„Mit wenigen Gemälden machte Homer seinen Schild zu einem Inbegriff von allem, was in der Welt vorgeht.“
Dieser Satz stammt von Johann Gotthold Ephraim Lessing. Ihn findet man in einer Fußnote zu seinem Werk Laokoon zur homerischen Schildbeschreibung, die sich im 18. Gesang der Ilias befindet. Er charakterisiert mit diesem Gedanken, welche Stellung dieser Gesang und die Beschreibung des Schildes in dem Werk einnimmt. Die Schildbeschreibung ist ein wesentlicher Bestandteil dieses Epos in der ein Bild der Welt, wie Homer sie gesehen hat, gezeichnet wird.
Dem frühgriechischen Dichter Homer wird die Abfassung der beiden großen Epen Ilias und Odyssee zugeschrieben. Über den Dichter selbst ist nur sehr wenig bekannt. Zwanzig verschiedene Städte erhoben im Altertum Anspruch darauf, Heimat des Homer zu sein. Aber nur für den Raum Phokaia, Smyrna, Kolophon und Chios wird dies ernsthaft erwogen. Gestorben soll der Dichter auf der Kykladeninsel Ios sein. Die neuere Forschung geht davon aus, dass Homer im 8. Jahrhundert v. Chr. gelebt hat. Auf diese Datierung kam man aufgrund verschiedener Indizien innerhalb der Dichtung sowie durch andere Erwägungen. Aber endgültig gesichert ist diese Zeitangabe noch nicht. Auch ist für die Forschung Homer „nur“ der Dichter der Ilias. Es gab und gibt immer wieder Theorien, dass die Odyssee von jemand anderem verfasst wurde, jedoch bewiesen werden konnte es nicht.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Die Handlung der Ilias
3. Die Schildbeschreibung bei Homer
3.1. Schilde und ihre Verziehrungen im frühen Griechenland
3.2. Die Elemente des Schildes
3.3. Vergleich zur Schildbeschreibung in der Aeneis
4. Schluß
5. Quellen- und Literaturverzeichnis
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die vorliegende Arbeit untersucht die Bedeutung der berühmten Schildbeschreibung im 18. Gesang der Ilias. Das primäre Ziel besteht darin, zu analysieren, ob Homer mit den detaillierten bildlichen Darstellungen ein realistisches Abbild der Gesellschaft des 8. Jahrhunderts v. Chr. liefert oder ob er eine idealisierte Weltordnung vermitteln möchte, die über die bloße Funktion eines Schutzschildes hinausgeht.
- Historische Kontextualisierung der Schildbeschreibung im Epos
- Analyse der Schildmotive und ihrer Anordnung als Ausdrucksform
- Gegenüberstellung von kriegerischen und friedlichen Lebensbereichen
- Vergleich der Funktion des Schildes bei Homer mit dem Schild des Aeneas bei Vergil
- Untersuchung der Schildbeschreibung als Hoffnungssymbol auf gesellschaftliche Veränderung
Auszug aus dem Buch
3.2. Die Elemente des Schildes
Nachdem die Form des Schildes geklärt ist, möchte ich nun die Bilder, die auf dem Schild des Achilleus zu sehen sind, interpretieren und ihre Anordnung untersuchen. Die kunstvollen Bilder bestimmen den wesentlichen Inhalt des Schildes. Die Darstellung der Bilder beginnt in der Mitte des Rundschildes und geht in konzentrischen Kreisen nach außen. Diese Bilder sind symmetrisch angeordnet und stellen größtenteils Gegensatzpaare dar. In 5 Schichten entwickelt Homer seine darstellenden Elemente.
Im Zentrum des Schildes werden die Erde, das Meer und der Himmel dargestellt. Im Himmel befinden sich die Sonne, der Vollmond und einige Sterngruppen, namentlich die Pleiaden, die Hyaden, der Orion und der Große Wagen. Als Gegensatz dazu stellt der Dichter die Kraft des Okeanos – Stromes, der sich rings um den äußeren Rand schlängelt und auf den Schild aufgesetzt ist.
