Schwangerschaft und Geburt verlaufen seit Tausenden von Jahren nach dem selben Muster. Die weibliche Eizelle wird vom männlichen Sperma befruchtet, dies geschah und geschieht auch heute zumeist noch durch Geschlechtsverkehr. Doch scheint sich im 20. Jahrhundert ein Wandel in der Befruchtung, im Verleben der Schwangerschaft und bei der Geburt vollzogen zu haben. Eine Technisierung im Sektor Fortpflanzung hat Einzug genommen. Diese hat viele Gesichter. Die gesellschaftliche Debatte, über die Antibabypille, die in den 50ern begann, aber auch danach noch leidenschaftlich geführt wurde, verstummte und wurde ersetzt mit Diskussionen über das erste Retortenbaby1, durch Samenbanken, Klonen oder Leihmutterschaft. Von den Einen verteufelt, eröffnen diese technischen Neuerungen für die Anderen ungeahnte Türen. So bedeutet die männliche oder die weibliche Unfruchtbarkeit nicht mehr ein endgültiges Aus in Hinsicht auf eigene leibliche Kinder. Eine Schwangerschaft wird planbarer und auch nach der Menopause ist es nicht mehr ausgeschlossen zu gebären, das bietet neue weibliche Horizonte an.
Diese Seminararbeit soll zunächst einen kurzen Überblick über zwei Verhütungsmethoden geben und soll sich dann um die künstliche Befruchtung drehen. Hierbei werden zuerst verschiedene Methoden der Befruchtung vorgestellt, um dann zu Klären welche Frauen sich einer künstlichen Befruchtung unterziehen, welche emotionalen Kosten dabei eine Rolle spielen und schließlich wieviel Geld sie dafür zahlen müssen. Ein Aspekt der Künstlichen Befruchtung sind die Mehrlingskinder, auf diese werde ich auch ein Augenmerk legen.
Da in Deutschland einige Methoden der Fortpflanzungsmedizin verboten sind, will ich einen Blick auf das europäische Ausland werfen, um die Gegebenheiten dort darzustellen. Schlußendlich sollen eventuelle Zukunftsperspektiven aufgezeigt werden, bevor ich mit einem Schlusswort enden werde.
Inhaltsverzeichnis
0. Einleitung
1. Pille & Co.
2. Wenn der Kinderwunsch versagt bleibt
3. Medizinische Verfahren
2.1. In-vitro-Fertilisation (IVF)
2.2. Intracytoplasmatische Spermieninjektion (ICSI)
2.3. In-vitro-Maturation
4. Die Samenbank
5. Welche Patientinnen lassen sich behandeln?
6. Emotionale Kosten
6.1. Der unerwünschte Kinderwunsch als Belastung für die Frau
6.2. „Du musst es versuchen“
7. Die Kosten für eine IVF- Behandlung
8. Mehrlingskinder
8.1„Und plötzlich waren`s zwei“
8.2 Der Fetozid
9. Das Ausland lockt
9.1. Die Eizellenspende
9.2. Der Blastozystentransfer
9.3. Baby à la carte
9.4. Die Leihmutterschaft
10. Zukunftsperspektive?
10.1 Trennung von Sex und Fortpflanzung
10.2. Das Klonen
10.3 Menschliches Rattensperma?
11. Schlusswort
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die zunehmende Technisierung der Fortpflanzung und deren Auswirkungen auf die Gesellschaft und das Individuum. Die Forschungsfrage fokussiert dabei auf die medizinischen Methoden, die damit verbundenen emotionalen und finanziellen Belastungen für Frauen sowie die ethischen Herausforderungen in einem rechtlich regulierten Kontext.
