Analyse der Live-Kommentierung der Tour de France 2000

Ein Vergleich der Sender ARD, ZDF und Eurosport


Diplomarbeit, 2001
209 Seiten, Note: 2,3

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Tabellenverzeichnis

TEIL I: THEORIE UND KONZEPTION

1. EINLEITUNG

2. THEMA
2.1. IDEE UND INTERESSE
2.2. PROBLEMBEZUG UND RELEVANZ DES THEMAS

3. KOMMUNIKATIONSWISSENSCHAFTLICHER HINTERGRUND
3.1. Systematik der Massenkommunikationsforschung
3.2. Der Bereich der Aussagen- und Inhaltsforschung
3.3. Der Bereich Medienforschung

4. MEDIENSYSTEM FERNSEHEN
4.1. Die Entstehung des Fernsehens
4.2. Die Entwicklung des öffentlich-rechtlichen Rundfunks in Deutschland
4.3. Die Entwicklung des Dualen Rundfunksystems in Deutschland
4.4. Die Mediensituation heute
4.5. Die Live-Übertragung

5. Entstehung und Geschichte des Radsports
5.1. Die Anfänge des Fahrrads
5.2. Die Anfänge des Radsports
5.3. Die aktuelle Situation des Radsports

6. DIE TOUR DE FRANCE
6.1. Geschichte und Entwicklung
6.2. DIE TOUR DE FRANCE IM DEUTSCHEN FERNSEHEN

7. Radsport und medien
7.1. Radsport im Hörfunk
7.2. Radsport in den Printmedien
7.3. Radsport im Internet
7.4. Radsport im Fernsehen

TEIL II: ANALYSE UND INTERPRETATION

8. UNTERSUCHUNGSDESIGN UND METHODISCHES VORGEHEN
8.1. Forschungsleitende Fragen
8.2. HYPOTHESEN
8.3. Methodik
8.4. KATEGORIENSYSTEM
8.5. Pretest
8.6. UNTERSUCHUNGSOBJEKTE
8.6.1. Der öffentlich-rechtliche Sender ARD
8.6.2. Der öffentlich-rechtliche Sender ZDF
8.6.3. Der Spartenkanal Eurosport
8.6.4. Die Reporter der Tour de France
8.7. UNTERSUCHUNGSVERLAUF
8.8. Schwierigkeiten im Verlauf der Inhaltsananlyse

9. Präsentation und INTERPRETATION der Ergebnisse
9.1. Formale Analyse
9.2. Die Sprache der Tour de France-Berichterstattung
9.2.1. Superlative und Hyperbolik
9.2.2. Metaphorik und idiomatische Redewendungen
9.2.3. Fremdwörter
9.2.4. Ich – Wir – Kollege – Zuschauer
9.2.5. Sprachtypische Besonderheiten
9.2.6. Zusammenfassung
9.3. Themen in der Tour de France-Berichterstattung
9.3.1. Standard- und Hintergrundthemen
9.3.2. Zusammenfassung
9.4. Haupthandlungsträger
9.4.1. Fahrer und Mannschaften
9.4.2. Zusammenfassung
9.5. Fachwissen
9.5.1. Zusammenfassung
9.6. Fachliche Fehler
9.7. Vergleich der Kommentierung bei Berg- und Flach­etappen sowie Zeitfahren
9.8. Bewertungen der Sportler
9.8.1. Zusammenfassung
9.9. Prognosen und Spekulationen
9.9.1. Zusammenfassung

10. VERIFIZIERUNG ODER FALSIZIERUNG DER HYPOTHESEN

11. ERGEBNISZUSAMMENFASSUNG

12. FAZIT

13. LITERATUR

14. Anhang
14.1. Codebuch
14.2. CODEBOGEN
14.3. Definitionen der Kategorien
14.4. LEBENSLAUF

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1 TV-Präsenz des Radsports im Deutschen Fernsehen 1994-1997

Abbildung 2 TV-Präsenz der Tour de France im Deutschen Fernsehen 1994-1996

Abbildung 3 Der Streckenplan der Tour de France 2000

Abbildung 4 Sportarten in 126 Sportpublizistischen Einheiten

Abbildung 5 Themen in Radsport-Zeitschriften und WWW-Angeboten

Abbildung 6 Anteil häufigster Sportarten an der Sportberichterstattung im Internet 1998

Abbildung 7 TV-Präsenz der Sportarten 1995-1997

Abbildung 8 Programmstruktur der ARD 1994-1999

Abbildung 9 Sportangebot der ARD 1999

Abbildung 10 Programmstruktur des ZDF 1994-1999

Abbildung 11 Sportangebot auf Eurosport 1999/2000

Abbildung 12 "Bei welchem Sender liegt die größte Kompetenz im Sportbereich?" (Ergebnisse der Forsa Studie 2000)

Abbildung 13 Analyseanteile von ARD, ZDF und Eurosport

Abbildung 14 Anteile der Reporter an der Analyse

Abbildung 15 Superlativeund Hyperbolik - Die Reporter im Vergleich

Abbildung 16 Metaphern, Kriegsmetaphern und idiomatische Redewendungen

Abbildung 17 Die Sprachanteile in der Übersicht (in Prozent)

Abbildung 18 Zuschauer- und Kollegenansprachen / Ich- und Wir-Formulie­rungen (Nennungen pro Minute)

Abbildung 19 Zuschauer- und Kollegenansprachen / Ich- und Wir-Formulie­rungen (in Prozent)

Abbildung 20 Kommentarthemen - Die Sender im Vergleich

Abbildung 21 Kommentarthemen - Die Reporter im Vergleich

Abbildung 22 St andardthemen - Die Sender im Vergleich

Abbildung 23 Hintergrundthemen - Die Sender im Vergleich

Abbildung 24 Hintergrundthemen (in Prozent)

Abbildung 25 Hintergrundthemen - Die Reporter im Vergleich

Abbildung 26 Nennungen der Mannschaften (in Prozent)

Abbildung 27 Nennungen der Fahrer - Die Reporter im Vergleich

Abbildung 28 Nennungen der Mannschaften - Die Reporter im Vergleich

Abbildung 29 Fachwissen - Die Reporter im Vergleich

Abbildung 30 Technik und Taktik im Detail (absolute Anzahl)

Abbildung 31 Fahrerwissen - Die Sender im Vergleich

Abbildung 32 Fahrerwissen - Die Reporter im Vergleich

Abbildung 33 Hintergrundthemen bei Berg- und Flachetappen und Zeitfahren

Abbildung 34 Das Fachwissen bei bei Berg- und Flachetappen und Zeitfahren

Abbildung 35 Bewertungen der Sportler (in Prozent)

Abbildung 36 Positive und negative Bewertungen - Die Sender im Vergleich

Abbildung 37 Positive und negative Bewertungen (in Prozent)

Abbildung 38 Prognosen und Spekulationen - Sender und Reporter im Vergleich

Tabellenverzeichnis

Tabelle 1 Rangliste der Verbände und der häufigsten Sportarten

Tabelle 2 Faszination und Bekanntheit ausgewählter Sportarten

Tabelle 3 Radiopräsenz der Sportarten

Tabelle 4 Einschaltquoten der Tour de France bei ARD und ZDF 1998-2000

Tabelle 5 Ranglisten der Sportarten im ZDF 1998-2000

Tabelle 6 Einschaltquoten der Tour de France auf Eurosport 1998-2000

Tabelle 7 Übersicht über die ausgewählten Etappen auf ARD, ZDF und Eurosport

Tabelle 8 Superlative und Hyperbolik - Die Sender im Vergleich

Tabelle 9 Anzahl der Fremdwörter - Die Reporter im Vergleich

Tabelle 10 Nennungen der Fahrer - Die Sender im Vergleich

Tabelle 11 Nennungen der Mannschaften im Überblick

Tabelle 12 Fachwissen - Die Sender im Vergleich

Tabelle 13 Fachwissen (in Prozent)

Tabelle 14 Gesamtzahl der fachlichen Fehler - Die Reporter im Vergleich

Tabelle 15 Themen bei Berg- und Flachetappen sowie Zeitfahren

Tabelle 16 Bewertungen der Sportler - Sender und Reporter im Vergleich

TEIL I: THEORIE UND KONZEPTION

1. EINLEITUNG

In Frankreich steht ein Ereignis seit Jahrzehnten im Mittelpunkt des sportlichen, des nationalen und sogar internationalen Interesses – die Tour de France. Auch von einem Großereignis wie der Fußball-Weltmeisterschaft 1998, die in Frankreich stattfand, ließ sich die Tour nicht in die zweite Reihe verdrängen. Seit 90 Jahren steht die Tour de France für Triumphe, Tragödien und höchste körperliche und mentale Leistungen aller Teilnehmer. Sie ist das berühmteste Radrennen der Welt.

Von Beginn an begleiteten die Medien die Tour de France. War es anfangs nur die schreibende Zunft, kam in den 50er Jahren das Fernsehen hinzu. Die Franzosen boten die Bilder von der Tour an, und auch das deutsche Fernsehen stieg in das Geschäft ein.

„Es war im Jahre 1963. Ich war gerade erst seit zwei Jahren Mitarbeiter der Sportredaktion des Saarländischen Rundfunks, als ich zum ersten Mal zur Tour de France durfte. [...] Für uns Radio- und Fernsehleute waren die 60er Jahre noch die Pionierzeit. Vier Autos inklusive Hörfunkübertragungswagen sowie Materialwagen, keine eigene Kamera; das Team unter Sportchef Hopen bestand aus gerade mal zehn Mann; meinen ersten Bericht sprach ich in einem Straßengraben, einer vom Team drehte die Antenne mit der Hand in die richtige Richtung.“ (WERNER ZIMMER, In: MAXEN 1998, 84).

Seit 1969 berichtet der Saarländische Rundfunk regelmäßig von der Tour de France. Nachdem in den 80er Jahren - nach Didi Thurau - das Publikumsinteresse etwas nachgelassen hatte, stiegen die Zuschauerzahlen mit den Leistungen des Teams Telekom in den letzten Jahren sprunghaft an. Seit dem 2. Platz von Jan Ullrich 1996 und erst recht nach seinem Sieg ein Jahr später setzte in Deutschland ein Radsportboom ein.

Die oben geschilderten Pionierzeiten sind längst vorbei. Die Planungen für die Übertragung einer Tour de France erfolgen schon Jahre im Voraus. Die Fernsehteams bestehen nicht mehr nur aus zehn Mitarbeitern, sondern aus mehreren Dutzend Bild- und Tontechnikern, MAZ-Redakteuren, Produktionshelfern sowie Reportern, Kommentatoren und Moderatoren. Während der Privatsender Eurosport bereits seit 1989 in Live-Sendungen über die Tour informierte, wurde in den öffentlich-rechtlichen Sendeanstalten meist in einem Tagesresümee – mal am frühen, mal am späten Abend, mal zehn Minuten, mal länger – von der Tour de France berichtet. 1998 wurde erstmals die Tour „live“ in der ARD übertragen.

