Bildete sich das amerikanische Spanisch aus der andalusischen Varietät heraus?


Hausarbeit (Hauptseminar), 2013

19 Seiten, Note: 2,0


Leseprobe

Inhalt

1) Einleitung

2) Thesen zur Herausbildung des amerikanischen Spanisch
2.1) Die Andalucismo-These
2.2) Die Antiandalucismo-These

3) Methode

4) Phonetische Besonderheiten des amerikanischen Spanisch
4.1) Seseo
4.2) Yeísmo
4.3) Die Realisierung von /s/

5) Phonetische Besonderheiten der habla andaluz
5.1) Seseo
5.2) Yeísmo
5.3) Die Realisierung von /s/

6) Vergleich der phonetischen Besonderheiten
6.1) Seseo
6.2) Yeísmo
6.3) Die Realisierung von /s/

7) Fazit

8) Bibliographie

1) Einleitung

Nachdem Chistoph Kolumbus 1492 Amerika entdeckte kam es zur Eroberung durch die Spanier. Diese verlief in drei Etappen. In einer ersten Phase wurden die karibische Inselwelt und die angrenzenden Küstengebiete erkundet und erste Niederlassungen gegründet (vgl. Noll 2001: 53). Von dort aus wurden weitere Expeditionen in Richtung Festland gestartet. So kam es in der zweiten Phase zur Eroberung Mexikos durch Hernán Cortés (1519-1521) und schließlich auch zur Eroberung der Andenhochländer durch Francisco Pizarro (1531) (vgl. ebd. 2001: 53f). Der Handel mit den in der Neuen Welt gefundenen Schätzen, wie Gold und Silber durfte ausschließlich über die Casa de la Contradición und den Hafen von Sevilla verlaufen (vgl. ebd. 2001: 56), was Andalusien eine besondere Stellung in Bezug auf die Eroberung Südamerikas sicherte. Peter Boyd-Bowman stellte in seinen Erhebungen fest, dass zwischen 1493 und 1508 etwa 60% der Siedler aus Andalusien stammten. Diese hohe Auswanderungsrate ebbte zwar ab, prozentual gesehen, wanderten jedoch kontinuierlich mehr Bewohner Andalusiens als Einwohner aus anderen Gebieten Spaniens aus (vgl. Saralegui 2004: 23). So ist es nicht verwunderlich, dass in einer der ersten Thesen zur Herausbildung des amerikanischen Spanisch von Lucas Fernández de Piedrahita (1688) ein andalusischer Ursprung angenommen wird (vgl. Noll 2012: 34). Denn durch die Immigration in die Neue Welt, trugen die Siedler auch ihre sprachlichen Eigenheiten nach Amerika, auf dessen Grundlage sich dann das amerikanische Spanisch entwickelte.

Im Folgenden soll nun herausgestellt werden, ob sich das amerikanische Spanisch tatsächlich aus der peninsularen Varietät des Andalusischen herausbildete. Da im Rahmen dieser Hausarbeit nicht alle phonetischen Merkmale des amerikanischen und des andalusischen Spanisch untersucht werden können, soll sich im weiteren Verlauf auf die markantesten Merkmale, wie den seseo oder den yeísmo beschränkt werden. Die Untersuchung soll anhand von, von der Dialectoca del Español zur Verfügung gestellten sprachlichen Materials erfolgen. Diese Quelle ist insofern interessant, als dass sie inhaltlich identisches Material aus den unterschiedlichsten sprachlichen Regionen bietet. Ab dem 19. Jahrhundert nimmt die Beschäftigung mit dem Ursprung des Spanischen in Amerika zu (vgl. Noll 2012: 34f). Daher sollen zunächst zwei der wichtigsten Thesen zur Herausbildung des amerikanischen Spanisch vorgestellt werden, wobei die Andalucismo -These wie Lucas Fernández de Piedrahita von einem andalusischen Ursprung ausgeht, während die Antiandalucismo -These diesen negiert.

2) Thesen zur Herausbildung des amerikanischen Spanisch

2.1) Die Andalucismo-These

Die Andalucismo -These wurde 1920 von Max Leopold Wagner begründet. Er ging davon aus, dass sich das amerikanische Spanisch maßgeblich aus der andalusisch-extremeñischen Varietät herausbildete (vgl. Noll 2001: 73). Um seine These zu untermauern nennt Wagner verschiedene Merkmale, die sowohl im Andalusischen als auch in den amerikanischen Varietäten zu finden sind. So zum Beispiel der seseo oder die Aspiration von /s/ implosiver Stellung (vgl. Noll 2012: 34). Zudem unterscheidet Wagner Inseln und Küstengebiete und binnenländische Gebiete, wobei die Insel- und Küstengebiete durch die frühere und intensivere Besiedlung laut Wagner stärker durch das Andalusische geprägt wurden (vgl. Noll 2001: 73). Dass sich vorwiegend phonetische Merkmale der andalusisch-extremeñischen Varietät verbreiteten haben, ist durch die Herkunft der Einwanderer zu erklären. Peter Boyd-Bowman konnte mit seinen Erhebungen die Andalucismo-These geschichtlich-demographisch untermauern (vgl. Noll 2012: 34f). So kamen etwa 36,9% der Einwanderer zwischen 1493 und 1600 aus Andalusien und 16,4% aus Extremadura (vgl. Garrido Domínguez 1994: 110). Weiterhin fand Boyd-Bowman heraus, dass 70% der Seeleute und 67% der zwischen 1509 und 1519 ausgewanderten Frauen aus Andalusien stammten.

