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„Jeder Türke wird als Baby geboren“. Kriegsdienstverweigerung in der Türkei als soziale Bewegung?

Titel: „Jeder Türke wird als Baby geboren“. Kriegsdienstverweigerung in der Türkei als soziale Bewegung?

Hausarbeit (Hauptseminar) , 2013 , 20 Seiten , Note: 2,0

Autor:in: Anna-Lisa Esser (Autor:in)

Soziologie - Individuum, Gruppe, Gesellschaft
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Zusammenfassung Leseprobe Details

Unter dem Motto „Jeder Türke wird als Baby geboren“ hat sich in der Türkei vor 20 Jahren eine Bewegung formiert, die gegen den Militarismus im Land Widerstand leistet. Damit wird das türkische Sprichwort „Jeder Türke wird als Soldat geboren“ und der darin ausgedrückte Militarismus persifliert, dem sich die Kriegsdienstverweigerer entgegenstellen.

Kriegsdienstverweigerung (KDV) wird in der Türkei nach wie vor strafrechtlich verfolgt, in der Gesellschaft hat das Militär einen hohen Stellenwert und ein echter Mann ist nur, wer den Militärdienst abgeleistet hat. Seit den 90er Jahren hat sich eine Bewegung entwickelt, die sich der Militarisierung und dem Männlichkeitsbild in der türkischen Gesellschaft entgegenstellt.

In der vorliegenden Arbeit soll diese Bewegung untersucht und der Frage nachgegangen werden, ob diese Gruppe als soziale Bewegung bezeichnet werden kann. Um diese Frage beantworten zu können, soll zuerst ein Überblick über soziale Bewegungen und über kollektive Identität als deren Basis gegeben werden. Anschließend wird die Bedeutung der Kriegsdienstverweigerung erklärt, um daran anknüpfend die Bewegung der Wehrdienstverweigerer in der Türkei zu untersuchen.

Leseprobe


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Theoretische Begriffsbestimmungen

2.1. Kollektive Identität

2.2. Soziale Bewegungen

2.3. Kriegsdienstverweigerung

3. Kriegsdienstverweigerung in der Türkei

3.1. Das Militär in der Türkei

3.2. Jeder Türke wird als Soldat geboren

3.3. Kriegsdienstverweigerung in der Türkei

3.4. Die Bewegung der Kriegsdienstverweigerer

4. Subgruppen innerhalb der Bewegung

4.1. Homosexuelle Kriegsdienstverweigerer

4.2. Weibliche Kriegsdienstverweigerer

4.3. Muslimische Kriegsdienstverweigerer

4.4. Kurdische Kriegsdienstverweigerer

4.5. Die Bewegung heute

5. Fazit

6. Ausblick

7. Bibliographie

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht, ob die in der Türkei aktive Gruppe der Kriegsdienstverweigerer als soziale Bewegung im soziologischen Sinne klassifiziert werden kann. Dabei wird analysiert, inwieweit eine konsistente kollektive Identität trotz heterogener Motive und Gruppierungen innerhalb der Bewegung existiert.

  • Theoretische Grundlagen zu kollektiver Identität und sozialen Bewegungen
  • Rolle und Stellenwert des Militärs in der türkischen Gesellschaft
  • Strukturelle Analyse verschiedener Subgruppen innerhalb der Kriegsdienstverweigerungsbewegung
  • Einfluss von Männlichkeitsbildern und Militarismus auf die gesellschaftliche Ablehnung der Verweigerung

Auszug aus dem Buch

3.2. Jeder Türke wird als Soldat geboren

Das Sprichwort „Her türk asker doğar“ (Jeder Türke wird als Soldat geboren, Übersetzung A.E. ) ist tief im türkischen Bewusstsein verankert. In Absatz 5 des Artikels 72 der türkischen Verfassung ist reglementiert: „[...] National service is the right and duty of every Turk.“ (Sinclair-Webb, 2008, S. 67). Eine Alternative dazu existiert nicht. Der Wehrdienst dauert derzeit 15 Monate, für Universitätsabsolventen, Türken, die im Ausland leben, oder Schwerkranke bestehen jedoch neben der Möglichkeit der Aufschiebung (bis maximal zum 40. Lebensjahr) die Möglichkeit, den Dienst verkürzt abzuleisten.

Nach wie vor wird der Einzug ins Heer von weiten Teilen der Bevölkerung als etwas sehr Bedeutsames empfunden, und die Verabschiedung der Rekruten wird allerorts stolz gefeiert.

Der Dienst in der Armee wird von vielen als „central to the socialization of men“ gesehen, als ein Prozess, „[...] that established acceptance of a young man as a mature male [...]“ (Sinclair-Webb, 2000, S. 66). Eine feste Anstellung oder eine Heirat kommt meist erst nach dem Wehrdienst in Frage, darüber hinaus ist die Mobilität der jungen Männer vor Ableistung des Militärdienstes eingeschränkt (ebd.: 74).

