Zunächst sei festzustellen, dass die Periode der Aufklärung der frühen Neuzeit zugewiesen wird. Dieser Abschnitt der frühen Neuzeit wurde in Europa, so vor allem in Deutschland, bestimmt durch das Nachwirken lang anhaltender, furchtbarer Kriege, durch die Verfestigung der herrschenden Monarchien und durch die Intensität ihrer Wirkungen auf Gesellschaft, Wirtschaft, Bildung und Erziehung geprägt. Gleichzeitig gelingt durch das Bemühen der überwiegend vom Bildungsbürgertum geführten Bewegung der Aufklärer die Vorstellung einer neuen und besseren Zukunft....
....Mehr als die künstlerisch und wissenschaftlich interessanten Frauen oder Frauen von Rang und Adel, stehen in diesem Zeitalter die Frauen von dörflichen Gegenden, aus den handwerklichen Ebenen oder die sogenannaten "Weibsleute" der unteren Sozialschichten im Mittelpunkt der literarischen Schöpfung. Sie hielten nämlich, wenn auch kaum ausdrücklich bezeugt oder dargestellt, die Mehrheit der Anzahl ihrer Geschlechter bei sich....
....Das vorliegende Werk behandelt die Thematik „Frau in der Aufklärung“, welches anhand des kleinen Theaterstücks „Der Witzling“ von V. L. Adelgunde Gottsched herausgearbeitet werden soll. Ein reicher Kaufmann, unter dessen Obhut die Hauptakteurin Lottchen steht, will diese mit einem Sohn eines reichen Freundes verkuppeln. Da das Detail des Theaterstücks den Hauptteil meiner Arbeit darstellt, sei zum Inhalt zunächst nur dieser obige Satz gelten. ...
Inhaltsverzeichnis
A. Einleitung
B. Die Frau in der Aufklärung
C. Dramatische Verarbeitung
I. Der erste Auftritt: Die Verkuppelungsabsicht
II. Der zweite Auftritt: Die Sohn des Vormunds
III. Das Ende
D. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die gesellschaftliche Rolle und Stellung der Frau in der Zeit der Aufklärung anhand des Theaterstücks „Der Witzling“ von Luise Adelgunde Gottsched. Ziel ist es, durch die Analyse der dramatischen Verarbeitung und der Machtbeziehungen im Stück aufzuzeigen, wie die Autorin einerseits traditionelle Normen reflektiert und andererseits subtile aufklärerische Impulse für weibliche Selbstbestimmung und Bildung setzt.
- Historischer Kontext der Aufklärung und die Lebensrealität der Frau.
- Biografie und schriftstellerisches Wirken von Luise Adelgunde Gottsched.
- Analyse der Machtstrukturen in „Der Witzling“ und der Partnerwahl.
- Die Rolle der Frau zwischen Tradition und aufklärerischem Selbstverständnis.
- Dramaturgische Mittel zur Darstellung weiblicher Emanzipation im 18. Jahrhundert.
Auszug aus dem Buch
I. Der erste Auftritt: Die Verkuppelungsabsicht
Im ersten Auftritt findet zwischen Jungfer Lottchen und Herr Reinhart, ihrem Vormund ein Dialog statt, in dessen Ablauf Lottchen als ein intelligentes und selbstbewusstes Fräulein und der reiche Kaufmann Herr Reinhart als wohlwollender, offener und umgänglicher Hausherr zu erkennen sind. Knapp die Hälfte des Aktes verläuft das Gespräch der Beiden um ihre gegenteiligen Auffassungen über den Studenten Herrn Vielwitz, welcher als Gast bei ihnen wohnt. Nach Lottchens Auffassung hat der Hr. Vielwitz einen Mangel an Venunft. Herr Reinhart spricht ihm viel Gutes zu, auch, weil Hr. Vielwitz der Sohn eines sehr guten, reichen Freundes ist. Lottchen, dargestellt als Vertreterin der Vernunft, punktiert jedoch ihre Stellung, in dem sie äußert, dass weder Reichtum noch Alter Einen vor der Thorheit abhalten können: „Reichtum hilft so wenig für Thorheit, als das Alter.“
Im Stück erfährt man bis dahin nicht genau, in welcher familiären Beziehung Jungfer Lottchen und Herr Reinhart sind. Man könnte daran denken, sie sei seine Tochter. Jedoch ist das Gespräch nicht bei Weitem ein typischer Vater – Tochter – Dialog. Das stilistische Herangehen in der Darstellung der Gesprächsleitung lässt jedoch erahnen, dass Herr Reinhart gegenüber Lottchen eine beschränkte Macht ausübt.
