Whistleblowing und Hinweisgebersysteme


Hausarbeit (Hauptseminar), 2013

14 Seiten, Note: 1,7


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Verzeichnis der Abbildungen

1 Einleitung

2 Beispiele aus der Vergangenheit
2.1 Unhygienische Verhältnisse eines Pharmabetriebs
2.2 Zollbeamter verhindert Katastrophe
2.3 Schwarzgeld und Steuerhinterziehung

3 Whistleblowing
3.1 Whistleblower
3.2 Interessenunterschiede der Täter und Opfer
3.3 Phasen des Whistleblowing-Prozesses
3.4 Bekanntheitsgrade des Absenders

4 Konsequenzen für den Hinweisgeber Hinweisgebersysteme
4.1 Vorteile von Hinweisgebersystemen
4.2 Implementierung im Unternehmen

5 Rechtsprechung
5.1 Deutschland
5.2 USA

6 Fazit/ Ausblick

7 Literaturverzeichnis

Verzeichnis der Abbildungen

Abb. 1: Folgen des Whistleblowings

1 Einleitung

Aktuelle Schlagzeilen lösen erneut Empörung und Aufregung in der Öffentlichkeit aus. Mit als Rindfleisch deklariertem Pferdefleisch konnten sich mehrere Unterneh- men hohe Gewinne erwirtschaften. Die Verbrauchsministerin Aigner änderte daraufhin die gesetzlichen Regelungen. Seitdem sind die Handlungskonsequenzen täuschender Betriebe verschärft worden. Häufig wird erst nach Skandalen mehr Kontrollen geför- dert und mit gesetzlichen Maßnahmen entgegengesetzt. Jedoch wäre es umso wichti- ger Hinweisgebern die Möglichkeit zu geben anonym, unter dem Schutze des Rechts- systems, Skandalen entgegen zu wirken und von vornherein ordnungswidriges Verhal- ten zu melden.1

Im Rahmen dieser Hausarbeit wird das Thema Hinweisgebersysteme nähergebracht. Drei Beispiele aus der Vergangenheit beschreiben Reaktionen auf veröffentlichte Informationen der Missstände und den Umgang mit den Hinweisgebern. Im zweiten Kapitel wird der Begriff Whistleblower definiert. Daraufhin findet eine Unterscheidung zwischen den Interessen der Täter und Opfer statt. Der 5-Phasen- Prozess erklärt, wie das Whistleblowing zustande kommt. Anhand eines 3-Stufen- Modells unterscheiden sich verschiedene Anonymitätsgrade des Whistleblowings, welche dann näher gebracht werden. Im nächsten Kapitel werden mögliche Konsequenzen des Whistleblowing mithilfe einer Grafik aufgezeigt. Zunächst werden Vorteile der Hinweisgebersysteme herausgearbeitet und mögliche Ansätze der Integration im Unternehmen aufgezeigt. Im nachfolgenden Abschnitt werden Rechtsprechungen im deutschen und amerikanischen Raum erläutert. Im letzten Kapitel erfolgt eine Zusammenfassung mit einem Ausblick.

2 Beispiele aus der Vergangenheit

In den letzten Jahrzehnten sind viele kriminelle Handlungen wie Korruption, Geld- wäsche, Steuerhinterziehungen und andere illegale Machenschaften durch Hinweisge- ber aufgedeckt worden. Als Konsequenz daraus zahlen nicht nur die Informanten, son- dern auch die betroffenen Unternehmen einen hohen Preis für das unethische Verhal- ten. Folgende Beispiele zeigen verschiedenen Umgang mit Informationen und die Behandlung der Hinweisgeber.

