Endogene oder exogene Faktoren - Welche waren ausschlaggebend für die wirtschaftlichen Probleme der Entwicklungsländer?


Hausarbeit, 2003
18 Seiten, Note: 1,3

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Kritischer historischer Rückblick: Welche endogenen oder exogenen Ursachen wurden durch die „Großen Theorien“ als ausschlaggebend für die wirtschaftlichen Probleme Entwicklungsländer gewertet?
2.1 Endogene Theorien
2.1.1 Modernisierungstheorien
2.1.2 Sind die wirtschaftlichen Probleme selbstverschuldet?
2.2 Exogene Theorien
2.2.1 Kolonialismus
2.2.2 Dependenztheorien
2.2.2.1 Strukturelle Abhängigkeit
2.2.2.2 Außenwirtschaftliche Ausbeutung (Ungleicher Tausch)
2.2.2.3 Schwächen und Stärken der Dependenztheorien
2.2.3 Lehren aus den wirtschaftlichen Erfolgen der „kleinen Tiger“

3. Ursachen der wirtschaftlichen Probleme der Entwicklungsländer aus heutiger Sicht
3.1 Welthandel
3.2 Ursachen für die Probleme der Entwicklungsländer im Welthandel
3.2.1 Exogene Faktoren
3.3.2 Endogene Faktoren
3.3 Auslandsverschuldung
3.4 Ursachen der Auslandverschuldung
3.4.1 Exogene Faktoren
3.4.2 Endogene Faktoren

4. Fazit

5. Literatur

1. Einleitung

Die Auseinandersetzung mit den Ursachen für die wirtschaftlichen Probleme der Entwicklungsländer ist wichtig. Denn eine treffsichere Diagnose ist Voraussetzung für eine erfolgversprechende Therapie. Dieser Grundsatz ist auch für die Entwicklungspolitik zu beachten. NUSCHELER (1996, S.156) vermutet, dass die im Pearson-Bericht dargestellte „Krise der Entwicklungspolitik“ mit einer falschen Einschätzung des Krankheitszustands begonnen haben könnte, was zu einer falschen und unter Umständen sogar zu einer problemverschärfenden Therapie führte. Die Erklärung von Ursachen muß daher der Anfang von Entwicklungstheorie sein. Zwar sind die Symptome ähnlich, doch scheinen die Ursachen für jedes Entwicklungsland verschieden zu sein.

Die Frage, ob die wirtschaftlichen Probleme der Entwicklungsländer von innen oder von außen verursacht wurden, ist für das Schuldenmanagement elementar. Werden endogene Ursachen als ausschlaggebend für die Probleme der Entwicklungsländer angesehen, müssen Sanierungskonzepte im inneren der Entwicklungsländer ansetzen. Werden exogene Ursachen als ausschlaggebend für die Probleme der Entwicklungsländer betrachtet, steht die bestehende Weltwirtschaftsordnung zur Debatte.

Die Analyse der wirtschaftlichen Probleme der Entwicklungsländer ist deshalb so wichtig, da ohne wirtschaftliches Wachstum Entwicklung nicht möglich ist (vgl. NOHLEN, 1998, S. 217).

Die Fragestellung dieser Hausarbeit „Endogene oder exogene Faktoren - Welche waren ausschlaggebend für die wirtschaftlichen Probleme der Entwicklungsländer?“ ist als Anlehnung an den in den 70er und 80er Jahren tobenden Streit zwischen Vertretern der „großen Theorien“ gedacht, die sich auf der einen Seite auf endogene und auf der anderen Seite auf exogene Ursachen als ausschlaggebend für die Probleme der Entwicklungsländer festlegten. MENZEL erklärte diesen Streit der „großen Theorien“ nach dem Zusammenbruch des „real existierenden Sozialismus“ für gescheitert (vgl. NUSCHELER, 1996, S. 156). Obwohl der Dogmenstreit der „großen Theorien“ heute keine Konjunktur mehr hat, ist es aus diversen Gründen auch heute noch unverzichtbar sich mit den Aussagen der „großen Theorien“ auseinander zu setzen. Gründe für die Notwendigkeit der Auseinandersetzung mit diesen Theorien sind, dass sie noch immer und häufig unverstanden in vielen Köpfen spuken, dass sie ein Nachdenken über die Tiefenschichten von Unterentwicklung und Entwicklung anregen können und dass sie für eine problembewußte und differenzierte Diskussion unverzichtbar sind (vgl. NUSCHELER, 1996, S. 159).

