Die Beziehung zwischen der DDR und Griechenland

Die Anfänge der Beziehung unter Berücksichtigung des Paidomazoma


Hausarbeit (Hauptseminar), 2013
20 Seiten, Note: 1,7

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

1.Einleitung

2. Die Beziehung zwischen der DDR und Griechenland
2.1 Die Außenpolitik der DDR
2.2 Die Außenpolitik Griechenlands
2.3 Die Entwicklung der Beziehung zwischen der DDR und Griechenland

3. Das Paidomazoma und die Rolle der SED und KKE
3.1 Der griechische Bürgerkrieg und die Verbindung zwischen der SED und KKE
3.2 Das Paidomazoma

4. Zusammenfassung und Ausblick

5. Anhang

6. Literaturverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1.Einleitung

Die wissenschaftlichen Untersuchungen des antiken Griechenlands erfahren seit vielen Jahrzehnten eine enorme Beachtung. Die Untersuchungen des modernen griechischen Staates werden demgegenüber als minder wichtig betrachtet, erfahren jedoch gerade in der gegenwärtigen schwierigen Lage Griechenlands eine verstärkte Aufmerksamkeit. Dies gilt analog den Untersuchungen zwischen den Beziehungen Griechenlands zu Deutschland. Stiefmütterlich wird hingegen die Nachkriegsbeziehung beider Staatenbehandelt, ganz besonders der bzgl. der ehemaligen DDR.

Diese Arbeit setzt an dieser Stelle an und zielt darauf ab, die Grundlagen der späteren diplomatischen und nicht-diplomatischen Verhältnisse zwischen den beiden Staaten sowie ihrer kommunistischen Parteien, SED und KKE, aufzuzeigen. Dabei spielt die sog. Paidomazoma, dem Verschicken griechischer Kinder in sozialistische Länder, eine gewichtige Rolle, da im Zuge dessen eine erste Annährung des noch unter sowjetischer Besatzung stehenden Ostdeutschlands mit der im Bürgerkrieg befindlichen KP Griechenlands (KKE) erfolgte.

Das schwere Schicksal der infolge des Paidomazoma verschickten Kinder geriet zunehmend in Vergessenheit. Wie sehr einige von ihnen darunter leiden musste, verdeutlicht das nachstehende Zitat. Dem Nicht-Vergessen dieser Kinder soll diese Arbeit überdies ein stückweit beitragen.

„Als Kind des Paidomazoma fällt es mir nicht leicht, diesen Begriff in Zusammenhang mit jener historischen Episode gegen Ende des griechischen Bürgerkrieges, 1948/1949, da Tausende Kinder, zu denen auch ich gehörte, ihrer Heimat beraubt wurden, zu verwenden. Ich finde nicht das richtige Wort für dieses dramatische Erlebnis, einen anderen, passenderen Ausdruck für unseren – Weggang aus Griechenland. Ich frage mich: Haben wir Kinder damals Griechenland verlassen, sind wir irgendwohin übergesiedelt, hat man uns verschleppt, aufgelesen und weggebracht, oder gingen wir, was für ein Unsinn, freiwillig in die Emigration?“ (Gekas 2006: 2)

2. Die Beziehung zwischen der DDR und Griechenland

In diesem Kapitel werden zunächst die Grundzüge der Außenpolitiken beider Länder aufgezeigt, da diese die maßgebliche bilaterale Beziehung bestimmten. Der Fokus liegt hierbei einerseits auf den Determinanten der jeweiligen Außenpolitiken, andererseits auf der Aufnahme diplomatischer Beziehungen bzw. dem Weg zur internationalen Anerkennung. Abschließend wird die Entwicklung der Beziehungen beider Länder kontextual veranschaulicht.

2.1 Die Außenpolitik der DDR

Die DDR hatte in ihrer Gründungszeit enorme Schwierigkeiten ihre diplomatischen Beziehungen in die nicht-sozialistische Welt auszuweiten. Ursächlich dafür ist vor allem die westliche Isolierungspolitik gegenüber der DDR. In erster Linie sprach die BRD unter dem Bundeskanzler Konrad Adenauer der DDR jegliche Legitimität ab, sich als staatliche Organisation des deutschen Volkes zu bezeichnen. Im Zuge der Hallstein-Doktrin von 1955 bis 1969 wurde allen Staaten, die die DDR anerkannten, mit dem Abbruch der diplomatischen Beziehungen gedroht. Die BRD beschränkte damit bis weit in die 60er Jahre hinein die außenpolitische Präsenz der DDR auf die Staaten des Warschauer Vertrages und auf einige kommunistische Staaten außerhalb des Ostblocks [1] . Ferner betrieben die Westmächte eine Embargo-Politik gegenüber dem Ostblock. Zudem wurde die Außenpolitik der DDR primär von der Sowjetunion determiniert. Aufgrund dessen konnte die DDR im Laufe ihrer Gründerjahre keinerlei diplomatische Kontaktaktivitäten mit Griechenland ausführen, da Griechenland zu dem nicht-sozialistischen Ausland zählte (vgl. Wentker 2007: 110).

