Angesichts der derzeit vorherrschenden Wirtschaftslage sind Unternehmungen stets mit neuen Herausforderungen und Problemen konfrontiert. Fundamentale Veränderungen in technologischer, gesetzlicher, politischer und wirtschaftlicher Hinsicht schufen vollkommen veränderte Rahmenbedingungen für Unternehmen. Globale, international konvergierende Märkte, geprägt von Liberalismus und Deregulierung, eröffneten nicht nur neue Chancen, sondern auch Gefahren. Auch aus finanzwirtschaftlicher Sicht erhob sich die Forderung nach neuen Finanzinnovationen.
Zudem Existenz und Wettbewerbsfähigkeit eines Unternehmens merklich durch dessen Kapitalausstattung determiniert werden, ein Mangel hinsichtlich des Kapitals, sei dies nun Fremd- oder Eigenkapital, enormen Einfluss auf die Strategie und eventueller Expansionspläne von Unternehmen ausübt, ist somit mit besonderer Sorgfalt auf eine adäquate Unternehmensfinanzierung Bedacht zu nehmen. In Anbetracht international dominierender Unternehmen, die in Bereichen wie F&E, Wettbewerbsfähigkeit, Wachstum und Innovationsfähigkeit allen voran sind, fällt auf, dass die meisten durch Börsengänge finanziert sind.
Vor dem Hintergrund der eben angeführten Faktoren, wird im Rahmen dieser Arbeit der Aspekt der Publikumsfinanzierung näher betrachtet. Nach einer allgemeinen Begriffsklärung und Abgrenzung von anderen Finanzierungsinstrumenten, werden mögliche Gründe und Erfolgsfaktoren des Going Public erläutert. Im weiteren Verlauf wird ein Überblick über die wesentlichsten Voraussetzungen einer Going Public Finanzierung gegeben, bis letztlich das Augenmerk auf aktuelle Entwicklungen gelenkt wird und die Arbeit mit einem Resümee abschließt.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Going Public im Kontext der Unternehmensfinanzierung
2.1 Systematische Einordnung ins Finanzierungsspektrum
2.2 Zum Begriff des Going Public
3 Grundsätzliche Vorüberlegungen im Rahmen des Going Public
3.1 Argumente für einen Börsengang
3.1.1 Eigenkapitalstärkung und Wachstumsfinanzierung
3.1.2 Erschließung neuer Finanzierungsquellen
3.1.3 Zukunftssicherung des Unternehmens
3.1.4 Positive Publizitätswirkung
3.1.5 Weitere Motive
3.2 Argumente gegen einen Börsengang
3.2.1 Negative Publizitätswirkung
3.2.2 Kostenfaktor
3.2.3 Zeitfaktor und Koordinationsaufwand
3.2.4 Gefahr der Überfremdung
3.2.5 Weitere Nachteile
4 Voraussetzungen für ein erfolgreiches Going Public
4.1 Wirtschaftliche Börsenreife
4.2 Technische Börsenreife
5 Relevanz der Wahl des Börsenplatzes und des Börsensegments
5.1 Vorteilhaftigkeitsvergleich verschiedener Börsenplätze
5.2 Marktsegmente der Wiener Börse
6 Aktuelle Entwicklung
7 Kritische Würdigung
Zielsetzung und Themen der Arbeit
Die vorliegende Arbeit befasst sich mit der kritischen Beurteilung der Eigenkapitalbeschaffung österreichischer Unternehmen durch den Gang an die Börse (Going Public). Ziel ist es, die Motive, Voraussetzungen sowie Chancen und Risiken einer solchen Finanzierungsentscheidung im Kontext der aktuellen wirtschaftlichen Gegebenheiten zu analysieren.
- Systematische Einordnung des Going Public in die Unternehmensfinanzierung
- Analyse der Beweggründe für und gegen einen Börsengang
- Untersuchung der wirtschaftlichen und technischen Börsenreife
- Evaluierung der Bedeutung von Börsenplätzen und Marktsegmenten, insbesondere am Beispiel der Wiener Börse
- Kritische Würdigung der aktuellen Marktentwicklungen und IPO-Aktivitäten
Auszug aus dem Buch
3.1.1 Eigenkapitalstärkung und Wachstumsfinanzierung
Als wohl einer der gewichtigsten Motive für eine Börseneinführung liegen in einer strategischen Ausrichtung des Unternehmens in seiner Wettbewerbsposition. Um dem zunehmenden Problem der unzureichenden Eigenkapitalausstattung, wovon insbesondere auch KMU im steigenden Maße betroffen sind, Herr zu werden, erhebt sich in diesem Kontext die Forderung nach einer Erweiterung der Eigenkapitalbasis. Die hinsichtlich einer Aktienemission zufließenden Eigenmittel schaffen mehr Spielraum für unternehmerische Tätigkeiten und können folglich zu unterschiedlichen Zwecken und Zielsetzungen eingesetzt werden. Die Argumente für einen höheren Eigenkapitalanteil sind facettenreich.
