Was ist eigentlich ein Text? Was macht das Wesen dieses Phänomens aus und wie kann jener Begriff von ‚Nicht-Texten‘ abgegrenzt werden? Mit der Klärung dieser Frage beschäftigt sich die Ende der 1960er Jahre entstandene und noch recht junge, sprachwissenschaftliche Disziplin der Textlinguistik. Den ersten spontanen Versuch einer Textdefinition machte Hartmann im Jahre 1964: „Mit ‚Text‘ kann man alles bezeichnen, was an Sprache so vorkommt, da es Sprache in kommunikativer oder wie immer sozialer, d.h. partnerbezogener Form ist.“
Weiterhin findet man im Duden unter dem Suchbegriff „Text“ folgende Eintragungen: 1a. [schriftlich fixierte] im Wortlaut festgelegte, inhaltlich zusammenhängende Folge von Aussagen; 1b. Stück Text, Auszug aus einem Buch o. Ä. ; 2. (als Grundlage einer Predigt dienende) Bibelstelle; 3. Unterschrift zu einer Illustration, Abbildung; 4. die zu einem Musikstück gehörenden Worte. (http://www.duden.de/rechtschreibung/Text_Aeuszerung_Schrift)
Diesen beiden Definitionen gelingt es immerhin, dem „Durchschnittssprachteilnehmer“ den Textbegriff näher zu bringen – für die wissenschaftliche Betrachtung beziehungsweise Herangehensweise sind sie allerdings unzureichend. Es wäre wenig sinnvoll, an dieser Stelle unzählige andere Merkmals- und Textdefinitionen zu erwähnen, da dies zu einer gewissen Unordnung führen würde, die nicht unbedingt zur besseren Überschaubarkeit und Handhabbarkeit des Begriffs beiträgt. Deshalb beschränken wir uns auf die sieben viel zitierten Textualitätskriterien von Beaugrande/Dressler. Diese sind: Kohäsion, Kohärenz, Intentionalität, Akzeptabilität, Informativität, Situationalität und Intertextualität.
Doch so häufig diese Kriterien auch zitiert wurden, sie bleiben dennoch umstritten. Diese Arbeit hat sich zum Ziel gesetzt, diese Textualitätskriterien zu beschreiben, kritisch zu beleuchten und mit alternativen Textdefinitionen zu vergleichen, um so die Problematik aufzuzeigen, warum es bis heute nicht gelungen ist, einen allgemein gültigen Textbegriff zu finden.
Inhaltsverzeichnis
1 MERKMALE DER TEXTUALITÄT VON BEAUGRANDE/DRESSLER
1.1 Kohäsion (Verbindung der Wörter in der Textoberfläche)
1.2 Kohärenz (semantischer Textzusammenhang)
1.3 Intentionalität (Ausdruck der kommunikativen Absicht)
1.4 Akzeptabilität (Äußerung als Text aus Rezipientensicht)
1.5 Informativität
1.6 Situationalität (Situationsangemessenheit eines Textes)
1.7 Intertextualität (Ausdruck der Beziehungen zu anderen Texten)
2 ZWISCHENFAZIT
3 ALTERNATIVE TEXTDEFINITIONEN
3.1 Text unter vorwissenschaftlichen Gesichtspunkten
3.2 Wolf-Dieter Krause
3.3 Kirsten Adamzik
4 ABSCHLIEßENDES
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht die sieben Textualitätskriterien von Beaugrande und Dressler, um deren wissenschaftliche Validität zu prüfen, Kritikpunkte aus der Fachwelt aufzuzeigen und sie mit alternativen Textdefinitionen zu vergleichen, mit dem Ziel, die Schwierigkeiten bei der Etablierung eines universellen Textbegriffs darzulegen.
- Die sieben konstitutiven Kriterien der Textualität nach Beaugrande/Dressler
- Kritische Auseinandersetzung mit der linguistischen Definition von "Text"
- Vergleichende Analyse von alternativen Textdefinitionen (u.a. Krause, Adamzik)
- Die Problematik der Abgrenzung von "Text" und "Nicht-Text"
- Die Rolle von Kohäsion und Kohärenz im kommunikativen Prozess
Auszug aus dem Buch
1.2 Kohärenz (semantischer Textzusammenhang)
Das zweite Textualitätskriterium von Beaugrande/Dressler ist die Kohärenz eines Textes. Es geht dabei um semantisch-kognitive Aspekte wie Kausalitäts-, Referenz- und Zeitbeziehungen, also um rein inhaltliche Zusammenhänge. Sie definieren den Begriff folgendermaßen:
Kohärenz betrifft die Funktionen, durch die die Komponenten der Textwelt, d.h. die Konstellation von Konzepten (Begriffen) und Relationen (Beziehungen), welche dem Oberflächentext zugrundeliegen, für einander gegenseitig zugänglich und relevant sind. Ein Konzept ist bestimmbar als eine Konstellation von Wissen (kognitivem Inhalt), welches mit mehr oder weniger Einheitlichkeit und Konsistenz aktiviert oder ins Bewusstsein zurückgerufen werden kann […]. Relationen sind die Bindeglieder zwischen Konzepten, die in der Textwelt zusammen auftreten; jedes Bindeglied soll eine Bezeichnung des Konzepts tragen mit dem es eine Verbindung herstellt […].