Drei Wochen lang sendet das Fernsehen täglich über die Tour de France. An einigen Tagen wird fünf Stunden nonstop live berichtet. Dutzende von Leuten sorgen hinter den Kulissen für einen reibungslosen Ablauf. Auf Sendung schließlich sind nur zwei Kommentatoren. Zwar sitzen sie nicht mehr im Straßengraben wie einst Werner Zimmer, sondern in Kabinen im Zielraum, ihre Aufgabe ist die gleiche geblieben. Sie müssen das Produkt Tour de France den Zuschauern nahe bringen, auf das aktuelle Geschehen genauso eingehen wie auf Hintergründe.

Der folgenden Untersuchung liegen Beiträge der drei Sendeanstalten zugrunde, die über die Tour de France 2000 berichten. ARD und ZDF haben sich die Berichterstattung im Wechsel aufgeteilt. Eurosport berichtete täglich über einen Zeitraum von drei Wochen.

Die vorliegende Arbeit soll sich vor allem mit der Qualität der Berichterstattung bei der Tour de France 2000 befassen. Diese Untersuchung soll erstmals aufzeigen, „wie“ und „was“ die Kommentatoren im Zuge der Tour de France präsentieren.

2. THEMA

2.1. IDEE UND INTERESSE

Die Sportpublizistik beschäftigt sich schon seit Jahren mit der Frage, wie Sport in den Medien bzw. im Fernsehen gezeigt wird.[1] Untersuchungen über die Kommentierung einzelner Sportarten und ihrer mediengerechten Aufbereitung gibt es bisher nur vereinzelt.[2]

Die Überlegung, eine Diplomarbeit über die Live-Kommentierung der Tour de France anzufertigen, basiert auf einem wissenschaftlichen Projekt, das im Rahmen eines Seminars an der Deutschen Sporthochschule Köln stattfand. Unter der Leitung von Dr. Michael Schaffrath[3] wurde die Reportersprache in den Sportarten Fußball und Formel 1 auf verschiedenen Sendern analysiert. Untersucht wurden dabei sowohl vorproduzierte Beiträge als auch Live-Kommentare. Daraus entstand die Idee, eine eigene ähnliche Untersuchung durchzuführen. Als freie Mitarbeiterin in der Redaktion „Radsport“ des Deutschen Sportverlags und interessierte Zuschauerin von Radsportberichten entschied ich mich für eine Studie im Bereich Radsport. Ich legte mich auf die Tour de France fest, da es die einzige Radsportveranstaltung ist, bei der drei Sender über einen längeren Zeitraum gleichzeitig Bericht erstatten und somit ein Sendervergleich möglich ist.

Eine Untersuchung über Radsport bzw. speziell über die Tour de France im Fernsehen stand im publizistischen Untersuchungsinteresse bisher außen vor. Dagegen findet doch der Radsport, wie schon erläutert, bei den Sendeanstalten große Beachtung. So rangiert dieser Sportbereich im Angebot der öffentlich-rechtlichen Fernsehanstalten ARD und ZDF jeweils auf Rang vier. Auch bei den privaten Fernsehanstalten (SAT.1) sind es immerhin noch vier Prozent des Gesamtanteils am Sport und damit ebenfalls Rang vier.[4]

Bei den öffentlich-rechtlichen Sendeanstalten ARD und ZDF gehört der Radsport seit einigen Jahren zu einer festen Größe in den Übertragungszeiten. Die öffentlich-rechtlichen Sendeanstalten, wie auch Eurosport, berichten ausführlich über die Tour de France. Das Erkenntnisinteresse dieser Arbeit liegt in der zentralen Frage: Wie kommentieren die Reporter die Tour de France im Medium Fernsehen? Entscheidend sind dabei drei Gesichtspunkte:

1) Kommunikator
2) Aussage
3) Medium

Um den Ist-Zustand bei der Übertragung der Tour de France zu bestimmen, müssen im Analyseteil der Arbeit die drei Bereiche näher untersucht werden. „Wer berichtet über was und wie auf welchem Kanal?“ Diese Frage soll als Leitfaden für die Analyse der Berichterstattung bei ARD, ZDF und Eurosport stehen.

Die Untersuchung ist insofern von Interesse, da

- bisher noch keine wissenschaftliche Untersuchung zur Live-Kommentierung aus dem Bereich Tour de France vorliegt;

- die Tour de France sich hoher Zuschauergunst und –beliebtheit erfreut und hohe Einschaltquoten bei den übertragenden Sendern vorliegen;
- sich die Frage stellt, wie und welche Ereignisse bei der Tour de France kommentiert und wiedergegeben werden.

Diese Arbeit soll erstmals untersuchen, wie Radsport im Medium Fernsehen präsentiert wird, exemplarisch dargestellt an der Tour de France 2000.

2.2. PROBLEMBEZUG UND RELEVANZ DES THEMAS

Seit einigen Jahren wird im Monat Juli das wichtigste Radrennen der Welt, die Tour de France, veranstaltet. Drei Wochen lang übertragen die öffentlich-rechtlichen Programme, sowie Eurosport, regelmäßig und ausführlich dieses Großereignis: in täglichen Live-Berichterstattungen sowie abendlichen Kurzzusammenfassungen. In diesem Zeitraum nimmt der Radsport bei den Sendeanstalten einen hohen Stellenwert bei den Übertragungszeiten ein.[5]

Die Berichte und Sendezeiten im Bereich des Radsports übersteigen damit Sportarten wie z.B. Tennis oder Leichtathletik, obwohl diese Sportarten von viel mehr Aktiven als Leistungs- und Freizeitsport betrieben werden, als es aktive Radsportler gibt.[6]

Die wissenschaftliche Relevanz ergibt sich damit aus dem bereits genannten Stellenwert des Radsports, insbesondere der Tour de France, in den Medien. Die vorliegende Diplomarbeit intendiert, den Bereich der Live-Kommentierung einer grundlegenden sowohl theoretischen als auch empirischen Betrachtung zu unterziehen. Die Hauptproblemstellung bei der Untersuchung lässt sich in folgender forschungsleitender Fragestellung zusammenfassen: „Mit welchen sprachlichen Mitteln, über welche Haupthandlungsträger und Themen, mit welchem Fachwissen informieren die Sender ARD, ZDF und Eurosport in der Live-Berichterstattung der Tour de France?“

Der Analysekomplex der Arbeit lässt sich in mehrere Problembereiche differenzieren:

- Erstens sollen sender- und reporterspezifische Analogien und Differenzen festgestellt werden.
- Zweitens sollen die sprachlichen Mittel eruiert werden.
- Drittens soll ein Überblick über die Themenvielfalt während der Live-Kommentierung gegeben werden.
- Viertens soll eine qualitative Beurteilung des Fachwissens und der Kritikfähigkeit vorgenommen werden.
- Fünftens liefern die gewonnenen Befunde eine Einschätzung der Berichterstattung und Möglichkeiten neuer Präsentationsformen.

Anhand des noch zu beschreibenden Untersuchungsdesigns[7] sollen die Gemeinsamkeiten und Unterschiede der einzelnen Sender ARD, ZDF und Eurosport in der Art der Live-Kommentierung untersucht werden. Aber auch formale Grundlagen wie die Rolle der öffentlich-rechtlichen Sender ARD und ZDF gegenüber Eurosport finden Erwähnung.

Zunächst soll im folgenden Kapitel der kommunikationswissenschaftliche Hintergrund erörtert werden. Es folgt eine Beschreibung der Entwicklung des Mediensystems TV in der Bundesrepublik Deutschland, der Tendenzen und Entwicklungen der letzten Jahre.

In einem nächsten Arbeitsschritt geht es um den Radsport, die Geschichte der Tour de France und schließlich um die Darstellung des Radsports in den Medien, insbesondere im Fernsehen.

Mit einer analysierenden Untersuchung soll anhand des erwähnten, ausgewählten Sendezeitraums, die typische Darstellung und Kommentierung der Tour de France aufgezeigt werden.

Zum Abschluss werden die zusammengefassten Ergebnisse vorgestellt und anhand der aufgestellten Hypothesen diskutiert. Die Autorin behält es sich vor, im abschließenden Fazit persönliche Anmerkungen und Empfehlungen zu formulieren.

3. KOMMUNIKATIONSWISSENSCHAFTLICHER HINTERGRUND

3.1. Systematik der Massenkommunikationsforschung

„Who says what in which channel to whom with what effect?“

Mit dieser Frage faßte der US-Soziologe Harold D. Lasswell die verschiedenen Bereiche der Kommunikationswissenschaft zusammen. Noch heute wird die Publizistik ausgehend von dieser Formel systematisiert. PÜRER (1990, 24) unterscheidet fünf Forschungsfelder:

- Kommunikatorforschung

„Im Bereich der Kommunikatorforschung befasst sich die Publizistik- und Kommunikationswissenschaft vor allem mit Fragen an und über jene Personen oder Gruppen von Personen, die an der Produktion von öffentlichen, für die Verbreitung durch ein Massenmedium bestimmten Aussagen beteiligt sind,...“ (PÜRER 1990, 29).

- Aussagenforschung

„Die Publizistik- und Kommunikationswissenschaft befasst sich in diesem Bereich primär mit allen originärpublizistisch verbreiteten oder über die Massenmedien veröffentlichten Botschaften – seien sie gedruckter, auditiver, visueller oder audiovisueller Natur.“ (PÜRER 1990, 36).

- Medienforschung

„Der Bereich der Position Medium umfasst alle jenen technischen Instrumente und Apparaturen, mit deren Hilfe publizistische Aussagen an die Öffentlichkeit weitergeleitet werden [...] können. [...] Im engeren Sinn ist Medienforschung konkret auf die Strukturen und Funktionen der Massenmedien bezogen.“ (PÜRER 1990, 42/43).

- Publikumsforschung

„hat die Nutzer der Massenmedien, die Leser, Hörer und Seher zum Untersuchungsgegenstand, untersucht Reichweiten, Publikums­strukturen, -wünsche und –erwartungen.“ (PÜRER 1990, 24).

- Wirkungsforschung

„Den Wirkungen der Massenmedien versucht die Medienwirkungsforschung auf den Grund zu gehen. Dabei werden – je nach Fragestellung – Wirkungen im Bereich der Wahrnehmung und des Wissens, der Einstellungen und Meinungen, der Empfindungen und Gefühle sowie der Handlungen und Verhaltensweisen der Menschen auf den Grund gegangen.“ (PÜRER 1990, 51).