Dies änderte sich abrupt mit dem Grundlagenvertrag aus dem Jahr 1972, der zwischen der BRD und der DDR geschlossen wurde. Aufgrund dessen wuchs der außenpolitische Spielraum der DDR enorm an. Die DDR weitete ihre diplomatischen Beziehungen vor allem in die westlichen Staaten aus. Es wurden diplomatische Beziehungen zu einer Reihe von Staaten, vorzugsweise zu den NATO-Mitgliedsstaaten, aufgenommen. Dazu zählen u. a. Niederlande (05. Januar 1973), Italien (18.Januar 1973), Großbritannien (08. Februar 1973) und Frankreich (09. Februar 1973). Aber auch zu Staaten über das europäische Festland hinaus wurden diplomatische Beziehungen aufgenommen, beispielsweise zu Nigeria (10. Februar 1973), Ruanda (14. Februar 1973) und Japan (15. Mai 1973). Im Zuge dieser Aufnahmen diplomatischer Beziehungen änderte sich die Beziehung zwischen der DDR und Griechenland grundlegend. Am 25. Mai 1973 nahmen beide Staaten offiziell diplomatische Beziehungen auf (vgl. Bock 2010: 157). Ferner wurde die DDR noch im Jahr 1972 in die UNESCO aufgenommen und im Jahr 1973 ein weiteres Mitglied der UNO. Bis zum Ende ihrer Existenz unterhielt sie als ein geschätztes Mitglied in vielen staatlichen sowie nicht-staatlichen internationalen Organisationen diplomatische Beziehungen zu zwei Drittel aller Staaten.

2.2 Die Außenpolitik Griechenlands

Die außenpolitischen Faktoren Griechenlands fasst Axt (1992: 15) folgendermaßen zusammen: „Geostrategisch von herausragender Bedeutung, militärisch verwundbar, industriell schwach entwickelt, finanziell überfordert und innenpolitisch instabil.“ Diese beschriebene geographische Lage aus dem Jahre 1992 determiniert auch die gegenwärtige hellenische Außenpolitik.

Historisch betrachtet, ist die Außenpolitik des neugriechischen Staates in folgende Entwicklungsphasen einzuteilen (vgl. Axt 1992: 30):

- 1944 - 1949: Außenpolitik als Funktion des Bürgerkriegs
- 1949 - 1960: Anbindung an die USA und die NATO
- 1960 - 1967: Annährung an die EWG
- 1967 - 1974: die Junta/Militärdiktatur
- 1974 - 1981: Karamanlis, der Beitritt zur EG und multidimensionale Außenpolitik
- 1981 - 1989: Kontinuität und neue Akzente unter Papandreou (PASOK-Regierung)

Auch die griechische Außenpolitik wurde nach dem zweiten Weltkrieg zunächst primär durch eine der beiden Supermächte determiniert. Im Gegensatz zur DDR war dies nicht die SU, sondern die USA. Durch die Truman-Doktrin des Jahres 1947 ging die Schatzmachtrolle Griechenlands an die USA über. Folglich entwickelte sich die USA zum zentralen Bezugspunkt der griechischen Außenpolitik. Die Konsequenz war der Eintritt Griechenlands in das westliche NATO-Bündnis im Jahr 1952. In der Zeit der Militärdiktatur (1967 - 1974) wuchs das Bestreben, sich aus der amerikanischen Abhängigkeit zu lösen und sich stärker auf Europa zu orientieren. Der NATO-Treue tat dies jedoch keinen Abriss. Die Etappe unter dem griechischen Minister- und Staatspräsidenten Konstantinos Karamanlis (1974 - 1981) war ebenfalls von der Abkehr amerikanischer Abhängigkeit geprägt. Zudem war Griechenland in dieser Zeit darum bemüht, gute Beziehungen zu der UdSSR und den sozialistischen Ländern zu unterhalten (vgl. Axt 1992: 31). Ebenso trat auch die folgende Regierung unter Andreas Papandreou für eine Entspannungspolitik ein.