- Technisierung und Veränderung menschlicher Fortpflanzungsprozesse
- Emotionale und psychische Belastungen bei unerfülltem Kinderwunsch
- Finanzielle Aspekte und gesundheitspolitische Rahmenbedingungen von IVF-Behandlungen
- Risiken der Reproduktionsmedizin, insbesondere im Hinblick auf Mehrlingsschwangerschaften
- Ethische und rechtliche Grenzfragen durch neue Reproduktionstechnologien
Auszug aus dem Buch
6.2 „Du musst es versuchen“
Alle Frauen, die Sarah Franklin über ihre IVF interviewt hat, sagten aus, dass sie diese Technologie hätten wahrnehmen müssen, da sie alles menschenmögliche versucht haben wollten, um sicherzugehen, dass sie nicht doch durch z.B. die IVF ein Kind hätten gebären können. Doch zugleich zeigten die Frauen an, dass sie ihre Erfolgschancen als gering ansähen. Es fallen Kommentare über die IVF wie: „Es ist wie beim Lotto“ oder „Es ist ein Glücksspiel, ein Roulette“. Die befragten Frauen schilderten die IVF als sehr emotional, v.a wenn sie den Embryonentransfer mit auf einem Bildschirm verfolgen können. Die eigenen potentiellen Babys werden in die Gebärmutter eingepflanzt und frau kann dabei zusehen. Wer würde diesen Moment, nach Hoffen, Bangen und enttäuscht werden wegen des Kinderwunsches nicht als emotional ansehen? Und wer wäre dann nicht sehr traurig, wenn sich wieder kein Embryo eingenistet hätte?
Einige Frauen gaben an, dass sie nur noch im Zwei-Wochen-Rhythmus denken würden. Das bedeutet: zwischen einem Embryonentransfer und der niederschmetternden Periode liegen ca. zwei Wochen, bis ein neuer IVF – Versuch gestartet werden kann sind es auch ca. wieder zwei Wochen. Dieses verkrampfte Denken führt bei einigen dazu, alles andere, was nicht mit dem Babywunsch zu tun hat, als unwichtig abzustempeln, so z.B. die eigene Karriere. Eine Frau sagt aus: „Ich habe mich entschieden, dass mich meine Karriere nicht mehr interessiert“. Oder die Partnerschaft wird auf eine Zerreißprobe gestellt, weil sich alles nur noch um die Befruchtung dreht. Aus der Spirale der IVF wieder heraus zu kommen ist nicht einfach, weil man sich immer sagen kann, dass es vielleicht beim nächsten Mal von Erfolg gekrönt sein wird. „Der Wunsch weiterzumachen überlebt, aber der Wille dies auch wirklich zu tun wird schwächer“. So beschreibt Franklin den Weg, um mit der IVF aufzuhören. Bemerkenswert ist, dass alle interviewten Frauen einen festen Glauben in diese Technologie zeigten, obwohl die Erfolgschancen doch eher gering sind. Der eigene Mißerfolg trage schließlich zur Verbesserung der Technologie bei. Der Glaube an die Technik bringt die Frauen so weit, dass sie jeder anderen Frau auch empfehlen würden diese auszuprobieren, auch wenn sie Leid als Nebenfaktor mit sich bringt.
Zusammenfassung der Kapitel
0. Einleitung: Die Arbeit gibt einen Überblick über die zunehmende Technisierung der Fortpflanzung und umreißt die behandelten Schwerpunkte von Methoden bis hin zu ethischen Fragen.
1. Pille & Co.: Das Kapitel thematisiert die gesellschaftlichen Folgen der Antibabypille und diskutiert die Verschiebung des Gebärendenalters sowie moderne Verhütungstrends.
2. Wenn der Kinderwunsch versagt bleibt: Es wird die statistische Verbreitung von Unfruchtbarkeit analysiert und darauf hingewiesen, wie sich die Sichtweise auf die Ursachen im Laufe der Zeit gewandelt hat.
3. Medizinische Verfahren: Hier werden technische Ansätze wie IVF, ICSI und In-vitro-Maturation erklärt, wobei deren Wirkungsweise und Grenzen in Deutschland beleuchtet werden.
4. Die Samenbank: Das Kapitel untersucht die Nutzung von Spendersamen sowie die Problematik der Anonymität und des Rechts auf Herkunftsidentität.
