Der 17. Juni 1953 in Rostock

Regionale Besonderheiten in Ausgangslage und Verlauf


Hausarbeit, 2008

14 Seiten, Note: 1,7


Leseprobe

Gliederung

1. Einleitung

2. Ausgangssituation in Rostock
2.1 Politische Situation
2.2 Wirtschaftliche Situation
2.3 Innere und Soziale Situation
2.4 Der Neue Kurs

3. Aktionen um den 17. Juni

4. Fazit

5. Literaturangaben

1. Einleitung:

Der 17. Juni 1953 stellt ein bedeutendes Datum in der (ost-)deutschen Geschichte dar. An diesem Tag fanden in der Deutschen Demokratischen Republik (DDR) an verschiedenen Orten und in unterschiedlichem Ausmaß Arbeitsniederlegungen und Aufstände vieler Bevölkerungsschichten statt, die zum Teil gewaltsam von der Sowjetunion und dem DDR-Regime niedergeschlagen oder verhindert wurden. Ausschlaggebend war die Unzufriedenheit des Volkes mit der Politik des SED-Regimes. Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich mit den Unruhen im Bezirk Rostock und möchte folgende Leitfrage beantworten: Welche regionalen Faktoren haben eine Rolle für das Ausmaß und den Verlauf der Unruhen rund um den 17. Juni 1953 in Rostock gespielt? Auf dieser Frage aufbauend ergibt sich folgende Gliederung.

Zunächst wird in der Vorgeschichte die Strukturentwicklung von Stadt und Bezirk Rostocks seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs erläutert. Die Ursachen der Krise sind zu einem beträchtlichen Teil auch schon vor der Gründung der Deutschen Demokratischen Republik (DDR) 1949 zu erkennen. 1 Bei der Beschreibung wird stets auch der Blick auf das Land Mecklenburg – Vorpommern gelegt, - nach der Bildung der Landesverwaltung 1945 verlor das Land das Anhängsel „Vorpommern“ und wurde dann mit der Verwaltungsreform 1952 zusammen mit den Landtagen aufgelöst. 2 - da es die politische und soziale Lage in Rostock beeinflusste. Es werden vor allem die regionalen Besonderheiten hervorgehoben, die sich aus den politischen, wirtschaftlichen und sozialen Reformen in der Sowjetischen Besatzungszone (SBZ) und dann der DDR ergeben haben und in ihrer Art und Weise das Aufkommen und den Verlauf des Aufstands beeinflusst haben.

Im Anschluss daran wird chronologisch die Abfolge der verschiedenen Aktionen der Bevölkerung und die Reaktionen des Regimes, die sich an den Tagen vom Beginn bis zum Ende der Unruhen ereignet haben, beschrieben. Bei den Aktionen wird unterschieden, welche Bevölkerungsschichten sich in welchem Ausmaß beteiligten und an welchen Orten Unruhen stattfanden und bei den Reaktionen wird beschrieben, wer - und in welcher Form - versuchte, die Unruhen zu verhindern und zu beenden.

Am Schluss soll die Leitfrage beantwortet werden, indem noch einmal die stichhaltigen Aspekte in Bezug auf die regionalen Besonderheiten hervorgehoben werden, die die Ursachen, den Verlauf und Ausgang der Unruhen in Rostock beeinflusst haben.

2. Ausgangssituation in Rostock:

Von besonderer Bedeutung für die gesellschaftliche Entwicklung bis zum Juni 1953 waren in der Nachkriegszeit in Rostock politische, wirtschaftliche und soziale Aspekte. Politisch waren ausschlaggebend die frühzeitige Besetzung wichtiger Positionen durch Mitglieder der Kommunistischen Partei Deutschlands (KPD), die Zwangsvereinigung der KPD und der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands (SPD), die Blockbildung und Einheitswahlen, die Verwaltungsreform sowie der daraus resultierende langsame Verlust von Mitbestimmungsmöglichkeiten von Volk und bürgerlichen Parteien. Wirtschaftlich waren die Bodenreform, die Demontage der Rüstungsindustrie sowie die Enteignungen von Gasthäusern und Betrieben und der enorme Ausbau des Schiffbaus relevant und sozial die Flüchtlingsströme aus dem Osten, die sozialen Missstände, die sich aus der Wirtschaftspolitik und der Sparmaßnahmen ergaben, die Repressionen gegenüber der Kirche und der empfangbare Rundfunk aus dem Westen.

Die zweite Parteikonferenz der SED im Juli 1952 und der damit einhergehende Beschluss zum Aufbau der Sozialismus stellte eine Zäsur dar und verschärfte die Lage. 3 Die sich daraus ergebenden Maßnahmen werden in den einzelnen Gliederungspunkten hervorgehoben und zuletzt wird der Neue Kurs als Auslöser der Unruhen beschrieben..

