Spätestens seit dem Sturz von Saddam Hussein im Jahr 2003 hat sich die Situation der Mandäer im Irak stark verschlechtert. Sie sind heftigen Verfolgungen, Gewalt und Zwangskonversionen ausgesetzt. Die Anzahl ihrer Mitglieder dezimiert sich aufgrund von Tod, Auswanderung oder Konvertierung zumindest im Irak immer stärker. Wie viele Anhänger genau diese letzte gnostische Gemeinschaft heute noch hat, ist unbekannt und nur schwer herauszufinden, da nur wenig aktuelle Literatur über die Mandäer existiert.
In der vorliegenden Arbeit gehe ich der Frage nach, wer die irakischen Mandäer heute verfolgt, aus welchen Gründen und wie diese Verfolgungen aussehen. Dabei differenziere ich zwischen der Situation der Mandäer vor, unter und nach der Herrschaft Saddam Husseins. Außerdem zeige ich am Ende der Arbeit noch die Situation der Mandäer in Iran, in Syrien und Jordanien sowie in der westlichen Diaspora auf.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Die Glaubensgemeinschaft der Mandäer
2.1 Anzahl und Verbreitung der Gläubigen
2.2 Glaubensinhalte
2.3 Liturgische Handlungen der Mandäer
2.3.1 Die Taufe
2.3.2 Die Hochzeit
2.3.3 Bestattung und Totenfeiern
3 Die Lage der Mandäer im Irak
3.1 Die Lage der Mandäer vor der Herrschaft Saddam Husseins
3.2 Die Lage der Mandäer unter der Herrschaft Saddam Husseins
3.3 Die Lage der Mandäer seit dem Irak-Krieg 2003
4 Die Lage der Mandäer in anderen Ländern
4.1 Die Lage der Mandäer in Iran
4.2 Die Lage der Mandäer in Syrien und Jordanian
4.3 Die Lage der Mandäer in der westlichen Diaspora
5 Wie kann der mandäischen Gemeinde geholfen werden?
6 Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die aktuelle Verfolgungssituation der Mandäer im Irak, analysiert die historischen Veränderungen unter verschiedenen Herrschaftsperioden und beleuchtet die prekäre Lage dieser religiösen Minderheit in der globalen Diaspora.
- Historische Entwicklung des Mandäismus und seiner religiösen Rituale.
- Wandel der Lebensbedingungen der Mandäer im Irak vor, während und nach Saddam Hussein.
- Ursachen und Auswirkungen der Verfolgung sowie die Marginalisierung der Gemeinschaft seit 2003.
- Die Situation der Mandäer in Nachbarländern (Iran, Syrien, Jordanien) und in der westlichen Diaspora.
- Lösungsansätze zur Bewahrung der mandäischen Kultur und Religion angesichts des drohenden Aussterbens.
Auszug aus dem Buch
3.2 Die Lage der Mandäer unter der Herrschaft Saddam Husseins
1979 übernahm Saddam Hussein die Macht im Irak. Seine Regierung war zwar repressiv, wies aber eine durchaus säkulare Basis auf. Dadurch gab es ein gewisses Maß an religiöser Toleranz, das den Mandäern und anderen Minderheiten einen Funken Schutz gewährleistete. So gab es beispielsweise schon immer Konversionsbestrebungen der Muslime, die Mandäer zum Islam zu bekehren. Unter der Herrschaft Saddam Husseins wurden diesen Bestrebungen jedoch gewisse Grenzen gesetzt. Dennoch verschlechterte sich die Lage der Mandäer unter Saddam Husseins Herrschaft gegenüber der Zeit vor 1979. Beispielsweise wurden auch die Mandäer Opfer der Arabisierung, die 1988 ihren Höhepunkt erreichte. Wenig später (zwischen 1991 und 1993) litten die Mandäer unter den Vernichtungsfeldzügen in den Sumpfgebieten des Südirak, wo die Mandäer etwa seit dem fünften Jahrhundert n.Chr. lebten. Das Regime ging mit brutaler Härte gegen die dortigen Schiiten vor, die nach dem zweiten Golfkrieg 1991 dorthin geflohen sind und ließ das Gebiet trockenlegen.
Auf die dort lebenden Mandäer wurde keinerlei Rücksicht genommen, die ehemals ca. 5.000 bis 7.000 Menschen umfassende mandäische Bevölkerung schrumpfte auf etwa 1.000.
