Messung und Prüfung der elektromagnetischen Verträglichkeit (EMV) von Fahrzeugkomponenten mit der Streifenleitung


Technischer Bericht, 2013

45 Seiten


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Tabellenverzeichnis

1 Einleitung

2 Störaussendungsmessungen mit der Streifenleitung
2.1 Grundlagen
2.2 Messaufbau und Messmittel.
2.3 Durchführung von Messungen..

3 Störfestigkeitsprüfungen mit der Streifenleitung
3.1 Grundlagen
3.2 Prüfaufbau und Prüfmittel
3.3 Durchführung von Prüfungen

Anhang

A Bordnetznachbildung gemäß IEC CISPR
A.1 Impedanzcharakteristik.
A.2 Schaltplan..
B Streifenleitungen gemäß IEC CISPR
B.1 50-Ω-Streifenleitung
B.2 90-Ω-Streifenleitung
C Messempfängerparameter und Störaussendungsgrenzwerte gemäß IEC CISPR
C.1 Messempfängerparameter
C.2 Störaussendungsgrenzwerte für Peak- und Quasi-Peak-Messungen mit Streifenleitungen
C.3 Störaussendungsgrenzwerte für Average-Messungen mit Streifenlei- tungen
D Prüfparameter gemäß ISO 11452-1 und ISO 11452-5
D.1 Schrittweiten gemäß ISO 11452-1
D.2 Schweregrade gemäß ISO 11452-5
D.3 Frequenzbereiche gemäß ISO 11452-5

Quellenverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

2.1 Schematischer Prüfaufbau mit einer Streifenleitung

2.2 Schematischer Aufbau einer TEM-Zelle

2.3 Schematischer Messaufbau mit einer Streifenleitung gemäß IEC CISPR 25:

2.4 Funktionsblockdiagramm eines Messempfängers gemäß IEC CISPR 16-1-1:

2.5 Arbeitsweise eines Messempfängers

2.6 Ergebnis einer Störaussendungsmessung mit der Streifenleitung nach IEC CISPR 25:

3.1 Verteilung des elektrischen und des magnetischen Feldes in einer Strei- fenleitung

3.2 Schematischer Prüfaufbau mit einer Streifenleitung gemäß ISO 11452-5:

3.3 Prüfsignale gemäß ISO 11452-1:2005

A.1 Impedanzcharakteristik einer Bordnetznachbildung gemäß IEC CISPR 25:

A.2 Schaltplan einer Bordnetznachbildung gemäß IEC CISPR 25:

B.1 Aufbau und Maße einer 50-Ω-Streifenleitungen gemäß IEC CISPR 25:

B.2 Aufbau und Maße einer 90-Ω-Streifenleitungen gemäß IEC CISPR 25:2008

Tabellenverzeichnis

C.1 Messempfängerparameter gemäß IEC CISPR 25:2008.

C.2 Störaussendungsgrenzwerte für Peak- und Quasi-Peak-Messungen mit Streifenleitungen gemäß IEC CISPR 25:2008

C.3 Störaussendungsgrenzwerte für Average-Messungen mit Streifenlei-tungen gemäß IEC CISPR 25:2008

D.1 Schrittweiten gemäß ISO 11452-1:2005.

D.2 Schweregrade gemäß ISO 11452-5:2002

D.3 Frequenzbereiche gemäß ISO 11452-5:2002.

1 Einleitung

Die EMV Mess- und Prüftechnik ist

- eine Wissenschaft verschwommener Annahmen

- sie stützt sich auf anfechtbare Werte

- die als Ergebnis erfolgloser Experimente

- mit Instrumenten problematischer Genauigkeit

- von Personen zweifelhafter Zulässigkeit

- und fragwürdiger Geisteshaltung ermittelt wurden. “ — [27, S. 22]

Wie das einleitende Zitat nahelegt, handelt es sich bei Messungen und Prüfungen zur elektromagnetischen Verträglichkeit (EMV) beziehungsweise Electromagnetic Compatibility (EMC) um keine einfache Thematik. Neben der EMV-gerechten Ent- wicklung - zum Beispiel durch entsprechende räumliche Gestaltung der Layouts von Schaltungen - gehören EMV-Messungen und -Prüfungen sowie die Berücksichtigung der daraus gewonnen Erkenntnisse jedoch zu den wesentlichen Maßnahmen zum Erreichen von EMV. Unter Letzterer ist gemäß der Kurzdefinition nach der zum Stand September 2013 geltenden Europäischen EMV-Richtlinie 2004/108/EG[3]Folgendes zu verstehen:

[. . . ] die Fähigkeit eines Betriebsmittels, in seiner elektromagnetischen Umgebung zufrieden stellend zu arbeiten, ohne dabei selbst elektromagnetische Störungen zu verursachen, die für andere Betriebsmittel in derselben Umgebung unannehmbar wären “. —[3] Abgesehen von der Sicherstellung der eigentlichen Funktion - auch im Sinne der Produkthaftung nach dem Produkthaftungsgesetz[2]- ihrer Produkte, ist es für die Industrie in Bezug auf die EMV daher wichtig, die relevanten EMV-Normen zu erfüllen. Letztere haben an sich keinen bindenden Charakter. Die zumindest für den Europäischen Wirtschaftsraum gesetzlich verpflichtenden Europäischen EMV- Richtlinien verweisen darauf jedoch als international anerkannten Stand der Technik (Vgl. Punkt 13[3]).

Zur Qualifizierung von Fahrzeugen und deren Komponenten sind folglich deren EMV durch Messung von Störaussendung und Prüfung auf Störfestigkeit gemäß den für die Automobiltechnik maßgebenden Normen zu ermitteln. Die zum gegenwärtigen Stand geltende Europäischen Kraftfahrzeug-EMV-Richtlinie 2004/104/EG[5]und deren Ergänzung 2005/83/EG[6]- welche Teil der Europäischen Gesetzgebung für die Typzulassung von Fahrzeugen sind - legen hierzu in Anlage 1 folgendes Normenverzeichnis fest:

1. IEC CISPR 12[10]

Fahrzeuge, Boote und von Verbrennungsmotoren angetriebene Geräte - Funkstöreigenschaften - Grenzwerte und Messverfahren

2. IEC CISPR 16-1-1[11]

Anforderungen an Geräte und Einrichtungen sowie Festlegung der Verfahren zur Mes- sung der hochfrequenten Störaussendung (Funkstörungen) und Störfestigkeit, Teil 1:

Geräte und Einrichtungen zur Messung der hochfrequenten Störaussendung (Funkstörungen) und Störfestigkeit

3. IEC CISPR 25[14]

Grenzwerte und Messverfahren für Funkstörungen zum Schutz von Empfängern in Fahrzeugen

4. ISO 7637-1[15]

Straßenfahrzeuge, elektrische Störungen durch Leitung und Kopplung, Teil 1: Allgemei nes und Definitionen

5. ISO 7637-2[16]

Straßenfahrzeuge, elektrische Störungen durch Leitung und Kopplung, Teil 2: Electrical transient conduction along supply lines only on vehicles with nominal 12 V or 24 V supply voltage

6. DIN EN ISO/IEC 17025[25]

Allgemeine Anforderungen an die Kompetenz von Prüf- und Kalibrierungslaboratorien

7. ISO 11451

Straßenfahrzeuge - Elektrische Störungen durch schmalbandige gestrahlte elektromagnetische Energie, Fahrzeugprüfverfahren

Teil 1[17]: „ Allgemeines und Definitionen

Teil 2[18]: „ Störstrahlungsquellen außerhalb des Fahrzeugs “ Teil 4[19]: „ Einspeisung in den Kabelbaum (BCI)

8. ISO 11452

Straßenfahrzeuge - Elektrische Störungen durch schmalbandige gestrahlte elektromagnetische Energie, Prüfverfahren für Komponenten

Teil 1[20]: „ Allgemeines und Definitionen “ Teil 2[21]: „ Absorberraum

Teil 3[22]: „ Transversal-Elektro-Magnetischer (TEM)-Wellenleiter “ Teil 4[23]: „ Stromeinspeisung (BCI)

Teil 5[24]: „ Streifenleitung

9. ITU-R

Vollzugsordnung für den Funkdienst

Neben getrennten Normen zu Methoden für Störaussendungsmessungen und Stör- festigkeitsprüfungen teilt sich diese Liste weiter auf in Standards, die das gesamte Kraftfahrzeug (Fernstörung) oder nur dessen Komponenten (Eigenstörung) betreffen. Für Letztere sind konkret die Normen IEC CISPR 25[14]für Störaussendungsmessun- gen und die Normenfamilie ISO 11452 für Störfestigkeitsprüfungen maßgebend.

