Diese Arbeit betrachtet die Grüne für Nichtsesshaftigkeit in der frühen Neuzeit an Hand von verschiedenen Fallbeispielen von Gauklern, Juden und Zigeunern. Sie bahndelt zudem eine einleitende Differnzierung des Begriffs 'Randgruppe'. Nachdem allgemeine Gründe für Nichtsesshaftigkeit und soziale Einteilungen erläutert werden, wird auf die drei zentralen Randgruppen der frühen Neuzeit eingegangen. Ein anschließendes Fazit fasst die wichtigsten Punkte noch einmal auf und bringt sie in Zusammenhänge.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung und Intension
2. Begriffserklärung und Differenzierung
3. Soziale Situation und allgemeine Gründe für Nichtsesshaftigkeit
4. Gaukler als Randgruppe
4.1 Was Gaukler sind
4.2 Wie man zum Gaukler wird
4.3 Gründe für Nichtsesshaftigkeit und Fazit
5. Juden als Randgruppe
5.1 Vertreibung und Ausgrenzung
5.2 Folgen der Vertreibung
5.3 Gründe für Nichtsesshaftigkeit und Fazit
6. Zigeuner als Randgruppe
6.1 Zigeuner und ihre Herkunft
6.2 Warum Zigeuner vertrieben wurden
6.3 Gründe für Nichtsesshaftigkeit und Fazit
7. Zusammenfassung und Fazit
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die soziale Situation fahrender Bevölkerungsgruppen im Spätmittelalter und der frühen Neuzeit, um die Ursachen für deren gesellschaftliches Randgruppendasein und Nichtsesshaftigkeit zu ergründen.
- Historische Differenzierung und Begriffsbestimmung von Randgruppen und Außenseitern.
- Analyse der sozioökonomischen Rahmenbedingungen im Spätmittelalter und in der frühen Neuzeit.
- Untersuchung der spezifischen Lebensumstände und Ausgrenzungsfaktoren am Beispiel der Gaukler.
- Darstellung der Verfolgung und Marginalisierung von Minderheiten wie Juden und Zigeunern.
Auszug aus dem Buch
4. Gaukler als Randgruppe
Um die Gruppe der Gaukler als Beispiel für eine nicht sesshafte Randgruppe aufzuführen ist eine Klarstellung der Begrifflichkeiten und der Herkunft dringend notwendig.
Der heute hauptsächlich in historischem Kontext benutzte Begriff ‚Gaukler‘ stammt aus dem althochdeutschen ‚gougulôn‘, was dem Durchführen von spielerischen oder sinnlosen Bewegungen gleichgesetzt werden kann. Im lateinischen und französischen Raum waren Bezeichnungen, wie ‚ioculator‘ (= Spaßmacher) beziehungsweise ‚jongleur‘ eher gebräuchlich.17 Im Mittelalter und der frühen Neuzeit war der Begriff eher negativ besetzt, da Gaukler als unehrliches Volk galten, so wurde das ausgeübte ‚Gauklerspiel‘ meist mit List und Täuschung gleichgesetzt.18 Gaukler waren eine Untergruppe der ‚Spielmänner‘, zu der auch andere Artisten jeder Art, Possenreißer oder Zauberkünstler gehörten und zogen von Stadt zu Stadt, um Taschenspieler-Tricks und Verwandlungskünste vorzuführen. Sie waren nicht sesshaft und gehörten zum fahrenden Volk auf Zeit, das sich auch mit dem Verkauf von Wundertinkturen und dem Vorführen von ‚adligen‘ Sportarten, wie Ringen oder Laufen ihre Existenz sicherte.19
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung und Intension: Die Einleitung beleuchtet die historische Ausgrenzung in der ständisch gegliederten Gesellschaft und definiert den Fokus auf die Situation nichtsesshafter Bevölkerungsgruppen.
2. Begriffserklärung und Differenzierung: Dieses Kapitel erörtert die theoretischen Schwierigkeiten bei der Abgrenzung von Begriffen wie Armut, Unterschicht und Randgruppe in der historischen Forschung.
3. Soziale Situation und allgemeine Gründe für Nichtsesshaftigkeit: Hier wird der Einfluss von Weltbild, Glauben und gesellschaftlicher Hierarchie auf die Stigmatisierung und die Armenpolitik der Epoche dargestellt.
4. Gaukler als Randgruppe: Dieses Kapitel analysiert das Gauklerwesen, dessen Begrifflichkeit, soziale Herkunft sowie die Faktoren, die zur Nichtsesshaftigkeit führten.
5. Juden als Randgruppe: Die Untersuchung befasst sich mit dem Antijudaismus, den organisierten Vertreibungen und den sozioökonomischen Folgen für die jüdische Bevölkerung.
6. Zigeuner als Randgruppe: Dieses Kapitel beleuchtet Herkunft, Vorurteile, polizeiliche Verfolgung und die daraus resultierende Lebensweise der Zigeuner.
7. Zusammenfassung und Fazit: Die abschließenden Ausführungen betonen die enge Verflechtung von Armut, Mobilität und gesellschaftlicher Stigmatisierung und resümieren, dass Randgruppen aktiv durch die Mehrheitsgesellschaft produziert wurden.
Schlüsselwörter
Randgruppen, Außenseiter, Frühe Neuzeit, Nichtsesshaftigkeit, Stigmatisierung, Marginalisierung, Armenpolitik, Gaukler, Juden, Zigeuner, Spätmittelalter, Unterschicht, Minderheiten, Sozialgeschichte, Ausgrenzung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der sozialen Lage, den Lebensumständen und der gesellschaftlichen Ausgrenzung von fahrenden Gruppen in der Zeit des Spätmittelalters und der frühen Neuzeit.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Die zentralen Themen sind die Definition von Randgruppen, die Stigmatisierung durch die Mehrheitsgesellschaft, die Rolle der Armut sowie die Auswirkungen von Vertreibung und Kriminalisierung.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Das Ziel ist es, die Gründe für das „Randgruppendasein“ und die Ursachen für die Nichtsesshaftigkeit spezifischer Gruppen wie Gaukler, Juden und Zigeuner wissenschaftlich zu veranschaulichen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt eine Literaturanalyse, um historische Quellen und soziologische Konzepte zur Randgruppenforschung kritisch auszuwerten und auf die frühneuzeitliche Gesellschaft anzuwenden.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Begriffsbestimmung, eine Untersuchung der allgemeinen sozialen Situation und drei spezifische Fallbeispiele für nichtsesshafte Randgruppen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die wichtigsten Begriffe sind Randgruppen, Nichtsesshaftigkeit, Marginalisierung, Stigmatisierung, Armut und das fahrende Volk.
Warum galten Gaukler im Mittelalter als „unehrlich“?
Gaukler wurden aufgrund ihrer Mobilität, ihres fehlenden festen Wohnsitzes und der ihnen zugeschriebenen „List und Täuschung“ in der damaligen ständischen Ordnung als unehrliches Volk eingestuft.
Welche Rolle spielte die Religion bei der Ausgrenzung von Juden und Zigeunern?
Religiöse Vorurteile und die Zuschreibung einer „ethnischer Fremdheit“ dienten der Obrigkeit und der Gesellschaft als Rechtfertigung für Diskriminierung, Pogrome und systematische Vertreibung.
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- Julian Hoyer (Author), 2011, Nichtsesshafte in der frühen Neuzeit, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/262141