Die Frau in der Zeit der Aufklärung

Am Beispiel "Der Witzling" von V.L. Adelgunde Gottsched


Hausarbeit (Hauptseminar), 2013

17 Seiten, Note: 2.0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

A. Einleitung.

B. Die Frau in der Aufklärung

C. Dramatische Verarbeitung.9
I. Der erste Auftritt: Die Verkuppelungsabsicht
II. Der zweite Auftritt: Der Sohn des Vormunds .
III. Das Ende

D. Fazit

Literaturverzeichnis

A. Einleitung

Zunächst sei festzustellen, dass die Periode der Aufklärung der frühen Neuzeit zugewiesen wird. Dieser Abschnitt der frühen Neuzeit wurde in Europa, so vor allem in Deutschland, bestimmt durch das Nachwirken lang anhaltender, furchtbarer Kriege, durch die Verfestigung der herrschenden Monarchien und durch die Intensität ihrer Wirkungen auf Gesellschaft, Wirtschaft, Bildung und Erziehung geprägt. Gleichzeitig gelingt durch das Bemühen der überwiegend vom Bildungsbürgertum geführten Bewegung der Aufklärer die Vorstellung einer neuen und besseren Zukunft.

Es ist als eine unruhige und belebte Zeit, bei deren Wechselhaftigkeiten die Menschen aller sozialen Ebenen, Stände und Klassen durchkommen sollen, um einen geeigneten Weg zu suchen, damit eine ihnen angemessene Lebensweise hergestellt werden konnte. Wie die in allen Phasen der Gesellschaftsgeschichte innewohnende typische Differenziertheit, behauptete sich die Lebensrealität gerade in dieser Zeit umso differenzierter und komplexer. Diese Diffenrenziertheit gerät umso schärfer in den Blickwinkel, wenn man sich die Geschichte der Frauen auch dieser Zeit sich widerspiegelt.

Mehr als die künstlerisch und wissenschaftlich interessanten Frauen oder Frauen von Rang und Adel, stehen in diesem Zeitalter die Frauen von dörflichen Gegenden, aus den handwerklichen Ebenen oder die sogenannaten "Weibsleute" der unteren Sozialschichten im Mittelpunkt der literarischen Schöpfung. Sie hielten nämlich, wenn auch kaum ausdrücklich bezeugt oder dargestellt, die Mehrheit der Anzahl ihrer Geschlechter bei sich.

Gegenständlich fassbar werden sie dem Beobachtenden von heute vor allem als Angehörige einer feudalstrukturierten Familie, die durch Arbeitszwang als gesetzliche Grundlage des Zusammenhalts alle Hausgenossen herausforderte. Die starre Arbeitsteilung in der Familie durchzog sich im Gesamten über alle Gesellschaftsschichten.

Die Beziehung zwischen Mann und Frau ist durch die bedingungslose Pietät und Hochachtung der Frau gegenüber dem Mann geprägt. Inwieweit es unter solchen Bedingungen des Vorranges der Arbeitsbeziehung zwischen Mann und Frau und der absoluten Ehreerbietung der Frau gegenüber ihrem Mann noch gegenseitige Zuneigung bestand oder die Liebe als erstrebter Zustand einer ehelichen Verbindung angesehen wurde, bleibt zunächst im Dunkeln. Grundsätzlich kann man annehmen, dass das Verlangen nach geistiger und leiblicher Zuneigung eher hintergründig eine geringe Rolle spielte. Es gab natürlich Ehen, die in gegenseitiger Liebe geschlossen wurden.

Das vorliegende Werk behandelt die Thematik „Frau in der Aufklärung“, welches anhand des kleinen Theaterstücks „Der Witzling“ von V. L. Adelgunde Gottsched herausgearbeitet werden soll. Ein reicher Kaufmann, unter dessen Obhut die Hauptakteurin Lottchen steht, will diese mit einem Sohn eines reichen Freundes verkuppeln. Da das Detail des Theaterstücks den Hauptteil meiner Arbeit darstellt, sei zum Inhalt zunächst nur dieser obige Satz gelten.