Zusammenfassung der Kapitel
A. Einleitung: Dieses Kapitel verortet die Epoche der Aufklärung historisch und gesellschaftlich und führt in die Thematik der Frauenevaluation im 18. Jahrhundert ein.
B. Die Frau in der Aufklärung: Hier werden die Lebensumstände, der Bildungszugang und die schriftstellerische Karriere von Luise Adelgunde Gottsched vor dem Hintergrund zeitgenössischer gesellschaftlicher Zwänge beleuchtet.
C. Dramatische Verarbeitung: Dieses Kapitel analysiert detailliert die Szenen des Theaterstücks „Der Witzling“ und untersucht die Dynamik zwischen Lottchen, ihrem Vormund und dem Bewerber Vielwitz.
D. Fazit: Die Arbeit schließt mit einer zusammenfassenden Betrachtung von Gottscheds dezentem Umgang mit gesellschaftlichen Normen und der Bedeutung weiblicher Protagonistinnen in den Dramen ihrer Zeit.
Schlüsselwörter
Aufklärung, Luise Adelgunde Gottsched, Der Witzling, Frauenrolle, 18. Jahrhundert, Literaturgeschichte, Theater, Emanzipation, Vernunft, Partnerwahl, Vormundschaft, Gesellschaftskritik, weibliche Autorenschaft, soziale Schichten, Rollenverteilung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit befasst sich mit der Situation der Frau im 18. Jahrhundert und analysiert, wie diese Thematik im Theaterstück „Der Witzling“ von Luise Adelgunde Gottsched literarisch verarbeitet wird.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Im Zentrum stehen die Machtverhältnisse innerhalb der Familie, die Möglichkeiten der weiblichen Selbstbestimmung bei der Partnerwahl sowie der Zugang von Frauen zu Bildung in der Aufklärung.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage der Arbeit?
Es wird untersucht, wie Gottsched das Spannungsfeld zwischen traditionellen, patriarchalen Normen und aufklärerischen Idealen innerhalb eines dramatischen Werkes darstellt und moderiert.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Autorin nutzt eine textimmanente Analyse des Dramas „Der Witzling“ in Verbindung mit historisch-biografischen Kontextualisierungen zur Situation der Frau im 18. Jahrhundert.
Was wird schwerpunktmäßig im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine allgemeine Darstellung der Frau in der Aufklärung, ein biografisches Porträt der Autorin und eine detaillierte szenische Analyse des Theaterstücks.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Untersuchung?
Wichtige Begriffe sind unter anderem Aufklärung, Emanzipation, Vormundschaft, literarische Rollenbilder und die spezifische Situation der Frau als Schriftstellerin in einer Männerwelt.
Welche Rolle spielt die Figur des „Vormunds“ im Stück „Der Witzling“?
Er repräsentiert die traditionelle, patriarchalische Autorität, die Lottchen durch ökonomische Zwänge und ein Testament zu einer ungewollten Ehe mit Herrn Vielwitz drängen möchte.
Warum wird Luise Adelgunde Gottsched als Beispiel gewählt?
Sie gilt als eine der wenigen Frauen, die in der vom männlichen Wertekanon dominierten Literatur des 18. Jahrhunderts erfolgreich waren und in ihren Komödien kritische Töne zur Frauenrolle einbrachten.
Wie reagiert Lottchen auf die Heiratspläne ihres Vormunds?
Lottchen verweigert sich dem Wunsch des Vormunds durch den Einsatz von Vernunftargumenten und versucht, sich durch die Unterstützung des Sohnes des Vormunds strategisch aus der unangenehmen Situation zu befreien.
Welches Fazit zieht die Arbeit über Gottscheds Gesellschaftskritik?
Die Arbeit resümiert, dass Gottsched keine radikale Provokation sucht, sondern durch eine dezente, feinfühlige Kritik gesellschaftliche Normen infrage stellt und somit für ein zeitgenössisches Publikum akzeptabel bleibt.
- Arbeit zitieren
- Faik Cocalic (Autor:in), 2013, Die Frau in der Zeit der Aufklärung, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/262914