Während durch die Festlegungen der Gesetzgebung die in diesem Fall relevanten Normen sehr einfach zu ermitteln sind, verursacht die Definition des Standes der Technik anhand dieser Normen allerdings Schwierigkeiten. Zum einen beschreiben diese Werke im Wesentlichen nur die für EMV-Messungen und -Prüfungen anzuwen- denden Verfahren, gehen dabei aber in aller Regel nicht auf die zu Grunde liegenden technischen Zusammenhänge oder gar die physikalischen Hintergründe ein. Dies liegt einerseits an der Natur von Normen, andererseits aber auch daran, dass die Anwend- barkeit dieser Methoden zum Teil empirisch ermittelt wurde. Dies wird besonders bei den in ISO 11452-4[23]für Komponenten sowie in ISO 11451-4][19]sogar für ganze Fahrzeuge spezifizierten EMV-Prüfungen per Stromeinspeisung respektive Bulk Cur- rent Injection (BCI) deutlich. Obwohl es insgesamt um die Prüfung der Störfestigkeit gegenüber gestrahlter elektromagnetischer Energie geht, wird bei diesem Verfahren ersatzweise der dabei resultierende Strom direkt induktiv in den Kabelbaum des Prüflings beziehungsweise des Device Under Test (DUT) oder Equipment Under Test (EUT) eingekoppelt. Ähnlich verhält es sich mit den in der Norm IEC CISPR 16-1-2 [13, S. 49 ff.] - welche von den in der Europäischen Kraftfahrzeug-EMV-Richtlinie aufge- führten relevanten Werken referenziert wird - spezifizierten Vorgehensweisen zum Umwickeln von Prüflingen mit Metallfolie, um die Effekte einer menschlichen Hand nachzubilden.

Zum anderen entsteht durch den Normierungsprozess inklusive Harmonisierung ein zeitlicher Versatz zu den technischen Anforderungen in der Gegenwart. So legt die nach wie vor aktuelle Norm IEC CISPR 25:2008 [14, S. 8] die zu messenden Frequenz- bereiche auf 150 kHz bis 2,5 GHz fest. Es existieren jedoch digitale Mobilfunk- und Navigationssysteme - die entweder direkt in Fahrzeugen verbaut oder zumindest darin benutzt werden können -, welche außerhalb dieses Frequenzbereiches arbeiten. Beispielsweise verwendet das Navigationssystem Differential Global Positioning Sys- tem (DGPS) zur Erhöhung der Genauigkeit zusätzlich zum Satellitensignal des Global Positioning System (GPS) ein 122,5-kHz-Korrektursignal einer Referenzstation auf dem Boden. Das satellitengestützte Mobilfunksystem Iridium hingegen verwendet verschiedene Frequenzbänder im Bereich zwischen 2,5 GHz und 30 GHz, welche - wie andere „ neue Dienste “ auch - von den derzeit für die Automobiltechnik gültigen EMV-Normen noch nicht berücksichtigt werden (Vgl.[8]).

Im weiteren Verlauf werden die Methoden und Vorgehensweisen zu den in IEC CISPR 25 spezifizierten Störaussendungsmessungen sowie den in ISO 11452-5 genormten Störfestigkeitsprüfungen von Fahrzeugkomponenten mit der Streifenleitung theore- tisch näher erläutert.

2 Störaussendungsmessungen mit der Streifenleitung

Auf Grund der Verfügbarkeit beziehen sich die folgenden Ausführungen auf die zum gegenwärtigen Stand aktuelle Norm IEC CISPR 25:2008[14]und nicht wie in 2005/83/EG[6]angegeben auf IEC CISPR 25:2002.

2.1 Grundlagen

Bei der in Abbildung 2.11 schematisch dargestellten Streifenleitung beziehungsweise Stripline handelt es sich um einen offenen transversalen elektromagnetischen Wellen- leiter. Die Streifenleitung besteht im Wesentlichen aus einer Masseplatte oder Ground Plane und einem Leiterstreifen respektive Septum und ist daher ein offener, unsym- metrischer TEM-Wellenleiter. Als solcher stellt die Streifenleitung eine Vereinfachung der in Abbildung 2.2 schematisch abgebildeten TEM- oder Crawford-Zelle2 dar, die wiederum ein rechteckförmig aufgeweiteter, jedoch noch symmetrischer Koaxialleiter ist. Sowohl im Fall der Streifenleitung als auch bei der TEM-Zelle wird zwischen den Leitern auf Grund der konstanten Impedanz ein homogenes elektrisches Feld erzeugt (siehe hierzu auch Abbildung 3.1), wobei dieses wie auch das magnetische Feld transversal zur Ausbreitungsrichtung der TEM-Welle orientiert ist (Vgl. „ Impe danzkonzept “ [26, S. 264 ff.]).