Trotz der formalen Trennung der einzelnen Forschungsgebiete dürfen sie nicht isoliert voneinander betrachtet werden. Die Kommunikationswissenschaft sieht sich als interdisziplinäre Sozialwissenschaft und zieht deshalb andere Wissenschaften als Hilfsdisziplinen heran. Es wird nach folgenden Sinnaspekten untersucht: historisch, philosophisch-antropologisch, soziologisch, (sozial-) psychologisch, politologisch, pädagogisch und linguistisch.[8]

Die vorliegende Arbeit orientiert sich an dieser Einteilung. Die Untersuchung der Tour de France der Sender ARD, ZDF und EUROSPORT lässt sich innerhalb der Aussagen-, Inhalts- und Medienforschung einordnen.

3.2. Der Bereich der Aussagen- und Inhaltsforschung

Nach der Aussage des Kommunikationswissenschaftlers Werner FRÜH, gibt die Inhaltsforschung Aufschluss über die inhaltlichen und formalen Strukturen von Kommunikation.[9]

Primär befasst sie sich mit allen originärpublizistisch verbreiteten und über die Massenmedien veröffentlichten Botschaften. Den größten Teil der Inhalts- und Aussagenforschung nehmen die Massenmedien in Anspruch. Darunter fallen Zeitungsreportagen, Fernsehkommentare oder Hörfunkinterviews. Deren Aussagen dürfen jedoch nicht vom Medium isoliert betrachtet werden.

„Aussagenforschung befasst sich daher nicht nur mit den publizistischen Aussagen an sich, sondern auch mit den konkreten Bedingungen gesellschaftlicher, organisatorischer und technischer Natur, unter denen sie entstehen.“ (PÜRER 1990, 36).

Während der Anfänge der Inhalts- und Aussagenforschung beschäftigte man sich mit der Beschreibung von Zeitungsinhalten. Dabei wurde häufig der historische Aspekt von Zeitungen einbezogen. Die ersten Analysen berücksichtigten zunächst nur formale und inhaltliche Merkmale, danach trat die Untersuchung der journalistischen Darstellungsformen[10] in den Vordergrund. Auch hier waren nur die formalen Aspekte von Interesse.

Erst in der Folgezeit verlagerte sich der Schwerpunkt in den Bereich Nachrichten und deren Werte. Mit dem Entstehen von Strukturanalysen Anfang der 70er Jahre erfuhr die Inhaltsanalyse eine Weiterentwicklung. Dominierten hier noch rein quantitative Merkmale, widmete man sich Mitte der 70er Jahre verstärkt qualitativen Merkmalen. In dieser Phase wandelte sich die Inhaltsforschung endgültig zu einer mehr qualitativen Untersuchung, die verlässlich mehr als nur Inhalte auswählen konnte.[11] Gegenstand der Inhaltsanalyse sind heute alle publizistischen Medien und ihre Botschaften.

3.3. Der Bereich Medienforschung

Nach SILBERMANN ist die Medienforschung der Oberbegriff für wissenschaftliche Untersuchungen und Studien, die sich nach Aspekten von Struktur, Funktion, Organisation, Inhalt und Wirkung, Technik, Ökonomie etc. der diversen Medien widmen. Von Zeit zu Zeit erscheinen Schriften, die über den Stand der Medienforschung in einzelnen Ländern oder international vergleichend berichten.[12]

Für Heinz Pürer umfasst der Bereich Medium alle Instrumente und Apparaturen, mit deren Hilfe publizistische Aussagen an die Öffentlichkeit weitergeleitet und somit potenziell für jedermann zugänglich gemacht werden.[13]

Den Beginn der Medienforschung bestimmte die Pressegeschichte und Pressegeschichtsschreibung. In den Jahren hat sie sich weiterentwickelt zur Medien- und Kommunikationsgeschichte. Während sich die Mediengeschichte mit Hörfunk, Film und Fernsehen befasst, geht die Kommunikationsgeschichte auf die Medienentwicklung im Zusammenhang politischer, ökonomischer, sozialer und kultureller Entwicklungen ein.

Die moderne Medienforschung hat die Entstehung und Entwicklung der derzeit bestehenden Medien zum Thema. In den 60er Jahren beschäftigte sich die Forschung hauptsächlich mit der Konzentration im Pressewesen, während in den 70er Jahren verstärkt das Fernsehen hinzu kam.

Seit der Entstehung des Dualen Rundfunksystems stehen seit Mitte der 80er Jahre die Privatprogramme im Mittelpunkt der Forschung. Forschungsschwerpunkt liegt im Bereich der Gegensätzlichkeiten und Konkurrenz der beiden Systeme öffentlich-rechtlich/privat.

4. MEDIENSYSTEM FERNSEHEN

4.1. Die Entstehung des Fernsehens

Fernsehen als technisches Medium versteht sich als die

„Übertragung bewegter Bilder mit den Mitteln der Funktechnik; die Medienforschung spricht von der Übermittlung optisch-akustischer (audio-visueller) Aussagen.“ (QUENTIN 1989, 13).

Noch vor dem Zweiten Weltkrieg begann in verschiedenen Ländern und weitgehend unabhängig voneinander die Entwicklung des Fernsehens. Die technischen Voraussetzungen wurden bereits im 19. Jahrhundert durch Paul Nipkow und Ferdinand Braun geschaffen. 1884 erfand Nipkow eine spiralförmig gelochte Scheibe zur Bildabtastung, die Nipkow-Scheibe. Ferdinand Braun entwickelte die Kathodenstrahl-Oszillographenröhre, die Braunsche Röhre, mittels der die mechanische Bildabtastung Nipkows durch ein elektronisches Verfahren ersetzt werden konnte. Mit Hilfe dieser Errungenschaften und der Entwicklung von Röhrenverstärkern kam es 1925 zu ersten Fernsehvorführungen in Deutschland. Auf der deutschen Funkausstellung 1928 in Berlin wurden Versuchssendungen ausgestrahlt. Seit 1934 sendete man mit Fernsehton, am 22. März 1935 wurde der erste regelmäßige Programmbetrieb der Welt eröffnet. Empfangen wurden die ersten Sendungen meist in öffentlichen Fernsehstuben[14], in denen auch Bilder von den Olympischen Spielen 1936 übertragen wurden.

Der Zweite Weltkrieg stoppte schließlich die Weiterentwicklung des Fernsehens, erst 1950 nahm der Nordwestdeutsche Rundfunk (NWDR) wieder den Versuchsbetrieb auf.[15] Seit 1954 werden Eurovisions-Sendungen ausgestrahlt, 1967 führte man das Farbfernsehen ein.

4.2. Die Entwicklung des öffentlich-rechtlichen Rundfunks in Deutschland

„Als die (Fernseh-)Bilder laufen lernten, war der Rundfunk staatlich.“ (SCHULT/BUCHHOLZ 1997, 396)

Staatlich war der Rundfunk vor 1945. Die ersten Jahre nach Ende des Zweiten Weltkriegs entschieden dann über zwei wesentliche Merkmale des deutschen Rundfunks bis in die achtziger Jahre: die regionale Struktur und die öffentlich-rechtliche Organisation.[16] Nach den Erfahrungen mit dem Rundfunk als Propagandainstrument der Nationalsozialisten sollte diese Organisationsform nach dem britischen Modell gewährleisten, dass „Radio und Fernsehen weder vom Staat noch von einzelnen gesellschaftlichen Gruppen beherrscht werden.“[17] Die Gesellschaft sollte selbst die Kontrolle über die Anstalten übernehmen, durch die Rundfunkräte. Die westlichen Alliierten unterstützten diese Entwicklung, die gesetzlichen Grundlagen wurden von den Bundesländern geschaffen.

Trotz der eher zurückhaltenden Kontrolle des Rundfunks durch die Alliierten blieb das Medium ein wichtiges Instrument, um die Demokratie in Deutschland zu profilieren. Bis 1951 wurden auf einigen Sendern Sendungen kontrolliert, Bundesregierung und Länder mussten sich bei allen rundfunkpolitischen Unternehmungen die Zustimmung der Alliierten Hohen Kommission einholen.[18] Erst durch den Deutschlandvertrag am 5. Mai 1955 wurde die Bundesrepublik Deutschland auch im Rundfunkbereich wieder unabhängig.

Alle Rundfunkanstalten schlossen sich 1950 zur Arbeitsgemeinschaft öffentlich-rechtlicher Rundfunkanstalten der Bundesrepublik Deutschland (ARD) zusammen, ein gemeinsames Fernsehprogramm wurde ab 1954 unter dem Namen „Deutsches Fernsehen“ eröffnet.

Die geplante Einführung eines zweiten Fernsehprogramms führte in den fünfziger Jahren zu einem lang anhaltenden Machtkampf zwischen Bund und Ländern. Die Regierung unter Konrad Adenauer bemühte sich um ein Bundesrundfunkgesetz und plante ein privatwirtschaftlich organisiertes Programm. Der Streit um die Errichtung eines zweiten Programms erreichte im Juni 1960 seinen Höhepunkt, als die Regierung eine privatrechtlichen Gesellschaft ins Leben rufen wollte. Ein Vertrag für eine „Deutschland-Fernsehen GmbH“ wurde unterzeichnet.[19] Die Rundfunkpolitik Adenauers scheiterte jedoch am Bundesverfassungsgericht. Das Rundfunkurteil vom 28. Februar 1961 wurde zu einer wichtigen Rechtsgrundlage und erklärte die Deutschland-Fernsehen GmbH für verfassungswidrig. Gleichzeitig stellte das Urteil klar, dass „ein öffentlich-rechtliches Monopol nur unter den damals herrschenden Bedingungen verfassungsgemäß war, und privatrechtlich organisierter Rundfunk rechtlich durchaus möglich ist.“[20]

Drei Wochen nach dem Urteil beschlossen die Ministerpräsidenten, das zweite Fernsehprogramm nicht den Landesrundfunkanstalten zu übertragen, sondern „eine neue selbständige Anstalt des öffentlichen Rechts einzurichten.“[21] Das Zweite Deutsche Fernsehen (ZDF) begann seinen Sendebetrieb am 1. April 1963 auf der Grundlage eines Staatsvertrages zwischen den Bundesländern. Damit trat neben die bereits bestehenden Landesrundfunkanstalten eine von allen Ländern gemeinsam getragene zentrale Fernsehanstalt. Die ARD musste 30 Prozent der Gebühren an das ZDF abführen. Nach dem Schlussprotokoll des ZDF-Staatsvertrages sollten ARD und ZDF ihre Sendungen so aufeinander abstimmen, dass „die Zuschauer zwischen zwei inhaltlich verschiedenen Programmen wählen können.“[22]

4.3. Die Entwicklung des Dualen Rundfunksystems in Deutschland

In Europa ließ sich, vor allem aufgrund der technischen Entwicklung von Kabel- und Satellitenrundfunk, eine Tendenz erkennen, den Rundfunk zu reformieren. So wurde in Italien Mitte der siebziger und in Frankreich Mitte der achtziger Jahre das Staatsmonopol zugunsten privater Rundfunkanbieter aufgehoben. In der Bundesrepublik Deutschland war der Rundfunk nach dem Zweiten Weltkrieg bis 1984 ausschließlich öffentlich-rechtlich organisiert.

