Grin logo
de en es fr
Shop
GRIN Website
Publish your texts - enjoy our full service for authors
Go to shop › American Studies - Culture and Applied Geography

Der Mayflower Compact (1620): Zwischen Covenant und Staatsvertrag

Title: Der Mayflower Compact (1620): Zwischen Covenant und Staatsvertrag

Term Paper (Advanced seminar) , 2012 , 21 Pages , Grade: 1,3

Autor:in: Stephan Katzbichler (Author)

American Studies - Culture and Applied Geography
Excerpt & Details   Look inside the ebook
Summary Excerpt Details

Die Geschichte der ersten puritanischen Siedler Neu Englands ist in fast jeder Publikation zu finden, die sich mit der Früh- oder Verfassungsgeschichte der Vereinigen Staaten von Amerika beschäftigt. Zurückzuführen ist dies darauf, dass die Siedlung der Pilgrims zu den ersten gehörte, die sich auf dem nordamerikanischen Kontinent etablieren konnte. 1620 errichteten die puritanischen Pilgerväter dort mit der Plymouth Colony ein selbstverwaltetes Gemeinwesen, das auf einem von ihnen geschlossenen Übereinkommen an Bord des Schiffs Mayflower basierte. In diesem, von den Siedlern umgangssprachlich Plymouth Combination genannten und seit 1793 als Mayflower Compact bekannten Abkommen, sicherten sich die Gründerväter gegenseitig zu, Regeln und Abmachungen in der neuen Gemeinschaft einzuhalten.
Die Notwendigkeit für diesen Vertrag bestand in der Verfehlung des ihnen ursprünglich zugewiesenen Gebiets. Sollte die Mayflower eigentlich vom englischen Hafen Plymouth kommend in der Nähe von Virgina anlegen, so verfehlte sie ihr Ziel nach achtwöchiger Fahrt und ging schließlich am 21.11.1620 vor Cape Cod in der Massachusetts Bay vor Anker. Auf Grund des fehlenden Patents für dieses Terrain schlossen 41 männliche Passagiere ein Übereinkommen, um eine Art Regierung zu errichten. Der Mayflower Compact gilt daher als „frühestes Dokument amerikanischer Selbstverwaltung.“
In der folgenden Betrachtung soll dieses Abkommen der puritanischen Siedler im Mittelpunkt stehen. Im Zentrum steht dabei die Frage, wie der Mayflower Compact rechtlich einzuordnen ist: Stellt der Vertrag der Puritaner einen covenant dar oder handelt es sich bereits gar um eine frühe Form des modernen Staatsvertrags, wie ihn John Locke schließlich in seiner staatstheoretischen Schrift Two Treatises of Government 1689 formulieren sollte? Am Ende dieser Arbeit soll diese Frage nach der Überprüfung des Mayflower Compact auf Merkmale hinsichtlich eines klassischen covenants und eines modernen Staatsvertrags eine Antwort finden.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Der Mayflower Compact (1620): Zwischen Covenant und Staatsvertrag

2.1. Ein klassischer Covenant?

2.1.1 Covenant: Definition und Merkmale

2.1.2. Innere Analyse

2.1.3. Äußere Analyse

2.2. Ein moderner Staatsvertrag?

2.2.1 Die Gesellschafts- und Staatstheorie nach John Locke

2.2.1.1 Menschenbild und Naturzustand

2.2.1.2 Der Staatsvertrag

2.2.2. Innere Analyse

2.2.3. Äußere Analyse

3. Fazit

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht die rechtliche Einordnung des Mayflower Compact von 1620 und prüft, ob es sich dabei um einen klassischen religiösen Covenant oder eine frühe Form des modernen Staatsvertrags nach John Locke handelt.

