Motive des Hungers und der Nahrung in ausgewählten Werken Franz Kafkas


Essay, 2010

17 Seiten, Note: A


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Analyse
2.1 Die Verwandlung
2.2 Der Hungerkünstler
2.3 Forschung eines Hundes

3. Schlussbetrachtung

4. Bibliographie

Abstrakt

In meinem Extended Essay, den ich als wichtig auffasse, da Franz Kafka meiner Ansicht nach ein herausragender Schriftsteller des 20. Jahrhunderts war, dessen Werke heutzutage als Weltliteratur angesehen werden, möchte ich auf die Frage: „Welche Rolle spielen die Motive des Hungers und der Nahrung in ausgewählten Werken Franz Kafkas?“ eingehen. Hierzu habe ich mehrere Werke von Franz Kafka studiert und mich anschließend für drei Werke entschieden, mit denen ich mich in diesem Essay detailliert befassen werde.

„Die Verwandlung“ diente mir hierbei als Hauptwerk, da Franz Kafka den Metaphern der Nahrung und des Essens eine große Rolle zukommen lässt.

Das Hinzuziehen verschiedener Interpretationen aus sekundärliterarischen Werken vereinfachte es mir, zahlreiche teilweise grundverschiedene Auffassungen und Interpretationsansätze, welche sich mit Kafkas Motiven der Nahrung in seinen Werken und seinem Leben befassen, zu betrachten. Ich habe mich jedoch entschieden mich hauptsächlich auf die von mir gewählten Werke Franz Kafkas zu konzentrieren und nicht auf sein Leben, da mein Thema ansonsten zu weitläufig geworden wäre. Während meiner Recherchen habe ich herausgefunden, dass sich die Suche nach einer „unbekannten Nahrung“ wie ein roter Faden durch die von mir gewählten Werke zieht und Franz Kafka somit einen gemeinsamen Anhaltspunkt in mehreren Werken verwendet, woraus sich eine offenbar verzerrte Einstellung Kafkas zum Essen und zur Nahrung erkennen lässt. In meinem Essay habe ich die von Kafka verwendeten Symbole der Nahrung analysiert und interpretiert um dem Leser die Vieldeutigkeit der Nahrung in seinen Werken nahe zu legen und um andererseits zu zeigen wie Frank Kafka damit gleichzeitig einen Bezug zum alltäglichen Leben schaffen wollte.

1.Einleitung

Franz Kafka verfasste eine Vielzahl von Kurzgeschichten und Erzählungen, die durch ihre vermeintliche Banalität einen großen Freiraum für unterschiedliche Interpretationsansätze zulassen. Er verfügte über eine komplexe und hoch interessante Art und Weise des Schreibens, die nur einigen wenigen Schriftstellern vermocht war. Eine dieser Weisen ist die von ihm verwendete Verschiedenartigkeit, mit der er in einer Vielzahl seiner Werke die unterschiedlichen Typen der Nahrung und des Hungers detailliert beschreibt. Er erläutert diese Motive dabei überwiegend im Zusammenhang mit dem Leiden der von ihm erschaffenen Figuren und schafft so ein zu meist negatives Bild zur Nahrung und dem Hunger.

Im folgenden Essay werden die von ihm verwendeten Motive der Nahrung und des Hungers anhand von ausgewählten Werken genauer betrachtet und analysiert um so die Frage: „Welche Rolle spielen die Motive des Hungers und der Nahrung in ausgewählten Werken Franz Kafkas?“ zu beantworten.

Beginnen werde ich daher mit der im Jahre 1912 fertiggestellten und 1915 erschienenen Erzählung „Die Verwandlung“. Anschließend werde ich die zwölf Jahre später erschienene Kurzgeschichte „Der Hungerkünstler“ sowie die im Jahre 1922 veröffentlichte Erzählung „Forschung eines Hundes“ hinzuziehen.

Franz Kafka hat, nicht nur in den von mir ausgewählten Werken, sondern in einer Vielzahl von Schriftstücken die Nahrung auf unterschiedliche Weise hervorgehoben. In manchen Erzählungen, wie zum Beispiel „Ein Hungerkünstler“, steht die Nahrungsproblematik im Vordergrund, während sie in anderen Texten mehr unterschwellig in Erscheinung tritt, wenn gleich ihre Wichtigkeit nicht geringer ist. Wenn man Kafkas Texte betrachtet, lassen sich deutliche Parallelen zwischen den fiktiven Figuren und seinem Leben ziehen. Essen und Nahrung spielten in seinem Leben eine zentrale Rolle, da er, wie allseits bekannt, ein überzeugter Vegetarier war, was sich unter anderem in seiner abwertenden Haltung gegen Fleisch in „Die Verwandlung“ widerspiegelt.

