„Kunst und Kultur sind Motoren gesellschaftlicher Entwicklungen – das macht
kulturelle Bildung so bedeutsam.“ (BPB, 2013)
Was unter dem Begriff Kulturelle Bildung verstanden wird, ist oft unklar. Der Begriff ist zu neu um allgemein bekannt oder gar gängig zu sein und obwohl er auf politischer Ebene in Deutschland bereits lange gebraucht wird, ist es selbst für Fachkundige nicht leicht, den Begriff zu definieren. Dies liegt unter anderem daran, dass die beiden Einzelbegriffe Kultur und Bildung bereits so vielfältig ausgelegt werden können. Und doch klingt der Begriff „Kulturelle Bildung“ so vielversprechend und ungekünstelt.
Kulturelle Angebote gibt es schon sehr lange im sozialen Bereich und in unterschiedlichster Art und Weise, vom Tanzworkshop bis hin zum Museumsbesuch.
Was steckt hinter dem vielsagenden Begriff? Und was bedeutet er für die Profession Soziale Arbeit?
Durch das Absolvieren eines Praxissemesters in einer Jugendeinrichtung Offene Tür Lucky´s Haus in Köln und dem dort angeschlossenen Jugendkunst- und Graffitiprojekt MittwochsMaler, habe ich die Erfahrung gemacht, wie schwierig es für ein Projekt der Sozialen Arbeit sein kann, eine Basisfinanzierung und eine ausreichende Legitimation des Arbeitsansatzes zu erlangen. Diese Schwierigkeit ergibt sich in diesem Fall durch die spezielle Ausrichtung: Das Projekt arbeitet ausschließlich mit Jugendlichen aus der Graffitiszene. Solche Projekte gibt es in Deutschland nur wenige. Das Projekt der MittwochsMaler ist in seinem Fortbestehen nicht gesichert, immer wieder müssen Projektmittel organisiert werden und es gibt keine fortlaufende Basisfinanzierung.
Hinzu kommt, dass die Stadt Köln Kürzungen im Bereich der Sozialen Arbeit vornimmt und bereits Einrichtungen geschlossen werden mussten. Dies passiert unter anderem daher, da der Erfolg kultureller Angebote schwerer messbar ist und somit Projekte und Einrichtungen unter Druck geraten. Die Bundesregierung in Deutschland vergibt Gelder für Projekte der Kulturellen Bildung. Wenn das Projekt MittwochsMaler der Kulturellen Bildung zugeordnet werden kann, könnte sich die Finanzielle Lage des Projektes möglicherweise verbessern. Es ergeben sich demnach folgende Fragen: Was bedeutet Kulturelle Bildung? Und kann das Projekt MittwochsMaler dieser zugeordnet werden?
Ziel dieser Arbeit ist es, den Begriff Kulturelle Bildung näher zu beleuchten und ein Projekt darzustellen, welches aufzeigt, wie die Kulturelle Bildung in der Praxis aussehen kann.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Begriffsklärung – Offene Kinder- und Jugendarbeit
3. Annäherung an den Begriff Kulturelle Bildung
3.1 Viele Begriffe – eine Bedeutung?
3.2 Entwicklungslinien
3.3 Eine allgemeine Definition
3.4 Kultur und Bildung in der Offenen Kinder- und Jugendarbeit
3.4.1 Kultur
3.4.2 Bildung
4. Kulturelle Bildung in der Offenen Kinder- und Jugendarbeit
5. Kulturelle Bildung in der Praxis
5.1 Offene Tür Lucky´s Haus
5.2 Die MittwochsMaler – ein Jugendkunst- und Graffitiprojekt
6. Konklusion
7. Fazit
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit befasst sich mit der theoretischen Einordnung und praktischen Bedeutung Kultureller Bildung innerhalb der Offenen Kinder- und Jugendarbeit (OKJA). Ziel ist es, den Begriff der Kulturellen Bildung zu beleuchten, aktuelle Entwicklungen darzustellen und anhand des Praxisbeispiels "MittwochsMaler" zu untersuchen, inwieweit spezifische Jugendprojekte diesem Bildungsansatz zugeordnet werden können.
- Theoretische Grundlagen und Begriffsbestimmung von Kultureller Bildung
- Kontextualisierung der Kulturellen Bildung in der Offenen Kinder- und Jugendarbeit
- Analyse des Jugendkunst- und Graffitiprojekts "MittwochsMaler"
- Diskussion über Legitimierung und Finanzierung kultureller Angebote in der Sozialen Arbeit
Auszug aus dem Buch
3.2 Entwicklungslinien
Im Umgang mit Kultureller Bildung sind unterschiedliche Entwicklungslinien der KB erkennbar. Unterschieden wird an dieser Stelle zwischen einer politischen Ebene (Institutionen und Gesetze), einer theoretischen Ebene (Fachliteratur, Lehre und theoretisches Fundament) und einer praktischen Ebene (Orte und Einrichtungen in denen KB stattfindet).
