Dieser Essay beschäftigt sich mit der Frage, inwieweit die Arbeiten Michel Foucaults für Historiker relevant und von Interesse sind. Bezogen wird sich unter anderem auf das Werk "Überwachen und Strafen. Die Geburt des Gefängnisses."
Michel Foucault ist ein Phänomen, das bereits zu seinen Lebzeiten polarisierte. Er ist ein Mann, der stets Schranken und Denkmuster durchbrach und sich somit nicht eindeutig einer Sparte zuordnen lässt. Seine Themen und Texte tangieren sowohl die Geschichtswissenschaft, als auch Bereiche der Germanistik, Psychologie und Philosophie. Gerade auf Grund der schweren Fassbarkeit der Schriften und dadurch, dass Foucault viele gedankliche Fesseln zu sprengen vermag und so neue Einsichten aus anderen Blickwinkeln gewährt, machten und machen ihn auch heute noch so faszinierend. Gleichzeitig sind diese abstrakten und ungewöhnlichen Denkvorgänge bei anderen Schichten von Rezipienten verpönt, da sie partiell einen ungeordneten Eindruck erwecken können.
Im Folgenden werde ich versuchen, die Frage zu klären, in wie weit man Foucault als Historiker zu bewerten hat oder als Historiker heranziehen kann.
Einer der größten Kritikpunkte, die Foucault vorgeworfen werden, ist die semantische Dunkelheit des Ausdrucks, die sich dem alltagssprachlichem Verständnis teilweise entzieht und somit einen breiten Spielraum für Interpretationsmöglichkeiten zulässt. In der Tat wirken manche Formulierungen diffus und geben nur eine vage Vorstellung, statt einer eindeutigen Aussage wieder. Genaue Definitionen seiner verwendeten Begriffe vermisst man ebenfalls, was die Varianten einer Auslegung der einzelnen Textpassagen weiter erhöht und vom subjektiven Verständnis abhängig macht. Vom Standpunkt eines Historikers aus gesehen, ist dies sehr ungewöhnlich, da von ihnen meist klare, fast nuancenhafte Abgrenzungen von Begriffen gefordert werden, um eigene Standpunkte stichhaltig darzulegen und für jeden nachvollziehbar zu gestalten. Die sachlich neutralen Fakten, nicht Erkenntnisprozesse, stehen bei den Historikern im Vordergrund. Für Personen, die sich noch nicht mit der Materie des jeweiligen behandelten Foucault Textes auseinander gesetzt haben, ist es deshalb im Gegensatz zur herkömmlichen Forschungsliteratur schwierig, den roten Faden nicht zu verlieren und neue Erkenntnisse aus dem Text zu gewinnen. In diesem Fall ist es empfehlenswert, sich, auf Grund des fehlenden Hintergrundwissens, durch andere Sekundärliteratur erst eine Basis über das behandelte Objekt zu verschaffen.
Eine chronologische Reihenfolge von wichtigen Ereignissen, die das Verständnis erleichtern könnte, wie sie zum Beispiel in „Überwachen und Strafen. Die Geburt des Gefängnisses“ gegeben ist, ist zwar lobenswert, jedoch gleichzeitig auch lücken- und sprunghaft, da Michel Foucault prinzipiell in diesem Buch mehr auf die sozialen Verhältnisse und Umstände eingeht, die einen Wandel des Strafvollzugs bewirkt haben und dabei besonderes Augenmerk auf die zunehmende Disziplinierung und Überwachung der Gesellschaft lenkt.
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Häufig gestellte Fragen
Kann man Michel Foucault als Historiker bezeichnen?
Foucault ist schwer einzuordnen; er nutzt zwar historische Quellen, bricht aber mit traditionellen geschichtswissenschaftlichen Methoden, indem er den Fokus auf Diskurse und Machtstrukturen legt.
Was wird an Foucaults Schreibstil oft kritisiert?
Kritiker bemängeln die "semantische Dunkelheit" und das Fehlen präziser Definitionen, was viel Spielraum für subjektive Interpretationen lässt.
Worum geht es in "Überwachen und Strafen"?
Foucault analysiert darin den Wandel des Strafvollzugs und die Entstehung des Gefängnisses als Instrument zur Disziplinierung und Überwachung der gesamten Gesellschaft.
Wie unterscheidet sich Foucault von herkömmlichen Historikern?
Während Historiker meist neutrale Fakten und chronologische Abläufe priorisieren, interessieren Foucault die sozialen Verhältnisse und Erkenntnisprozesse hinter dem Wandel.
Warum ist Foucault trotz der Kritik für die Forschung relevant?
Er sprengt gedankliche Fesseln und ermöglicht neue Einsichten aus ungewöhnlichen Blickwinkeln, was ihn für Philosophie, Soziologie und Geschichte gleichermaßen faszinierend macht.
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- Stefan Besenhard (Author), 2008, Inwieweit kann man Foucault als Historiker heranziehen?, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/262364