„Die einschneidenste Veränderung für die Medienentwicklung der Bundesrepublik nach 1945 stellt zweifellos der 1. Januar 1984 dar. Seit Ende des 2. Weltkriegs differenzierte das Duale Mediensystem zwischen einer privatwirtschaftlich organisierten Presse (Print­medien) und dem öffentlich-rechtlich organisierten Rundfunk.“ (SCHOLZ 1993, 7).

In den siebziger Jahren waren die öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten zunehmend in Kritik geraten. Von politischer Seite wurde unterstellt, es werde unausgewogen zuungunsten der eigenen Partei berichtet. Unabhängige Kritiker dagegen bemängelten, dass sich die Ausgewogenheit der Berichterstattung lediglich auf eine ausgeglichene Darstellung der Parteienstandpunkte reduziere. Weiterhin wurde den Rundfunkanstalten vorgeworfen, dass sich der fehlende Leistungsdruck durch Konkurrenz negativ auswirke.[23] Dies führte dazu, dass zunächst in Norddeutschland Versuche gestartet wurden, den Rundfunk zu reformieren. Der NDR sollte nur noch ein Fernseh- und Hörfunkprogramm ausstrahlen, die übrigen Programme sollten von privaten Trägern veranstaltet werden. Verhandlungen dazu scheiterten jedoch.

Entscheidende Impulse für die Veränderung der Rundfunkordnung in der Bundesrepublik Deutschland gingen einerseits von den neuen technischen Übertragungsmöglichkeiten aus, andererseits von der Rechtsprechung des Bundesverfassungsgerichts. Eine von der Bundesregierung 1973 einberufene Kommission schlug vor, zunächst Pilotprojekte mit Breitbandkabelsystemen einzurichten. Die Ministerpräsidenten beschlossen 1978 die Durchführung von vier zeitlich befristeten Kabelpilotprojekten.

In seinem dritten Rundfunkurteil (FRAG-Urteil)[24] vom 16. Juni 1981 entwickelte das Bundesverfassungsgericht einen Ordnungsrahmen für die Organisation des Rundfunks, den die einzelnen Bundesländer bei ihrer jeweiligen Gesetzgebung zu beachten hatten. Den Ländern wurde es selbst überlassen, neben dem öffentlich-rechtlichen auch privaten Rundfunk zuzulassen.

Schließlich legte das Bundesverfassungsgericht in seinen Urteilen vom 4. November 1986 und 24. März 1987 die Grundordnung des „Dualen Rundfunksystems“ fest. Der „Staatsvertrag zur Neuordnung des Rundfunkwesens“ trat am 1. Januar 1987 in Kraft und regelte das Nebeneinander von öffentlich-rechtlichem und privatem Rundfunk. Der Vertrag beinhaltet die Garantie des öffentlich-rechtlichen Rundfunks sowie die Errichtung des privaten Rundfunksystems durch Bereitstellung von Frequenzen, Sendekapazitäten und Werbezeiten zur Finanzierung des Programms. Den Anstalten werden unterschiedliche Aufgaben zugewiesen. So haben die öffentlich-rechtlichen Programmanbieter eine „Grundversorgung“ sicherzustellen, den privaten Sendern wurde lediglich eine „Zusatzversorgung“ zugewiesen. Die ersten privaten Fernsehprogramme in Deutschland waren 1984 RTL plus und ab 1985 SAT.1. 1990 bereits erreichten sie schwarze Zahlen und wurden zu einem großen wirtschaftlichen Erfolg wie später auch Pro 7.

Im fünften Rundfunkurteil von 1987 erlaubte das Bundesverfassungsgericht den öffentlich-rechtlichen Anbietern, sich hinsichtlich ihres Programmangebots auch jenseits der Grundversorgung für die Bevölkerung weiterzuentwickeln. Das sechste Rundfunkurteil vom 5. Februar 1991 bestätigte diese Haltung zu einem dualen System und gestand den Ländern weitgehende Gestaltungsmöglichkeiten zu.[25] Das Bundesverfassungsgericht entschied u.a., dass der Gesetzgeber auch die Kooperation von öffentlich-rechtlichen und privaten Rundfunkveranstaltern zulassen darf.

Zwischen 1982 und 1987 entwickelten sich außerdem Verhandlungen zwischen den Ländern über einen neuen Rundfunkstaatsvertrag. Eine Einigung kam im März 1987 zustande, nachdem das Bundesverfassungsgericht 1986 die rechtlichen Grundsätze für ein duales System geklärt hatte. Die Länder folgten im Staatsvertrag den Grundsätzen dieses Urteils. Dabei ist folgendes festgehalten:

„Für den öffentlich-rechtlichen Rundfunk sind Bestand und Entwicklung zu gewährleisten. Dazu gehört seine Teilhabe an allen neuen technischen Möglichkeiten in der Herstellung und zur Verbreitung sowie die Möglichkeit der Veranstaltung neuer Formen von Rundfunk. Seine finanziellen Grundlagen einschließlich des dazugehörigen Finanzausgleichs sind zu erhalten und zu sichern. Den privaten Veranstaltern werden Ausbau und die Fortentwicklung eines privaten Rundfunksystems, vor allem in technischer und programmlicher Hinsicht, ermöglicht. Dazu sollen ihnen ausreichende Sendekapazitäten zur Verfügung gestellt und angemessene Einnahmequellen erschlossen werden.“ (NOELLE-NEUMANN 1999, 504).

4.4. Die Mediensituation heute

Die zweite Generation der Privatsender tat sich schwer, den wirtschaftlichen Durchbruch zu erreichen. Namensänderungen, Ausrichtung auf (andere) Zielgruppen und Wechsel im Kreis der Gesellschafter waren die Folge.

Die Eigentumsverhältnisse sind in stetigem Wandel. Zwei große deutsche Gruppen haben sich herausgebildet, die im privaten Fernsehmarkt eine herausragende Position einnehmen: Der Bertelsmann-Konzern mit der CLT/UFA und der Münchner Medien-Unternehmer Leo Kirch. Flaggschiffe der beiden Gruppen sind RTL und SAT.1, beteiligt sind sie aber außerdem an vielen anderen Sendern, nicht nur in Deutschland. Die zunehmende private Konkurrenz und damit auch zurückgehende Werbeeinnahmen führen dazu, dass die Rundfunkgebühr und die Modalitäten ihrer Festsetzung für die öffentlich-rechtlichen Sender immer wichtiger werden.

Im Gebührenurteil vom 22. Februar 1994 stellt das Bundesverfassungsgericht fest, dass die Rundfunkgebühr rechtmäßig ist. Sie muss in einem Verfahren festgesetzt werden, das dem öffentlich-rechtlichen Rundfunk die erforderlichen Mittel gewährleistet und ihn vor Einflussnahmen auf das Programm sichert. Als Folge des Urteils wird die Arbeit der „Kommission zur Ermittlung des Finanzbedarfs (KEF)“ neu geregelt.[26]

Die BVerfGE zur EG-Fernsehrichtlinie[27] vom 22. März 1995 stellt fest, dass der Kernbereich der Rundfunkgesetzgebung bei den deutschen Bundesländern verbleiben muß. In anderen Bereichen wie Werbung, Sponsoring, Jugendschutz, Gegendarstellungs- und Urheberrecht dagegen ist der Bund nach dem Grundgesetz nicht gehindert, Regelungskompetenzen auf die Gemeinschaft zu übertragen.

Auf dem deutschen Fernsehmarkt werden die Verteilungskämpfe immer härter. Die Privatsender streiten untereinander und gegen die öffentlich-rechtlichen Sender um Marktanteile, innerhalb einzelner Sender ringen Gesellschafter um mehr Einfluß. Auch bei den Öffentlich-rechtlichen kommt es aufgrund von knapper werdenden finanziellen Mitteln und Eigeninteressen der Sender zu heftigen Kontroversen. Der Zusammenhalt der ARD erscheint gefährdet, die Existenz kleinerer Sender wird in Frage gestellt. Der Streit um die Zukunft der ARD wird durch die medienpolitische Klausur von Bad Neuenahr am 13./14. Oktober 1995 vorläufig geschlichtet.[28] Die Bundesländer einigen sich darauf, dass Finanzausgleich, Einheitsgebühr und ARD-Gemeinschaftsprogramm bis zum Jahr 2000 erhalten bleiben.

Mit der Gründung immer neuer privater Spartenkanäle wird versucht, den Fernsehmarkt zu segmentieren. Im Musikbereich sind dies VIVA, VIVA 2, und VH-1. Der Frauen-Fernsehsender TM 3 geht am 25. August 1995 auf Sendung. Die fortschreitende Konzentration im Fernsehmarkt führt einer neuen Regelung im Dritten Rundfunkänderungsstaatsvertrag am 27. November 1996. Danach wird die Vielfalt bei einem Marktanteil eines Unternehmens von mehr als 30 Prozent als gefährdet angesehen. Zur Kontrolle wird eine „Kommission zur Ermittlung der Konzentration im Medienbereich (KEK)“ eingerichtet.[29]

Seit 1996 kommen zu den bisherigen analog ausgestrahlten Fernsehprogrammen die digitalen hinzu. Die Digital-Technik gestattet durch Datenkomprimierung eine weit bessere Ausnutzung der Übertragungskapazität. Zahllose neue Programme und Zusatzdienst werden dadurch technisch möglich. DF 1 (ab 28. Juli 1996, Kirch-Gruppe) war das erste digitale Fernsehprogramm, das als Pay-TV ein Paket mit zahlreichen Spartenkanälen anbot. Enorme Verluste führten dazu, dass Kirch seine beiden Sender DF 1 und Premiere zu einem Sender unter dem Namen Premiere World vereinigte. Der Kinderkanal (1. Januar 1997) und Ereigniskanal Phoenix (7. April 1997) sind die ersten Digitalprogramme von ARD und ZDF. Das öffentlich-rechtliche Engagement im Digital-TV zielte nicht auf Pay-TV. ARD und ZDF wollten ihr vielfältiges Angebot kostenfrei erweitern. Die Grundversorgung sollte erhöht werden, aber nicht auf Kosten der Nutzer. Als Kontrast zu den privaten Anbietern war ihr Motto „Vernetzen statt Versparten.“

„Der Kampf um Quote und gegen Kosten wird den deutschen Fernsehmarkt auch weiterhin prägen. Konzentration in Form von Senderfamilien zur besseren Nutzung teuer erworbener Rechte an Filmpaketen und Sportübertragungen zeichnet sich dabei im privaten Bereich ebenso ab wie Kooperation und Konzentration bei den Öffentlich-rechtlichen.“ (SCHULT-BUCHHOLZ 1997, 409).

