keinen Zweifel zulassen: Das vornehmliche Ziel ist die Kontinentalhegemonie im Sinne der Erweiterung des deutschen Lebensraumes unter Ausschaltung der jeweiligen Feinde. Im folgenden werden die Schritte, die zu diesem Ziel führen, im Hinblick auf ihre Formulierung in der Theorie und auf ihre spätere Realisierung erörtert.

2.1.1. Die Revision des Versailler Vertrages

Bevor Deutschland an eine solche agressive Politik überhaupt auch nur denken konnte, mußte es sich von seiner schwachen Position, in der es sich durch die harten Bestimmungen des Versailler Friedensvertrages befand, loslösen. Diese Voraussetzung war Hitler ebenso klar wie die Gefahr, die in einem solchen Vorgehen bestand. Im wesentlichen waren es die militärischen und territorialen Bestimmungen, die für Hitlers Ziele revidiert werden mußten.

2.1.1.1. Rüstungsbeschränkungen

Die durch den Versailler Vertrag auferlegten Rüstungsbeschränkungen schlossen eine deutsche Großmachtpolitik weitestgehend aus und beließen dem Deutschen Reich nicht einmal die Möglichkeit zur Selbstverteidigung durch die zahlenmäßige Beschränkung des Heeres auf 100.000 Mann sowie das Verbot moderner Waffen wie Panzer, Flugreuge, schwere Artillerie oder moderne Kriegsschiffe. In dieser Situation hätte das Deutsche Reich einem Angriff Frankreichs sowieso nicht, aber auch nicht einem Angriff Polens oder der Tschechoslowakei, die im Übrigen mit Frankreich verbündet waren, standhalten können. Für Hitlers Revisions-bestrebungen fehlte damit auch das Militär als Druckmittel.

Daher war der vordringlichste Schritt, den Hitler zu machen gedachte, der Wiederaufbau eines schlagkräftigen Heeres, denn nur mit einem solchen könne Außenpolitik betrieben werden: „Denn unterdrückte Länder werden nicht durch flammende Proteste in den Schoß eines gemeinsamen Reiches zurückgeführt, sondern durch ein schlagkräftiges Schwert“[7]. Die Anschauung, daß außenpolitische Ziele nur durch militärische Macht zu erreichen wären, zieht sich wie ein roter Faden durch Hitlers gesamtes Buch. Der Aufbau dieser militärischen Macht war also unbedingte Voraussetzung aller weiteren Schritte. Dementsprechend schnell leitete Hitler den Aufbau der Wehrmacht ein, nämlich 4 Tage nach der „Machtergreifung“ in der Ansprache vor den Generälen: „Aufbau der Wehrmacht wichtigste Voraussetzung für Erreichung des Zieles: Wiedererringung der pol. Macht“ für die „Eroberung neuen Lebensraumes im Osten und dessen rücksichtslose Germanisierung“[8]. Nach 2 Jahren der geheimen Aufrüstung und Weiterführung geheimer Projekte aus der Weimarer Zeit wurde mit dem „Gesetz für den Aufbau der Wehrmacht“ vom 16.3.1935 die deutsche Militärmacht offiziell wieder ins Leben gerufen.

Den Bemühungen des Völkerbundes, mittels der Genfer Abrüstungskonferenz seit 1932 allgemeinverbindliche Rüstungsbeschränkungen zu verwirklichen, sperrte Hitler sich, indem er 1934 aus dem Völkerbund austrat. Da die Forderungen Deutschlands auf militärische Gleichberechtigung bei der Abrüstungskonferenz auf Zustimmung stieß und die Siegermächte zu Zugeständnissen an die deutsche Wiederaufrüstung bereit waren[9], zeigte dieser Schritt, daß es Hitler nicht um Selbstschutz oder Gleichberechtigung des Reiches ging, sondern um eine planmäßige Steigerung der militärischen Schlagkraft außerhalb multilateraler Verpflichtungen.

2.1.1.2. Territorialfragen

Nachdem das deutsche Reich 1919 große Teile seines Staatsgebietes abtreten mußte, entwickelte sich die Forderung der Wiederherstellung der Grenzen von 1914 zu einer politischen Leitlinie, die nicht nur von konservativen Parteien verfolgt wurde. Ein „Ostlocarno“, also die vertragliche Garantie der neuen deutschen Ostgrenze gegenüber Polen, wurde von den Weimarer Regierungen abgelehnt.