5. Welche Patientinnen lassen sich behandeln?: Es werden Altersstrukturen von Patientinnen sowie der Zusammenhang zwischen dem Alter der Frau und der Erfolgschance bei IVF-Behandlungen dargestellt.
6. Emotionale Kosten: Der Fokus liegt auf der psychischen Belastung durch unerfüllten Kinderwunsch und der Bewältigung dieser Krise durch Foren und Beratung.
7. Die Kosten für eine IVF- Behandlung: Die finanziellen Hürden der Behandlungen in Deutschland und internationale Vergleichsmöglichkeiten im Ausland werden thematisiert.
8. Mehrlingskinder: Es wird die durch Reproduktionsmedizin gestiegene Rate an Mehrlingsgeburten und die damit verbundenen gesundheitlichen Risiken für Mutter und Kind diskutiert.
9. Das Ausland lockt: Das Kapitel analysiert, warum Paare für Eizellenspenden oder weiterführende medizinische Optionen (Blastozystentransfer) ins europäische Ausland ausweichen.
10. Zukunftsperspektive?: Zukunftsvisionen zur Trennung von Sex und Fortpflanzung sowie ethische Bedenken zum Klonen und zu neuen biologischen Experimenten werden skizziert.
11. Schlusswort: Das Fazit betont die Notwendigkeit, trotz technischer Fortschritte in der Reproduktionsmedizin den ganzheitlichen Menschen in den Mittelpunkt zu stellen.
Schlüsselwörter
Fortpflanzungsmedizin, In-vitro-Fertilisation, Unfruchtbarkeit, Leihmutterschaft, Eizellenspende, Emotionale Kosten, Mehrlingsschwangerschaft, Embryonenschutzgesetz, Reproduktionstechnik, Ethik, Familienplanung, Kinderwunsch, ICSI, Zukunftsperspektiven.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beleuchtet die medizinischen, psychologischen und gesellschaftlichen Facetten der modernen Reproduktionsmedizin und deren zunehmende Rolle bei der Erfüllung von Kinderwünschen.
Welche zentralen Themenfelder werden abgedeckt?
Die Schwerpunkte liegen auf medizinischen Verfahren (IVF, ICSI), emotionalen Belastungen für Betroffene, finanziellen Aspekten, ethischen Fragen zur Eizellenspende und Leihmutterschaft sowie zukunftsorientierten Visionen.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, einen Überblick über den Stand der Reproduktionsmedizin zu geben und aufzuzeigen, wie stark die Technisierung das Leben von Paaren beeinflusst und welche Konsequenzen dies mit sich bringt.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Die Arbeit nutzt eine Literaturanalyse, um den aktuellen Stand der Forschung und ethische Debatten basierend auf wissenschaftlichen Publikationen und Berichten darzustellen.
Was wird im Hauptteil schwerpunktmäßig behandelt?
Der Hauptteil widmet sich detailliert verschiedenen Befruchtungstechniken, den psychischen Krisen bei erfolglosen Versuchen sowie den Problematiken rund um Mehrlingskinder und die rechtliche Situation im In- und Ausland.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Die zentralen Begriffe sind Fortpflanzungsmedizin, Reproduktionstechnologien, Ethik, Unfruchtbarkeit, emotionale Kosten und rechtliche Rahmenbedingungen.
Warum ist die psychologische Betreuung bei Kinderwunschbehandlungen so schwierig?
Obwohl gesetzlich vorgesehen, wird diese oft nur auf ein Minimum reduziert, und viele Paare scheuen den Schritt zur psychologischen Hilfe, da sie dies als Eingeständnis einer Niederlage empfinden.
Welche ethische Problematik ergibt sich aus der Leihmutterschaft?
Die Leihmutterschaft löst Empörung aus, da sie Planung und Vermarktung der Schwangerschaft beinhaltet, was gesellschaftlich als Abgabe natürlicher mütterlicher Aufgaben an Dritte wahrgenommen wird.
- Quote paper
- Silke Weber (Author), 2004, Die Empfängnis im gesellschaftlichen und technischen Kontext, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/26206