Durch deren Aufbau eignet sich die Streifenleitung besonders für die Messung der Störaussendungen eines Kabelbaumes beziehungsweise Harness. Zwischen Masse- platte und Septum lassen sich allerdings auch komplette Komponenten einbringen. In

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 2.1: Schematischer Prüfaufbau mit einer Streifenleitung [4, S. 7]

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 2.2: Schematischer Aufbau einer TEM-Zelle [26, S. 231]

der Automobiltechnik werden am häufigsten Streifenleitungen mit einer Impedanz von 50 Ω oder 90 Ω verwendet, wobei IEC CISPR 25:2008 [14, S. 68] auch Ausfüh- rungen mit anderen Wellenwiderständen zulässt. Weicht deren Impedanz vom in IEC CISPR 16-1-1:2010[11]normierten 50-Ω-Messsystem ab, ist jedoch eine elektri- sche oder physikalische Anpassung notwendig. Für eine 50-Ω-Streifenleitung gibt IEC CISPR 25:2008 [14, S. 68] eine Verwendbarkeit für den Messbereich von 150 kHz bis 400 MHz an. Bei einer Nachweisbarkeit der Dominanz der TEM-Welle - wie sie bei der 90-Ω-Variante gegeben ist - lässt diese Norm sogar den Einsatz bis 1 GHz

2.2 Messaufbau und Messmittel

zu, insofern zusätzlich der Prüfling unter dem Septum eingebracht wird und des- sen Höhe nicht mehr als ein Drittel der des Septums beträgt. Ein weiterer Vorteil der 90-Ω-Streifenleitung - der den Nachteil der Impedanzanpassung gegenüber einer 50-Ω-Variante ebenfalls rechtfertigt - ist ein um den Faktor drei schmaleres Septum mit 28 cm Breite, welches die Handhabbarkeit dieses Messmittels in der Praxis wesentlich verbessert. In Abbildung B.2 sind der Aufbau und die Maße einer 90-Ω-Streifenleitung mit physikalischer Impedanzanpassung durch ein Transformationsrohr sowie in Ab- bildung B.1 die einer 50-Ω-Variante jeweils nach IEC CISPR 25:2008[14]dargestellt.

Es existieren jedoch noch weitere Bauformen von Striplines wie beispielsweise die sogenannten „Siemens-Streifenleitung“. Mit einer Septumslänge von nur 1,5 m - der halben Wellenlänge von 100 MHz - ist diese Ausführung als Dipolantenne im Ultra- kurzwellenbereich von 30 MHz bis 300 MHz ausgelegt. Hierdurch ist aber zumindest ein von den genormten Varianten abweichendes Resonanzverhalten zu erwarten.

2.2 Messaufbau und Messmittel

In Abbildung 2.3 ist der prinzipielle Messaufbau für Störaussendungsmessungen mit einer Streifenleitung gemäß IEC CISPR 25:2008 [14, S. 68 ff.] ersichtlich. Wie bei den anderen zu Antennenmessungen alternativen Messmethoden wie galvanisch

gekoppelten, BCI- und TEM-Zellen-Messungen auch, ist zur Abschirmung des elektro- magnetischen Umfeldes und des Rauschens eine Streifenleitung in einer Schirmkabine mit Wänden und Decke - jedoch nicht Boden - aus Metall unterzubringen1 sowie die Masseplatte damit zu verbinden. Anders als bei Antennenmessungen ist hierbei jedoch nicht die Auskleidung mit kostspieligen Absorbern zur Verhinderung von Reflexionen in der Kabine notwendig, das heißt es wird kein Absorber-lined Shielded Enclosure (ALSE) benötigt. Die Höhe der Masseplatte soll dabei analog zur Arbeitsfläche bei den anderen alternativen Messmethoden 90 ± 10 cm betragen.