4.5. Die Live-Übertragung

Auf zwei verschiedene Arten gibt das Fernsehen Sportereignisse wieder, mit der (Direkt)-Übertragung und mit dem Zusammenschnitt. Waren Live-Berichte früher eher selten, verdeutlicht ein Blick auf die heutige Medienlandschaft die wachsende Bedeutung der Live-Reportage im TV-Sportprogramm.[30] Bei sämtlichen Sport-TV-Hits aus dem Jahr 2000 handelt es sich um Live-Übertragungen.

Diese Übertragungsform findet meist bei national und international bedeutenden Sportveranstaltungen Anwendung. Der Reporter sitzt vor Ort in einer Kabine mit Blick (im Radsport) auf das Ziel, auf einen Übertragungsmonitor und gegebenenfalls Ergebnismonitor. Über Kopfhörer ist er mit der Regie im Übertragungszentrum verbunden, und er kann sich den IT-Ton (International Sound, d.h. Außengeräusche und Ansagen im Zielbereich) für den akustischen Draht zum Geschehen und offiziellen Informationen zuschalten.[31] Außerdem können sich die Reporter im Bereich Radsport in den sogenannten „Tour-Funk / Radio Tour“ einklinken. Über diesen Tour-Funk bekommen die Reporter alle aktuellen Ergebnisse vermittelt, Sprint- und Bergwertungen, Ausreißversuche, Stürze und die Aufgabe von Fahrern.

Die Anforderungen an die Reporter und das gesamte Team (Regisseur, Kameraleute) sind viel höher als bei einer Nachbearbeitung. Alles Gesehene und Gesagte geht live über den Sender. Die Arbeitsbedingungen spielen eine große Rolle. Werner ZIMMER, Sportkoordinator bei der ARD, sagt dazu:

„Im Idealfall kann der Reporter das Sportgeschehen direkt verfolgen und hat vor sich noch einen Monitor. Er sieht dann die Bilder, die dem Fernsehzuschauer übertragen werden, und kann gleichzeitig verfolgen, was sich außerhalb dieses Bildausschnittes tut. Um richtig kommentieren zu können, muss er also seine Aufmerksamkeit spalten zwischen der Wirklichkeit und dem übertragenen Ausschnitt aus der Wirklichkeit. Meist allerdings muss er sich mit einem zu kleinen Monitor begnügen – dann sieht der Zuschauer zu Hause mehr als der Reporter...“ (in: SCHULT/BUCHHOLZ 1997, 157).

5. Entstehung und Geschichte des Radsports

Die Entstehung und Entwicklung des Radsports ist unmittelbar mit der Geschichte des Fahrrades verbunden. Im Verlauf der Geschichte wurden immer neue Ideen entwickelt, die sich dem modernen Fahrrad annäherten. Es würde zu weit führen, alle Einzelheiten der Fahrradtechnik zu nennen, denn der Schwerpunkt dieser Arbeit soll die mediale Untersuchung der Tour de France sein. Da jedoch der Radsport ohne die Entstehung des Sportgerätes nicht möglich gewesen wäre, soll zumindest kurz auf die Entwicklung des Fahrrades eingegangen werden.

5.1. Die Anfänge des Fahrrads

Das berühmteste Modell eines Fahrrads entwarf wohl Leonardo da Vinci, der um 1500 ein funktionstüchtiges Fahrrad skizzierte.

1790 stellte der Graf Mede de Sivrac in Frankreich sein „vélocipède“ vor, eine Laufmaschine aus Holz.[32]

Ein deutscher Baron, Karl Friedrich Christian Ludwig Freiherr Drais von Sauerborn sorgte für die technische Weiterentwicklung. 1818 präsentierte er seine „Draisine“, die sich durch einen lenkbaren Mechanismus auszeichnete[33]. Für den nächsten Schritt sorgten Ernest und Pierre Michaux. Sie brachten Kurbeln und Pedale am Vorderrad an und vollzogen damit den Übergang vom Laufrad zum Fahrrad. Ihre Michauline wurde zum „Spielzeug der Oberschicht“ (Seidl 1996, 19). 1895 waren schon 400 verkauft.

1870 begann die Blütezeit der Hochräder. Um die Geschwindigkeit der Michaulinen zu erhöhen, wurden die Vorderräder vergrößert, während sich die Hinterräder verkleinerten. Da die Handhabung dieser Räder nicht gerade einfach war, verschwanden sie bald wieder vom Markt[34].

Der Sicherheitsaspekt führte dazu, dass man die Vorderräder wieder verkleinerte und eine neue Art des Antriebs entwickelte. 1874 erfand der Brite H. J. Lawson ein Fahrrad mit gleich großen Rädern und Kettenantrieb[35]. Dieses „Sicherheitsfahrrad“ stieß jedoch zunächst auf Ablehnung. Erst zehn Jahre später setzte sich ein neues Modell, der „Rover“, auf dem Markt durch. 1885 von dem Engländer John Kemp Starley entworfen, gilt es als Prototyp für die heutigen Fahrräder[36].

„Das Fahrzeug hatte zwei gleich große Räder mit einem Durchmesser von 30 englischen Zoll (76 Zentimeter). Das Hinterrad wird durch eine Kette und beliebig große Zahnräder angetrieben. Das Tretrad befindet sich in der Mitte zwischen Vorder- und Hinterrad.“ (Gronen/Lemke 1978, 75)

Der Rover unterscheidet sich nur durch das Fehlen von luftgefüllten Gummireifen. Die wurden 1888 von dem irischen Tierarzt John Boyd Dunlop angefertigt. Seine Reifen, die nicht auswechselbar waren, wurden zwischen 1888 und 1890 von den Gebrüdern Michelin zu abnehmbaren Gummireifen weiterentwickelt[37]. Im Prinzip war die heute noch aktuelle Form des Fahrrads geboren.

5.2. Die Anfänge des Radsports

Die Geschichte des Radsports beginnt im ausgehenden 18. Jahrhundert. 1817 lief Carl Friedrich Christian Ludwig Freiherr Drais von Sauerborn mit der Draisine in vier Stunden von Karlsruhe nach Kehl.

„Damit fanden – zumindest auf Laufrädern – die ersten Einzel­zeitfahren der Radsportgeschichte statt.“

(GRONEN/LEMKE 1978, 29).

1865 fand das erste Straßenrennen der Welt mit Michaulinen in Amiens (Frankreich) statt. Nur drei Jahre später wurde das erste Bahnrennen in Paris ausgetragen.[38] Am 7. November 1869 wurde das erste internationale Straßenrennen von Stadt zu Stadt veranstaltet. Die Strecke führte über 123 Kilometer von Paris nach Rouen.[39]

Das erste Straßenrennen für Hochräder in Deutschland wird auf das Jahr 1873 datiert.[40] Ab 1880 beginnt in Deutschland der Radsport zu leben, in dieser Phase wird auch die erste Radrennbahn in München gebaut.[41]

Die klassischen Straßenrennen entstanden größtenteils um 1890, zu dem gleichen Zeitpunkt wurden in Amerika die ersten Sechstagerennen veranstaltet. Am 11. September 1893 stellte Franzose Henri Desgrange in Paris den ersten Stundenweltrekord auf.

1902 kam Desgrange auf die Idee, ein Radrennen in mehreren Etappen auszutragen. Auf seine Initiative hin startet 1903 die Tour de France (s. Kapitel 6.1. Geschichte der Tour de France).

1896 fanden die ersten Olympischen Spiele der Neuzeit in Athen statt, der Radsport war mit sechs Disziplinen vertreten: das Straßenrennen, das über 87 Kilometer führte, entschied schließlich der Grieche Konstantinidis für sich. Weiterhin standen Bahnrennen über eine Runde, 2000 Meter, zehn Kilometer, 100 Kilometer und über zwölf Stunden auf dem Programm.

Die ersten Weltmeisterschaften wurden 1899 im kanadischen Montreal ausgetragen, ein Steherrennen auf der Bahn hinter Benzinmotorrädern.[42] Die Sprinter traten 1900 um den ersten Titel in Paris an.[43]

Auf die erste Weltmeisterschaft auf der Straße mussten die Radsportler noch bis 1927 warten. Dafür hatte der Straßenradsport einen sich jährlich wiederholenden Terminkalender gefunden, der seiner heutigen Struktur entspricht.

Neben den Straßen- und Bahnrennen entstanden noch drei weitere, weniger populäre Disziplinen zu einem frühen Zeitpunkt. Auf die Amerikaner geht die Sportart des Kunstradfahrens zurück, die um 1880 in Rennpausen bei Straßenrennen Kunststücke auf Hochrädern vorführten.

1891 sorgte der Ire Richard J. Mercedy für die nächste Erfindung: das Radpolospiel. Aus diesem Spiel entwickelte sich später das Radballspiel, bei dem der Ball ohne Schläger mit Vorder- oder Hinterrad gespielt wird. 1929 fanden die ersten Weltmeisterschaften im Radball statt.

Zu Beginn des 20. Jahrhunderts entstand in Frankreich der Querfeldein-Radsport. In dieser Disziplin, mit der die wettkampffreien Wintermonate überbrückt wurden, fanden erstmals 1902 französische Meisterschaften statt. Nachdem die Union Cycliste Internationale (UCI) diese Disziplin offiziell anerkannt hatte, wurden nach dem Zweiten Weltkrieg auch Weltmeisterschaften ausgetragen.

Der Radsport hatte die Disziplinen gefunden, die in der gleichen Form heute noch betrieben werden. Zwei Disziplinen wurden erst vor kurzem in den Wettkampfkalender mitaufgenommen: der BMX und Mountainbike-Sport.

