Einleitung: Was ist Atheismus?
Die Frage danach, was Atheismus ist, ist ähnlich schwierig zu beantworten, wie die Frage nach der Existenz Gottes und dem Theismus, zumal für den Laien kein Unterschied zwischen der Existenz und der Nicht-Existenz eines transzendenten Wesens zu bestehen scheint.
Im Vergleich zum Theismus wird dem Atheismus oft vorgeworfen, erst aus dem Religiösen heraus als Gegenposition entstanden zu sein, was vielen Skeptikern des Atheismus Beweis genug zu sein scheint, anzunehmen, dass die Religion bereits vor dem Atheismus existierte. Eine These, die unmöglich nachzuweisen ist, zumal solche metaphysischen Fragen, die Frage nach der Existenz bzw. der Nicht-Existenz Gottes, außerhalb des menschlichen Erfahrungsbereiches liegen und nicht hinreichend beantwortet werden können.
Der Atheismus im weiteren Sinn beinhaltet die Position der Agnostiker (Nichtwissen über Gott) und die des Atheismus (Nichtvorhandensein von Gott), schließt also die Existenz eines Gottes nicht komplett aus, weil der Mensch über die Existenz bzw. Nicht-Existenz Gottes oder von Göttern nichts wissen kann und lässt Gotteshypothesen durchaus zu, da die Möglichkeit besteht, dass eine Kraft im Universum der Ursprung alles Lebens sein könnte, wovon der Mensch jedoch nichts wissen kann und diese Kraft durch den Menschen gemeinhin als „Gott“ bezeichnet wird. Im Fokus dieser Arbeit stehen die Position des Aufklärers Paul-Henri Thiry d’Holbach und sein Hauptwerk, das "Systèm de la nature, ou, des lois du monde physique et du monde moral" (frz.; System der Natur oder von den Gesetzen der physischen und moralischen Welt), ein kontrovers diskutiertes Werk, das 1770 unter falschem Namen und fingierter Angabe des Druckortes erschien und dass die meisten aufklärerischen Philosophen wie beispielsweise Voltaire auf Distanz zu diesem streng materialistischen und kompromißlos atheistischen Buch gehen ließ und im Gegenzug die moderne Auffassung des Vorreiter-Atheisten Richard Dawkins – einem berühmten Mitglied von "The Brights", einer Bewegung bzw. Zusammen-schluss von Atheisten – dessen Buch „Der Gotteswahn“ nicht weniger kontrovers diskutiert wurde und im Mittelpunkt dieser Arbeit stehen soll, die zum Ziel hat, diese beiden Positionen miteinander zu vergleichen, um etwaige Veränderungen sowohl im Bewusstsein der Menschen als auch in unserer Gesellschaft in Bezug auf den Atheismus zu erfassen.
Inhaltsverzeichnis
Einleitung: Was ist Atheismus?
1. Atheismus in der Aufklärung – d’Holbachs System der Natur.
2. The Brights, Richard Dawkins & der moderne Atheismus.
2.1. The Brights – eine Definition.
2.2. Richard Dawkins: Der Gotteswahn.
3. Der Wandel des Atheismus von der Aufklärung zur Moderne.
3.1. D’Holbach vs. Dawkins – eine Gegenüberstellung.
Schluss: Fragen ohne Antworten – Theismus oder Atheismus?
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Entwicklung des Atheismus vom Zeitalter der Aufklärung bis in die Gegenwart, wobei der Fokus auf einem vergleichenden Diskurs zwischen den Positionen von Paul-Henri Thiry d’Holbach und Richard Dawkins liegt. Ziel ist es, Kontinuitäten und Transformationen im Verständnis von Atheismus, Moral und gesellschaftlicher Religionskritik herauszuarbeiten und zu hinterfragen, ob moderne atheistische Bewegungen eine neue Form von weltanschaulicher Einflussnahme darstellen.
- Materialistische versus naturwissenschaftlich begründete Religionskritik
- Die Rolle der Moral in einer atheistischen Gesellschaft
- Strukturen und Ziele moderner atheistischer Zusammenschlüsse wie The Brights
- Der psychologische Aspekt der menschlichen Disposition für Religion
- Der Wandel der atheistischen Argumentationsweise von der Philosophie zur Evolutionsbiologie
Auszug aus dem Buch
3.1. D’Holbach vs. Dawkins – eine Gegenüberstellung
Es ist durchaus bemerkenswert, dass zwischen D’Holbachs System der Natur und Dawkins Der Gotteswahn zwar 236 Jahre liegen, sich die Position des Atheismus aber in all den Jahren im Kern nicht grundlegend verändert hat. Holbach wie Dawkins beschränken ihre atheistischen Thesen auf die Natur bzw. ihr naturalistisches Weltbild und sehen den Ursprung des Menschen in einer Verkettung physikalisch-mechanischer bzw. naturbedingter Gesetzmäßigkeiten, die unser Planet durch seine Beschaffenheit begünstigt. Holbachs Definition von Atheismus ist eine rein philosophische (bzw. geisteswissenschaftliche) Position, während Dawkins sich auf sein fachwissenschaftliches Wissen als Evolutionsbiologe beruft und anhand dieser wissenschaftlicher Erkenntnisse seine Argumentation bzw. Beweisführung aufbaut, die die Religion im Ganzen widerlegen soll.
