Planung einer Unterrichtsreihe zur Wagniserziehung


Seminararbeit, 2012

14 Seiten, Note: 6.0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

2. Einleitung

3. Jahresplanung

4. Bedingungsanalyse - Knabenjugendriege des SVD
4.1 Jugendriege des Sportvereins Diepoldsau-Schmitter (SVD)
4.2 Aussere Bedingungen
4.3 Anthropogene Bedingungen
4.4 Einzelne Personlichkeiten

5. Sachanalyse
5.1 Wagniserziehung
5.2 Unterrichtsplanung
5.2.1 Risikodosierung
5.2.2 Seilpark

6. Verlaufsplanungen
6.1 Lektionsplanung 1
6.2 Lektionsplanung 2
6.3 Lektionsplanung 3

7. Literaturverzeichnis

2. Einleitung

MNur wenn du wagst, Dinge zu tun, die du bisher noch nicht beherrschst, wirst du wachsen" (R.W. Emerson, zitiert nach Kossler, 2003, S.4).

Die Tatsache, dass Kinder heute unter sich standig verandernden Umstanden aufwachsen, ist mittlerweile allgemein akzeptiert. Fur Heranwachsende bedeutet dies unter anderem reduzierte Gelegenheiten zum Sammeln wesentlicher sinnlicher und motorischer Bewegungserfahrungen. Als eine der vielen Folgen sind, laut Baumann (1999), gewisse Mangel in der Bewegungssouveranitat zu beobachten: "Diese eingeschrankte Sicherheit im Umgang mit den eigenen und der Einschatzung fremder Bewegungen ist oftmals sowohl Ursache wie Folge einer nicht angemessenen Entwicklung von Risikobewaltigungsstrategien" (S.28). Dazu erganzen Gissel & Schwier (2003): "Die Lebenslagen und -stile von Heranwachsenden sind gegenwartig ohne Zweifel unubersichtlich und ambivalent" (S.7).

Demnach stehen den Kindern heutzutage zu wenig bewegungsbezogene, den Fertigkeiten und Fahigkeiten angepasste Risiken zur Verfugung. Dadurch wird eine realistische Risikoeinschatzung im Alltag nur unzureichend ausgebildet, woraus oftmals neue Probleme ganz anderer Dimensionen erwachsen. Einige Kinder ziehen sich in ein risikoloses und bewegungsarmes Verhalten zuruck. Andere wiederum suchen das grosse, haufig schon lebensbedrohende Risiko (Baumann 1999). Andererseits wird die von Jugendlichen oft als Asphaltkultur bezeichnete Lebensweise als Losung aus der sich permanent andernden Lebensweise sowie als "... Kampf um die Ruckgewinnung der in der padagogischen Diskussion verloren geglaubten Bewegungsraume fur Kinder und Jugendliche..." (Baumann, 1999, S.28) angesehen.

Le Breton (1995) erlautert dazu an zahlreichen Beispielen, dass einige Fraktionen der Risikosportler sich freiwillig in bedrohliche Situationen begeben, damit sie in der Auseinandersetzung mit gefahrlichen Bewegungsaufgaben die Sinnhaftigkeit des eigenen Seins unmittelbar bekraftigen konnen. Solche komplexen Risikohandlungen konnen dabei gemass Gissel & Schwier (2003) gerade fur Jugendliche den Stellenwert eines Ubergangsritus erhalten. Der Heranwachsende unterwirft sich nicht zuletzt mangels ausreichender gesellschaftlicher Orientierungshilfen derartigen Prufungen, "...die ihm gestatten, indem er der Welt die Stirn bietet, seine Grenzen zu testen und einen Halt zu finden" (le Breton, 1995, S.83).

Genau diese Erkenntnisse bilden nach Windhovel (1996) unter anderem die Basis fur ein modernisiertes Verstandnis von Sport und Sportunterricht. Sie nehmen die aufgelisteten Probleme nicht nur zur Kenntnis sondern erheben auch den Anspruch, bewusst risikohafte Situationen im Schulalltag zu erfahren. Dafur braucht es nicht unbedingt kostspielige Schulreisen oder anderweitige Expeditionen. Bewegungsraume wie Turnhallenwande oder Klettergarten konnen dabei genauso wie bekannte Sportgerate in bisher unbekannter Weise so benutzt werden, dass neue, subjektiv risiko- und erlebnisreiche Situationen geschaffen werden konnen. Diese sollen nach Baumann (1999) die Kinder dazu auffordern, sich selber einzuschatzen und mit kalkulierbarem Risiko Oder gemeinsam mit Anderen etwas zu wagen und dadurch die eigenen Bewegungsgrenzen kennenzulernen, beziehungsweise auszuweiten. Damit ist jedoch nicht die unkontrollierte Jagd nach Abenteuern und Risiko im Sport gemeint, sondern ein "...Verstandnis, in dem genau kalkulierte, interessant und variabel gestaltete Risikosituationen ein wesentliches Element des Sportunterrichts und anderer schulischer Bewegungsangebote ausmachen" (Baumann, 1999, S.29).

