Im ersten Teil der Arbeit wird Pfisters Vorstellung zum dramatischen Erzählen analysiert. Im zweiten Teil wird das Verfahren der Episierung des Dramas am Beispiel von Lars Noréns "Löven i Vallombrosa" veranschaulicht.
Inhaltsverzeichnis
1. Das Wesen der dramatischen Kommunikationsform
1.1 Unmittelbarkeit „im Modus der Darstellung“
1.2 Plurimedialität
1.3 Kollektivität von Produktion und Rezeption
2. Episierung des Dramas
2.1 Illusionsbruch durch das vermittelnden Kommunikationssystem
2.2 Offenheit des Dramas
3.Anwendung auf „Löven i Vallombrosa“
3.1 Inhaltsangabe
3.2 Offenheit in der Wiederholung
3.3 Das Schattendasein
3.4 „Det är jag som är Clara. I pjäsen.“
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die dramaturgischen Mittel der Episierung und des Illusionsbruchs in Lars Noréns Stück „Löven i Vallombrosa“. Ziel ist es, aufzuzeigen, wie das Drama durch gezielte formale Brüche die traditionelle Bühnenillusion dekonstruiert und den Zuschauer zur kritischen Reflexion über die Differenz zwischen fiktionaler Darstellung und Realität anregt.
- Analyse dramatischer Kommunikationsformen und deren spezifische Spezifik.
- Untersuchung der Episierung als Mittel zur Distanzierung des Zuschauers.
- Interpretation der Wiederholungsstrukturen und der „Offenheit“ im Stück.
- Deutung der Identitätskonstruktion und der Rolle der „echten“ Clara als Reflexionsinstanz.
Auszug aus dem Buch
3.4 „Det är jag som är Clara. I pjäsen.“
Zuvor durch Hinweise interner Figuren vorbereitet, vollzieht sich im letzten Teil des vierten Aktes der vollkommene Bruch mit der Welt des ersten KS. Überraschend ist der Auftritt der Frau, die sich als echte Clara ausgibt, für den Zuschauer jedoch nicht für den Leser des Dramas, denn im Personenregister wird die Frau bereits aufgeführt, da sie natürlich durch eine Schauspielerin dargestellt werden muss. Ihre Rolle ist trotzdem gesondert zur Fiktion des ersten KS zu betrachten.
Welche spezielle Funktion erfüllt sie?
Zu Beginn ihres Monologes bemerkt sie, dass sie das baldige Ende des Stückes vermutet, liefert gleichzeitig keine Begründung dafür und verhindert doch eigentlich durch ihren Einwurf den „ordentlichen“ Abschluss des Stücks. Der Zuschauer sieht sich dadurch vor zwei Aufgaben gestellt: Er wird angeregt herauszufinden welche Indizien für ein Ende der Inszenierung sprechen und welchen Zweck die unerwartet auftauchende Figur erfüllt.
Daraufhin stellt sie sich als echte Clara vor und versucht die zweite Fragestellung des Zuschauers zu beantworten. Die iterative Wendung „Det är jag so mär Clare….Jag är Clara. Jag är den där kvinnan.“ wirkt so, als müsste sie sich ihrer Identität selbst noch einmal vergewissern und verlangt dem Publikum die Anerkennung ihrer Persönlichkeit ab. Gleichzeitig ist das eine Aufforderung die Identität der Clara der Inszenierung anzuzweifeln. Auch ihre Aussage „I pjäsen.“ bleibt mehrdeutig. Einerseits behauptet sie, die Clara aus dem ersten KS solle sie verkörpern. Andererseits bleibt sie natürlich Bestandteil „im Stück“ als Teil der Inszenierung. Zu guter Letzt beansprucht sie die Ganzheitlichkeit für sich, denn sie präsentiert sich „im Stück“, ungeteilt. . Die Facetten, die im Stück präsentiert wurden, stellen nur einen Bruchteil ihres komplexen Wesens dar.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Das Wesen der dramatischen Kommunikationsform: Theoretische Grundlegung der dramatischen Gattung in Abgrenzung zum narrativen Text unter besonderer Berücksichtigung des Fehlens eines vermittelnden Kommunikationssystems.
2. Episierung des Dramas: Erörterung der Techniken, durch die ein Drama seine eigene Illusionskraft untergräbt, um den Zuschauer zu verunsichern und zur Distanznahme zu bewegen.
3.Anwendung auf „Löven i Vallombrosa“: Praktische Anwendung der theoretischen Konzepte auf das Stück von Lars Norén, insbesondere Analyse der Zeitstruktur und des Finales.
Schlüsselwörter
Lars Norén, Löven i Vallombrosa, Drama, Episierung, Illusionsbruch, Kommunikation, Theater, Bühnenillusion, Identität, Rezeption, Zeitstruktur, Figurenrede, Moderne, Reflexion, Dramaturgie
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit der dramaturgischen Analyse des Stücks „Löven i Vallombrosa“ von Lars Norén unter dem Aspekt der „Inszenierten Wirklichkeit“.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Im Zentrum stehen die dramatischen Kommunikationsformen, die Mittel der Episierung und die bewusste Zerstörung der Bühnenillusion durch den Autor.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist aufzuzeigen, wie das Stück durch formale Brüche und Wiederholungen den Zuschauer dazu bringt, die Grenze zwischen der fiktiven Welt auf der Bühne und der Realität kritisch zu reflektieren.
Welche wissenschaftlichen Methoden finden Anwendung?
Die Arbeit nutzt die Theorie des Dramas nach Manfred Pfister, um die Spezifik der dramatischen Kommunikation und die Funktionen von Illusionsbrüchen methodisch zu erschließen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit detailliert behandelt?
Der Hauptteil analysiert die theoretischen Grundlagen der Gattung, erklärt das Konzept der Episierung und wendet diese Erkenntnisse auf Szenen des Stücks an, besonders auf die Zeitstruktur und das Ende.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Schlüsselbegriffe sind unter anderem Episierung, Illusionsbruch, Plurimedialität, Kommunikationssystem und die Funktion der Figur Clara als Reflexionsinstanz.
Wie trägt die Wiederholungsstruktur zur Aussage des Stücks bei?
Die Wiederholung in den vier Akten verhindert einen klassischen Spannungsaufbau und unterstreicht die psychische Labilität der Figuren, wodurch das Stück eine „offene“ Struktur erhält.
Welche Funktion hat die Figur der „echten“ Clara im Finale?
Sie fungiert als Bindeglied zwischen Publikum und Bühne und fordert den Zuschauer auf, die Illusion zu enttarnen und sich kritisch mit der Differenz von Rolle und echtem Leben auseinanderzusetzen.
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- Antje Sigrid Kropf (Author), 2010, Inszenierte Wirklichkeit in "Löven i Vallombrosa" von Lars Norén, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/262691