Beginnen wird die Arbeit sogleich mit der allgemeinen Darstellung der Frau in der Aufklärung, damit der Leser einen allgemeinen Blick zum historischen Hintergrund des Stücks bekommt und die Frau des Zeitabschnitts „Aufklärung“ einigermaßen nachempfinden kann. Da die Autorin des Werks eine besondere Stellung bekommen soll, ist in diesem Abschnitt B der Schwerpunkt auf ihren Lebenslauf gesetzt, woraus man übrigens ruhig Gesetzmäßigkeiten für den Lebenslauf anderer Frauen ableiten kann. Das Faszinierende bleibt, dass dieser Abschnitt der Zeitgeschichte zeitlos wirkt, wenn man ihr Leben einigermaßen studiert.

Nachdem ich anschließend Kurzes über die allgemeine dramaturgische Verarbeitung in den Werken der Aufklärer eingehe, beginne ich sodann die Szenen des Werks „Der Witzling“ von V.L. Adelgunde Gottsched zu analysieren. Beendet wird die Arbeit sodann mit einem kurzen Fazit, die Stellung der Frau in der Aufklärung punktierend zusammenfassen soll.

B. Die Frau in der Aufklärung

Es ist im Ganzen ein Jahrhundert, welches "zwischen den Welten" steht. Frauen gaben sich für Hof, Haus und Familie aus, viele Menschen verkamen, und fielen der Justiz als öffentliches Ärgernis zum Opfer, und wurden verhöhnt und denunziert, wenige aber, die sich über die gegebenen gesellschaftlichen Unannehmlichkeiten hinaus für eine neue Phase des Menschwerdens anstrengten, waren hinsichtlich der Frauenrolle –und leben genauso voller Widersprüche.

Nur manche Frauen schafften es, gegen die Zwänge ihrer Stände oder ihrer Klassen gig oder körperlich aufzulehnen und sich auszubilden. Diese wurden dann sowohl künstlerisch oder literarisch als auch wissenschaftlich tätig, jedoch oft nur zeitweilig und dann aber unter großen Opfererbringungen an Leib und Seele. Es sind wohlgemerkt die wenigsten Menschen gewesen, Männer und Frauen, die am sozialkulturellen Fortschritt dieses Jahrhunderts ihren Anteil herbeibrachten und damit der Nachwelt einige künstlerische oder wissenschaftliche Arbeiten vorausgeschickt haben.

Der meiste Teil der Frauen beschäftigte sich jedoch mit für sie möglichen und schönen Dinge. Sie wollten auf diese Weise zumeist ihre Untätigkeit kompensieren. Unvoreingenommen festzustellen ist der Spagat zwischen Frauen, die sich einem neuen vorwärtslichen Denken auf der einen Seite hingeben und Frauen, die in den Visionen eines zu Ende gehenden Zeitabschnitts verhaftet sind, auf der anderen Seite. Diese Kluft konnte in der ganzen Gesellschaft dieser späten Feudalzeit beobachtet werden.

Als ein besonderes Beispiel sei zunächst die Dorathea Christiane Erxleben genannt. [1] Sie war die erste Frau, die auf Anweisung des damaligen preußischen Königs ( Friedrich II. ) an der Fakultät zu Halle im Fach Medizin promovierte und auch dort Ärztin war. 1742 hatte sie gar ein Buch verfasst, die sozialpsychologischen Inhalt aufwies und von der Thematik her umso untypischer für eine Frau war. [2] Eine Frau, die ihrer Zeit voraus ging. Ihre herausgehobene Stellung ist umso gehobener, da sie als Hausfrau und Mutter einer großen Kinderzahl auch ein Familienmensch blieb. Dieser Spagat zwischen ihrer geistigen Anstrengung für die Gesellschaft, sei sie auch verbunden mit Karrieregedanken, bis hin zu ihrer Anstrengung für familienerhaltende Maßnahmen wie Hausfrau sein, Mutter werden, Haushalt erledigen, wird einem verständigen Menschen einleuchten lassen, wie hart ihr Leben war.