  • Historische Einordnung des Mayflower Compact
  • Analyse der Covenant-Tradition
  • Staatstheoretische Perspektiven nach John Locke
  • Vergleichende Untersuchung von religiösen und politischen Motiven
  • Untersuchung der puritanischen Gesellschaftsordnung

Auszug aus dem Buch

2.1.1. Covenant: Definition und Merkmale

Der Begriff covenant, der ins Deutsche in etwa mit „formelle[r] Übereinkunft“ übersetzt werden kann, hat ursprünglich religiöse Wurzeln. Dies verdeutlicht auch ein Blick auf die Erläuterung des Begriffs im Oxford English Dictionary, in dem covenant als „an agreement which brings about a relationship of commitment between God and his people“ erklärt wird. So beruht beispielsweise unter anderem der jüdische Glaube auf biblischen covenants zwischen Abraham, Moses und David. Folglich ist zunächst eine Unterscheidung zwischen der biblischen und der politischen Form unumgänglich. Während die Idee des covenant in ihrer ursprünglichen Form ein Bündnis zwischen Gott und der Menschheit basierend auf beiderseitigen Versprechen und Verpflichtungen zum Ausdruck brachte, drückt die politische Form bei gleicher Basis die Idee der Freiheit zur Gründung von Zivilgemeinschaften aus. Beiden Formen ist eine zentrale Eigenschaft zu Teil: Die Errichtung und Erhaltung von einer Reihe von Beziehungen zwischen allen Beteiligten. Außerdem bleibt festzuhalten, dass auch religiösen covenents zum allergrößten Teil politische Motive zu Grunde liegen.

In seiner Publikation Covenant Tradition in Politics definiert der amerikanische Politprofessor Daniel J. Elazar den Begriff wie folgt: A morally informed agreement or pact based on voluntary consent, established by mutual oaths or promises, involving or witnessed by some transcendental higher authority, between peoples or parties having independent status, equal in connection with the purposes of the pact, that provides for joint action or obligation to achieve defined ends (limited or comprehensive) under conditions of mutual respect, which protect the individual integrities of all the parties to it.

Mit dieser Definition legt Elazar dem Begriff covenant mehrere Elemente zu Grunde:. Demnach ist ein covenant eine moralisch motivierte Übereinkunft, die auf Freiwilligkeit der Beteiligten basiert und durch einen Schwur begründet wird. Bezeugt wird dieser durch eine höhere bzw. überweltliche Autorität, wobei Elazars Definition offen lässt, ob es sich zwangsläufig um einen religiösen oder nicht-religiösen Zeugen handeln muss. Ferner impliziert die Definition zum einen, dass alle am covenant beteiligten Personen dieselben Absichten und Ziele verfolgen. Zum anderen bedeutet dies auch gleichzeitig die Verpflichtung zum gemeinsamen Handeln, um die Integrität aller Beteiligten zu erhalten.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die historische Bedeutung der Pilgrim-Väter ein und formuliert die zentrale Forschungsfrage nach der Einordnung des Mayflower Compact.

2. Der Mayflower Compact (1620): Zwischen Covenant und Staatsvertrag: Dieses Kapitel analysiert das Dokument auf seine religiösen und politischen Dimensionen, insbesondere im Hinblick auf Definitionen eines Covenants.

2.1. Ein klassischer Covenant?: Hier wird der Mayflower Compact anhand von Definitionen und Merkmalen eines religiösen Covenants auf innere und äußere Anzeichen geprüft.

2.1.1 Covenant: Definition und Merkmale: Dieses Unterkapitel erörtert die theoretischen Grundlagen des Begriffs Covenant und dessen politische sowie religiöse Facetten.

2.1.2. Innere Analyse: Eine Untersuchung des Wortlauts des Mayflower Compact hinsichtlich covenant-spezifischer Kriterien.

2.1.3. Äußere Analyse: Eine Untersuchung der historischen Beweggründe und Motive der Puritaner, die zur Unterzeichnung des Dokuments führten.

2.2. Ein moderner Staatsvertrag?: Dieses Kapitel prüft, ob das Dokument als Vorläufer eines modernen Staatsvertrags im Sinne von John Locke interpretiert werden kann.

2.2.1 Die Gesellschafts- und Staatstheorie nach John Locke: Eine Darstellung der staatstheoretischen Grundannahmen von John Locke bezüglich des Naturzustands und des Staatsvertrags.

