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Die schleswig-holsteinische Erhebung 1848-1851 als Sonderfall der Revolution von 1848

Im Spannungsfeld zwischen dänischem Gesamtstaat und den Entwicklungen in Deutschland

Title: Die schleswig-holsteinische Erhebung 1848-1851 als Sonderfall der Revolution von 1848

Thesis (M.A.) , 2012 , 142 Pages , Grade: 1,3

Autor:in: M.A. Andreas von Bezold (Author)

History of Germany - 1848, Empire, Imperialism
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Summary Excerpt Details

Das Jahr 1848 brachte, ausgehend von der Februar-Revolution in Frankreich, Unruhe und Revolution in weiten Teilen Europas.
Gesellschaftliche Umbrüche, die im engen Zusammenhang mit der wirtschaftlichen und politischen Entwicklung in den Jahren der Neuordnung Europas nach den Napoleonischen Kriegen im Rahmen des Wiener Kongresses standen, konnten sich bis dahin nicht ihren Weg in eine konkrete Umgestaltung und Erneuerung der Formen von politischer Partizipation größerer Teile der Bevölkerung bahnen. Das metternichsche reaktionäre System der Kontrolle und Repression der Untertanen hatte bis dahin alle Staaten des Deutschen Bundes fest im Griff.
Auch in Kopenhagen gab es einen Regierungswechsel, die nationalliberalen, sogenannten Eiderdänen wurden vom König, wenn auch widerstrebend, in die Regierung eingesetzt. In Schleswig-Holstein bildete sich daraufhin eine Provisorische Regierung, die, aufbauend auf einem zumindest gewagten legitimistischen Konstrukt einer angeblichen Unfreiheit des in Kopenhagen residierenden Landesherren, reklamierte in dessen Namen die Regierung zu übernehmen, bis dieser wieder frei sei, um bis dahin die Herzogtümer vor dem Zugriff der Eiderdänen zu schützen.
Diese ganz spezielle Situation Schleswig-Holsteins im Spannungsfeld zwischen Dänemark und Deutschland, zwischen den Entwicklungen im zumindest theoretisch noch intakten dänischen Gesamtstaat und den im Deutschen Bund zusammengefassten deutschen Ländern, ist Gegenstand dieser Arbeit.
In der Geschichte der Schleswig-Holsteinischen Erhebung finden sich naturgemäß aufgrund der ganz speziellen rechtlichen und politischen Situation der beiden Herzogtümer auch ganz spezifische Entwicklungsstränge, die es rechtfertigen, hier von einem Sonderfall im Spannungsfeld zwischen Dänischem Gesamtstaat und den Entwicklungen in Deutschland zu sprechen.
Es bleibt jedoch aufzuzeigen, dass dessen ungeachtet im Großen und Ganzen sich der Gesamtdeutsche Revolutionsverlauf in signifikanter Weise im Geschick der Herzogtümer widerspiegelte.
Die Hauptziele der Revolution, bürgerliche Freiheit und deutsche Einheit, verbinden sich in der Erhebung Schleswig-Holsteins zu einer untrennbaren Einheit, die auf die ganze Revolution von 1848 zurückwirkt, und deren Scheitern in Schleswig-Holstein untrennbar mit dem Scheitern der gesamten Revolution verbunden ist.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Der Forschungsstand zur Schleswig-Holsteinischen Erhebung