Die Hauptakteurin dieses Werks, namentlich Gottsched, gehört als weitere herausgehobene Frau benannt werden. Es sind sehr wenige Frauen zu dieser Zeit vorhanden, denen der Erfolg in der literarischen Welt gelingt. Gerade die Literatur war von Männern und vom männlichen Wertekanon geprägt. Sie ist Tochter eines Arztes und Gymnasiallehrers aus Danzig und hatte gewiss deswegen auch bessere Aussichten auf einen Zugang zur Bildung, welche ihr durch ihren Vater weitestgehend auch ermöglicht wurde.

Sie schrieb sehr früh mehrere Gedichte, die den Johann Christoph Gottsched auf sie aufmerksam machte. Er wünschte sich von ihren Eltern, mit ihr Briefkontakte führen zu dürfen, welches ihm auch erfüllt wurde und lernte die Frau Kulmus schließlich im Jahr 1729 persönlich kennen. Dauraufhin folgte im regelmäßiegen Ablauf ein Briefverkehr zwischen beiden, wobei dem Herrn Gottsched eine Art Erzieherrolle zugewiesen werden kann. Aus ihren Briefen vom Jahr 1731 sind schon Pläne für eine Heirat festzustellen, die jedoch von Luise Adelgunde Gottsched noch vier Jahre erfolgreich verschoben wurden. Erst im Jahr 1735, nach Ableben beider Elternteile und auch zeitgleicher Erschöpfung ihrer materiellen Mittel, hatte sie Johann Christoph Gottscheid geheiratet und war daraufhin mit ihm nach Leipzig gezogen.

Ihr weiteres Leben widmete sie der Bildung und Arbeit. Eindeutig litt sie unter einer Mehrfachbelastung: Sie war einerseits die Gehilfin für ihren Mann, sie kümmerte sich um den Haushalt und musste noch ihrer leidenschaftlichen Arbeit der schriftstellerischen Tätigkeit nachgehen. Eine Parallele, die mit ihrer Zeitzeugin Dorathea Christiane Erxleben, einherrührt. Aus einem ihrer Briefe an ihre gute Freundin Dorothee Henriette von Runckel im Jahr 1742 beklagt sie sich über diese Schwierigkeiten in ihrem Leben, doch ergänzt sie weiter, dass sie nicht mehr darüber murren will, sondern ihre ganzen Kräfte für die Erfüllung ihres Berufes einsetzen will.“ [3] Victoria Luise Adelgunde Gottsched wird von vielen als ein Vorbild für Gelehrsamkeit und Tugend [4] bezeichnet und aus der Wahrnehmungssicht der Zeitgenossen bildeten Gottsched und seine Frau ein vorbildhaftes Paar.“ [5]

[...]


[1] Sie lebte von 1715 bis 1762, starb also jung.

[2] Ihr Buch: Gründliche Untersuchung der Ursachen, welche das weibliche Geschlecht vom Studieren abhalten.

[3] Kraft, Ein Haus aus Sprache, S. 22.

[4] Statt Vieler: Heuser, Das Musenchor mit neuer Ehre zieren, S. 304.

[5] Beutin, Deutsche Literaturgeschichte, S. 162.

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Details

Titel
Die Frau in der Zeit der Aufklärung
Untertitel
Am Beispiel "Der Witzling" von V.L. Adelgunde Gottsched
Hochschule
Ludwig-Maximilians-Universität München
Note
2.0
Autor
Jahr
2013
Seiten
17
Katalognummer
V262914
ISBN (eBook)
9783656529965
ISBN (Buch)
9783656530527
Dateigröße
488 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
frau, zeit, aufklärung, beispiel, witzling, adelgunde, gottsched
Arbeit zitieren
Faik Cocalic (Autor), 2013, Die Frau in der Zeit der Aufklärung, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/262914

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