2.2.1.1 Menschenbild und Naturzustand: Analyse des lockeschen Menschenbildes und seiner Auffassung von Freiheit und Gleichheit im Naturzustand.

2.2.1.2 Der Staatsvertrag: Erörterung der Gründe für den Übergang vom Naturzustand in eine bürgerliche Gesellschaft durch einen Staatsvertrag.

2.2.2. Innere Analyse: Eine Prüfung, ob der Mayflower Compact strukturelle Parallelen zur Theorie eines Staatsvertrags aufweist.

2.2.3. Äußere Analyse: Diese Analyse setzt die Intentionen der Siedler in Kontrast zu Lockes Toleranz- und Gleichheitskonzepten.

3. Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und kommt zu dem Schluss, dass der Mayflower Compact als Covenant und nicht als moderner Staatsvertrag zu werten ist.

Schlüsselwörter

Mayflower Compact, Covenant, Staatsvertrag, John Locke, Puritaner, Pilgrim-Väter, Plymouth Colony, Politische Philosophie, Gesellschaftsvertrag, Naturzustand, Religiöses Bündnis, Amerikanische Verfassungsgeschichte, Selbstverwaltung, Zivilgemeinschaft.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit im Kern?

Die Arbeit untersucht die juristische und ideengeschichtliche Einordnung des Mayflower Compact von 1620 und hinterfragt dessen oft behauptete Rolle als Vorläufer des modernen demokratischen Staatsvertrags.

Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?

Die Schwerpunkte liegen auf der Covenant-Tradition, der politischen Ideengeschichte von John Locke sowie den historischen Hintergründen der puritanischen Siedlung in der Plymouth Colony.

Was ist die zentrale Forschungsfrage?

Die Arbeit fragt, ob der Mayflower Compact eher als klassischer Covenant oder als eine frühe Form des modernen Staatsvertrags, wie ihn John Locke später definierte, zu kategorisieren ist.

Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?

Es wird eine literaturwissenschaftliche und ideenhistorische Analyse angewandt, die den Wortlaut und die historischen Rahmenbedingungen des Dokuments mit staatstheoretischen Modellen vergleicht.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in eine detaillierte Prüfung von Merkmalen eines Covenants sowie eine kontrastierende Analyse mit den Staatstheorien von John Locke unter Einbeziehung des historischen Kontextes.

Welche Schlagworte charakterisieren die Arbeit?

Die Arbeit ist geprägt durch Begriffe wie Covenant, Mayflower Compact, Staatsvertrag, Puritanismus, John Locke und amerikanische Verfassungsgeschichte.

Warum wird der Mayflower Compact laut Autor keinem Staatsvertrag gleichgesetzt?

Der Autor argumentiert, dass das Dokument aus pragmatischen, existentiellen Notlagen entstand und die puritanischen Akteure – im Gegensatz zu Lockes Theorien – keine demokratischen Prinzipien oder religiöse Toleranz verfolgten.

Welche Rolle spielt Gott im Mayflower Compact?

Gott fungiert als Zeuge und „Vertragspartner“, was den Compact eng an die biblische Tradition der Covenants bindet und ihn von einem rein säkularen, lockeschen Staatsvertrag unterscheidet.

Excerpt out of 21 pages  - scroll top

Details

Title
Der Mayflower Compact (1620): Zwischen Covenant und Staatsvertrag
College
University of Passau
Course
"Nature's Nation": Die Erfindung nationaler Identität in den USA
Grade
1,3
Author
Stephan Katzbichler (Author)
Publication Year
2012
Pages
21
Catalog Number
V262273
ISBN (eBook)
9783656505006
ISBN (Book)
9783656507444
Language
German
Tags
mayflower compact zwischen covenant staatsvertrag
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Stephan Katzbichler (Author), 2012, Der Mayflower Compact (1620): Zwischen Covenant und Staatsvertrag, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/262273
Look inside the ebook
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
Excerpt from  21  pages
Grin logo
  • Grin.com
  • Shipping
  • Contact
  • Privacy
  • Terms
  • Imprint