2.2) Die Antiandalucismo-These

Die Antiandalucismo -These wurde 1921 von Pedro Henríquez Ureña begründet (vgl. Noll 2012: 34). Basierend auf der Unterscheidung Wagners in Inseln und Küstengebiete und binnenländische Gebiete prägte Henríquez Ureña die Begriffe der tierras altas und tierras bajas (vgl. ebd. 2012: 34). Während sich die tierras altas laut Henríquez Ureña durch einen stabilen Konsonantismus und einen schwachen Vokalismus auszeichnen, verhält es sich bei den tierras bajas gegenteilig. Sie sind durch einen stabilen Vokalismus und einen schwachen Konsonantismus gekennzeichnet (vgl. Noll 2001: 24). Ausgehend davon, dass eine vorwiegend aus Andalusien stammende Einwanderung nicht stattgefunden hat, gründet die Antiandalucismo -These auf der Annahme, dass die Herausbildung des amerikanischen Spanisch unabhängig vom europäischen Spanisch stattgefunden habe (vgl. Noll 2012: 34). Ausschlaggebend für die Herausbildung des amerikanischen Spanisch seien demnach klimatische Verhältnisse, der Kontakt mit indigenen Sprachen, die Bevölkerungszusammensetzung, die Isolation von Gebieten und andere Faktoren (vgl. ebd. 2012: 34). Weiterhin glaubte Amado Alonso die These Henríquez Ureñas zu untermauern, indem er den seseo und den yeísmo zuerst im hispanoamerikanischen Raum nachwies (vgl. ebd. 2012: 34). Rafael Lapesa und Diego Catalán widerlegten diese Annahme allerdings und wie bereits erwähnt, wurde durch die Erhebungen Boyd-Bowmans eine vorwiegende Einwanderung aus dem andalusischen-extremeñischen Raum ebenfalls bewiesen (vgl. Noll 2001: 74f).

3) Methode

Anhand der Aufzeichnungen der Dialectoteca del Español der Universität Iowa (vgl. Piñero 2006: o.A.) sollen im Rahmen dieser Hausarbeit die phonetischen Besonderheiten des in Lateinamerika gesprochenen Spanisch dahingehend untersucht werden, ob sie auf die in Andalusien gesprochene Varietät zurückzuführen sind.

La Dialectoteca del Español es […] una biblioteca audiovisual que usa muestras de habla de una amplia variedad de hablantes nativos para documentar los patrones más representativos de la pronunciación del español moderno ( ebd. 2006: o.A.).

Dieses Sprachmaterial eignet sich insofern, als dass zunächst alle aufgezeichneten Sprecher denselben Text sprechen, sodass so eine gemeinsame Basis für einen Vergleich gegeben ist. Zudem bietet diese Bibliothek eine Auswahl an Sprechern, die sich in Geschlecht, Alter und Herkunft unterscheiden.

Da im Rahmen dieser Hausarbeit das in Lateinamerika gesprochene Spanisch behandelt werden soll und daher eine breite Fläche an dialektalen Merkmalen abzudecken ist, stellte sich die Frage nach der Auswahl der jeweiligen Länder und Sprecher. Die Einteilung Hispanoamerikas in dialektale Zonen erscheint jedoch bis heute eine fast unlösbare Aufgabe (vgl. Saralegui 2004: 29). Die Gründe hierfür sind sowohl praktischer als auch theoretischer Natur. Zum einen sind nicht alle Varietäten des amerikanischen Spanisch gleichermaßen erforscht, zum anderen herrscht bei der Auswahl und Gewichtung der Kriterien eine gewisse Willkür, sodass bis heute keine identischen Gliederungsansätze existieren (vgl. Noll 2001: 43).

[...]

Ende der Leseprobe aus 19 Seiten

Details

Titel
Bildete sich das amerikanische Spanisch aus der andalusischen Varietät heraus?
Hochschule
Georg-August-Universität Göttingen
Note
2,0
Autor
Jahr
2013
Seiten
19
Katalognummer
V262432
ISBN (eBook)
9783656513582
ISBN (Buch)
9783656513001
Dateigröße
515 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Varietäten, Spanisch, Lateinamerika, Sprachvergleich, Phonetik, Peru, Uruguay, Venezuela, Andalusisch
Arbeit zitieren
Janike Kyritz (Autor), 2013, Bildete sich das amerikanische Spanisch aus der andalusischen Varietät heraus?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/262432

Kommentare

  • Noch keine Kommentare.
Im eBook lesen
Titel: Bildete sich das amerikanische Spanisch aus der andalusischen Varietät heraus?



Ihre Arbeit hochladen

Ihre Hausarbeit / Abschlussarbeit:

- Publikation als eBook und Buch
- Hohes Honorar auf die Verkäufe
- Für Sie komplett kostenlos – mit ISBN
- Es dauert nur 5 Minuten
- Jede Arbeit findet Leser

Kostenlos Autor werden