Hitler dagegen plante keine Revision der Territorialbestimmungen im Sinne der Vorkriegsgrenzen, sondern betrachtet diese als „politischen Unsinn von Ausmaßen und Folgen, die ihn als Verbrechen erscheinen lassen“, da sie „weder vollständig in bezug auf die Zusammenfassung der Menschen deutscher Nationalität noch vernünftig in Hinsicht auf ihre militärgeographische Zweckmäßigkeit waren“[10]. Diesen „Mißstand“ beseitigte er im Vorfeld des Krieges durch die Annexion Österreichs und des Sudetenlandes 1938. Der „militärgeographischen Zweckmäßigkeit“ trug er durch die Besetzung der Tschechei und durch den Verzicht auf Südtirol Rechnung: Zum Zwecke der Verständigung mit dem gewünschten Bündnispartner Italien ließ Hitler also eine Anzahl Deutscher außerhalb der Reichsgrenzen, während gleichzeitig der Großteil der tschechoslowakischen Bevölkerung sich innerhalb derselben wiederfand. Diese Vorgehensweise war aus nationalsozialistischer oder „völkischer“ Betrachtungsweise scheinbar widersinnig, diente jedoch unmittelbar dem Hauptziel der kontinentalen Ebene, der Erweiterung des deutschen „Lebensraumes“ nach Osten. Mit der Errichtung des „Protektorates Böhmen und Mähren“ und der daraus folgenden Inbesitznahme der tschechischen Befestigungsanlagen gelang Hitler die Ausschaltung einer gefährlichen Flankenbedrohung und durch die Verkürzung der Ostgrenze die Verbesserung der Aufmarschbasis für die zukünftigen Operationen. Die Forderung nach Zusammen-fassung aller Deutschen im Reichsgebiet entpuppt sich hier als reines Alibi für die ersten Schritte zum Eroberungskrieg.

2.1.2. Die Wiederherstellung der Großmacht Deutschland

Durch die in den letzten Punkten behandelten Schritte gelang es Hitler, ohne Anwendung von Gewalt – wohl aber durch massive Androhung derselben – die wesentlichsten Bestimmungen des Verailler Vertrages zu revidieren, teils auf dem Verhandlungswege wie beim Münchner Abkommen, teils durch die Schaffung vollendeter Tatsachen wie bei der Verkündung der Wehrhoheit 1935. Bis zum Jahre 1939 war das Deutsche Reich, ohne daß es zu ernsthaften Interventionen der Siegermächte kam, wieder in den Rang einer Großmacht gerückt. Diese fast vollständige Beseitigung der Versailler Bestimmungen bedeutete für die meisten Revisionisten die Erreichung des Hauptzieles deutscher Außenpolitik, für Hitler jedoch erst den Anfang. Der Aufbau der Wehrmacht hatte das Reich aus seiner Wehrlosigkeit herausgelöst; nun aber sollte diese dazu dienen, die Machtbasis Deutschlands zu vergrößern und es zur Hegemonie über Europa zu führen.

2.2. Die europäischen Großmächte

2.2.1. Der „Lebensraum im Osten“

Das Hauptproblem des deutschen Volkes war für Hitler der zu kleine Bodenbesitz und die daraus resultierende unsichere Ernährungsgrundlage; also ein Mißverhältnis zwischen der Anzahl der Quadratkilometer an Bodenfläche und der Bevölkerungszahl, welches, wenn es nicht in ein „gesundes“ Verhältnis umgewandelt werden könne, zur physischen Vernichtung des Volkes durch Hungerkatastrophen führen müsse[11]. Dieses „gesunde“ Verhältnis zu schaffen, sei das Ziel der Außenpolitik des „völkischen Staates“[12].

Um dieses Ziel zu erreichen, nannte Hitler 4 Vorgehensweisen: 1. Geburten-beschränkung bzw. Auswanderung, 2. die innere Kolonisation (d.h. Steigerung der Nahrungsproduktion), 3. durch Exportwirtschaft Schaffung von Devisen zum Erwerb der fehlenden Nahrungsmitel und 4. den Erwerb neuen Grund und Bodens.