3. Die Vorgeschichte der Schleswig-Holsteinischen Erhebung

3.1 Schleswig-Holstein im dänischen Gesamtstaat in den ersten drei Jahrzehnten des 19. Jahrhunderts

3.2 Uwe Jens Lornsen

3.3 Die Ständeversammlungen

3.4 Der „Offene Brief“ und die Erbrechtsfrage

4. Die Revolution 1848 – das Ringen um Demokratisierung und Einigung Deutschlands

4.1 Ursachen der Revolution

4.2 Der Beginn der Märzrevolution

4.3 Die Nationalversammlung

4.3.1 Das Parlament in der Paulskirche

4.3.2 Reichsverweser und Zentralgewalt

4.3.3 Versuch der Reichseinigung unter dem preußischen König als Kaiser

4.4 Scheitern und Nachwirkung der Revolution

5. Die Erhebung in Schleswig-Holstein

5.1 Reaktionen in Schleswig-Holstein und Dänemark auf die Revolution in Paris

5.2 März 1848 – die Provisorische Regierung

5.3 Eingreifen der deutschen Staaten in den Konflikt

5.4 Das „Staatsgrundgesetz für die Herzogthümer Schleswig-Holstein“

5.5 Malmöer Waffenstillstand und Gemeinsame Regierung

5.6 Schleswig-Holstein auf sich allein gestellt

5.7 Das Scheitern der Erhebung

6. Die Erhebung im Gesamtzusammenhang der Deutschen Revolution 1848/49

6.1 Die Schleswig-Holstein-Frage im Frankfurter Parlament

6.2 Die Rolle Preußens

7. Die Erhebung als Vorläufer der Einigungskriege 1864 - 1870?

8. Die Erhebung aus dänischer Perspektive: Oprør und Borgerkrig

9. Fazit

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht die Schleswig-Holsteinische Erhebung 1848–1851 als einen spezifischen Sonderfall der Revolution von 1848. Dabei steht insbesondere die Frage im Mittelpunkt, wie die politische Identität Schleswig-Holsteins in einem Spannungsfeld zwischen dem dänischen Gesamtstaat und den nationalen Entwicklungen in Deutschland verhandelt wurde, und inwiefern diese Ereignisse untrennbar mit dem Scheitern der gesamten deutschen Revolution verbunden sind.

  • Die staatsrechtliche und politische Vorgeschichte der Herzogtümer Schleswig und Holstein.
  • Die Wechselwirkungen zwischen der lokalen Erhebung und der gesamtdeutschen Revolution 1848/49.
  • Die Rolle der Provisorischen Regierung und deren Legitimationsstrategien.
  • Die Bedeutung der Schleswig-Holstein-Frage für die Frankfurter Nationalversammlung und die preußische Politik.
  • Die Rezeption der Ereignisse aus sowohl deutscher als auch dänischer Perspektive.

Auszug aus dem Buch

3.2 Uwe Jens Lornsen

Im November 1830 erschien eine wenige Seiten umfassende Schrift mit dem Titel „Ueber das Verfassungswerk in Schleswigholstein“. Autor war Uwe Jens Lornsen (1793-1838). Kurz zuvor war dieser, nach mehrjähriger Tätigkeit in Kopenhagen in der für die Verwaltung der Herzogtümer zuständigen Schleswig-Holstein-Lauenburgischen Kanzlei, zum Landvogt seiner heimatlichen Insel Sylt ernannt worden.

Er studierte Jura in Kiel und Jena, wo er sich der politischen Jugendbewegung der Burschenschaften anschloss und „ein glühender Vertreter eines freiheitlichen deutschen Nationalgedankens …“ wurde.

Schon der Titel seiner Schrift war Programm: Lornsen schrieb eben nicht „Schleswig-Holstein“, trennte die beiden Landesteile nicht durch einen Bindestrich, wie es auch heute üblich ist zur Bezeichnung des nördlichsten Bundeslandes der Bundesrepublik Deutschland, sondern fügte sie zu einem Wort zusammen. Das konnte von der dänischen Seite nur als eine Provokation aufgefasst werden. Zwar wurden die Herzogtümer in einer gemeinsamen Kanzlei verwaltet, jedoch aus rein pragmatischen und historischen Gründen, eine Einheit der Herzogtümer in Abgrenzung zum übrigen Staatsgebilde sollte damit keinesfalls ausgedrückt oder in irgendeiner Weise in die Wege geleitet werden.

1830 war das Jahr der Julirevolution in Frankreich. Auch diese Revolution in Frankreich hatte, wie die von 1789 und später die von 1848, erhebliche Auswirkungen auf das übrige Europa. In Schleswig-Holstein gab es keine revolutionären Unruhen. An der Aufforderung des Bundestag an die Regierung in Kopenhagen, für Holstein eine Verfassung zu erlassen, wie es Artikel 13 der Bundesakte für alle Teile des Deutschen Bundes vorsah, zeigte sich jedoch die Besorgnis, dass es auch dort zu Unruhen kommen könne.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die politischen und gesellschaftlichen Umbrüche des Jahres 1848 ein und verortet die Schleswig-Holsteinische Erhebung als Teil dieser gesamtdeutschen Entwicklungen.

2. Der Forschungsstand zur Schleswig-Holsteinischen Erhebung: Dieses Kapitel gibt einen Überblick über die wissenschaftliche Auseinandersetzung mit der Erhebung und stellt fest, dass das Thema im Vergleich zu anderen Ereignissen der neueren deutschen Geschichte in der Forschung oft unterrepräsentiert ist.

3. Die Vorgeschichte der Schleswig-Holsteinischen Erhebung: Dieser Abschnitt beleuchtet die territorialen und politischen Entwicklungen in Schleswig und Holstein in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts, die den Boden für die späteren Konflikte bereiteten.

4. Die Revolution 1848 – das Ringen um Demokratisierung und Einigung Deutschlands: Das Kapitel analysiert die Ursachen der Revolution im Deutschen Bund sowie die Arbeit und das Scheitern der Frankfurter Nationalversammlung.