Eine Theorie ist dadurch ausgezeichnet, dass durch ein Maximum an empirisch gestütztem Wissen ein Optimum an Erklärung erzielt werden kann. Grade im Bereich der Entwicklungstheorie wurde dieser Grundsatz häufig nicht beachtet, was in der Vergangenheit zu „Fehleinschätzungen, Vorurteilen, Mißverständnissen, und „seltsamen Theorien““ (NUSCHELER, 1996, S. 156), sowie heftigen Streitigkeiten zwischen den Vertretern der unterschiedlichen Theorien geführt hat.

Im Folgenden möchte ich zunächst unter 2. die „Großen Theorien“ zu den Ursachen für die wirtschaftlichen Probleme der Entwicklungsländer kritisch darstellen. Daran anschließend werden unter 3. exemplarisch für die wirtschaftliche Situation der Entwicklungsländer die zentralen Probleme Auslandsverschuldung und die unzureichende Beteiligung der Entwicklungsländer am Welthandel dargestellt und deren Ursachen aus heutiger Perspektive betrachtet. Abgeschlossen wird diese Arbeit unter 4. durch ein Fazit, in dem Schlussfolgerungen aus dem Dargestellten gezogen werden.

2. Kritischer historischer Rückblick: Welche endogenen oder exogenen Ursachen wurden durch die „Großen Theorien“ als ausschlaggebend für die wirtschaftlichen Probleme Entwicklungsländer gewertet?

2.1 Endogene Theorien

2.1.1 Modernisierungstheorien

„Die grundlegenden Ursachen der Armut sind nicht so sehr in ökonomischen Tatbeständen wie Kapitalmangel etc. zu suchen, sondern mehr im psychologischen und gesellschaftlichen Bereich. Vor allem die religiöse Tradition ist es, die die Menschen im >Ewig-Gestrigen< (Max Weber) gefangen hält“ (STUCKEN, 1966, S. 59). Dieses Zitat zeigt die Kernthese der Modernisierungstheoretiker auf: Die Ursache für (wirtschaftliche) Unterentwicklung der Entwicklungsländern ist in der Tradition zu sehen. Nach den Modernisierungstheorien seien nur Gesellschaften, die ihre Tradition hinter sich ließen und den Weg westlicher Gesellschaften zu parlamentarischer Demokratie und Kapitalismus gehen würden, zu positiver Entwicklung in der Lage (vgl. NUSCHELER, 1996, S. 165).

NOHLEN (1998, S. 523) kritisiert an den Modernisierungstheorien, dass sie alternative Entwicklungswege nicht anerkennen und exogene Faktoren ausblenden, dass sie sich alle Entwicklungsländer uniform (gleich) vorstellen und für alle einen unilinearen Entwicklungsprozess mit dem Ziel einer modernen westlichen Gesellschaft fordern.

Das Tradition nicht pauschal mit entwicklungshemmend gleichgesetzt werden kann, beweisen diverse Beispiele traditionsorientierter Gesellschaften, die erstaunliche Wirtschaftswachstumsraten vorweisen können. Vor allem Gesellschaften im „konfuzianischen Kulturkreis“ (NUSCHELER, 1996, S. 165) verbinden entwicklungspolitische Dynamik mit Traditionsgebundenheit. Die traditionellen Tugenden der fernöstlichen „kleinen Tiger“ (Fleiß, Disziplin, Leistungswillen) können nicht als entwicklungshemmend betrachtet werden. Die Ächtung des Reichtums im Neuen Testament hat die Bereicherung der Christen ebensowenig verhindern können, wie die „Geringschätzung des Diesseits durch die Jenseitsorientierung der Nirwana-Lehre des Buddhismus und Hinduismus...“ (NUSCHELER, 1996, S. 166) das Streben nach Reichtum in buddhistischen oder hinduistischen Gebieten verhindern konnte.

Wenn man den eigentlichen Kern der Modernisierungstheorien offenlegt, haben diese durchaus Erklärungswert. So erfordert die Transformation von Agrargesellschaften in Industriegesellschaften einen Wandel der Sozialstrukturen, der Produktion, der Arbeit und der Distribution. Für eine industrielle Produktionsweise ist eine Rationalisierung von Arbeit und Zeit, Aneignung von Wissen und technischen Fähigkeiten erforderlich. Für eigenständige Entwicklungsfähigkeit sind Korruption und Kapitalflucht Gift; Spar- und Investitionswille mit der Entschlossenheit Mehrwert zu bilden, statt Schätze anzuhäufen sind eine Grundvoraussetzung. Ein Staat und eine Verwaltung, „die verläßliche Rahmenbedingungen schaffen, die notwendige materielle und soziale Infrastruktur (Bildungs- und Gesundheitswesen) bereitstellen und den Entwicklungsprozess steuern können“ (NUSCHELER, 1996, S. 166) sind für den Transformationsprozess unerläßlich. Der verdichtete Kern lautet: Die entscheidenden Vorraussetzungen für Entwicklung müssen im Inneren der Gesellschaft geschaffen werden (vgl. NUSCHELER, 1996, S. 166).