2.1 Politische Situation:

Die politische Lage in Mecklenburg und Rostock ähnelte der gesamten SBZ bzw. DDR. Die Besatzungsmacht setzte alles daran, möglichst bald eine Machtübernahme der Kommunisten in scheindemokratischen Verhältnissen zu erreichen. Die frühe Besetzung von entscheidenden Positionen durch Mitglieder der KPD kann als erster Schritt gewertet werden. In Rostock wurden nach der Bildung der Landesverwaltung im Juli 1945 die wichtigsten Ressorts mit KPD-Mitgliedern besetzt und im gesamten Land Mecklenburg spielten geschulte Moskauer Exilanten aus der so genannten „Gruppe Sobottka“ die entscheidende Rolle bei der Besetzung oder Auswahl von einflussreichen Positionen für die Neuorganisation der Verwaltung. 4

Die Zwangsvereinigung der SPD und der KPD zur Sozialistischen Einheitspartei Deutschlands (SED) 1946 war hierbei auch von besonderer Relevanz. Diese gelang gerade in der ehemaligen SPD – Hochburg Rostock nicht reibungslos und führte in der Folgezeit zu Austritten aufgrund kommunistischer Übermacht oder Parteiausschlüssen. 1948 wurden z.B. im Rahmen der Suche nach den so genannten „Feinden des Sozialismus“ nach der ersten Parteikonferenz der Landes – SED Säuberungen innerhalb der Partei in Mecklenburg durchgeführt und etwa 4000 Mitglieder wurden aus SED entlassen. Rostock nahm eine hervorgehobene Stellung bei der Bekämpfung von ehemaligen SPD-Mitgliedern in der SED ein. 5

Bei den Landtagswahlen 1946 in Mecklenburg traten die Parteien SED, Christlich Demokratische Union (CDU), Liberaldemokratische Partei Deutschlands (LDPD) und Vereinigung gegenseitiger Bauernhilfe (VdgB) noch gegeneinander an und die SED verfehlte trotz Wahlbeeinflussung der Besatzungsmacht die absolute Mehrheit knapp. In der Folgezeit nutzte die SED diese Mehrheit zur Verfolgung Andersdenkender an Schulen, Universitäten und in bürgerlichen Parteien, was zur Flucht einiger in den Westen führte. Bei den Neuwahlen 1950 nach der Gründung der DDR wurde dann die Opposition völlig ausgeschaltet. Einheitslisten und ein gemeinsames Wahlprogramm aller Parteien und einiger Massenorganisationen, die im Block mit dem Namen „Nationale Front“ zusammengeführt wurden, führten zum Verlust von Mitbestimmungsmöglichkeiten des Volkes und der bürgerlichen Parteien sowie zur Übermacht der SED.

Im Juli 1952 wurden dann die Länder der DDR und somit der Landtag mit der Verwaltungsreform per Gesetz aufgehoben und die DDR wurde in fünfzehn zentralistisch gelenkte Bezirke eingeteilt, die die Rolle der SED stärkten, indem Kontroll- und Einflussmöglichkeiten ausgebaut wurden. Mecklenburg wurde in die Bezirke Schwerin, Rostock und Neubrandenburg gegliedert. Der Bezirk Rostock umfasste den gesamten Landstrich Mecklenburgs an der Ostseeküste von Schönberg bis zur Insel Usedom. 6

[...]


1 vgl. Schmidt, Heike: Der 17. Juni 1953 in Rostock, Berlin 2003, S. 21.

2 vgl. Mast, Peter: Mecklenburg-Vorpommern: 1000 Jahre Geschichte eines jungen Landes, München, Berlin 1994, S. 180.

3 vgl. Schmidt, Heike, S.46.

4 vgl. ebenda, S. 40f.

5 vgl. ebenda, S. 43.

6 vgl. Karge, Wolf; Münch, Ernst; Schmid, Hartmut: Die Geschichte Mecklenburgs, Rostock 1993, S. 173 ff.

Ende der Leseprobe aus 14 Seiten

Details

Titel
Der 17. Juni 1953 in Rostock
Untertitel
Regionale Besonderheiten in Ausgangslage und Verlauf
Hochschule
Philipps-Universität Marburg
Note
1,7
Autor
Jahr
2008
Seiten
14
Katalognummer
V262568
ISBN (eBook)
9783656513544
ISBN (Buch)
9783656512790
Dateigröße
437 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
juni, rostock, regionale, besonderheiten, ausgangslage, verlauf
Arbeit zitieren
Johannes Kolb (Autor), 2008, Der 17. Juni 1953 in Rostock, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/262568

Kommentare

  • Noch keine Kommentare.
Im eBook lesen
Titel: Der 17. Juni 1953 in Rostock



Ihre Arbeit hochladen

Ihre Hausarbeit / Abschlussarbeit:

- Publikation als eBook und Buch
- Hohes Honorar auf die Verkäufe
- Für Sie komplett kostenlos – mit ISBN
- Es dauert nur 5 Minuten
- Jede Arbeit findet Leser

Kostenlos Autor werden