5.3. Die aktuelle Situation des Radsports

Am 27. Juli 1997 zieht der 23-jährige Jan Ullrich als erster deutscher Gewinner der Tour de France in Paris ein und tritt damit eine Radsport-Begeisterung los, die wie eine Lawine über Deutschland rollt. Noch nie zuvor hatte ein Deutscher die schwerste Rundfahrt der Welt gewonnen. 1998 wurde die Tour von einem Dopingskandal von bisher nicht gekanntem Ausmaß überschattet, der erneut für Gesprächsstoff in den Medien sorgte. Doch wenn man vom Radsport spricht, sollte man sich nicht nur auf den Profiradsport beziehen.

„Im Laufe der letzten 20 Jahre und besonders seit dem Ende der 80 er Jahre hat das Radfahren eine Renaissance erlebt, die sich nicht nur im Leistungssport, sondern vor allem auf dem Gebiet des Breitensports zeigt. Nie zuvor benutzten so viele Menschen das Fahrrad“ (SCHMIDT 1996, 10).

Die Stellung, die der Radsport in Deutschland genießt, zeigt sich in der Tatsache, dass es die am zweithäufigsten ausgeübte Sportart ist. So lautet das Ergebnis einer gesamtdeutschen Repräsentativbefragung von 3000 Personen ab 14 Jahren im März und April 1996. Acht Prozent der Befragten gaben Radfahren als ausgeübte Sportart an. An erster Stelle steht Schwimmen, das zehn Prozent genannt haben.

Der im Verein ausgeübte Radsport spielt dagegen nur eine untergeordnete Rolle. Der Bund Deutscher Radfahrer (BDR) lag 1997 in der Rangliste der mitgliederstärksten Spitzenverbände des Deutschen Sportbundes (DSB) ziemlich weit hinten. Mit 154.680 Mitgliedern rangiert er nur auf dem 24. Platz.

RANGLISTE DER VERBÄNDE UND DER HÄUFIGSTEN SPORTARTEN

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Tabelle 1 Quelle: DSB (1998, 59); OPASCHOWSKI (1996, 8); eigene Darstellung

6. DIE TOUR DE FRANCE

6.1. Geschichte und Entwicklung

Die Geschichte der Tour de France beginnt 1903. Um die Jahrhundertwende boomten nicht nur Radrennen, sondern auch Sportzeitungen, die über diese Rennen Bericht erstatteten.[44] Der Pariser Journalist Pierre Giffard erkannte dies, veranstaltete „Paris-Brest-Paris“, und seine Zeitung „Le Vélo“ florierte. Am 16. Oktober 1900 erschien eine konkurrierende Sporttageszeitung, die „L´Auto-Vélo“ genannt wurde. Man engagierte einen gewissen Henri Desgrange, der 1893 den ersten Stundenweltrekord aufgestellt hatte. Trotz allem machte die Zeitung keine großen Umsätze. Um den Lesern etwas Außergewöhnliches zu bieten, entwickelte Desgrange am 20. November 1902 die Idee, „das verrückteste Radrennen der Welt“ (Seidl 1996, 22) zu veranstalten.

Die Tour de France war geboren. In ihrem ersten Jahr zählte die Tour 6 Etappen über insgesamt 2.428 km (zum Vergleich: die 87. Ausgabe der Tour führte über 21 Etappen und 3630 km). 60 Fahrer nahmen diese Strapazen auf sich und der erste Tour-Champion hieß Henri Garin. Mit einem Vorsprung von zwei Stunden und 49 Minuten gewann er vor dem Zweitplatzierten. Dieses Kunststück konnte bis heute keiner der späteren Tourgewinner wiederholen. Die Tour de France hatte den Grundstein gelegt für ihre kontinuierliche Entwicklung zum berühmtesten Radsportereignis der Welt. Desgrange hatte sein Ziel erreicht, die „L´Auto-Vélo“ wurde auf einmal zur auflagenstärksten Sportzeitung Frankreichs.[45] Die Tour wurde länger, es kamen neue Etappen hinzu und ihr sportlicher Reiz steigerte sich von Jahr zu Jahr. 1910 erklommen die Fahrer zum ersten Mal die Gipfel der Pyrenäen.

1914 fand die letzte Vorkriegs-Tour statt und erst 1919 wurde das Spektakel wieder aufgenommen. Um das Interesse der Zuschauer zu wecken, hatte Desgrange den Einfall, den Führenden des Rennens mit einem speziellen Trikot auszustatten. Der Zufall wollte es, dass nur gelbe Jerseys lieferbar waren, die aber heute noch die begehrteste Trophäe im Profiradsport sind. Das „Maillot Jaune,“ das Gelbe Trikot, trug erstmals der Franzose Eugène Christophe am 20. Juli 1919.[46]

Die Zwischenkriegszeit brachte noch einige weitere wichtige Neuerungen für die Tour: die Etappenzahl erhöhte sich ständig, bis 1927 schließlich 24 Etappen gefahren wurden. Die "Marken"-Teams wurden durch Nationalteams ersetzt, was die Tour noch attraktiver machte. Und schließlich wurden auch die ersten Einzelzeitfahren durchgeführt und ein Bergsieger gekürt. Nicht zuletzt entwickelten sich auch die Rennräder entscheidend weiter: die ersten mit Gangschaltung wurden eingesetzt.

Als Desgrange 1940 verstarb, erweckte Jaques Goddet die Tour wieder zu neuem Leben. Er gab „L´Auto-Vélo den neuen Namen „Equipe“, die heute noch maßgeblich an der Organisation der Tour beteiligt ist.[47]

Seit den Siegen von Jean Robic 1947 und Bahamontes 1959 gewann die Tour immer mehr an Profil. Champions wie Gino Bartali, Gewinner von 1948, Fausto Coppi, der die Tour zweimal 1949 und 1952 gewann, und der Franzose Louison Bobet verliehen mit ihren Leistungen der Tour einen besonderen Glanz. Sie gehörten in ihrer Zeit zu den absoluten Volkshelden.

Drei der ganz großen Champions dominierten die 60er und 70er Jahre: Jacques Anquetil, Eddy Merckx und Bernard Hinault. Der Franzose Jacques Anquetil, der die Tour von 1961 bis 1964 viermal gewann, war der erste Fahrer im Rampenlicht. Eddy Merckx überragte alle seine Konkurrenten nach der Ära von Anquetil. Er dominierte die Tour mit fünf Gesamtsiegen und feierte vier aufeinander folgende Erfolge zwischen 1969 und 1972. Der Belgier sicherte sich damit einen Platz in der Tour de France "Ahnengalerie". Die Dynastie von Merckx endete Mitte der 70er Jahre. Bernard Hinault feierte seinen ersten von insgesamt fünf Toursiegen 1978.

Zweimal triumphierte Hinault 1978 und 1979, fügte seiner Karriere 1981, 1982 und 1985 aber noch drei weiter Titel hinzu. In den frühen 80er Jahren eroberten Laurent Fignon, der 1983 und 1984 gewann, und der Amerikaner Greg Lemond die Herzen der Fans. Diese drei Fahrer bestimmten das Geschehen bei der Tour in den folgenden Jahren. Den vielleicht größten Triumph feierte Greg Lemond über Laurent Fignon im Jahre 1989. Der Amerikaner siegte am Ende mit einem Vorsprung von nur acht Sekunden.

Der Sieg von Greg Lemond leitete eine moderne Zeit ein. Neue Räder und neue Materialien wurden verwendet, um die Geschwindigkeit der Profis zu erhöhen. Der Spanier Miguel Indurain. definierte das Radfahren neu, indem er das Leistungslimit immer mehr ausdehnte. Er schrieb Geschichte und gewann die Tour fünfmal hintereinander von 1991 bis 1995.

Nach Indurain gewannen Bjarne Riis, Jan Ullrich und Marco Pantani. Aber die Zeit war von Dopingskandalen überschattet. Mit dem Sieg von Lance Armstrong 1999 hoffte man, dass eine neue Ära der Tour de France beginnen könne.

Heute ist die Tour de France nach den Olympischen Spielen und der Fußball-Weltmeisterschaft das drittgrößte Sportereignis der Welt. Für den Veranstalter, der Société du Tour de France, ist es ein Millionengeschäft: 35 Millionen Mark an Ausgaben gegenüber 30 Millionen Mark an Einnahmen (1991).[48] Der Großteil der Finanzierung erfolgt durch die Medien, insbesondere durch das Fernsehen. Der Anteil der Medien am Gesamtbudget der Rundfahrt beträgt ca. 30 Prozent. Die Summe der Preisgelder beläuft sich auf drei Millionen Mark, der Sieger erhält 1,2 Millionen Mark. Die folgenden Zahlen, die sich auf die Tour de France 1997 beziehen, verdeutlichen den Stellenwert, den die Tour bei den Medien besitzt. Weltweit übertragen 60 Fernsehsender die Tour in 159 Länder der Welt, 104 Radiostationen sowie 436 Zeitungen, 18 internationale Nachrichtenagenturen berichten darüber. Insgesamt waren im Jahr 1997 537 schreibende Journalisten und 226 Fotografen vor Ort.[49]

6.2. DIE TOUR DE FRANCE IM DEUTSCHEN FERNSEHEN

Bereits seit 1948 ist der Saarländische Rundfunk als verantwortlicher Sender im Auftrag der ARD bei der Tour de France dabei. Seit 1969 berichtet die Sendeanstalt regelmäßig von dem härtesten Etappenrennen der Welt. Der Sieg von Jan Ullrich bei der Tour de France 1997, seine zweiten Plätze 1996, 1998 und 2000 sowie der fünfmalige Gewinn der Sprintwertung in Folge (1996-2000) durch Erik Zabel haben für einen Boom des Radrennsports, nicht nur bei der Bevölkerung, gesorgt.

Bereits bei einem Blick auf die Präsenz des Radsports im deutschen Fernsehen wird diese Entwicklung deutlich. Verteilt auf alle TV-Sender waren es im Jahr 1994 nur rund 535 Stunden. Bereits ein Jahr später stieg die Anzahl auf knapp 700 Stunden, 1996. Im Jahr 1997 erreichte die Entwicklung mit insgesamt 1060 Stunden ihren bisherigen Höhepunkt. Zusammenfassend lässt sich eine kontinuierliche Zunahme der Übertragungsdauer feststellen.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1 Quelle: IFM Medienanalysen. In: MICHELS 1997, 10; KÜFFNER, 137. Eigene Darstellung

Ein anderer Verlauf zeigt sich in der Entwicklung der TV-Präsenz der Tour de France im deutschen Fernsehen. Waren es 1994 noch 276 Stunden, fiel die Übertragungszeit des Etappenrennens 1995 auf nur noch 131 Stunden. Erst als das „Team Deutsche Telekom“ 1996 erfolgreich auftrat, stiegen die Zahlen wieder auf 251 Stunden. 1997 wurde die Tour insgesamt über 530 Stunden im Fernsehen präsentiert.[50]

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 2 Quelle: IFM Medienanalysen. In: MICHELS (1997, 10); eigene Darstellung

Das oben beschriebene gestiegene Interesse an der Tour de France wird durch wissenschaftliche Untersuchungen gestützt. Die Agentur Sport und Markt untersuchte 1997 die Faszination und Bedeutung von international bedeutenden Sportereignissen in den Jahren 1996 und 1997. Dabei belegen die Olympische Spiele und die Fußball-Weltmeisterschaft mit Abstand die beiden Spitzenplätze. Die Tour de France hat sich jedoch durch steigende Bekanntheit und Faszination auf die dritte Position verbessert und muss somit im Vergleich zu den anderen Großveranstaltungen als großer Gewinner festgestellt werden.