Nur wenn die Angst gering ist, kann die damit verbundene Steigerung der physiologischen und psychologischen Erregung zur Aufmerksamkeit verhelfen, die vielleicht die Gefahr konkretisieren kann, so dass adaptive Verarbeitungsmoglichkeiten aktiviert werden konnen.

1st sie jedoch zu intensiv, kann der gegenteilige Effekt entstehen und die Aufmerksamkeit auf Hinweisreize lenken, die irrelevant fur angemessene Losungen sind. (Vormbrock 1982, zitiert nach Windhovel, 1996, S. 93)

Angst auf niedrigem Niveau ist demnach wunschenswert und sollte demnach auch - in dem Konnensstand angepasster Weise - im Sportunterricht untergebracht werden. Denn nicht selten versuchen sich Schuler aufgrund von Blockaden oder Hemmungen aus dem Sport zuruckzuziehen und werden dadurch in der Entfaltung ihres eigentlichen Konnenpotentials massivst gestort (Windhovel, 1996).

Angst im Sportunterricht bedeutet immer eine empfindliche Storung des korperlichen und seelischen Wohlbefindens. Sie kann die eigentlichen Ziele des Sports, namlich den Sport per se als Quelle der Lebensbereicherung und des Wohlbefindens zu erschliessen, in ihrem Gegenteil pervertieren. Deshalb darf die Angst im Sportunterricht nicht als ein unwichtiges Problem gesehen werden, das nur wenige Schuler betrifft (Vormbrock, 1982).

In meiner Arbeit werde ich auf den oben erwahnten Begriff 'Wagniserziehung' eingehen und wurde diese gerne wahrend drei Unterrichtsstunden der Knabenjugendriege Diepoldsau mittels verschiedener Aufgabenstellungen vermitteln. Besonders interessant fur mich wird dabei sein, die unterschiedlichen Verhaltensmuster der Kinder, welche ich zum Teil schon seit mehr als 4 Jahren trainiere, zu beobachten.

3. Jahresplanung

Die folgende Jahresplanung fur die Zeit nach den Winterferien wurde von Heiko Hutter, dem

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

4. Bedingungsanalyse - Knabenjugendriege des SVD

4.1 Jugendriege des Sportvereins Diepoldsau-Schmitter (SVD)

Die Nachwussektion der Jugendriege des SVD ist eine bunt gemischte Gruppe von ca. 25 Knaben im 6.-11. Lebensjahr, aus den Schulstufen der ersten bis funften Klasse.

Das Training findet jeweils am Freitagabend von 18.30 bis 20.00 Uhr in der Turnhalle des Oberstufenzentrum Kleewies in Diepoldsau (SG) statt und wird ehrenamtlich geleitet.

Die Schwerpunkte des Trainings liegen ganz klar im polysportiven Bereich. Den Knaben sollen moglichst verschiedene Bewegungsangebote aufgezeigt werden, egal ob Teamsportarten, Einzelsportarten oder Outdoorsportarten. Die einzig festen Trainingsinhalte, welche auch zwei bis drei Mal im Jahr an kantonalen Wettkampfen mit Kindern aus anderen Jugendriegen gemessen werden konnen, kommen aus dem Bereich der Leichtathletik. Diese Wettkampfe beinhalten Ballwurf, 60m Sprint, Weit- oder Hochsprung sowie ein 1000m-Lauf jeweils am Ende des Wettkampfes.

4.2 Aussere Bedingungen

Die Jugendriege trainiert, wie oben schon erwahnt, in der Turnhalle des Oberstufenzentrums Kleewies in Diepoldsau. Hier steht den Knaben eine erst kurzlich sanierte Dreifachturnhalle zur Verfugung, von welcher sie im Normalfall zwei Hallen benutzen durfen. Nebst der sanierten Halle wurden auch samtliche Materialien wie Matten, Balle oder Trampoline erneuert.

Die vier Umkleidekabinen sind alle mit neuen Duschen versehen und in einem sehr guten Zustand.