Im Kern versuchen beide Werke die Argumentation hervorzuheben, dass Atheisten religiösen bzw. gläubigen Menschen moralisch sowie geistig nicht unterlegen sind, sondern Atheisten quasi die „besseren“ Menschen seien, weil sie es erst gar nicht zulassen, dass eine religiöse Position sie unterdrückt bzw. dass unterschiedlichen Glaubensvorstellungen eine Kluft zwischen ihnen und anderen Menschen ermöglichen. Religion führt zu einer Spaltung der Gesellschaft, während Atheismus sich auf das Menschliche und Greifbare beschränkt, das alle Menschen untereinander vereint, nämlich, die unterschiedlichen Beziehungen zwischen den Menschen, die ein harmonisches Zusammenleben innerhalb einer Gesellschaft auszeichnen bzw. in einer idealen Welt auszeichnen sollten.
Zusammenfassung der Kapitel
Einleitung: Was ist Atheismus?: Diese Einleitung führt in die begriffliche Komplexität des Atheismus ein und definiert ihn für den Zweck der Arbeit als Leugnung Gottes bei gleichzeitiger Betonung der Begrenztheit des menschlichen Wissens.
1. Atheismus in der Aufklärung – d’Holbachs System der Natur.: Dieses Kapitel analysiert d’Holbachs materialistische Philosophie, in der die Natur als mechanisches System begriffen wird und der Atheismus als notwendige Voraussetzung für eine wirkliche, von religiösen Vorurteilen befreite Moral dargestellt wird.
2. The Brights, Richard Dawkins & der moderne Atheismus.: Hier werden zeitgenössische atheistische Strukturen wie The Brights untersucht und Dawkins’ radikale Religionskritik unter Berücksichtigung evolutionsbiologischer Argumente betrachtet.
3. Der Wandel des Atheismus von der Aufklärung zur Moderne.: Dieses Kapitel stellt die Thesen von d’Holbach und Dawkins gegenüber und diskutiert, wie sich der Atheismus von einer individuellen philosophischen Haltung hin zu einer gesellschaftlich agierenden Gegenbewegung gewandelt hat.
Schluss: Fragen ohne Antworten – Theismus oder Atheismus?: Der Schluss zieht ein Resümee, in dem der Atheismus wie der Theismus als Versuche gewertet werden, eine existenzielle psychologische Lücke zu füllen, wobei letztlich das Leben selbst als einzig anbetungswürdiges Element hervorgehoben wird.
Schlüsselwörter
Atheismus, Aufklärung, Moderne, Religion, d’Holbach, Richard Dawkins, Moral, Materialismus, Evolution, Theismus, Gott, Vernunft, Gesellschaft, The Brights, Agnostizismus
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die philosophischen und wissenschaftlichen Grundlagen des Atheismus und vergleicht die Ansätze aus der Ära der Aufklärung mit modernen atheistischen Strömungen.
Welches sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Die zentralen Themen sind das Verhältnis von Religion und Moral, die Definition des Atheismus im Wandel der Zeit und die psychologische sowie gesellschaftliche Funktion von Glaubenssystemen.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie sich atheistische Positionen über Jahrhunderte entwickelt haben und ob moderne atheistische Bewegungen Gefahr laufen, ihrerseits Strukturen zu entwickeln, die dem Individuum ihre Weltanschauung nahelegen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine vergleichende Literaturanalyse, bei der zentrale Werke (System der Natur von d’Holbach und Der Gotteswahn von Dawkins) gegenübergestellt und in ihrem historischen und gesellschaftlichen Kontext interpretiert werden.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine detaillierte Analyse der Thesen d’Holbachs, eine Untersuchung der modernen Bewegung der Brights und der Argumente Dawkins’ sowie eine direkte Gegenüberstellung dieser Ansätze.
Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit am besten?
Wichtige Begriffe sind Materialismus, Naturwissenschaft, Religionskritik, Säkularisierung und die Unterscheidung zwischen einem Atheismus im engeren und weiteren Sinne.
Warum wird d’Holbach als Antitheist bezeichnet?
D’Holbach wird so bezeichnet, da seine philosophische Position aktiv gegen jede Form von Theismus eintritt und die Existenz von Göttern explizit materialistisch ablehnt.
Welche Rolle spielt die Evolutionstheorie für Dawkins’ Atheismus?
Dawkins nutzt die Evolutionsbiologie als wissenschaftliches Fundament, um Gott als Schöpfer durch natürliche Anpassungsprozesse zu ersetzen und somit die Existenzgrundlage religiöser Überzeugungen logisch zu widerlegen.
- Arbeit zitieren
- B.A. Jan-Christian Hansen (Autor:in), 2012, Die Entwicklung des Atheismus von der Aufklärung zur Moderne, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/262651