2.1.2 Sind die wirtschaftlichen Probleme selbstverschuldet?

Klima- und Ökologietheorien, die sich mit dem Zusammenhang zwischen Klima und Mentalität, bzw. Arbeitsauffassung der in diesem Klima befindlichen Menschen auseinandersetzen, sind nicht ganz frei von einem fragwürdigen „Biologismus“, der zu rassistischen Deutungen führen kann und daher sehr kritisch zu betrachten. Die Menschen in Entwicklungsländern sind „arm, weil sie es so vorziehen“ (GALBRAITH, in: NUSCHELER, 1996, S.160). Auch die Kamerunerin KABOU (1993, S. 41) lastete die Krise Afrikas in erster Linie dem Denken und Handeln der Afrikaner an. Diesen Äußerungen liegt die Denkweise zugrunde, dass die innere Struktur einer Gesellschaft, die Einstellungen und Verhaltensweisen der Menschen in einer Gesellschaft als ursächlich für die wirtschaftliche Situation eines Staates gesehen werden. Entwicklungsländer sind durch einen geringen Modernisierungsgrad gekennzeichnet, wobei dem Großteil der Bevölkerung vieler Entwicklungsländer andere Wertmaßstäbe nachgesagt werden, als die Wertmaßstäbe, die für den Großteil der Bevölkerung der Industrieländer gelten. Menschen aus der Dritten Welt lägen nicht so hohen Wert auf materielle Güter, stattdessen nehme Freizeit einen höheren Wert ein, als in Industriestaaten. Aus dieser Perspektive wäre die Armut vieler Menschen in der Dritten Welt frei gewählt und nicht als Problem anzusehen.

Diese Sichtweise trifft für den Großteil der Bevölkerung der Dritten Welt allerdings nicht zu. NUSCHELER beruft sich auf Untersuchungen der Weltbank, aus denen hervorgeht, dass Menschen in Entwicklungsländern „hart und lange arbeitenden, länger als Arbeiter oder Beamte in Industriestaaten, und am Ende doch ihre Familien kaum notdürftig ernähren können.“ (NUSCHELER, 1996, S. 160).

Fakt ist, dass der Übergang zu einer Industriegesellschaft Anpassungsprozesse erfordert und die Einstellungen und Verhaltensweisen der Menschen verändert. Diese Anpassungsprozesse sind nicht nur in Entwicklungsländern erforderlich, sondern haben auch in westliche Kulturen stattgefunden und sind auch hier nicht ohne Probleme verlaufen. Die geringe Leistungsfähigkeit vieler Menschen in Entwicklungsländern ist häufig eine Folge von mangelnder Ernährung und daraus teilweise resultierender Krankheiten oder eine rationale Anpassung an ungerechte Arbeitsbedingungen, die eine Steigerung der Produktion nicht belohnen (vgl. NUSCHELER, 1996, S. 161).

2.2 Exogene Theorien

2.2.1 Kolonialismus

Vor allem afrikanische Politiker und Intellektuelle sind geneigt eine einfache Antwort für die afrikanische Misere zu geben: Nämlich, dass der Kolonialismus an allem Schuld sei (vgl. NUSCHELER, 1996, S. 162). Hinter diesen einfachen Schuldzuweisung, werden eigene Verantwortlichkeiten versteckt. Eines der meistgelesenen Bücher in Afrika „How Europe underdeveloped Africa“ (RODNEY, 1972), vertritt die These, dass Afrika ohne den europäischen Kolonialismus heute nicht mit den Problemen der Unterentwicklung zu kämpfen hätte.

[...]

Ende der Leseprobe aus 18 Seiten

Details

Titel
Endogene oder exogene Faktoren - Welche waren ausschlaggebend für die wirtschaftlichen Probleme der Entwicklungsländer?
Hochschule
Universität Hamburg  (Institut für Politische Wissenschaft)
Veranstaltung
Übung: Die 'Dritte Welt' - Politik der Bundesrepublik Deutschland nach dem Ende der Ost-West-Konfrontation.
Note
1,3
Autor
Jahr
2003
Seiten
18
Katalognummer
V26267
ISBN (eBook)
9783638286640
ISBN (Buch)
9783638760294
Dateigröße
511 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Endogene, Faktoren, Welche, Probleme, Entwicklungsländer, Welt“, Politik, Bundesrepublik, Deutschland, Ende, Ost-West-Konfrontation
Arbeit zitieren
Lennart Thies (Autor), 2003, Endogene oder exogene Faktoren - Welche waren ausschlaggebend für die wirtschaftlichen Probleme der Entwicklungsländer?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/26267

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