Ausserhalb der Turnhalle konnen zudem ein etwas alterer Granulat-Hartplatz mit vier Basketballkorben, zwei Fussballtoren und einem Sandkasten fur den Weitsprung genutzt werden. Gleich daneben liegt das riesige Fussballfeld mit zwei grossen und vier kleinen Toren, welche im Sommer auch ausserhalb des schulinternen Sportunterrichts zur Verfugung stehen. Hinter dem Fussballfeld steht noch eine 100m Sprintbahn sowie eine ziemlich spartanisch eingerichtete Kugelstossanlage.

4.3 Anthropogene Bedingungen

Nachdem ich selbst zwolf Jahre aktiv in der Jungendriege tatig war, stieg ich im Alter von 17 Jahren ins Leiterteam ein. Ich habe die Knaben sehr gut kennen gelernt und auch schon Vieles mit ihnen erlebt, nicht zuletzt wegen den in den Jahren 2008 und 2009 erstmals durchgefuhrten Jugilagern in Adelboden Lenk.

Was mir oftmals aufgefallen ist, sind die enormen konditionellen und koordinativen Leistungsunterschiede, welche nicht nur auf die Altersunterschiede von teils bis zu 5 Jahren zuruckzufuhren sind. Wir sind allerdings immer bemuht, die Teams beziehungsweise das Programm des Trainings moglichst Leistungsgerecht zu gestalten.

4.4 Einzelne Personlichkeiten

Zur Zeit haben wir keine Knaben mit korperlicher oder geistiger Behinderung, auf die speziell Rucksicht genommen werden musste. Die Knaben sind naturlich ihrem Alter entsprechend relativ wild und voller Energie. Naturlich sind einige Jungs leistungsmassig noch nicht ganz auf dem selben Stand wie ihre Altersgenossen.

5. Sachanalyse

5.1 Wagniserziehung

Neumann (1999) grenzt Wagniserziehung vom Abenteuer- und mehr noch vom Risikosport ab. Das Wagnis komme nicht schicksalshaft auf Menschen zu und stelle auch kein Leib und Leben bedrohendes Risiko dar, sondern werde in bewusster Entscheidung, in begrundetem Vertrauen sowie zielgerichtet auf vorhandene Befahigungen aufgesucht und eingegangen. Im Gegensatz zur erlebnispadagogischen und abenteuersportlichen Konzeption wird hierbei mehr Gewicht auf motorische Zielelemente gelegt. Praferierte Formen sind gemass Neumann (1999) Formen des Kletterns oder Inlineskatings aber auch verschiedene Geratelandschaften in Sporthallen. Nach Neumanns Definition (2001a) bedeutet Wagnis "die Entscheidung der Einzelnen, sich freiwillig in eine unsichere, ausgangsoffene und auch leiblich bedrohliche Handlungssituation zu begeben; das Gelingen oder Misslingen wird dabei weniger von Gluck und Zufall als viel mehr von der eigenen sportlichen Kompetenz bestimmt" (S.12).

Allerdings sind nach Meinung von Mitmannsgruber (2003) die Begriffe Wagnis, Risiko und Abenteuer eng miteinander assoziiert, denn ein Abenteuer bedeutet immer auch ein Eindringen in bisher unbekanntes Territorium zu wagen. Die Bezeichnung Territorium bezieht sich hier allerdings weniger auf eine geographische als auf eine psychologische Ebene. Demnach bedeutet Risiko, ,,in der Auseinandersetzung mit Neuem und Unbekanntem einen Schritt uber die bislang vertraute Wahrnehmungs-, Denk- und Verhaltensmuster hinauszugehen" (Mitmannsgruber, 2003, S.18).

[...]

Ende der Leseprobe aus 14 Seiten

Details

Titel
Planung einer Unterrichtsreihe zur Wagniserziehung
Hochschule
Universität Basel  (Institut für Sport und Sportwissenschaften (ISSW))
Veranstaltung
Didaktik des Sports und Sportunterrichts
Note
6.0
Autor
Jahr
2012
Seiten
14
Katalognummer
V262636
ISBN (eBook)
9783656515005
ISBN (Buch)
9783656514534
Dateigröße
490 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Die Arbeit behandelt die Planung einer Unterrichtsreihe zum Thema Wagniserziehung.
Schlagworte
planung, unterrichtsreihe, wagniserziehung
Arbeit zitieren
Michael Schüpbach (Autor), 2012, Planung einer Unterrichtsreihe zur Wagniserziehung, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/262636

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