2.Analyse

2.1 Die Verwandlung

Franz Kafka beschreibt in „Die Verwandlung“ die vorerst nur physische, später aber auch psychische Verwandlung des jungen Mannes Gregor Samsa, der sich eines Morgens im Körper eines Ungeziefers in seinem Bett liegend, vorfindet. Dabei verändern sich lediglich sein Aussehen und seine Stimme, er behält jedoch weitgehend seinen Verstand. Nachdem seine Eltern, seine Schwester und der ihn auf der Arbeit vermissende Assistent seines Chefs seine Verwandlung bemerken, wird Gregor in seinem Zimmer zurückgelassen, zunehmend sich selbst überlassen und schließlich vollkommen isoliert. Zunächst besteht sein einziger Kontakt zur Außenwelt in der täglichen Essenbereitstellung durch seine Schwester.

Während Gregor zuvor der alleinige Geldverdiener und somit Ernährer der Familie war, müssen sich unterdessen die drei anderen Familienmitglieder um Arbeit bemühen um weiterhin Ausgaben und Schulden bezahlen zu können. Mehr und mehr wächst deshalb die Abneigung zu Gregor, der Tag ein Tag aus in seinem Zimmer verweilt und bald nicht mehr auf die Besuche und das Aufräumen der Schwester hoffen kann. Obwohl er die Sprache seiner Familie und Mitmenschen weiterhin versteht, hat sich seine Stimme ebenfalls in die eines Tieres verwandelt, dessen Laute für menschliche Ohren unverständlich sind, was eine gegenseitige Kommunikation unmöglich macht. Durch gelegentliche Ausbrüche aus seinem Zimmer erschreckt er nicht nur seine ganze Familie, sondern gefährdet auch die für ihn aufgebrachte Akzeptanz stark. Sein letzter Versuch aus seinem Zimmer auszubrechen hat sogar zur Folge, dass die neuen Untermieter bei seinem Anblick unverzüglich ohne Zahlung der Miete ausziehen. Schließlich beschließen seine Eltern und die Schwester, dass sie das Tier Gregor wegschaffen müssen. Gregor selbst kommt ihnen jedoch zuvor, da er ihnen nicht zur Last fallen will und auf Grund von längerer stetiger Nahrungsverweigerung stirbt.

Gregor, der seit seiner Verwandlung nicht mehr in Freiheit ist, ist sich und seinem Hunger allein überlassen. Kafka verwendet das Motiv des Hungers und der Nahrung kontinuierlich, jedoch unterschwellig in der Verwandlung. Der Leser wird bereits zu Beginn mit dem Motiv konfrontiert, da Gregor nach dem morgendlichen Aufwachen und Entdecken seiner Verwandlung zunächst in Gedanken über „ diese Plage des Reisens “ 1 , welche ihm durch seine Arbeit auferlegt ist, und „ das unregelm äß ige, schlechte Essen “ 2, was ihn viel Energie kostet, nachdenkt. Außerdem beschreibt er, wenn er „ zum Beispiel im Laufe des Vormittags ins Gasthaus zurückgeh[t], um die erlangten Aufträge zuüberschreiben, [wie] diese Herren erst beim Frühstück [sitzen]. “ 3 Wohingegen er für diese Handlung „ auf der Stelle heraus[flöge]. “ 4

Schon zu diesem Zeitpunkt lässt sich daher erkennen, dass Gregor Samsa eine negative Einstellung gegenüber dem Essen hat. Des Weiteren hat er auch gegenüber seiner Arbeit eine negative Einstellung und würde daher gerne kündigen, „ Wenn [er sich] nicht wegen seiner Eltern zurückhielte. “ 5. Anders als ihm, ist es seinem Vater erlaubt das morgendliche Frühstück zeitaufwendig, ausgiebig und in vollen Zügen zu genießen, „ denn für den Vater war das Frühstück die wichtigste Mahlzeit des Tages, die er bei der Lektüre verschiedener Zeitungen stundenlang hinzog. “ 6 Durch diese beiden Textstellen wird ein erster Kontrast zwischen Vater und Sohn hergestellt und die Einstellung Gregors zu seiner Arbeit angesprochen. Somit kann sich der Leser ein Bild über seine Figur und über die Beziehungen innerhalb der Familie machen. Es ist interessant zu betrachten, dass der Vater, und auch die Herren im Gasthaus, gleich zu Beginn der Handlung, durch ihr Essverhalten definiert werden, was eine mögliche Entwicklung der Charaktere sowie der einzelnen Beziehungen bereits erahnen lässt.

