„Dann wurde Jesus von dem Geist in die Wüste hinaufgeführt, um von dem Teufel versucht zu werden...“1 In Mt 4, 1-11 wird geschildert, wie Jesus – nachdem er zuvor getauft wurde – vom Teufel versucht und seine Gottessohnschaft mehrmals auf die Probe gestellt wird. Im Mittelpunkt der Auseinandersetzung zwischen Jesus und seinem Versucher stehen Schriftzitate, die Jesus wiedergibt, um sich den Anfechtungen zu widersetzen. Die Absicht des Teufels besteht darin, Jesus dazu zu verleiten, vor ihm niederzufallen und ihn anzubeten – statt weiterhin Gott zu dienen.
Im Rahmen meines Essays möchte ich schwerpunktmäßig die Frage erörtern, welche Bedeutung die Versuchungsgeschichte im Kontext des gesamten Evangeliums hat. Daneben soll auch insbesondere die Intention der Geschichte herausgearbeitet und auf die Funktion des Teufels – sowohl innerhalb der Perikope als auch im Matthäusevangelium bzw. im Neuen Testament generell - eingegangen werden.
Meiner Arbeit liegen einzelne Schritte der semiotisch-kritischen Exegese zugrunde. Da die zu untersuchende Perikope wesentlich aus einem Dialog und eingefügten Schriftzitaten besteht, halte ich diese Methode für gewinnbringender als die historisch-kritische Methode. Die intratextuelle Analyse ist meines Erachtens besonders geeignet, um die Beziehungen zwischen den Akteuren einer Geschichte genauer erfassen zu können. Die intertextuelle Analyse wiederum eignet sich in erster Linie dazu, das Geflecht aus eingebundenen Schriftzitaten aus dem Alten Testament und dem neutestamentlichen Text zu analysieren. Ich halte es zudem für weniger sinnvoll, einen synoptischen Vergleich anzuführen und die Versuchungsgeschichte im Matthäusevangelium mit der Version anderer Evangelien zu vergleichen. Mein Schwerpunkt liegt – in Anlehnung an die Hauptfrage – vielmehr darin, die Bedeutung der Perikope im Gesamtzusammenhang des Matthäusevangeliums zu verstehen und herauszuarbeiten.
Im Rahmen der syntagmatischen Analyse werde ich den Verlauf des Dialogs bzw. der Auseinandersetzung und die wesentlichen Personenkonstellationen herausarbeiten. Innerhalb der semantischen Analyse liegt der Schwerpunkt auf der Analyse der Funktion des Teufels – innerhalb der Perikope, vor allem aber innerhalb des Neuen Testaments. Im Rahmen der intertextuellen Analyse sollen insbesondere die Textverweise analysiert werden. Abschließend fasse ich die Ergebnisse der semiotischen Analyse - unter Einbeziehung der Hauptfrage - zusammen.
Inhaltsverzeichnis
- Einleitung
- Übersetzung der Perikope (Mt 4, 1-11)
- Intratextuelle Interpretation
- Syntagmatik
- Abgrenzung vom Kontext und Gliederung
- Handlung
- Semantik: Die Funktion des »Teufels«
- Syntagmatik
- Intertextuelle Interpretation — die Schriftzitate
- Zusammenfassende Interpretation
- Literaturverzeichnis
- Anhang
- Textpartitur
- Motifemanalyse
Zielsetzung und Themenschwerpunkte
Dieser Essay befasst sich mit der Versuchungsgeschichte Jesu im Kontext des Matthäusevangeliums. Die Arbeit analysiert die Bedeutung der Perikope im Gesamtkontext des Evangeliums, untersucht die Intention der Geschichte und betrachtet die Funktion des Teufels sowohl innerhalb der Perikope als auch im Matthäusevangelium und im Neuen Testament generell.
- Die Bedeutung der Versuchungsgeschichte im Kontext des Matthäusevangeliums
- Die Intention der Versuchungsgeschichte
- Die Funktion des Teufels in der Perikope und im Neuen Testament
- Die Rolle der Schriftzitate in der Versuchungsgeschichte
- Die Bewährung Jesu als Gottes Sohn
Zusammenfassung der Kapitel
Die Einleitung stellt die Thematik des Essays vor und erläutert die angewandte Methode der semiotisch-kritischen Exegese. Die Übersetzung der Perikope Mt 4, 1-11 stellt den Text in den Mittelpunkt der Analyse. Die intratextuelle Interpretation analysiert den Verlauf des Dialogs zwischen Jesus und dem Teufel, die Handlungsstruktur und die Funktion des Teufels. Die intertextuelle Interpretation untersucht die Schriftzitate, die Jesus verwendet, um den Versuchungen zu widerstehen. Die zusammenfassende Interpretation fasst die Ergebnisse der Analyse zusammen und beleuchtet die Bedeutung der Versuchungsgeschichte im Kontext des gesamten Matthäusevangeliums.
Schlüsselwörter
Die Schlüsselwörter und Schwerpunktthemen des Textes umfassen die Versuchung Jesu, die Gottessohnschaft, den Teufel, die Schriftzitate, das Matthäusevangelium, die semiotisch-kritische Exegese, die Intertextualität, die Syntagmatik, die Semantik und die Bedeutung im Gesamtkontext des Evangeliums.
Häufig gestellte Fragen
Welche biblische Textstelle steht im Zentrum dieses Essays?
Der Essay befasst sich mit der Versuchungsgeschichte Jesu, wie sie im Matthäusevangelium in Kapitel 4, Verse 1 bis 11 (Mt 4, 1-11) geschildert wird.
Welche exegetische Methode wird in der Arbeit angewandt?
Es wird die semiotisch-kritische Exegese genutzt, die sich in intratextuelle (Syntagmatik und Semantik) sowie intertextuelle Analysen unterteilt.
Welche Funktion hat der Teufel in der Perikope?
Der Teufel fungiert als Versucher, dessen Ziel es ist, Jesus von seinem Dienst für Gott abzubringen und ihn dazu zu verleiten, die eigene Gottessohnschaft missbräuchlich auf die Probe zu stellen.
Warum sind Schriftzitate in dieser Geschichte so wichtig?
Schriftzitate aus dem Alten Testament dienen Jesus als zentrales Werkzeug, um den Anfechtungen des Teufels zu begegnen und seinen Gehorsam gegenüber Gott zu bekräftigen.
Warum wird kein synoptischer Vergleich mit anderen Evangelien durchgeführt?
Der Autor hält einen Vergleich für weniger sinnvoll, da der Schwerpunkt explizit darauf liegt, die Bedeutung der Perikope innerhalb des spezifischen Gesamtzusammenhangs des Matthäusevangeliums zu verstehen.
Was ist das Ziel der intertextuellen Analyse in diesem Kontext?
Die intertextuelle Analyse dient dazu, das Geflecht aus den eingebundenen alttestamentlichen Zitaten und dem neutestamentlichen Text des Matthäusevangeliums zu untersuchen.
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- Linda Lau (Autor), 2012, Die Versuchung Jesu im Kontext des Matthäusevangeliums, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/262626