Besonders hervorzuheben sind hier die Relationen der Kausalität und der Zeit. Aus dem Beispiel „Er hatte den Schlüssel vergessen und rief den Schlüsseldienst an“ wird deutlich, dass das „Vergessen des Schlüssels“ Ursache und „der Anruf“ die Wirkung des Vergessens ist. Zudem macht der Satz deutlich, dass das Vergessen des Schlüssels zeitlich vor dem Anruf stattfand. Kohärenz muss zudem nicht explizit aus der Textoberfläche deutlich werden. Somit wird deutlich, dass ein Text nicht nur durch die Struktur seiner Oberfläche an Sinn gewinnt, sondern eher dadurch, dass die Textrezipienten ihr Textwissen und ihr gespeichertes Weltwissen einbringen. Kurz gesagt, die im Text auftretenden Konzepte und Relationen müssen bei einem kohärenten Text mit dem Weltwissen des Rezipienten übereinstimmen.
Zusammenfassung der Kapitel
1 MERKMALE DER TEXTUALITÄT VON BEAUGRANDE/DRESSLER: In diesem Kapitel werden die sieben Kriterien (Kohäsion, Kohärenz, Intentionalität, Akzeptabilität, Informativität, Situationalität, Intertextualität) eingeführt, die laut Beaugrande/Dressler erfüllt sein müssen, damit eine Äußerung als Text gilt.
2 ZWISCHENFAZIT: Das Kapitel reflektiert die Kritik an der Absolutheit der sieben Kriterien, wobei insbesondere Heinz Vater argumentiert, dass die Erfüllung aller Kriterien keine zwingende Voraussetzung für Textualität darstellt.
3 ALTERNATIVE TEXTDEFINITIONEN: Es werden alternative Ansätze zu Beaugrande/Dressler vorgestellt, darunter die alltagssprachliche Auffassung sowie die Konzepte von Wolf-Dieter Krause und Kirsten Adamzik, die den Textbegriff durch weitere Merkmale wie Funktionalität oder Ganzheitlichkeit erweitern.
4 ABSCHLIEßENDES: Das Fazit fasst zusammen, dass die Kriterien von Beaugrande/Dressler zwar hilfreiche Richtlinien sind, aber keine trennscharfe Definition von Texten ermöglichen, was eine vorsichtige, weite Definition des Begriffs in der Wissenschaft nahelegt.
Schlüsselwörter
Textlinguistik, Textualität, Beaugrande, Dressler, Kohäsion, Kohärenz, Intentionalität, Akzeptabilität, Informativität, Situationalität, Intertextualität, Textdefinition, Sprachwissenschaft, Textanalyse, Kommunikation
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit befasst sich mit der Definition des Begriffs "Text" innerhalb der Textlinguistik und untersucht, wie dieses Phänomen wissenschaftlich gefasst werden kann.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Im Zentrum stehen die sieben Textualitätskriterien nach Beaugrande/Dressler sowie deren kritische Prüfung und die Gegenüberstellung mit alternativen linguistischen Definitionen.
Welches primäre Ziel verfolgt die Arbeit?
Ziel ist es, die Textualitätskriterien zu beschreiben und kritisch zu hinterfragen, um aufzuzeigen, warum es in der Sprachwissenschaft bisher nicht gelungen ist, eine allgemein gültige und trennscharfe Textdefinition zu finden.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Die Arbeit nutzt die Literaturanalyse und den kritischen Vergleich existierender linguistischer Theorien und Definitionen.
Was wird im Hauptteil der Untersuchung behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die detaillierte Darstellung der sieben Kriterien von Beaugrande/Dressler, eine kritische Diskussion dieser Kriterien durch andere Linguisten wie Heinz Vater und die Vorstellung weiterer Textkonzepte.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit am besten?
Die Arbeit ist durch Begriffe wie Textlinguistik, Textualität, Kohäsion, Kohärenz und die Auseinandersetzung mit den Kriterien von Beaugrande und Dressler charakterisiert.
Wie wird das Verhältnis von Kohäsion und Kohärenz in der Arbeit bewertet?
Die Arbeit hebt hervor, dass Kohärenz als dominierendes Kriterium für das Zustandekommen eines Textes angesehen wird, während Kohäsion nicht zwingend vorhanden sein muss, wie anhand von literarischen Beispielen verdeutlicht wird.
Warum wird die Intertextualität nach Beaugrande/Dressler kritisch betrachtet?
Die Kritik basiert darauf, dass Beaugrande/Dressler das Kriterium in zwei unterschiedliche Richtungen definieren, wobei Linguisten wie Vater nur eine der Interpretationen als valides Kriterium anerkennen.
- Arbeit zitieren
- Endrit Malaj (Autor:in), 2013, Textualität und das Problem einer Text-Definition, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/262532