FASZINATION UND BEKANNTHEIT AUSGEWÄHLTER SPORTARTEN

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Tabelle 2 Quelle: Sport und Markt. In: Sponsors (12/1997, 5); eigene Darstellung

Die positive Entwicklung des Radrennsports zeigt sich auch bei der 1998 veröffentlichten UFA Fußball-Studie. Bei dieser Untersuchung wurden in einer Repräsentativerhebung 63,3 Millionen Personen ab 14 Jahren mündlich befragt. Die gebildete Stichprobe betrug bundesweit 2000 Personen. Im Rahmen dieser Befragung wurde auch das spezielle Interesse am Radsport erforscht. Hierbei stellte man fest, dass 41 Prozent der Gesamtbevölkerung am Radsport sehr interessiert bzw. interessiert sind. Bessere Werte erreichten nur Fußball, Tennis, Leichtathletik und Motorsport.

Die Tour de France 2000

Die Tour de France 2000 startete am 1. Juli im Themenpark „Futuroscope“ bei Poitiers mit dem Prolog. Drei Wochen später, am 23. Juli, kam die Tour-Karawane nach 3630 Kilometern auf den Champs-Elysées in Paris an und kürte den 87. Sieger in ihrer 97-jährigen Geschichte. Als Favorit galt der Sieger von 1999, Lance Armstrong vom US-Postal Team, der seiner Rolle gerecht wurde und die Tour zum zweiten Mal für sich entschied. Jan Ullrich, der als erster Deutscher die Tour 1997 gewann, belegte den zweiten Platz.

Die Höhepunkte, neben der Ankunft auf dem Mont Ventoux waren erneut die Königs-Etappen durch die Pyrenäen und die Alpen. Das Fernsehen berichtete jeden Tag von der Tour. Die öffentlich-rechtlichen Sender ARD und ZDF übertrugen alle 21 Etappen. Das ZDF berichtete rund 46 Stunden, die ARD circa 50 Stunden. Wie jedes Jahr war auch Eurosport mit einer umfangreichen Live-Berichterstattung auf Sendung.

Der Streckenplan der Tour de France 2000

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 3 Quelle: www.frankreich-info.de/tour/index.shtml

7. Radsport und medien

Im Folgenden werden die den Radsport betreffenden Ergebnisse bisheriger kommunikationswissenschaftlicher Forschungsprojekte in den Forschungsfeldern der Publizistik- und Kommunikationswissenschaft dargestellt.

7.1. Radsport im Hörfunk

Wissenschaftliche Untersuchungen zum Thema Radsport im Radio sind sehr selten. Lediglich SCHAFFRATH (1996) ermittelte den Stellenwert des Radsports bei den Radiosendern. In seiner Rangfolge liegt der Radsport mit 294 Minuten Hörfunk-Präsenz auf Rang sieben.[51]

Die Untersuchung wurde mittels der Kombination dreier sozialwissenschaftlicher Forschungstechniken, Sekundäranalyse, Inhaltsanalyse und Befragung, durchgeführt. Die Daten zur Präsenz einzelner Sportarten im Radio gewann SCHAFFRATH mittels einer vierwelligen Inhaltsanalyse im Jahr 1994. Aus jedem Quartal des Jahres wurde ein Wochenende in die Analyse mit einbezogen.[52] Aus forschungsökonomischen Gründen wurden allerdings nicht alle 257 Radioanbieter untersucht, es wurde eine Stichprobe von 55 Sendern gebildet. Um eine möglichst hohe Stichprobenvalidität zu gewährleisten, wurde die Stichprobenziehung mittels der Methode der geschichteten Zufallsauswahl gewählt.[53]

RADIO-PRÄSENZ DER SPORTARTEN

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Tabelle 3 Quelle: SCHAFFRATH (1996, 325).

7.2. Radsport in den Printmedien

Wie schon im Hörfunk sind auch bei den Printmedien exakte Zahlen und Daten zum Thema Radsport Mangelware. Was die Sportberichterstattung in der Tageszeitung angeht, so steht eine Längsschnitt-Untersuchung noch aus. Bisher bezieht sich nur Eike SCHULZ (1995) in seiner unveröffentlichten Diplomarbeit auf den Stellenwert des Radsports in der Tageszeitung. Seine Ergebnisse kann man jedoch nicht verallgemeinern, da es sich bei der Untersuchung um eine Stichtagserhebung handelt. Zwar wurden dabei alle 137 zum Untersuchungszeitpunkt existierenden Publizistischen Einheiten in Deutschland eingeschlossen, sie wurden aber nur an einem einzigen Tag, dem 9. Mai 1994 untersucht. Die Ergebnisse sind somit nur für diesen einen Tag repräsentativ.

Bei diesem Datum handelt es sich um den Montag nach dem letzten Spieltag der Fußball-Bundesliga. Kein günstiger Zeitpunkt, um den Anteil des Radsports zu ermitteln. Wäre der Untersuchungstag auf den Montag nach Abschluss der Tour de France gefallen, würde das Ergebnis anders ausfallen. Laut dieser Untersuchung kam der Radsport auf einen Anteil von 1,9 Prozent in den Hauptsportteilen der Tageszeitungen. Dem Fußball wurde dagegen mit 61 Prozent mehr als doppelt so viel Platz gewidmet wie allen anderen Sportarten zusammen.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Sportarten in 126 Sportpublizistischen Einheiten

Abbildung 4 Quelle: SCHULZ (1995, 154)

Detaillierte Untersuchungen zur Präsentation des Radsports in Zeitschriften liegen bisher nur für das Teilgebiet Mountainbike in speziellen kommerziell-freien Sportzeitschriften vor. GRUSS (1995) lieferte in seiner unveröffentlichten Diplomarbeit Daten zum Inhalt der drei Mountainbike-Zeitschriften bike, bike-sport news und Mountainbike. Diese Magazine erforschte er im Zeitraum vom 1. April 1989 bis zum 15. August 1994 mittels einer Stichprobe von zwei Ausgaben pro Jahrgang.[54]

7.3. Radsport im Internet

Die unveröffentlichte Diplomarbeit von ERMERT (2000) thematisiert erstmals Radsport im WWW. Ziel seiner Studie war es, wissenschaftliche Aussagen zum Angebot von Radsport-Zeitschriften und Radsport-Online-Angeboten im Internet zu machen, sowie das Publikum beider Medientypen zu analysieren. (ERMERT 2000, 93)

Um die deutschsprachigen Online-Angebote im deutschen WWW, die Radsport zum Gegenstand haben, zu ermitteln, führte er eine zweiwellige Untersuchung durch. Eine 1. Bestandsaufnahme fand zwischen dem 30. November und 8. Dezember 1998 statt, die zwischen dem 21. und 25. Juni 1999 noch einmal überarbeitet wurde. Als primäre Quellen seiner WWW-Bestandsaufnahme dienten ERMERT sogenannte Suchmaschinen, wobei er auf Verzeichnisse weiterer Radsport-Angebote stieß, die als sekundäre Quellen zu weiteren Recherchen genutzt wurden.[55]

Seine Bestandsaufnahme der Radsport-Angebote im WWW ergab ein noch vielfältigeres Angebot gegenüber dem schon großen Zeitschriftenmarkt. Während ERMERT zehn überregional verbreitete Radsport-Zeitschriften ermittelte, stehen dem 119 Radsport-Angebote im WWW gegenüber.[56] Hierbei ergibt sich ein starker Trend zur Spezialisierung, circa 30 Prozent der Angebote konzentriert sich auf nur eine Sparte des Radsports. Fast alle WWW-Angebote thematisieren die Sparte Freizeit-, Breiten- und Gesundheitssport. Die Themen Technik, Ausrüstung, Handel und Verkehr werden nur von knapp einem Drittel aufbereitet. Insgesamt ließen sich 14 Typen von Radsport-WWW-Angeboten nachweisen.[57]

Zusätzlich sollten mittels einer Befragung (Publikumsanalyse) Leser von Radsport-Zeitschriften und Nutzer von Online-Angeboten zum Radsport im WWW erreicht werden.[58] Diese Publikumsanalyse zeigte, dass die meisten der WWW-Angebote nur sehr geringfügige Reichweiten erzielen.

Themen in Radsport-Zeitschriften und WWW-Angeboten

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 5 Quelle: ERMERT (2000, 129)

Vor ERMERT haben bereits BEINEKE (1997) und BRAUN (1999) die Sportberichterstattung im WWW untersucht, wobei sie das Thema Radsport im Internet nur am Rande streifen. BEINEKE fragte nach dem Stellenwert der einzelnen Sportarten innerhalb der Sport-Online-Angebote. In seiner Untersuchung belegte Radsport Rang acht unter den Sportarten.[59]

BRAUN ermittelte vier sehr spezielle sportjournalistische Angebote, die als einzige Radsport zum Inhalt haben. BRAUN untersuchte in seiner Inhaltsanalyse nicht den Anteil des Radsports insgesamt, sondern wertete jede Disziplin als eigene Sportart. In der von ihm untersuchten Stichprobe nahm die Kategorie „Radrennen (Straße)“ mit einem Anteil von 2,2 Prozent den zehnten Platz ein. Angeführt wird die Rangfolge wieder einmal vom Fußball, der 31,8 Prozent ausmacht.