2.3 Die Entwicklung der Beziehung zwischen der DDR und Griechenland

Die Beziehung zwischen der DDR und Griechenland war fortwährend durch ein fundamentales Hindernis geprägt: der Mitgliedschaft in den zwei unterschiedlichen Militärbündnissen, die „in der Zeit der Systemauseinandersetzungen ein Element des Kräftegleichgewichtes“ (Bock et al 2010: 14) war. Griechenland gehörte der NATO an, das Gegengewicht bildete der Wahrschauer Vertrag, in dem die DDR eingegliedert war.

Die Entwicklung der Beziehungen zwischen der DDR und Griechenland lässt sich in mehrere Etappen gliedern. Der diplomatischen Interaktion ging eine nicht-diplomatische voraus. Zunächst nähert sich beide Staaten durch das Paidomazoma im Zuge des griechischen Bürgerkrieges an (siehe Kapitel 3.2).

Der nächste Schritt der bilateralen Annährung erfolgte durch die griechische Regierung im Dezember 1953. Um den Export griechischer landwirtschaftlicher Produkte, die aufgrund mangelnder Qualität keinen genügenden Absatz in den westlichen Staaten fand, zu unterstützen, wurde in Athen zunächst eine DDR-Handelsvertretung eingerichtet. Kurz darauf, im Jahre 1954, eröffnete weiterhin eine DDR-Auslandsvertretung in Athen, die bis zum Ende des Kalten Krieges existierte (siehe Anhang Tab. 1). Etwa ein Jahrzehnt später hat sich der, inzwischen garantierte, Handelsaustausch beider Länder nahezu verdoppelt. Gegenseitige Teilnahmen an Messen, wie die Teilnahme der DDR an der internationalen Messe in Thessaloniki 1954 und der Teilnahme Griechenlands an der Leipziger Messe 1956, waren nun die Regel. Nichtsdestotrotz fehlten nach wie vor offizielle diplomatische Beziehungen beider Länder, die den Ausbau entsprechender wissenschaftlicher und kultureller Verbindungen förderten. In erster Linie war die DDR-Regierung bestrebtes, diesen Zustand zu ändern. Sie schickte Reisekader zu Symposien nach Griechenland, stellte Studienplätze zur Verfügung und organisierte diverse Musik-, Kunst- und Filmvorstellungen. Aus diesen Bemühungen resultierten sog Freundschaftsgesellschaften, wie die der Freundschaftsgesellschaft Griechenland-DDR sowie der Freundschaftsgesellschaft DDR-Griechenland (vgl. Rofousou 2010: 320). Ernüchtern auf die fortschreitenden Beziehungen beider Länder wirkte sich der Mauerbau aus. Demnach gab es in den Folgejahren der griechischen Militärherrschaft zunächst keine wissenschaftliche bzw. kulturelle Zusammenarbeit. Im Laufe der Militärdiktatur verstärkte Griechenland jedoch ihre diplomatischen Beziehungen. Zunächst mit den Balkanstaaten, später auch mit der SU und der DDR wurden schließlich erste Handelsverträge geschlossen. Die guten Beziehungen und die angestrebte Entspannungspolitik Griechenlands gegenüber der SU seit den 70er Jahren bildeten die Basis für die späteren diplomatischen Beziehungen zur DDR.

[...]


[1] www.dhm.de [Zugegriffen am 19.07.2013]

Ende der Leseprobe aus 20 Seiten

Details

Titel
Die Beziehung zwischen der DDR und Griechenland
Untertitel
Die Anfänge der Beziehung unter Berücksichtigung des Paidomazoma
Hochschule
Friedrich-Schiller-Universität Jena  (Institut für Politikwissenschaft)
Veranstaltung
Die deutsch-griechischen Beziehungen im Spiegel der öffentlichen/medialen Wahrnehmung
Note
1,7
Autor
Jahr
2013
Seiten
20
Katalognummer
V262614
ISBN (eBook)
9783656509974
ISBN (Buch)
9783656510116
Dateigröße
857 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
beziehung, griechenland, anfänge, berücksichtigung, paidomazoma
Arbeit zitieren
Diplom Sportwissenschafter Andreas Bocek (Autor), 2013, Die Beziehung zwischen der DDR und Griechenland, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/262614

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