Diese Hausarbeit im Rahmen des Hauptseminars „Caligula – gefährliches Monster oder rational handelnder Zyniker der Macht“ soll aufzeigen, welches Bild von Caligula in den spätantiken Quellen des 4.-6. Jahrhunderts gezeichnet wird und überlieferungsgeschichtliche Zusammenhänge zu anderen Autoren klären. Dazu soll die Analyse von Quellen verschiedener spätantiker Geschichtsschreiber im Mittelpunkt der Arbeit stehen, zumal die Quantität der vorhandenen Forschungsliteratur als überschaubar bezeichnet werden kann und wenig ergiebig ist. Da sich die Forschung eher auf die Analyse und Untersuchung von antiken Autoren konzentriert, entstand bei mir während meiner Recherchen zu dieser Hausarbeit der Eindruck, ein bisher wenig beachtetes Themengebiet zu untersuchen. Daher gilt es, in erster Linie die Quellen zu analysieren und zu untersuchen. In der Sekundärliteratur werden mit wenigen Ausnahmen in den meisten Fällen nur Aussagen über überlieferungsgeschichtliche Zusammenhänge, sowie zu generellen Tendenzen der Werke getroffen, jedoch nur wenige zu detaillierten inhaltlichen Aspekten. Dies ergibt sich auch daraus, dass Caligula oftmals nur am Rande erwähnt wird ohne selbst im Mittelpunkt zu stehen, so dass teilweise nur indirekte Aussagen über ihn getroffen werden. Da zum Thema der Hausarbeit bisher keine größeren wissenschaftlichen Untersuchungen existieren, übergehe ich die Darlegung des aktuellen
Forschungsstands. Hinweise zu anderen Untersuchungen zu einzelnen Aspekten bzw. Autoren finden sich im jeweiligen Kapitel der Arbeit. Weil die Glaubwürdigkeit und Herkunft der Quellen manchmal umstritten ist, möchte ich bei jedem Autor eine kurze Quellenkritik üben.
Diese soll jedoch nicht im Mittelpunkt der Arbeit stehen, so dass sie jeweils nur kurz ausfällt, um die Umstrittenheit der Quellen darzulegen. Schließlich werden aber die Überlieferungen trotz ihrer Kritikwürdigkeit als gegeben hingenommen, um ein Gesamtbild der Caligula-Rezeption in der Spätantike zu zeichnen. Neben den Quellen ist das Hinzuziehen von Kommentaren zu den jeweiligen Texten unerlässlich, um die Texte in ihrem Zusammenhang verstehen zu können. Dabei möchte ich mich auf verschiedene Autoren wie z.B. Ammianus Marcellinus, Aurelius Victor, Orosius, Hieronymus und Eusebius beziehen. Dazu wird bei jedem
Autor kurz dessen persönlicher Hintergrund erläutert, um dessen Werk und Darstellung von
Caligula besser einordnen zu können [...]
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Ammianus Marcellinus
3. Sextus Aurelius Victor
3.1 Epitome de Caesaribus
4. Eutropius
5. Paulus Orosius
6. Historia Augusta
7. Decimus Magnus Ausonius
8. Eusebius von Kaisareia
9. Sophronius Eusebius Hieronymus
10. Zusammenfassung und Fazit
11. Quellen- und Literaturverzeichnis
Zielsetzung & Themen
Die Hausarbeit untersucht, welches Bild von Kaiser Caligula in den spätantiken Quellen des 4. bis 6. Jahrhunderts gezeichnet wird, und analysiert dabei die überlieferungsgeschichtlichen Zusammenhänge sowie die Intentionen der jeweiligen Autoren bei der Darstellung des Herrschers.
- Analyse der Rezeption Caligulas in spätantiken Geschichtswerken.
- Untersuchung der Bedeutung von Autorenbiographien und deren Einfluss auf das Caligula-Bild.
- Kontrastierung von paganen und christlichen Sichtweisen auf den Kaiser.
- Erforschung der Instrumentalisierung Caligulas als "malum exemplum".
- Kritische Quellenbewertung hinsichtlich historischer Fakten versus intentionaler Geschichtsschreibung.
Auszug aus dem Buch
3. Sextus Aurelius Victor
In der römischen Kaisergeschichte des Sextus Aurelius Victor (geb. 320 in Africa, gest. ca. 390) werden die römischen Kaiser im Zeitraum 31 v. Chr. (Augustus) bis 360 n. Chr. (Caesar Iulianus) beschrieben. Er stammt aus einfachen Verhältnissen und stieg unter Kaiser Iulianus aufgrund seiner guten Ausbildung bis zum Statthalter auf. Er war im Gegensatz zu vielen seiner Zeitgenossen kein Christ und sprach sich für den Erhalt der alten Religionen aus. Aurelius Victor übt in seinen Werken Kritik an der Dominanz des Militärs und vertritt damit eine typisch senatorische Position, kritisiert jedoch auch gleichzeitig den moralischen Verfall der Mitglieder des Senats. Aurelius Victors Werk hatte wahrscheinlich Einfluss auf die Historia Augusta, sowie Eutropius und Ammianus Marcellinus, der seine sobrietas (Nüchternheit) lobt.
In seinem Werk liber de Caesaribus wird jedem Kaiser ein eigenes Kapitel gewidmet, so auch Caligula. Daher stellt Aurelius Victors Werk die ausführlichste und informationsträchtigste Quelle zu Caligula in der spätantiken Geschichtsschreibung dar.