Nach meiner Ansicht wurde diese Platzierung vom Dichter bewusst gewählt, um seiner Absicht Nachdruck zu verleihen. Im Zentrum steht die Kraft ewigen Seins in Form von Erde, Meer und Himmel. Diese Elemente sind unveränderlich und ihre Kraft nicht beeinflussbar. Am äußeren Rande des Schildes ist der die Erde umfließende Weltstrom Okeanos aufgesetzt. Er verkörpert nach meiner Überlegung eine ständig wirkende Kraft, eine Bewegung, die mit Veränderungen in der Welt gleichgesetzt werden kann. Eingeschlossen von diesem Strom spielt sich das Leben der Menschen ab, welches in den verschiedenen Bilder des Schildes dokumentiert ist.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die literaturgeschichtliche Relevanz der Schildbeschreibung und führt in die wissenschaftliche Debatte ein, ob diese als integraler Bestandteil oder als externe Einlage der Ilias zu betrachten ist.
2. Die Handlung der Ilias: Dieses Kapitel fasst den zentralen Handlungsverlauf der Ilias zusammen, mit besonderem Fokus auf den Zorn des Achilleus und die Ereignisse bis hin zum Tod des Patroklos, die den Anlass für die Neuanfertigung der Waffen bilden.
3. Die Schildbeschreibung bei Homer: Das Hauptkapitel analysiert die physische Beschaffenheit der Schilde in der Antike, die ikonografische Bedeutung der Bildmotive auf dem Achilleusschild sowie den vergleichenden Aspekt zur Aeneis des Vergil.
4. Schluß: Das Fazit resümiert, dass die Schildbeschreibung eine essenzielle symbolische Ebene darstellt, die das menschliche Leben und die Hoffnung auf eine positive gesellschaftliche Entwicklung widerspiegelt.
5. Quellen- und Literaturverzeichnis: Hier werden die verwendeten Primärquellen sowie die wissenschaftliche Sekundärliteratur zur Interpretation des Schildes und des homerischen Werkes aufgelistet.
Schlüsselwörter
Homer, Ilias, Achilleus, Schildbeschreibung, Hephaistos, Gesellschaftsbild, Epik, Antike, Weltbild, Literaturanalyse, Vergil, Aeneis, Krieg und Frieden, Symbolik, 8. Jahrhundert v. Chr.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit?
Die Arbeit befasst sich mit der detaillierten Beschreibung des Schildes des Achilleus im 18. Gesang von Homers Ilias und deren tieferer Bedeutung für das Verständnis der antiken Welt.
Welche Themenfelder stehen im Zentrum der Analyse?
Die Untersuchung konzentriert sich auf die Verbindung zwischen den dargestellten Motiven (wie Städte, Feldarbeit oder Reigen) und der gesellschaftlichen Realität bzw. den Idealen des 8. Jahrhunderts v. Chr.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, zu hinterfragen, ob die Schildbeschreibung lediglich ein ästhetisches Exkurs darstellt oder ein bewusst eingesetztes Element zur Abbildung menschlichen Lebens und gesellschaftlicher Ordnung ist.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Der Autor nutzt eine quellenkritische Interpretation unter Rückgriff auf klassische philologische Forschungsliteratur, insbesondere die Arbeiten von Walter Marg und Wolfgang Schadewaldt.
Welche inhaltlichen Schwerpunkte setzt der Hauptteil?
Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung der physischen Schilde, die schrittweise Interpretation der bildlichen Schichten auf dem Schild des Achilleus sowie einen komparativen Blick auf das Schild des Aeneas bei Vergil.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind die Schildikonografie, der homerische Epos-Kontext, das Verhältnis von Krieg und Frieden sowie die Interpretation der Schildmotive als Ausdruck von Hoffnung.
Wie unterscheidet sich der Schild des Achilleus vom Schild des Aeneas bei Vergil?
Während der Schild des Achilleus aus einem Handlungsimpuls (Verlust der Rüstung) entsteht, dient die Schilderung bei Vergil primär der politischen Glorifizierung des Augustus und der römischen Geschichte.
Wie bewertet der Autor die Kritik, die Schildbeschreibung sei nur eine unwichtige Einlage?
Der Autor weist diese Kritik zurück und argumentiert, dass die Schildbeschreibung ein elementarer Bestandteil des Epos ist, da sie ein ganzheitliches Bild der Welt, wie Homer sie konzipiert hat, darstellt.
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- Thomas Wittmann (Author), 2003, Der Schild des Aeneas, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/26227