5. Die Erhebung in Schleswig-Holstein: Hier wird der konkrete Verlauf der Ereignisse in den Herzogtümern geschildert, von den Reaktionen auf die Pariser Februarrevolution bis hin zum Scheitern der Erhebung.

6. Die Erhebung im Gesamtzusammenhang der Deutschen Revolution 1848/49: Dieses Kapitel widmet sich der Bedeutung der Schleswig-Holstein-Frage für die Frankfurter Nationalversammlung und der Rolle Preußens in diesem Konflikt.

7. Die Erhebung als Vorläufer der Einigungskriege 1864 - 1870?: Hier wird der Zusammenhang zwischen der gescheiterten Erhebung von 1848 und den späteren Einigungskriegen unter preußischer Führung untersucht.

8. Die Erhebung aus dänischer Perspektive: Oprør und Borgerkrig: Dieses Kapitel kontrastiert die deutsche Sichtweise mit der dänischen Wahrnehmung der Ereignisse als Aufruhr oder Bürgerkrieg.

9. Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse der Arbeit zusammen und ordnet die Erhebung als einen bedeutenden, wenn auch gescheiterten Prozess der deutschen Einigungsbestrebungen ein.

Schlüsselwörter

Schleswig-Holsteinische Erhebung, Revolution 1848, Deutscher Bund, Dänischer Gesamtstaat, Schleswig-Holstein-Frage, Frankfurter Nationalversammlung, Provisorische Regierung, Preußen, Dänemark, Verfassungsgeschichte, Nationalismus, Paulskirche, Malmöer Waffenstillstand, Erbfolgefrage, Einigungskriege.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Magister-Abschlussarbeit untersucht die Schleswig-Holsteinische Erhebung der Jahre 1848 bis 1851 als einen spezifischen Sonderfall innerhalb der gesamteuropäischen und deutschen Revolution von 1848.

Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?

Zentrale Themen sind die staatsrechtlichen Verhältnisse im dänischen Gesamtstaat, der Einfluss der aufkommenden nationalen Bewegungen, die Rolle der Ständeversammlungen sowie die politische und militärische Verflechtung Schleswig-Holsteins mit der Frankfurter Nationalversammlung und Preußen.

Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?

Ziel ist es, die Schleswig-Holsteinische Erhebung in ihrer Bedeutung für die Revolution 1848/49 einzuordnen und zu analysieren, wie die spezifische Bindung an Dänemark einerseits und die Orientierung an Deutschland andererseits den Verlauf und das Scheitern der Erhebung beeinflussten.

Welche wissenschaftliche Methode wurde verwendet?

Es handelt sich um eine historische Analyse, die auf einer umfassenden Auswertung von Quellen und der bestehenden Forschungsliteratur zur Geschichte Schleswig-Holsteins und der Revolution von 1848 basiert.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in die Vorgeschichte, die Phasen der Revolution im Deutschen Bund, die konkrete Erhebung in Schleswig-Holstein sowie eine Analyse der Zusammenhänge mit der deutschen Nationalversammlung und der Rolle Preußens.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Die wichtigsten Schlagworte sind Schleswig-Holsteinische Erhebung, Revolution 1848, Schleswig-Holstein-Frage, Provisorische Regierung und preußische Diplomatie.

Welche Rolle spielte der „Offene Brief“ von 1846 für den Konflikt?

Der „Offene Brief“ von König Christian VIII. war ein entscheidender Auslöser, da er durch die Klärung der Erbfolgefrage und die Behauptung der Einheit des dänischen Gesamtstaates den politischen Widerstand in Schleswig-Holstein massiv verstärkte und das Nationalbewusstsein der deutsch gesinnten Bevölkerung provozierte.

Warum wird die Erhebung aus dänischer Perspektive oft als „Oprør“ bezeichnet?

Aus dänischer Sicht wird die Erhebung als Aufruhr oder Rebellion („Oprør“) eingestuft, da sie sich gegen die staatliche Souveränität des dänischen Königs richtete und die territoriale Integrität des Gesamtstaates infrage stellte.

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Details

Title
Die schleswig-holsteinische Erhebung 1848-1851 als Sonderfall der Revolution von 1848
Subtitle
Im Spannungsfeld zwischen dänischem Gesamtstaat und den Entwicklungen in Deutschland
College
University of Hagen
Grade
1,3
Author
M.A. Andreas von Bezold (Author)
Publication Year
2012
Pages
142
Catalog Number
V262438
ISBN (eBook)
9783656506300
ISBN (Book)
9783656506966
Language
German
Tags
erhebung sonderfall revolution spannungsfeld gesamtstaat entwicklungen deutschland
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
M.A. Andreas von Bezold (Author), 2012, Die schleswig-holsteinische Erhebung 1848-1851 als Sonderfall der Revolution von 1848, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/262438
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