Zur Messung ist der Prüfling beziehungsweise dessen Kabelbaum 50 ± 5 mm über der Masseplatte auf einer nichtleitenden Unterlage mit einer relativen Permittivität εr 1,4 einzubringen. In der Praxis wird hierzu typischerweise eine Grundplatte aus Metall mit einem U-förmigen Aufbau aus Holz oder Styrodur® zur Führung des Kabelbaumes verwendet. Der Kabelbaum hat dabei 1000 ± 50 mm parallel unter dem Septum zu verlaufen und sollte insgesamt eine Länge zwischen 1,7 und 2 m besitzen.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 2.3: Schematischer Messaufbau mit einer Streifenleitung gemäß IEC CISPR 25:2008 [14, S. 70]

2.2 Messaufbau und Messmittel

Der Prüfling ist generell auf der Seite der Streifenleitung zu platzieren, auf der diese mit einer 50-Ω-Terminierung abgeschlossen wird.

Die Spannungsversorgung des Prüflings hat während der Messung über eine Bordnetz- nachbildung (BNN) respektive ein Artificial Network (AN) oder Line Impedance Sta- bilization Network (LISN) zu erfolgen. Der Schaltplan einer IEC CISPR-25-konformen BNN ist in Abbildung A.2 sowie deren Impedanzcharakteristik in Abbildung A.1 zu finden. Solche Bordnetznachbildungen dienen bei EMV-Untersuchungen in der Automobiltechnik den folgenden Funktionen [28, S. 46 f.]:

- der Simulation der Impedanz des Bordnetzes zur besseren Reproduzierbarkeit,
- dem Abgreifen der vor allem im Rundfunkfrequenzbereich hauptsächlich über den Kabelbaum von Kraftfahrzeugen geführten Störungen bei galvanisch gekop- pelten Messungen, sowie
- dem Schutz der angeschlossenen peripheren Teile durch den integrierten Filter bei Störfestigkeitsprüfungen.

Der nicht abgeschlossene Anschluss der Streifenleitung ist über eine Koaxialleitung mit dem Messmittel außerhalb der Schirmkabine zu verbinden. Bis einschließlich IEC CISPR 16-1-1:2010[11]war hierfür nur die Verwendung von einstellbaren Voltme- tern1, Messempfängern respektive Electromagnetic Interference (EMI) Receiver und Spektrumanalysatoren, zugelassen. Erst mit IEC CISPR 16-1-1:2010 Amendment 1[12] wurde auch der Einsatz von schneller Fourier-Transformation- beziehungsweise Fast Fourier Transform (FFT)-basierenden Messgeräten genormt. Letztere beschleunigen die Gesamtmessung über einen gegebenen Frequenzbereich im Vergleich zu rein Messempfänger-basierten Verfahren allgemein erheblich (Vgl.[7]).

In Abbildung 2.4 ist der funktionale Aufbau eines Messempfängers gemäß IEC CISPR 16-1-1:2010[11]dargestellt. Die wichtigsten Komponenten eines solchen Gerätes sind der Mischer (Mixer), der Zwischenfrequenz (ZF)- oder Intermediate Frequency (IF)- Filter und die Detektoren. Da sich kein über ein breites Spektrum variabler Bandpass realisieren lässt, wird vom Mischer das Spektrum so verschoben, dass die zu messende Zentralfrequenz auf der konstanten Zwischenfrequenz des Messempfängers zu liegen kommt. Danach wird vom ZF-Filter die Bandbreite des zu messenden Signals auf die sogenannte ZF- beziehungsweise IF-Bandbreite begrenzt und schließlich auf die Detek-

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 2.4: Funktionsblockdiagramm eines Messempfängers gemäß IEC CISPR 16-1-1:2010 [11, S. 76]

toren geleitet. Für die Störaussendungsmessungen nach den IEC CISPR-Normen sind hierbei der Average- respektive Mittelwert-, Peak- und Quasi-Peak-Detektor relevant.

Der Peak-Detektor ermittelt den maximalen Pegel während der gewählten Messzeit (Dwell Time) und der Average-Detektor den durchschnittlichen. Ähnlich dem Peak- Detektor liefert der Quasi-Peak-Detektor einen maximalen Pegel, stellt dabei aber das Empfinden des menschlichen Gehörs für Geräusche nach, da der Mensch Störungen in Abhängigkeit von der Frequenz der Pulsfolge als verschieden stark wahrnimmt.

Entsprechend ist der Quasi-Peak-Detektor für den Einsatz im Rundfunkfrequenzbe- reich ausgelegt. Das Ergebnis des Quasi-Peak-Detektors liegt dabei aber nie höher als das des Peak-Detektors. Der Pegel des gemessenen Signals wird hierbei in der Einheit beziehungsweise in der Größenordnung μV oder typischerweise in dB(μV) angegeben. Liegt ein Signal jeweils vollständig innerhalb der ZF-Bandbreite (ZF-BB), so wird dies als Schmalbandstörung, andernfalls als Breitbandstörung bezeichnet [26, S. 65].