Aurelius Victor schildert in seinen Ausführungen über Caligula, dass dieser nach dem Tod des Claudius auf allgemeinen Wunsch hin zur Herrschaft auserkoren worden sei (aventibus cunctis deligitur). Der Hinweis, dass dies auch dank der Vorfahren und des Vaters geschehen sei (maiorum grantiae parentisque) deutet darauf hin, dass Caligula nicht nur aufgrund seiner Fähigkeiten und Qualifikationen zum Kaiser wurde, sondern dies vor allem auch seinen bedeutenden Ahnen zu verdanken hatte.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Definiert die Forschungsfrage nach dem Bild Caligulas in spätantiken Quellen und erläutert die methodische Herangehensweise unter Verzicht auf einen breiten Forschungsstand.
2. Ammianus Marcellinus: Analysiert das knappe, aber vernichtende Urteil des Historikers, der Caligula mit Attributen von Grausamkeit (saevitia) assoziiert.
3. Sextus Aurelius Victor: Untersucht das detaillierteste Porträt Caligulas, das ihn als einen aufgrund seiner Vorfahren erwartungsvoll begrüßten, jedoch später enttäuschenden Herrscher darstellt.
3.1 Epitome de Caesaribus: Betrachtet eine kürzere Zusammenfassung, die Aurelius Victors Werk als Vorlage nutzt und Caligula ebenfalls als grausamen Tyrannen einstuft.
4. Eutropius: Beschreibt Eutropius' Darstellung Caligulas als blutdurstigen und erfolglosen Kaiser, dessen Herrschaft durch seine Ermordung ein notwendiges Ende fand.
5. Paulus Orosius: Analysiert Orosius' christlich-theologische Deutung, die Caligula als Werkzeug Gottes zur Bestrafung sündiger Römer und Juden begreift.
6. Historia Augusta: Bewertet die ambivalente Quelle, die Caligula primär als negatives Exempel in einer Reihe mit anderen verhassten Kaisern verwendet.
7. Decimus Magnus Ausonius: Fasst die knappe Charakterisierung Caligulas bei Ausonius zusammen, der ihn als Inbegriff von Grausamkeit und Inzest verurteilt.
8. Eusebius von Kaisareia: Untersucht Eusebius' Fokus auf das Leid der Juden unter Caligula und die Verknüpfung mit Josephus und Philo.
9. Sophronius Eusebius Hieronymus: Beleuchtet die Darstellung in Hieronymus' Chronik, die Caligula als gefährlich für Juden und Christen einstuft.
10. Zusammenfassung und Fazit: Bündelt die Ergebnisse der Untersuchung und kommt zu dem Schluss, dass Caligula in der Spätantike fast ausschließlich als "malum exemplum" zur Dämonisierung und ideologischen Instrumentalisierung dient.
11. Quellen- und Literaturverzeichnis: Listet die verwendeten Primärquellen und die wissenschaftliche Sekundärliteratur auf.
Schlüsselwörter
Caligula, Spätantike, Geschichtsschreibung, Tyrann, malum exemplum, Quellenkritik, Aurelius Victor, Orosius, Historia Augusta, Kaiserbild, Rezeption, Instrumentalisierung, Grausamkeit, Gotteshass, Antijudaismus.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit untersucht das Bild des römischen Kaisers Caligula in den Geschichtsschreibungen der Spätantike und hinterfragt die Intentionen der Autoren hinter der oft extrem negativen Darstellung.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Im Zentrum stehen die überlieferungsgeschichtlichen Zusammenhänge, die biographischen Hintergründe der antiken Verfasser und der Unterschied zwischen christlicher und paganer Interpretation.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Es wird geklärt, ob die spätantiken Quellen ein differenziertes Bild von Caligula zeichnen oder ob sie ihn lediglich als „gefährliches Monster“ dämonisieren, um bestimmte ideologische Ziele zu erreichen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt eine komparative Quellenanalyse, bei der die Texte verschiedener spätantiker Historiker auf ihre Darstellungsmotive, Quellenabhängigkeiten und weltanschaulichen Hintergründe hin geprüft werden.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil widmet sich nacheinander den einzelnen Autoren wie Ammianus Marcellinus, Aurelius Victor, Orosius, Eusebius und anderen, um deren spezifische Sichtweisen auf Caligula detailliert zu analysieren.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Quellenkritik, Rezeption, malum exemplum, Dämonisierung und spätantike Geschichtsschreibung geprägt.
Warum betrachten christliche Autoren Caligula oft als "Werkzeug Gottes"?
Viele christliche Autoren sahen in Caligulas Herrschaft eine göttlich sanktionierte Strafe für die Juden und Römer, was ihnen half, die eigene theologisch-ideologische Position zu festigen.
Wie unterscheidet sich die Darstellung in der "Historia Augusta" von anderen Werken?
Die Historia Augusta verwendet Caligula fast immer im direkten Vergleich mit anderen als schlecht geltenden Kaisern, um ein allgemeines Beispiel für tyrannisches Verhalten zu konstruieren.
Welche Bedeutung kommt der Ermordung Caligulas in den untersuchten Quellen zu?
Die Ermordung wird von nahezu allen spätantiken Autoren nicht als bloßer Mord, sondern als notwendige Erlösung für den Staat und als Akt göttlicher Gerechtigkeit interpretiert.
- Arbeit zitieren
- Sven Schidov (Autor:in), 2013, Die Rezeption Caligulas in den spätantiken Quellen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/262314