Im Jahr 2001 änderte sich die Situation für die Mandäer erneut ein wenig. Al-Ǧazīra berichtete, wie Saddam Hussein persönlich die Religionsfreiheit für Muslime, Christen und Mandäer propagierte. Die Iraker, so betonte er, seien frei in der Wahl ihrer Religion. Er wollte den Mandäern sogar einen Tempel bauen lassen. Saddam Hussein betonte die starke Nationalität der Iraker: Alle Iraker seien Söhne einer Nation, unabhängig von Religions- oder Sektenzugehörigkeit, sie seien in erster Linie Iraker und erst danach Angehörige bestimmter Religionsgemeinschaften. Die Mandäer sollten den gleichen Status wie die Christen behalten, nämlich den einer geschützten Buchreligion.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Diese Arbeit stellt die Forschungsfrage nach den Tätern, Gründen und Formen der Verfolgung irakischer Mandäer unter Berücksichtigung historischer und aktueller Quellen.
2 Die Glaubensgemeinschaft der Mandäer: Dieses Kapitel erläutert die demografische Entwicklung, die gnostischen Glaubensinhalte sowie die wesentlichen liturgischen Handlungen wie Taufe, Hochzeit und Bestattungsrituale.
3 Die Lage der Mandäer im Irak: Hier wird der historische Wandel von einer staatlich tolerierten Minderheit zu einer durch Extremismus und Gewalt massiv bedrohten Gemeinschaft seit 2003 analysiert.
4 Die Lage der Mandäer in anderen Ländern: Dieses Kapitel beschreibt die schwierigen Lebensverhältnisse der Mandäer im Iran, in Syrien und Jordanien sowie die Integrationsprobleme und existenzielle Bedrohung der kleinen Gemeinden in der westlichen Diaspora.
5 Wie kann der mandäischen Gemeinde geholfen werden?: Hier werden Lösungsansätze diskutiert, wie durch Zusammenführung, Modernisierung der Traditionen und politische Stabilität der Erhalt des Mandäismus gesichert werden könnte.
6 Fazit: Die Arbeit schließt mit der Erkenntnis, dass das Mandäertum vom Aussterben bedroht ist und ohne gezielte internationale Hilfe und stabile Lebensbedingungen in ihrer Heimat das Überleben der Gemeinschaft gefährdet bleibt.
Schlüsselwörter
Mandäer, Mandäismus, Irak, Religionsfreiheit, Gnostizismus, Verfolgung, Minderheitenschutz, Flucht, Diaspora, Rituale, Taufe, Konversion, religiöse Toleranz, Saddam Hussein, Orient.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der prekären Situation der mandäischen Glaubensgemeinschaft, insbesondere im Irak, und analysiert die historische und aktuelle Verfolgung dieser religiösen Minderheit.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zu den zentralen Themen gehören die religiösen Grundlagen des Mandäismus, die Entwicklung der politischen Lebensbedingungen im Irak sowie die Flucht und Integration in anderen Ländern.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, die Gründe und Akteure hinter der Verfolgung der irakischen Mandäer zu identifizieren und aufzuzeigen, wie sich diese Bedingungen im Laufe der Zeit unter verschiedenen Regimes verändert haben.
Welche wissenschaftliche Methode wurde verwendet?
Die Arbeit stützt sich auf eine Analyse von Fachliteratur, Dissertationen sowie eine Auswertung aktueller Nachrichten und Berichte von Menschenrechtsorganisationen.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Vorstellung der mandäischen Glaubensgemeinschaft, eine chronologische Untersuchung der Lage im Irak und eine Analyse der Situation in den Zufluchtsländern.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Mandäismus, Verfolgung, Gnostizismus, Diaspora und den Irak-Konflikt charakterisiert.
Wie hat sich die Rolle der Frau im Mandäertum historisch gefestigt?
Die Gleichberechtigung der Frau leitet sich aus der Schöpfungsgeschichte ab, in der Eva als Gabe der Lichtwelt an Adam übergeben wurde, was ihr eine besondere Stellung innerhalb des Glaubens verleiht.
Welche bürokratischen Hürden bestehen für mandäische Flüchtlinge in Deutschland?
Die Verteilung der Flüchtlinge auf kleine Orte durch den Königsteiner Schlüssel erschwert den Aufbau einer Existenz, da dort oft der Zugang zu Sprachkursen und die Anerkennung von Kompetenzen fehlen.
Warum ist die Taufe für die Gemeinschaft existenziell wichtig?
Die Taufe ist das zentrale Reinigungsritual, das in fließendem Wasser vollzogen werden muss; durch die Umweltverschmutzung im Irak und fehlende Flüsse in der Diaspora wird die Ausübung dieses Ritus massiv erschwert.
Welche Rolle spielt die Diaspora beim Fortbestand der Religion?
Die Diaspora bietet zwar Sicherheit vor physischer Verfolgung, führt aber zu einer starken Zerstreuung der Gläubigen, was die Gefahr birgt, dass die Gemeinde aufgrund mangelnder Gelegenheiten zur Eheschließung und Religionsausübung ausstirbt.
- Arbeit zitieren
- BA Marina Schauer (Autor:in), 2013, Die Situation der Mandäer im Irak, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/262235