Anteil häufigster Sportarten an der Sportberichterstattung im Internet 1997

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 6 Quelle: BRAUN (1997, 118)

7.4. Radsport im Fernsehen

Die erste wissenschaftliche Untersuchung, die Daten über die Präsenz des Radsports im Fernsehen veröffentlichte, stammt von Scholz (1993). Mittels Inhaltsanalyse untersuchte er im Jahr 1989 das Sportprogramm von elf TV-Sendern. In einer Sekundäranalyse erhob er das gesamte Sportprogramm der zu untersuchenden Sender für 1989, in einer Primäranalyse analysierte er mit Hilfe von Videoaufzeichnungen das Sportprogramm der Fernsehanstalten.[60]

Die Sekundäranalyse ergab für den Radsport eine TV-Präsenz von insgesamt 2283 Minuten. Damit rangiert er an zwölfter Stelle in der Sportarten-Rangliste. Allerdings wurde bei dieser Erhebung nicht das Programm des Sportsenders Eurosport berücksichtigt.

In den letzten Jahren veröffentlichte die Zeitschrift Sport-Bild regelmäßig eine Hitliste der am häufigsten im Fernsehen vertretenen Sportarten. Die Zahlen werden vom Institut für Medienanalysen (IFM) in Karlsruhe ermittelt und erstrecken sich auf die Dauer eines Jahres. Für den Radsport ergab sich dabei folgendes Bild: 1995 belegte er mit 688 Stunden Platz acht.[61] Ein Jahr später lag er mit 769 Stunden bereits auf Rang vier.[62] 1997 war der Radsport 1060 Stunden im Fernsehen präsent.[63] Damit liegt er immer noch weit hinter den Sportarten Fußball, Motorsport und Tennis, dennoch hat der Radsport die größten Gewinne in den letzten drei Jahren zu verzeichnen. Das Bild des TV-Sports ist jedoch nicht facettenreicher geworden, der Kanon der dieses Bild bestimmenden Sportarten ist klein – allenfalls Positionsverschiebungen sind festzustellen. Die Fernsehsportart Nummer eins heißt nicht mehr wie in den ausgehenden 80er Jahren Tennis, sondern seit einigen Jahren Fußball.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 7 Quelle: SPORT-BILD (3/97, 65; SPORT-BILD 5/98, 63); eigene Darstellung

TEIL II: ANALYSE UND INTERPRETATION

8. UNTERSUCHUNGSDESIGN UND METHODISCHES VORGEHEN

Wie in der Einleitung dieser Diplomarbeit diskutiert, ergibt eine Reflexion der wissenschaftlichen Untersuchungen zur Thematik „Live-Kommentierung und Radsport“, dass sich die Forschung bisher diesem Problemfeld nicht zu nähern versucht hat. Eine wissenschaftliche Untersuchung, die die Kommentierung in der Konkurrenzsituation öffentlich-rechtlicher und privater Sender analysiert, fehlt bislang. Die vorliegende Studie ist als eine vergleichende Untersuchung der Live-Kommentierung im Radsport konzipiert. Die Hauptproblemstellung dieser Analyse muss auf verschiedenen Ebenen ermittelt werden und lässt sich in folgende forschungsleitende Fragen strukturieren.

8.1. Forschungsleitende Fragen

- Lassen sich senderspezifische und programmliche Unterschiede zwischen der Tour de France-Berichterstattung von den öffentlich-rechtlichen Sendern ARD und ZDF und dem Spartenkanal Eurosport ermitteln?
- Bestehen reporterspezifische Unterschiede?
- Welche Themen werden berücksichtigt?
- Welche Haupthandlungsträger stehen im Mittelpunkt der Berichterstattung?
- Welche sprachlichen Mittel werden zur Präsentation eingesetzt?
- Wie setzen die Reporter ihr Fachwissen ein?
- Wie häufig nehmen die Reporter Einschätzungen und Bewertungen vor?

8.2. HYPOTHESEN

Im Kontext der Beantwortung der forschungsleitenden Fragen lassen sich folgende Hypothesen formulieren, die ihm Rahmen dieser Studie auf der Grundlage der empirisch gewonnenen Ergebnisse verifiziert oder falsifiziert werden sollen:

Hypothese 1:

Die Übertragung der Tour de France beschränkt sich nicht auf bloße Ergebnisstatistik, auf das pure Renngeschehen. (1:0-Berichterstattung)

1975 hat HACKFORTH den Mangel an Hintergrundberichterstattung im TV-Sport nachgewiesen und den Begriff der 1:0 Berichterstattung geprägt. Vermutet wird, dass sich im Radsport die Kommentierung aufgrund der teilweise sehr langen Live-Übertragungen nicht nur auf das Ergebnis bzw. die Platzierungen beschränken. Es bleibt genügend Zeit für hintergründige, kritische Anmerkungen.

Hypothese 2:

Die Tour de France-Berichterstattung von ARD und ZDF verläuft in der Präsentation ähnlich.

Bereits 1989 ermittelte Rolf SCHOLZ in seiner Analyse des TV-Sportprogramms ein konvergentes Profil der TV-Sportberichterstattung. Die Konvergenz bezieht sich unter anderem auf Beitragsformen, Hauptthemen und Haupthandlungsträger.[64] Michael SCHAFFRATH kam bei der Erforschung der Fußball-WM 1998 zu dem Ergebnis, dass die öffentlich-rechtlichen Sender das Produkt Fußball ähnlich dargeboten haben. Es kann davon ausgegangen werden, dass sich bei der Tour de France-Berichterstattung zwischen den beiden öffentlich-rechtlichen Sendeanstalten kaum formale Unterschiede bezüglich der thematischen Akzentuierung oder der formalen Präsentation erkennen lassen. Allenfalls bei einzelnen Variablen gibt es möglicherweise graduelle Unterschiede. Eurosport als reiner Sportkanal könnte sich dagegen im Konzept der Übertragungen von den öffentlich-rechtlichen Sendeanstalten unterscheiden.

[...]


[1] Vgl.: SEIFERT (1990, 75 ff).

[2] Vgl.: NIET (1992) / SAUER (1993).

[3] Dr. Michael Schaffrath ist seit Oktober wissenschaftlicher Mitarbeiter am Lehrstuhl für Sport, Medien und Kommunikation der Technischen Universität München.

[4] Vgl.: RÜHLE (2000, 506).

[5] Vgl.: Kapitel 8.6.1.

[6] Vgl.: Kapitel 5.3.

[7] Vgl.: Kapitel 8.

[8] Vgl.: PÜRER (1990, 24/25).

[9] Vgl.: FRÜH (1998, 25).

[10] Nachricht, Bericht, Reportage, Feature, Interview, Glosse, Kommentar, Leitartikel (vgl. auch: NOELLE-NEUMANN/SCHULZ/WILKE 1999, 91 f.).

[11] Vgl.: ATTESLANDER (1993, 228 f.).

[12] Vgl.: SILBERMANN (1982, 299).

[13] Vgl.: PÜRER (1990, 42).

[14] Vgl.: SCHULT/BUCHHOLZ (1997, 396).

[15] Zur Gründung von ZDF und ARD s. Kapitel 8.6.1./8.6.2.

[16] Vgl.: NOELLE-NEUMANN (1999, 483).

[17] Vgl.: SCHULT/BUCHHOLZ (1997, 399).

[18] Vgl.: NOELLE-NEUMANN (1999, 485).

[19] Vgl.: SCHULT/BUCHHOLZ (1997, 400).

[20] Vgl.: SCHULT/BUCHHOLZ (1997, 400).

[21] Vgl.: NOELLE-NEUMANN (1999, 488).

[22] Vgl.: NOELLE-NEUMANN (1999, 488).

[23] Vgl.: NOELLE-NEUMANN (1999, 498).

[24] Näheres zum FRAG-Urteil in: SCHULT/BUCHHOLZ (1997, 401).

[25] Vgl.: NOELLE-NEUMANN (1999, 503).

[26] Vgl.: SCHULT/BUCHHOLZ (1997, 406).

[27] Abgedruckt in: ARD-JAHRBUCH (1995, 420 ff.).

[28] Vgl.: SCHULT/BUCHHOLZ (1997, 407).

[29] Vgl.: SCHULT/BUCHHOLZ (1997, 408).

[30] Vgl.: HACKFORTH (1988, 54) oder SCHOLZ (1993, 287).

[31] Vgl.: SCHEU, in: HACKFORTH/FISCHER (1994, 249/250).

[32] Vgl.: Gronen/Lemke (1978, 19).

[33] Vgl.: Gronen/Lemke (1978, 29).

[34] Vgl.: Seidl (1996, 20).

[35] Vgl.: Seidl (1996, 20).

[36] Vgl.: Gronen/Lemke (1978, 75).

[37] Vgl.: Gronen/Lemke (1978, 85).

[38] Vgl.: GRONEN/LEMKE (1978, 49).

[39] Vgl.: GRONEN/LEMKE (1978, 51).

[40] Vgl.: GRONEN/LEMKE (1978, 59).

[41] Vgl.: GRONEN/LEMKE (1978, 65).

[42] Vgl.: GRONEN/LEMKE (1978, 167).

[43] Vgl.: GRONEN/LEMKE (1978, 179).

[44] Vgl.: Seidl (1996, 22).

[45] Vgl.: Seidl (1996, 23).

[46] Vgl.: Seidl (1996, 23).

[47] Vgl.: Seidl (1996, 23).

[48] Vgl.: Seidl (1996, 24).

[49] Vgl.: MAXEN (1998, 82).

[50] Vgl.: BECKER (1999, 54).

[51] Vgl.: SCHAFFRATH (1996, 325).

[52] Vgl.: SCHAFFRATH (1996, 222 ff).

[53] Vgl.: SCHAFFRATH (1996, 218).

[54] Vgl.: GRUSS (1995, 127).

[55] Näheres zum Untersuchungsdesign bei: ERMERT (2000, 99 ff.).

[56] Vgl.: ERMERT (2000, 169).

[57] Vgl.: ERMERT (2000, 127).

[58] Vgl.: ERMERT (2000, 108).

[59] Vgl.: BRAUN (1997, 172).

[60] Vgl.: SCHOLZ (1993, 158).

[61] Vgl.: SPORT-BILD (1996, 64).

[62] Vgl.: SPORT-BILD (1997, 65).

[63] Vgl.: SPORT-BILD (1998, 63).

[64] Vgl.: SCHOLZ (1993, 286).

Ende der Leseprobe aus 209 Seiten

Details

Titel
Analyse der Live-Kommentierung der Tour de France 2000
Untertitel
Ein Vergleich der Sender ARD, ZDF und Eurosport
Hochschule
Deutsche Sporthochschule Köln  (Institut für Sportpublizistik)
Note
2,3
Autor
Jahr
2001
Seiten
209
Katalognummer
V26236
ISBN (eBook)
9783638286404
ISBN (Buch)
9783638702379
Dateigröße
1443 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Analyse, Live-Kommentierung, Tour, France
Arbeit zitieren
Heike Vanselow (Autor), 2001, Analyse der Live-Kommentierung der Tour de France 2000, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/26236

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