Auf der politischen Ebene wird der Begriff in Deutschland bereits genutzt. So gibt es bereits seit einiger Zeit eine Bundesvereinigung Kulturelle Kinder- und Jugendbildung (BKJ) und auch im Kinder- und Jugendplan des Bundes (KJP) wird darauf eingegangen, dass dieser der Förderung von Einrichtungen und Angeboten Kultureller Bildung bundesweit dient. Auch im Kinder- und Jugendhilfegesetz wird indirekt von KB gesprochen. International gab es bereits zwei Weltkonferenzen der UNESCO zum Thema KB. In Deutschland sind die Länder für den Bereich der KB zuständig. Auch im Schlussbericht der Enquete-Kommission "Kultur in Deutschland" (Deutscher Bundestag, 2007) finden wir einen großen Teil, welcher sich der Kulturellen Bildung widmet. Es könnte also der Schluss gefasst werden, dass eine oder verschiedene Definitionen von Kultureller Bildung bereits erarbeitet wurden und der Begriff auch auf den anderen beiden Ebenen gängig und mehr oder weniger geklärt ist. Durch die Beschäftigung mit der aktuellen Fachliteratur und der heutigen Praxisbereiche wird schnell klar, dass die Diskussion über die Definition der KB auf der theoretischen Ebene zwar im Gange ist, diese bisher jedoch nicht ausreichend definiert wurde.
Auf der praktischen Ebene finden wir bereits Angebote und Initiativen, die konkret KB zum Thema haben. Als Beispiel sei hier der Kompetenznachweis Kultur angeführt. Jedoch gibt es bisher neben den vielen Konzepten mangelnden Umsatz und Erfahrung in der Praxis. Dies stellt eine deutliche Diskrepanz zwischen theoretischer und praktischer Ebene dar (Deutscher Bundestag, 2007).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Einführung in die Relevanz der Kulturellen Bildung und Erläuterung der Forschungsfragen anhand des Projekts MittwochsMaler.
2. Begriffsklärung – Offene Kinder- und Jugendarbeit: Klärung der verwendeten zentralen Fachbegriffe und Abgrenzung der Offenen Kinder- und Jugendarbeit.
3. Annäherung an den Begriff Kulturelle Bildung: Theoretische Auseinandersetzung mit dem Begriff, seinen Entwicklungslinien sowie den zugrunde liegenden Einzelbegriffen Kultur und Bildung.
4. Kulturelle Bildung in der Offenen Kinder- und Jugendarbeit: Erörterung der theoretischen Fundierung und der legitimatorischen Funktion der Kulturellen Bildung im Feld der Jugendarbeit.
5. Kulturelle Bildung in der Praxis: Detaillierte Vorstellung der Einrichtung Lucky´s Haus und des spezifischen Projekts MittwochsMaler als Praxisbeispiel.
6. Konklusion: Synthese der theoretischen Erkenntnisse mit der praktischen Arbeit der MittwochsMaler und Prüfung der Zuordenbarkeit zur Kulturellen Bildung.
7. Fazit: Zusammenfassende Bewertung der Rolle und Chancen Kultureller Bildung für die Soziale Arbeit unter Berücksichtigung der aktuellen Definitionsdebatte.
Schlüsselwörter
Kulturelle Bildung, Offene Kinder- und Jugendarbeit, Soziale Arbeit, Jugendkultur, Graffiti, Partizipation, Identitätsentwicklung, Bildungstheorie, Jugendhilfe, Praxissemester, MittwochsMaler, Kulturpädagogik, Lebensweltorientierung, Kompetenzvermittlung, Prävention.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit im Kern?
Die Arbeit untersucht die theoretische Definition und praktische Umsetzung von Kultureller Bildung innerhalb der Offenen Kinder- und Jugendarbeit.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Die zentralen Themenfelder sind die Begriffsbestimmung von Kultureller Bildung, die Rolle der Kunst in der Sozialen Arbeit sowie die Analyse jugendkultureller Praxisprojekte.
Was ist die zentrale Forschungsfrage der Arbeit?
Die Arbeit geht der Frage nach, ob Kulturelle Bildung ein geeigneter Rahmen für die Jugendarbeit ist und ob das Projekt "MittwochsMaler" als Beispiel für Kulturelle Bildung fungieren kann.
Welche methodische Vorgehensweise wurde gewählt?
Die Arbeit basiert auf einer theoretischen Aufarbeitung des Begriffs Kulturelle Bildung, ergänzt durch eine praktische Fallstudie über das Jugendkunstprojekt "MittwochsMaler".
Was wird im Hauptteil der Arbeit analysiert?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Begriffsannäherung an Kultur und Bildung in der OKJA sowie eine detaillierte Darstellung und Auswertung des Projekts MittwochsMaler.
Welche Schlagworte charakterisieren diese Publikation?
Wesentliche Schlagworte sind Kulturelle Bildung, Offene Kinder- und Jugendarbeit (OKJA), Sozialarbeit, Partizipation und Jugendkultur.
Wie unterscheidet sich das Projekt MittwochsMaler von anderen Angeboten?
Das Projekt zeichnet sich durch die Arbeit mit der speziellen Zielgruppe der Graffiti-Jugendlichen aus und verbindet kreative Kunstpraxis mit sozialpädagogischer Unterstützung.
Welches Fazit zieht der Autor zur Definitionsfrage?
Der Autor stellt fest, dass es bisher keine abschließende, allgemein anerkannte Definition von Kultureller Bildung gibt, was deren praktische Legitimierung und Strukturierung erschwert.
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- Alan Müller (Author), 2013, Kulturelle Bildung in der Offenen Kinder- und Jugendarbeit, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/262526