2.1 Unhygienische Verhältnisse eines Pharmabetriebs

Eine Qualitätsmanagerin, die beim GlaxoSmithKline in Puerto Rico angestellt war, wies den Konzern auf Mängel bei der Produktion von Medikamenten und Salben hin. In den Produktionshallen herrschten chaotische Zustände, die dazu führten, dass Me- dikamente keine Wirkungen hatten, falsch abgepackt, Salben verunreinigt oder sogar verseucht waren. Als Reaktion des Konzerns wurde die Mitarbeiterin entlassen. Diese meldete die Missstände an die zuständigen Behörden und erhielt als Belohnung einen Teil des Bußgeldes. Die Höhe des Bußgeldes betrug insgesamt 750 Millionen Dollar.2

2.2 Zollbeamter verhindert Katastrophe

Im Jahre 2002 alarmierte ein junger Zollbeamter am Frankfurter Flughafen das Zoll- und Bundeskriminalamt, nachdem er 44 Atomwaffenzünder gefunden hat. Späte- re Ermittlungen ergaben, dass diese für den Iran bestimmt waren. Welche Auswirkun- gen es hätte, wenn der Zollmitarbeiter nicht sofort gehandelt hätte, lässt sich nur erah- nen. Umso schlimmer traf es den Informanten, der nach seiner Aktion wegen Über- schreitung seiner dienstlichen Kompetenzen entlassen wurde und vom Hartz-IV leben musste.3

2.3 Schwarzgeld und Steuerhinterziehung

Folgendes Beispiel ist noch Tagesaktuell und befasst sich mit dem Herrn Gustl Mollath. Dieser ist seit dem Jahre 2006 inhaftiert in der forensischen Psychiatrie in Bayreuth, als Folge darauf, dass er seine ehemalige Frau, die Geldwäschegeschäfte tätigte, anzeigte. Die seit 1990 bei der Hypo-Vereinsbank Angestellte hätte, laut Aus- sagen ihres Ex-Ehemannes, illegale Geldtransaktionen in die Schweiz getätigt. Da- raufhin wurde Herr Mollath als psychisch krank eingestuft und man raubte ihm die Freiheit. Bis heute liegen keine Recherchen seiner Behauptungen vor. So wurde ein Informant aus dem Weg geräumt. Sein Grundstück und Haus ist während der Inhaftie- rung ohne seine Einwilligung zwangsversteigert worden. Der Existenzaufbau wird sich für ihn nach seiner Freilassung schwierig gestalten, aufgrund nicht mehr vorhan- dener Zeugnisse und wichtiger Dokumente, die beim Verkauf des Hauses verloren gegangen sind.4

3 Whistleblowing

Um zu verstehen warum es zu verschiedener Behandlung der Hinweisgeber kommt, befasst sich dieses Kapitel mit der Wortherkunft und Bedeutung des Begriffes Whist- leblowing. Dabei spielen Interessenunterschiede eine wichtige Rolle. Für den Ansatz der Hinweisgebersysteme im Unternehmen ist es wichtig zu verstehen, welche Phasen ein Informant durchläuft bis er sich entscheidet die Information über Missstände wei- ter zu geben.

3.1 Whistleblower

Der Begriff Whistleblower hat seinen Ursprung aus den USA und findet dort seit Jahren Gebrauch.5 The whistle kommt aus dem Englischen und steht im Deutschen für ein Musikinstrument und übersetzt sich mit „die Pfeife“. Das Verb to blow bedeutet blasen. So entsteht das zusammengesetzte Wort Whistleblower, welches eine Person repräsentiert, der in eine Pfeife bläst. In Sinngemäßer Übertragung hat diese Person internes Wissen über Missstände oder Fehlverhalten einer Institution, die er an Dritte weiter gibt.6 Dabei sollte dies aus Solidarität und nicht zum Eigennutz geschehen. Im deutschen Sprachgebrauch wird Whistleblowing (in die Pfeife trillern) oft mit dem Wort „verpfeifen“ verwendet. Dieses wirft ein negatives Bild auf den Informanten und soll so jedoch nicht präsentiert werden.7 Im Rahmen dieser Arbeit wird sowohl Whist- leblower, als auch das dazugehörige Synonym Hinweisgeber benutzt.

