Die frühkaiserlichen Basiliken – Zentrum des öffentlichen Lebens?


Seminararbeit, 2012

11 Seiten, Note: 3,0


Leseprobe

Einleitung

Die ersten Basiliken entstanden als prachtvolle Säulenhallen im zweiten Jahrhundert vor Christus. Zunächst waren sie eher als Prestigeobjekt zu verstehen, da sich das Repräsentationsbedürfnis der römischen Städte immer weiter ausprägte. Der Begriff „Basilika“ kommt vom griechischen Wort „Basiliké, was „königlich“ bedeutet. Architektonisch fällt die besondere Bauweise mit einer langen Halle, dem Mittelschiff, und den zwei bzw. vier Seitenschiffen auf, welche durch Säulenreihen abgegrenzt waren1. Ebenfalls typisch für viele Basiliken war die Nähe zum Stadtzentrum und der oft angrenzende offene Platz.

Basiliken hatten vielseitige Verwendungszwecke, wie zum Beispiel juristische, als Gerichtssaal, wirtschaftliche für Händler und Geldwechsler, oder auch politische bzw. kultische.

Betrachtet man diese Gegebenheiten, stellt sich schnell die Frage: Die frühkaiserlichen Basiliken - Zentrum des öffentlichen Lebens?

Bei der Beantwortung dieser Frage muss allerdings zwischen stadtrömischen und außerrömischen, mittelitalienischen Basiliken unterschieden werden.

Da sich die meiste Literatur über Basiliken mit ihrer kirchlichen Funktion bzw. mit ihrer Architektur beschäftigt, bildet die Dissertation von Markus Arnolds über die „Funktionen republikanischer und frühkaiserzeitlicher Forumsbasiliken in Italien“ die Grundlage meiner Ausführungen.

In der frühen Kaiserzeit gab es zwei stadtrömische Basiliken. Die Basilika Aemilia im Nordwesten des Forum Romanum und die Basilika Iulia gegenüberliegend, an der Südseite des Forums.

Die Basilika Aemilia wurde 179 v. Chr. erbaut. Nach einem verheerenden Brand im Jahr 14 v. Chr. wurde sie unter Kaiser Augustus wieder aufgebaut und modernisiert. Durch die Verwendung wertvoller Baustoffe, wie zum Beispiel verschiedene Marmortypen wurde sie zu einem teuren Luxusbau, welcher auch der Selbstdarstellung des Gechlechts der Aemilier diente. Durch den prunkvollen und teuren Wiederaufbau ist zu erkennen, dass die Basilika Aemilia in Rom im öffentlichen Leben viel besucht und hoch angesehen war.2 Viele Menschen kamen an der Basilika vorbei, so dass sie Eindruck bei ihnen machte. Dieser politische Nutzen hängt sicherlich auch mit der sehr guten Lage der Basilika Aemilia, im Zentrum Roms, zusammen. Die direkte Anbindung an das Forum Romanum war die beste Voraussetzung, um für viele Menschen leicht zugänglich zu sein, da sich hier ein Großteil des öffentlichen Lebens der städtischen Bürger abspielte. Das Forum selbst war das größte Forum in Rom und somit von großer politischer und kultureller Bedeutung.

Da Basilika Aemilia selbst wurde allerdings hauptsächlich als eine Art Bank bzw. Börse genutzt. Viele Geldwechsler erledigten hier ihre Geschäfte. Auch Silber und andere kostbare Dinge wurden zum Verkauf bzw. Handel angeboten. Durch diesen monetären Zweck zeigt sich, dass die Basilika auch für die gehobene Schicht, also finanziell stärkere Bürger als Anlaufpunkt diente. In der Basilika Aemilia wurde außerdem organisiertes Glücks- und Gewinnspiel betrieben3. Dies geht aus den in den Marmor geritzten Spielfeldern hervor und ist ein weiteres Zeichen für die vielseitige Nutzung der Basilika. Eine weitere, gesellschaftlich wichtige Funktion der Basilika waren die Verkaufsläden im Innenraum. Sie sorgten ebenfalls für großen Besucherstrom. Die Vielzahl an Verkaufsläden in der Basilika Aemilia und auf dem Forum Romanum lockten große Menschenmassen an um ihre täglichen Einkäufe zu erledigen. Zudem fanden auf dem Forum regelmäßig große kulturelle, politische aber auch kultische Veranstaltungen statt.

Daher kann man meiner Meinung nach davon ausgehen, dass das Forum Romanum von hoher öffentlicher Präsenz geprägt war. In der frühen Kaiserzeit wurde das Forum Romanum sogar durch die sog. Kaiserforen erweitert. Diese waren zwar in erster Linie für Verwaltungszwecke bestimmt, unterstreichen meiner Meinung nach, ebenfalls die hohe politische, administrative Bedeutung des Forums.

Die Basilika Iulia wurde ebenfalls nach einem Brand, 12 v. Chr. wieder aufgebaut. Da sie allerdings größer war, als die Basilika Aemilia und somit mehr Platz bot, eignete sie sich vor allem als Ort für Versammlungen und Gerichtsverhandlungen. So tagte in der Basilika zum Beispiel das Centumviralgericht. Dieses Tribunal war auf Prozesse um Erbschaft und Eigentum spezialisiert. Auf Grund der Größe und Aufteilung der Basilika konnten hier alle vier Kammern dieses Gerichts gleichzeitig tagen4.

In den Seitenschiffen und auf den Treppen waren viele Spielfelder eingeritzt, was zwar auf organisiertes Glücksspiel schließen lässt, allerdings auch ein Indiz für die verschiedenen gesellschaftlichen Schichten ist, die sich in der Basilika einfanden. Auch in und an der Basilika Iulia gab es verschiedene Verkaufsläden für Händler. In kleineren Nebenräumen fanden sich, wie in der Basilika Aemilia, Bankiers und Geldwechsler ein. Durch dieses breite Spektrum an Besuchern, bestehend aus Bankiers, Händlern, Bürgern, Beobachter oder Spielern wird der hohe öffentliche Stellenwert der Basilika Iulia deutlich. Ebenfalls verstärkt wird dieser Eindruck durch die wertvolle Ausstattung der Basilika. So war zum Beispiel im Boden des Mittelschiffs Marmor verlegt und auch die Mauern der Verkaufsläden waren mit Marmor verkleidet.

[...]


1 Albrecht, Nicole, Basilika, Metzler-Lexikon Antike, 2000, S. 78- 79. 1

2 Freyberger, Klaus S, Das Forum Romanum, Mainz 2009, S. 71.

3 Freyberger, Klaus S, Das Forum Romanum, Mainz 2009, S. 72.

4 Freyberger, Klaus S, Das Forum Romanum, Mainz 2009, S. 76-77. 3

Ende der Leseprobe aus 11 Seiten

Details

Titel
Die frühkaiserlichen Basiliken – Zentrum des öffentlichen Lebens?
Hochschule
Universität Trier
Note
3,0
Autor
Jahr
2012
Seiten
11
Katalognummer
V262436
ISBN (eBook)
9783656509370
ISBN (Buch)
9783656508670
Dateigröße
406 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
basiliken, zentrum, lebens
Arbeit zitieren
Tobas Fuchs (Autor:in), 2012, Die frühkaiserlichen Basiliken – Zentrum des öffentlichen Lebens?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/262436

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