Abbildung 2.5 veranschaulicht den Ablauf - das sogenannte Scanning - der Messung mit einem Messempfänger, welcher von diesem entweder selbst oder zur Messdatener-

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 2.5: Arbeitsweise eines Messempfängers, basierend auf [28, S. 40]

fassung mit beispielsweise einem PC (Personal Computer) extern gesteuert wird. Zwi- schen den vorgegebenen Start- und Stopfrequenzen wird dabei effektiv1 der ZF-Filter über das Spektrum des Eingangssignals geschoben und das auf die ZF-Bandbreite begrenzte Signal jeweils auf den Detektor oder die Detektoren geleitet. Nach der durch die Messzeit wählbaren Verweildauer wird der ZF-Filter um die einstellbare - innerhalb einer Messung jedoch konstante - Schrittweite (Step Size) bis zum Erreichen der Stopfrequenz weitergeführt.

Zur externen Ansteuerung nach den oben erläuterten Parametern und zur Messda- tenerfassung eines Messempfängers verfügen diese typischerweise über eine General Purpose Interface Bus (GPIB) genannte Schnittstelle. Diese ist ein in IEEE 488.1-2004[9] spezifizierter paralleler Datenbus mit einer maximalen Datenrate von 1 Megabytes per Second in der Standardausführung zur Anbindung von in erster Linie Druckern, Messgeräten und Plottern. In Bezug auf die Messdatenerfassung von Störaussendungs- messungen wird hierüber üblicherweise ein in Hard- oder Software implementierter X-Y-Schreiber zur Protokollierung des Pegels über die Frequenz angebunden. In der Regel lassen sich dabei zusätzlich die Grenzwerte für den Pegel einblenden und deren Überschreitungen auswerten.

Prinzipiell können Störaussendungsmessungen auch mit Spektrumanalysatoren durchgeführt werden. Letztere funktionieren grob vergleichbar zu Messempfängern, im Unterschied zu diesen erfolgt die Analyse des Signalspektrums dabei aber nicht schrittweise sondern kontinuierlich. Entsprechend wird die Arbeitsweise von Spek- trumanalysatoren als Sweeping und nicht als Scanning bezeichnet. In der Praxis überlastet die Auswertung von Breitbandstörquellen jedoch deren Mischer, was zu unbrauchbaren Ergebnissen führt. Zumindest für die Vermessung von Prüflingen mit unbekannter Abstrahlcharakteristik sind daher Messempfänger einzusetzen [28, S. 40].

[...]


1 Diese Abbildung ist allerdings der zurückgezogenen und durch ISO 11451 sowie ISO 11452 ersetzten Norm DIN 40839 Teil 4[4]zur Störfestigkeitsprüfung entnommen.

2 Mit TEM-Zellen können ebenfalls genormte EMV-Untersuchungen gemäß IEC CISPR 25:2008 [14, S.

49 ff.] und ISO 11452-3:2001[22] durchgeführt werden.

1 Bei Störfestigkeitsprüfungen hat diese Abschirmung wegen der starken Abstrahlung stattzufinden.

1 Für Störaussendungsmessungen über Frequenzbereiche gemäß IEC CISPR 25:2008[14]sind Voltmeter aber naturgemäß nicht geeignet.

1 Siehe Ausführungen oben; eigentlich wird das Spektrum über den ZF-Filter geschoben.

Ende der Leseprobe aus 45 Seiten

Details

Titel
Messung und Prüfung der elektromagnetischen Verträglichkeit (EMV) von Fahrzeugkomponenten mit der Streifenleitung
Autor
Jahr
2013
Seiten
45
Katalognummer
V262784
ISBN (eBook)
9783656522386
ISBN (Buch)
9783656531784
Dateigröße
1086 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Elektromagnetische Verträglichkeit, EMV, Fahrzeugkomponenten, Kraftahrzeugkomponenten, Automobiltechnik, Streifenleitung, Stripline, IEC CISPR 25, ISO 11452-5
Arbeit zitieren
Marius Strobl (Autor), 2013, Messung und Prüfung der elektromagnetischen Verträglichkeit (EMV) von Fahrzeugkomponenten mit der Streifenleitung, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/262784

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