Da Eigenkapital grundsätzlich dauerhaft zur Verfügung steht und ergebnisunabhängig ist, deckt es somit das wirtschaftliche Risiko; auch in weniger gewinnträchtigen Zeiten. Folglich führt eine starke EK-Basis zu einer Reduktion der Krisenanfälligkeit des Unternehmens, da es quasi eine Puffer-Funktion übernimmt, um potentielle Verluste aufzufangen. Meist dient das lukrierte Eigenkapital zur Durchführung von kapitalintensiven und mit hohem Risiko behafteten Investitionen. Besonderer Wichtigkeit wird der Wachstumsfinanzierung beigemessen, um auch künftig die Wettbewerbsfähigkeit des Emittenten zu gewährleisten. Gerade innovative, dynamische Unternehmen sehen sich oft in ihren Entwicklungsmöglichkeiten eingeschränkt; um notwendige Kapazitätserweiterungen bzw. Großinvestitionen dennoch durchzuführen, bedient man sich des Kapitalmarktes. Ein kapitalstarkes, börsennotiertes Unternehmen ist beim Kampf um Marktanteile jenen Unternehmen weitaus überlegen, die sich nicht der Börse bedienen und folglich in ihren finanziellen Möglichkeiten i.d.R. eingeschränkt sind.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Stellt die wirtschaftliche Ausgangslage dar und definiert den Rahmen für die Untersuchung der Publikumsfinanzierung.
2 Going Public im Kontext der Unternehmensfinanzierung: Ordnet das Going Public systematisch in die Außen- und Eigenfinanzierung ein und definiert den Begriff des Börsengangs.
3 Grundsätzliche Vorüberlegungen im Rahmen des Going Public: Diskutiert die vielfältigen Argumente, die für oder gegen einen Börsengang sprechen, inklusive strategischer und finanzieller Aspekte.
4 Voraussetzungen für ein erfolgreiches Going Public: Erläutert die notwendigen ökonomischen und rechtlichen Kriterien, die ein Unternehmen für eine erfolgreiche Börseneinführung erfüllen muss.
5 Relevanz der Wahl des Börsenplatzes und des Börsensegments: Vergleicht verschiedene Börsenplätze und erläutert die spezifischen Marktsegmente der Wiener Börse.
6 Aktuelle Entwicklung: Analysiert die IPO-Aktivitäten der letzten Jahre vor dem Hintergrund einer Marktkorrekturphase und schwieriger Rahmenbedingungen.
7 Kritische Würdigung: Reflektiert die Komplexität des Going Public, die Rolle der Emissionsberater und die Herausforderungen bei der Emissionspreisfindung.
Schlüsselwörter
Going Public, Börsengang, Initial Public Offering, Unternehmensfinanzierung, Eigenkapital, Wiener Börse, Kapitalmarkt, Börsenreife, Emissionspreisfindung, Investor Relations, KMU, Prime Market, Börsenzulassung, Publizitätspflicht, Equity Story
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht das Going Public (Börsengang) als Finanzierungsinstrument und beurteilt kritisch, ob und unter welchen Voraussetzungen es für österreichische Unternehmen sinnvoll ist, Eigenkapital über die Börse zu beschaffen.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Die zentralen Themen umfassen die Motive für und gegen einen Börsengang, die wirtschaftlichen und technischen Anforderungen an Unternehmen sowie die Bedeutung der Wahl des richtigen Börsenplatzes und Segments.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist eine kritische Analyse der Erfolgsfaktoren und Risiken eines Börsengangs für Unternehmen, unter besonderer Berücksichtigung österreichischer Gegebenheiten und KMU.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine fundierte literaturbasierte Analyse, die den aktuellen Stand der Fachdiskussion zu Finanzierung, Börsenrecht und Kapitalmarktmanagement zusammenführt und kritisch bewertet.
Was steht im Hauptteil im Fokus?
Der Hauptteil behandelt die Abwägung zwischen Eigenkapitalstärkung, Wachstumsfinanzierung und Zukunftssicherung auf der einen Seite sowie Kosten, Publizitätspflichten und der Gefahr der Überfremdung auf der anderen Seite.
Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit am besten?
Zentrale Begriffe sind Going Public, Eigenkapital, Börsenreife, Wiener Börse, Investor Relations und Kapitalmarkt.
Warum ist die Wahl des Marktsegments bei der Wiener Börse von Bedeutung?
Die Wahl des Marktsegments bestimmt die Anforderungen an Transparenz, Publizität und Qualität. Der Prime Market stellt dabei höhere Ansprüche als der Standard Market, bietet jedoch ein höheres Ansehen für Investoren.
Welche Rolle spielt die Rolle des Lead Managers?
Die Arbeit hinterfragt kritisch, ob die konsortialführende Bank im Interesse des Unternehmens handelt oder ob Eigeninteressen bei der Provisionierung und der Emissionspreisfindung das Ergebnis negativ beeinflussen könnten.
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- Markus Slamanig (Author), 2003, Going Public - Eine kritische Beurteilung der Eigenkapitalbeschaffung österreichischer Unternehmen über die Börse, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/26251