Eine Annäherung an Franz Kafkas Prosa „Der Steuermann“ (1920)
Schon der Titel Franz Kafkas Parabel „Der Steuermann“ (1920) lässt den Rezipienten die Thematik seines Werkes vermuten; Ebenso der erste Eindruck, den er beim Lesen gewinnt: Die Kernproblematik wird ihm durch die Symbolkraft des Meeres vermittelt.
Bevor ich mit der eigentlichen Analyse des Werkes einsteigen werde, möchte ich jedoch ein Zitat näher beleuchten: „Das Flüstern des Windes, das Rauschen der See schenken einem das Glück, einfach zu existieren “ (Unbekannt). Das Meer schenkt einem Bootsführer also Glück. Betrachtet man dieses Gut aus biblisch-ethischer Sicht, kann Glück wie folgt definiert werden: Es ist die Freiheit des Handelns aus moralischer Verpflichtung und nicht aus instinktiver Neigung. Dementsprechend ist es die Pflicht eines jeden Individuums, sich um die eigene psychische und physische Konstellation zu kümmern, um seine Existenz zu wahren. Das genannte Zitat lässt sich mit einer Leichtigkeit lesen, die in Kafkas Parabel jedoch nicht anzutreffen ist. Sie wirkt vielmehr schwer, traurig und düster. Es gilt der Frage nachzugehen, woraus diese Empfindung resultiert, denn eigentlich müsste auch der Steuermann in Kafkas Parabel Glück empfinden und dankbar für sein Leben sein. Zunächst bietet sich die Betrachtung des Inhaltes sowie der sprachlichen Besonderheiten an, um eine Grundlage für die kunst-theoretische Deutung des Werkes zu schaffen
Inhaltsverzeichnis
1. Franz Kafka – Der Steuermann (1920)
2. Die unmögliche Deutung – Eine Annäherung an Franz Kafkas Prosa „Der Steuermann“ (1920)
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit setzt sich zum Ziel, Franz Kafkas Parabel „Der Steuermann“ (1920) tiefgehend zu analysieren, um das darin gespiegelte existenzielle Defizit des Autors sowie die zugrundeliegenden psychologischen und biographischen Einflüsse aufzudecken.
- Analyse der Symbolkraft des Meeres und der räumlichen Inszenierung
- Untersuchung der biographischen Verbindung zwischen Kafka und seinem Vater
- Interpretation der Figuren als Projektionen des Ich-Erzählers
- Betrachtung der sprachlichen Besonderheiten und Erzählstruktur
- Verknüpfung von kunst-theoretischen und psychologischen Deutungsansätzen
Auszug aus dem Buch
Die unmögliche Deutung – Eine Annäherung an Franz Kafkas Prosa „Der Steuermann“ (1920)
Schon der Titel Franz Kafkas Parabel „Der Steuermann“ (1920) lässt den Rezipienten die Thematik seines Werkes vermuten; Ebenso der erste Eindruck, den er beim Lesen gewinnt: Die Kernproblematik wird ihm durch die Symbolkraft des Meeres vermittelt.
Bevor ich mit der eigentlichen Analyse des Werkes einsteigen werde, möchte ich jedoch ein Zitat näher beleuchten: „Das Flüstern des Windes, das Rauschen der See schenken einem das Glück, einfach zu existieren1“ (Unbekannt). Das Meer schenkt einem Bootsführer also Glück. Betrachtet man dieses Gut aus biblisch-ethischer Sicht, kann Glück wie folgt definiert werden: Es ist die Freiheit des Handelns aus moralischer Verpflichtung und nicht aus instinktiver Neigung. Dementsprechend ist es die Pflicht eines jeden Individuums, sich um die eigene psychische und physische Konstellation zu kümmern, um seine Existenz zu wahren. Das genannte Zitat lässt sich mit einer Leichtigkeit lesen, die in Kafkas Parabel jedoch nicht anzutreffen ist. Sie wirkt vielmehr schwer, traurig und düster. Es gilt der Frage nachzugehen, woraus diese Empfindung resultiert, denn eigentlich müsste auch der Steuermann in Kafkas Parabel Glück empfinden und dankbar für sein Leben sein. Zunächst bietet sich die Betrachtung des Inhaltes sowie der sprachlichen Besonderheiten an, um eine Grundlage für die kunst-theoretische Deutung des Werkes zu schaffen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Franz Kafka – Der Steuermann (1920): Dieses Kapitel dient als Titelseite und ordnet das Werk bibliographisch ein.
2. Die unmögliche Deutung – Eine Annäherung an Franz Kafkas Prosa „Der Steuermann“ (1920): Hier wird die Parabel inhaltlich und motivisch analysiert, wobei besonders die biographischen Prägungen durch Kafkas Vater und die psychologische Deutung der Figuren als Wunsch-Projektionen im Zentrum stehen.
Schlüsselwörter
Franz Kafka, Der Steuermann, Parabel, Existenz, Glück, Projektion, Vater-Sohn-Beziehung, Identität, Selbstwahrnehmung, Psychoanalyse, Symbolik, Literaturanalyse, Moderne Literatur
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Analyse grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit einer tiefgehenden kunst-theoretischen und biographischen Interpretation der Kafka-Parabel „Der Steuermann“.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Im Mittelpunkt stehen die existenzielle Not des Ich-Erzählers, die Verflechtung mit Kafkas eigener Biographie sowie die Analyse des Verhältnisses zum Vater.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, nachzuweisen, dass der Steuermann in der Parabel eine „Wunsch-Projektion“ Kafkas darstellt, die dessen Unfähigkeit spiegelt, Glück zu empfinden.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Verfasserin nutzt eine Kombination aus textnaher Analyse, biographischer Kontextualisierung und kunst-theoretischen sowie psychologischen Deutungsansätzen.
Was ist Gegenstand des Hauptteils?
Der Hauptteil befasst sich mit der detaillierten Szenenanalyse, der symbolischen Bedeutung des Unbekannten und der Mannschaft sowie sprachlichen Auffälligkeiten wie dem Passivgebrauch.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Kafka, Identität, Projektion, Existenzängste, Vaterbeziehung und Selbstwahrnehmung.
Warum wird der Unbekannte als „Wunsch-Projektion“ gedeutet?
Der Unbekannte erscheint als Gegenpol zum Ich-Erzähler und versucht radikal, die Defizite des Steuermannes „wegzustreichen“, was als Wunsch nach Selbstbehauptung interpretiert wird.
Welche Rolle spielt die Mannschaft in der Parabel?
Die Mannschaft wird als Spiegelbild des Ich-Erzählers verstanden; ihr Verhalten dient dazu, dessen festgefahrene Selbstwahrnehmung durch Ignoranz zu konfrontieren.
- Arbeit zitieren
- Anne Udelhoven (Autor:in), 2013, Franz Kafkas Prosa "Der Steuermann". Die unmögliche Deutung, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/262812