Was wird aber unternommen, um die Bevölkerung im Alltag von der Bedeutung des Militärs zu überzeugen? Sevinç sieht die Glorifizierung des Militärs vor allem über das Bildungssystem kanalisiert, in den Schulbüchern, aber auch in den durchgeführten Ritualen im Schulalltag der jungen Menschen (Sevinç, 2006, S. 298). Das türkische Bildungssystem wird seit 1925 zentralistisch verwaltet. Es wurde mit dem Ziel gegründet, der Erziehung eine nationale Richtung zu geben.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Einführung in das Thema der Kriegsdienstverweigerung in der Türkei und Darlegung der zentralen Forschungsfrage bezüglich der Einordnung als soziale Bewegung.

2. Theoretische Begriffsbestimmungen: Herleitung der soziologischen Definitionsgrundlagen für kollektive Identität und soziale Bewegungen sowie Definition der Kriegsdienstverweigerung.

3. Kriegsdienstverweigerung in der Türkei: Analyse der Rolle des Militärs als zentrale gesellschaftliche Institution und der rechtlichen sowie sozialen Situation von Kriegsdienstverweigerern in der Türkei.

4. Subgruppen innerhalb der Bewegung: Detaillierte Untersuchung spezifischer Gruppierungen, darunter Homosexuelle, Frauen, muslimische und kurdische Kriegsdienstverweigerer, und deren unterschiedliche Beweggründe.

5. Fazit: Kritische Reflexion der Ergebnisse und Schlussfolgerung, dass aufgrund der großen Unterschiede innerhalb der Gruppierungen die KDV-Bewegung nicht als soziale Bewegung angesehen werden kann.

6. Ausblick: Überlegungen zu weiteren Forschungsfeldern, insbesondere zur Frage der künftigen Konsensbildung innerhalb der Bewegung und der gesellschaftlichen Entwicklung.

7. Bibliographie: Verzeichnis der verwendeten Quellen und Literatur.

Schlüsselwörter

Kriegsdienstverweigerung, Türkei, soziale Bewegung, kollektive Identität, Militarismus, Männlichkeitsbild, Wehrpflicht, Ziviler Ungehorsam, Subgruppen, gesellschaftliche Ordnung, Menschenrechte, Minderheiten, Identitätspolitik, Politische Partizipation

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit untersucht die Bewegung der Kriegsdienstverweigerer in der Türkei und hinterfragt, ob diese Gruppierung soziologisch als "soziale Bewegung" klassifiziert werden kann.

Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?

Zentrale Themen sind die Rolle des Militärs in der Türkei, der Zusammenhang zwischen Männlichkeitsbildern und Wehrpflicht sowie die Analyse verschiedener Subgruppen, die aus unterschiedlichen Motiven den Kriegsdienst verweigern.

Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?

Das Ziel ist die Beantwortung der Frage, ob die heterogene Gruppe der Kriegsdienstverweigerer eine ausreichend konsistente kollektive Identität aufweist, um den soziologischen Kriterien einer sozialen Bewegung zu entsprechen.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Autorin stützt sich auf eine theoretische Fundierung durch Literaturanalyse sowie auf eigene, in den letzten Jahren geführte Interviews mit Kriegsdienstverweigerern und die Methode der teilnehmenden Beobachtung.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil analysiert die historische und aktuelle Rolle des Militärs in der Türkei, die rechtliche Verfolgung von Verweigerern sowie die differenzierte Betrachtung spezifischer Gruppen wie Frauen oder kurdische Verweigerer.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit am besten?

Die Arbeit wird primär durch Begriffe wie Kriegsdienstverweigerung, Türkei, kollektive Identität, Militarismus und soziale Bewegung definiert.

Warum ist die Identifikation mit dem Militär in der türkischen Gesellschaft so stark?

Die Arbeit zeigt, dass das Militär tief im gesellschaftlichen Bewusstsein verankert ist, was durch das Bildungssystem, tägliche Rituale an Schulen und die politische Geschichte (z. B. Rolle von Atatürk) massiv gefördert wird.

Warum kommt die Autorin zu dem Schluss, dass die KDV-Gruppe keine "soziale Bewegung" ist?

Die Autorin argumentiert, dass die Interessen und Beweggründe der verschiedenen Subgruppen (z.B. kurdisch-politische vs. religiöse vs. feministische Motive) zu stark voneinander abweichen, um eine geschlossene, kollektive Identität zu bilden.

Ende der Leseprobe aus 20 Seiten  - nach oben

Details

Titel
„Jeder Türke wird als Baby geboren“. Kriegsdienstverweigerung in der Türkei als soziale Bewegung?
Hochschule
FernUniversität Hagen  (Soziologie)
Veranstaltung
Individualisierung und gesellschaftliche Ordnung
Note
2,0
Autor
Anna-Lisa Esser (Autor:in)
Erscheinungsjahr
2013
Seiten
20
Katalognummer
V262137
ISBN (eBook)
9783668194342
ISBN (Buch)
9783668194359
Sprache
Deutsch
Schlagworte
jeder türke baby kriegsdienstverweigerung türkei bewegung
Produktsicherheit
GRIN Publishing GmbH
Arbeit zitieren
Anna-Lisa Esser (Autor:in), 2013, „Jeder Türke wird als Baby geboren“. Kriegsdienstverweigerung in der Türkei als soziale Bewegung?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/262137
Blick ins Buch
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Leseprobe aus  20  Seiten
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