3.2 Interessenunterschiede der Täter und Opfer

Beim Whistleblowing kollidieren die Interessen der Täter und der Opfer. Die Täter erhoffen sich meist wirtschaftliche, finanzielle oder persönliche Vorteile beim gesetz- widrigen Handeln. Ziel ist es, einen positiven Ruf in der Öffentlichkeit zu bewahren, deshalb wird jeder Informationsfluss verhindert, der sich schädigend auswirken könn- te. Auf der anderen Seite hat das Opfer, hiermit ist der Hinweisgeber gemeint, das Interesse daran, gerechte Behandlung aller Beteiligten zu wiederfahren und Unterlassung von illegalen Aktivitäten zu fördern. Das Wohlergehen aller und ethisches Verhalten stehen hier im Mittelpunkt.8

3.3 Phasen des Whistleblowing-Prozesses

Der Prozess des Whistleblowing lässt sich in 5 Phasen aufteilen.9 In der ersten Pha- se wird der zukünftige Hinweisgeber auf ein Verhalten aufmerksam, welches er als unethisch definiert. In der zweiten Phase sammelt er Informationen und achtet gleich- zeitig auf die Reaktion in seiner Umgebung. Diese Phase entscheidet über sein weite- res Verhalten. Findet er weder Unterstützung noch Zuspruch oder seine Beweise sind unzureichend, dann endet hier der Prozess. In Phase drei fällt die Entscheidung zu handeln. In den meisten Fällen wird erst intern auf das Fehlverhalten hingewiesen. Wird der Missstand geräumt, bricht der Prozess hier ab. Bei unzureichender Beseiti- gung setzt der Prozess wieder ab der zweiten Phase an. In Phase vier erfolgt der Gang zu externen Institutionen und Veröffentlichung durch Medien. Diverse Reaktionen sind in Phase fünf denkbar. Entweder folgt die Korrektur des Missstandes, oder der Hinweisgeber wird verfolgt und erleidet Konsequenzen oder aber auch Beides tritt auf.

3.4 Bekanntheitsgrade des Absenders

Es wird zwischen offenen, vertraulichen und anonymen Whistleblowing unter- schieden. Den höchsten Bekanntheitsgrad hat das offene Whistleblowing, dabei ist die Identität des Informanten bekannt. Diese Form bringt aber viele negative Konsequen- zen mit sich, die im nächsten Kapitel näher erläutern werden. Bei der vertraulichen Informationsweiterleitung steht ein Mittelmann, der versucht den Absender vor den Risiken zu schützen. Die Nachricht soll so überbracht werden, dass keine Rückschlüs- se auf den Hinweisgeber entstehen können. Die anonyme Kontaktaufnahme birgt den höchsten Risikoschutz, welches Whistleblowing mit sich bringt, da der Informant un- bekannt ist.10

[...]


1 Vgl. Link 1.

2 Vgl. Link 2.

3 Vgl. Link 3.

4 Vgl. Link 4.

5 Vgl. Deiseroth, D., Whistleblowing in Zeiten von BSE - Der Fall der Tierärztin Dr. Margrit Herbst, Berlin-Verlag, 2001, S. 9

6 Vgl. Graser, D.,Whistleblowing - Arbeitnehmeranzeigen im US-Amerikanischen und deutschen Recht, Lang Verlag, 2000, S.4

7 Vgl. Schmitt, B., Whistleblowing - Verpfeifen des Arbeitgebers, Kovac Verlag, Band 40, 2003, S.1

8 Vgl. Schmitt, B. Whistleblowing - Verpfeifen des Arbeitgebers, Kovac Verlag, Band 40, 2003, S.19 ff.

9 Vgl. Near, J. Miceli, M., Organizational dissidence - The case of whistle-blowing, Journal of businessEthics 4, 1985, S.2 ff.

10 Vgl. Link 5.

Ende der Leseprobe aus 14 Seiten

Details

Titel
Whistleblowing und Hinweisgebersysteme
Hochschule
Universität Hamburg  (HWP)
Veranstaltung
Compliance
Note
1,7
Autor
Jahr
2013
Seiten
14
Katalognummer
V262164
ISBN (eBook)
9783656506720
ISBN (Buch)
9783656507833
Dateigröße
647 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Whistleblowing, Hinweisgeber, Hinweisgebersystem, Compliance
Arbeit zitieren
Anna Ponomarenko (Autor), 2013, Whistleblowing und Hinweisgebersysteme, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/262164

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