Geburtenbeschränkung und Auswanderung wären abzulehnen, da beide Methoden dem Volkskörper Schaden zufügten. Die innere Kolonisation stieße früher oder später an ihre Grenzen, und die Sicherung der Ernährung im Wirtschaftswettbewerb sei unsicher und führe zu Feindschaften[13]. Der wesentlich bessere Weg wäre der Erwerb neuen Grund und Bodens, der den Volkskörper nicht schädige, sondern stärke und nicht von den Schwankungen der Wirtschaft abhinge. Daß dieser neue Grund und Boden mit Gewalt erkämpft werden müsse, war Hitler dabei klar: „Dazu allerdings braucht ein Volk Waffen. Denn Bodenerwerb ist immer mit Machteinsatz verbunden.“[14] Ebenso klar war für ihn, daß diese Politik „nicht etwa in Kamerun ihre Erfüllung finden [könne], sondern heute fast ausschließlich nur mehr in Europa“[15] – eine klare, in anderen Teilen von „Mein Kampf“ weiter ausgeführte Absage an die koloniale Handelspolitik der Vorkriegszeit. Wo in Europa der zu erwerbene Boden zu finden sei, stellt Hitler gleichfalls klar: „Wenn wir aber heute in Europa von neuem Grund und Boden reden, können wir in erster Linie nur an Rußland und die ihm untertanen Randstaaten denken.“[16] Zusammenfassend zeigt sich, daß das außenpolitische Ziel Hitlers in Europa der gewaltsame Erwerb neuen Territoriums auf Kosten der Sowjetunion war, und zwar schon lange Zeit vor der „Machtergreifung“.

2.2.2. Todfeind Frankreich

Die Zerschlagung der Sowjetunion und die Annexion ihrer europäischen Gebiete hätte die Machtposition Deutschlands dramatisch gesteigert und es in wirtschaftlicher und militärischer Hinsicht zur undbestreitbaren Vorherrschaft in Europa geführt. Frankreich jedoch mußte laut Hitler vorher zerschlagen werden: „Denn darüber muß man sich endlich vollständig klar werden: Der unerbittliche Todfeind des deutschen Volkes ist und bleibt Frankreich ... Frankreich [wünscht] aber keine Macht, die Deutschland heißt ... !“[17] Weil Hitler sowohl die Wiederaufrüstung des Reiches unter Bruch des Versailler Vertrages als auch die geplanten Eroberungszüge im Osten als Akt der Verteidigung ansah, da das deutsche Volk nur um sein ihm zustehendes Lebensrecht kämpfe, rückte Frankreich – als offener Gegner der NS-Politik – in die Rolle der Macht, die das deutsche Volk am Überlebenskampf zu hindern versuchte und, in der Konsequenz, es zu vernichten trachtete. Daher stellte er die sozusagen „präventive“ Vernichtung Frankreichs als unabdingbaren Bestandteil in den Gesamtrahmen des deutschen „Lebenskampfes“.

Was mit Frankreich nach dessen Zerschlagung geschehen sollte, führte Hitler nicht deutlich aus; zumindest aber wäre Frankreich als Großmacht auszuschalten gewesen.

2.2.3. Die Verbündeten: England und Italien

Damit das Deutsche Reich auf dem Weg zur Eroberung Rußlands nicht einer erneuten Koalition der anderen Großmächte entgegenstand, der es wie im I. Weltkrieg nicht würde standhalten können, galt es, die Koalition der Siegermächte aufzubrechen und Verbündete zu gewinnen. Diese sollten Italien und Großbritannien sein. Hitler führte für beide Staaten Gründe an, die seiner Ansicht nach für eine Zusammenarbeit sprachen:

- In „Mein Kampf“ führt Hitler die Feindschaft Großbritanniens auf die wilhelminische Kolonial- und besonders die Flottenpolitik zurück, die eine fundamentale Bedrohung der britischen Handels- und Seeherrschaftsinteressen darstellte und daher von Großbritannien nicht toleriert werden konnte. Durch den Verzicht auf eine solche Politik, also den Ersatz des Kolonieerwerbs durch die Eroberung des „Lebensraums im Osten“, und auf den Bau einer Hochseeflotte, glaubte Hitler alle Reibungsflächen zwischen den beiden Staaten zu beseitigen.[18]
- Im Falle Italiens postulierte Hitler Spannungen zwischen Italien und Frankreich, die auf eine gewissermaßen „natürliche“ Bündnissituation führen müsse. Die Feindschaft Italiens im I. Weltkrieg führte Hitler allein auf die Todfeindschaft zwischen Italien und Österreich-Ungarn zurück.[19]

[...]


[1] Hugh Trevor-Roper, Hitlers Kriegsziele, in: W. Michalka (Hrsg.), Nationalsozialistische Außenpolitik, Darmstadt 1978, S.31ff.

[2] Jochen Thies, Architekt der Weltherrschaft, Düsseldorf 1976. Eine Zusammenfassung dieser Ergebnisse liegt in Thies´ Aufsatz "Hitlers 'Endziele'", in: Michalka, Außenpolitik, S.49ff., vor.

[3] Ralph Giordano, Wenn Hitler den Krieg gewonnen hätte, Hamburg 1989

[4] Klaus Hildebrand, Vom Reich zum Weltreich, München 1969.

[5] Albert Speer, Erinnerungen, Frankfurt a.M. 1969

[6] Hildebrand., S.191f.

[7] Christian Zentner, Adolf Hitlers Mein Kampf, München 1974, S.125.

[8] Walther Hofer, Der Nationalsozialismus, Frankfurt a.M. 1957, S.180f.

[9] Hans-Adolf Jacobsen, Nationalsozialistische Außenpolitik 1933-1938, Frankfurt a.M.-Berlin 1968, S.396f.

[10] Zentner, S.129.

[11] ebd., S.122.

[12] ebd., S.129ff. – Ein konkretes Zahlenverhältnis, das einen „gesunden“ Zustand darstellt, wurde von Hitler nie genannt; wohl aber verglich er das Verhältnis des deutschen Volkes zu seiner Grundfläche bei vielen Gelegenheiten mit dem anderer Großmächte, so etwa am 1.1.1921 im „Völkischen Beobachter“: „Daß in Rußland auf jeden erwachsenen Russen 18mal soviel Grund und Boden trifft wie auf jeden Deutschen überhaupt, daß England 43 Kriege geführt hat, um heute, obwohl es nur 52 Millionen Einwohner zählt, drei Viertel der ganzen Welt zu beherrschen, will niemand wissen.“, nach Thies, S.43. Ähnliche Aussagen lassen sich bis zum Ende des dritten Reiches an zahlreichen Stellen finden.

[13] IfZ (Institut für Zeitgeschichte), Hitlers zweites Buch, Stuttgart 1961, S.46-62.

[14] ebd., S.62.

[15] Zentner, S.123.

[16] ebd., S.131f.

[17] ebd., S.127.

[18] ebd., S.126ff.

[19] ebd., S.121.

Ende der Leseprobe aus 32 Seiten

Details

Titel
Hitlers Kriegsziele - Kontinentalhegemonie oder Weltherrschaft?
Hochschule
Carl von Ossietzky Universität Oldenburg  (Fakultät IV)
Veranstaltung
Hauptseminar: Der Weg in den Krieg
Note
1
Autor
Jahr
2001
Seiten
32
Katalognummer
V26164
ISBN (eBook)
9783638285858
Dateigröße
520 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
"Lebensraum im Osten", Kolonialimperium oder Herrschaft über den Rest der Welt? Die Frage, welche Rolle Deutschland in der Welt der Zukunft nach Hitlers Vorstellungen spielen und wie das Schicksal der anderen Mächte aussehen sollte, bildet den Kern dieser Arbeit.
Schlagworte
Hitlers, Kriegsziele, Kontinentalhegemonie, Weltherrschaft, Hauptseminar, Krieg
Arbeit zitieren
Maik Nolte (Autor:in), 2001, Hitlers Kriegsziele - Kontinentalhegemonie oder Weltherrschaft?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/26164

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