Die äußerliche Veränderung zum Tier macht sich auch in Gregors Essverhalten und Geschmack bemerkbar. So lehnt er die ihm von seiner Schwester hingestellte und normalerweise so geliebte Milch ab, da er ihren Geruch und Geschmack nicht mehr ertragen kann.7 Weil er die Milch nicht anrührt, aber auch keine andere Speise erhält, wird er in der Nacht vom „ Hunger immer wieder [aufgeweckt] “ 8. Zu diesem Zeitpunkt weiß seine Schwester noch nicht, welche Speisen ihr Bruder annehmen wird, traut sich aber andererseits auch nicht öfter als unbedingt notwendig sein Zimmer zu betreten, da sie mit der neuen Gestalt ihres Bruders noch nicht vertraut ist. Daher beschließt sie ihm am nächsten Tag eine Auswahl von Speisen zu bringen. Dieses Verhalten der Schwester lässt auf eine besondere Fürsorge ihrerseits und ein besseres Verhältnis zwischen ihnen, als zu den anderen Familienmitgliedern schließen. Unter den gebrachten Speisen sind sowohl halbverfaultes Gemüse, Knochen und Käse als auch frische Lebensmittel wie Rosinen und Mandeln, die im Übrigen eine bevorzugte Abendspeise Kafkas waren.9 Dies unterstreicht, dass Kafka in dieses Werk, wie auch in viele andere, autobiographische Züge eingebaut hat.

Dass Gregors Essverhalten animalisch geworden ist, lässt sich aus der Tatsache erschließen, dass er lediglich das halbverfaulte Essen anrührt und gierig verschlingt. Darüber hinaus wird auch die Art und Weise wie er die Speisen zu sich nimmt, zunehmend unhygienischer und unmenschlicher, weshalb seine Schwester die Näpfe ausschließlich mit Tüchern und nicht mehr mit bloßen Händen anfasst. Im Gegensatz zu der früher so begehrten Milch führt der aufsteigende Duft von frischem Kaffee nun dazu, dass er begierig nach diesem Getränk mit seinen Kiefern in die Luft schnappt. Da er jedoch als verwandeltes Tier keinen Kaffee mehr vorgesetzt bekommt, bleibt offen ob sich sein Geschmack auch in dieser Hinsicht verändert hat.

Die ganze Zeit über kümmert sich die Schwester allein um das Essen, Putzen und Aufräumen für Gregor, da die Eltern den Anblick ihres Sohnes nicht ertragen können. Einzig die Schwester überwindet sich und bleibt somit zumindest vorerst sein einziger Kontakt. Diese Verbindung ist zu diesem Zeitpunkt jedoch einzig und allein dem Essen zu verdanken. Seine Isolierung kann dennoch als nahezu vollständig gesehen werden, da seine Schwester ihn weder ansehen noch mit ihm sprechen kann. Nach und nach leidet Gregor immer mehr unter der Ausgrenzung und auch „ das Essen machte ihm bald nicht mehr das geringste Vergnügen “ 10 . Demzufolge lässt er sein Essen immer öfter unberührt stehen. Ähnlich wie ihm geht es dabei auch dem Rest seiner Familie, der wegen der wachsenden familiären, sowie finanziellen Sorgen der Appetit ebenfalls vergeht obschon Mutter und Schwester von nun an das Kochen selbst übernehmen, da das Dienstmädchen nach Gregors Verwandlung mit sofortiger Wirkung kündigt.11 Auch beim zuvor zusammen eingenommenen Abendessen, das zum Beisammensein der Familie diente, wird die Stimmung und Atmosphäre zunehmend angespannter und verzweifelter und bald spricht niemand mehr ein Wort. Dies deutet einen Zerfall des Familienlebens an, da eine gemeinsam eingenommene Mahlzeit in den meisten Familien für ein intaktes Zusammenleben steht. Diese Werte gehen jedoch im Hause Samsa durch Gregors Verwandlung verloren.

[...]


1 Hermes, S.97

2 Hermes, S.97

3 Hermes, S.97

4 Hermes, S.97

5 Hermes, S.97

6 Hermes, S.111

7 Vgl. Hermes, S.117

8 Hermes, S.119

9 Vgl. Beicken, S.178

10 Hermes, S.129

11 Vgl. Hermes, S.123

Ende der Leseprobe aus 17 Seiten

Details

Titel
Motive des Hungers und der Nahrung in ausgewählten Werken Franz Kafkas
Veranstaltung
Deutschunterricht
Note
A
Autor
Jahr
2010
Seiten
17
Katalognummer
V262517
ISBN (eBook)
9783656508120
ISBN (Buch)
9783656507932
Dateigröße
547 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Extended Essay im Rahmen des IB Diplomas.(German A1)
Schlagworte
motive, hungers, nahrung, werken, franz, kafkas
Arbeit zitieren
Marvin Linnartz (Autor), 2010, Motive des Hungers und der Nahrung in ausgewählten Werken Franz Kafkas, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/262517

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