Diese Arbeit geht der Frage nach wie die biblischen Narrationen aus literaturwissenschaftlicher Sicht zu verstehen sind und vereint somit Bibelwissenschaft mit Germanistik. Ist mit Gunkel von einer lebendigen, mündlichen Tradition auszugehen? Finden wir Erzählungen im Sinne frei erfundener Geschichten oder haben diese historischen Wert? Was bedeutet überhaupt Historie auf Erzählungen angewendet? Diesen und weiteren Fragen gilt es in der vorliegenden Arbeit nachzugehen. Dabei wendet sich die Autorin der Erzählung von der Gefährdung der Ahnfrau zu, die sich in Variationen in drei Stellen des Ersten Testaments (Gen 12,10-20; 20,1-18; 26,1-11) findet, d.h. jede der Mehrfachüberlieferung findet sich innerhalb der Erzelterngeschichten (früher als Erzvätergeschichten bezeichnet). Die Kernaussage ist, dass ein Ahnherr Israels seine Frau in einem fremden Land aus Furcht als seine Schwester ausgibt. Die einzelnen Varianten legen dabei verschiedene Schwerpunkte und haben beispielsweise einen unterschiedlichen Grad an Profanität.
Die Arbeit ist in zwei Teile gegliedert. Zunächst soll ein theoretischer Überblick gegeben werden. Dazu wird unter 2.1 vor allem die im deutschsprachigem Raum hoch geschätzte historisch-kritische Methode vorgestellt. Da in den letzten Jahrzehnten aber auch Methoden und Ergebnisse aus anderen Disziplinen Einfluss auf die Exegese genommen haben, wird der traditionelle Methodenkanon vor allem um literaturwissenschaftliche Erkenntnisse erweitert. Dies geschieht unter 2.1 besonders im Abschnitt Literarkritik - doch finden diese Ansätze speziell unter 2.2, Erzähltheorien, Beachtung. Hier werden allgemeine Aspekte zur Erzählforschung benannt und diese dann noch einmal auf die alttestamentlichen Narrationen fokussiert. Im zweiten Teil erfolgt dann die eigentliche Textarbeit, in der die vorgestellten Methoden angewendet werden. Die vorliegende Arbeit versucht eine Synthese von einer diachronen und synchronen Analyse, mit einer literaturwissenschaftlichen Fokussierung und besonders ohne sich in Detailanalysen einzelner Quellschichten und redaktioneller Überarbeitungen zu verlieren. Um die Ergebnisse besser nachvollziehen zu können, finden sich im Anhang Tabellen mit den einzelnen Arbeitsschritten, die in der Auswertung nur exemplarisch oder zusammenfassend genannt sind.
Inhaltsverzeichnis
- Einleitung
- Theorie
- Methoden der Exegese im Ersten Testament
- Erzählungen im AT
- Die Gefährdung der Ahnfrau (Gen 12,10-20 u. Par.)
- Übersetzung und Textanalyse
- Form- und Gattungskritik
- Die Gefährdung der Ahnfrau - eine ursprünglich mündliche Erzählung?
- Interpretation
- Fazit
- Anhang
- Tabellen
- Synopse I
- Textanalyse
- Gattungsanalyse
- Synopse II
- Abkürzungsverzeichnis
- Literatur
- Tabellen
Zielsetzung und Themenschwerpunkte
Die vorliegende Arbeit befasst sich mit der Erzählung von der Gefährdung der Ahnfrau im Ersten Testament und untersucht diese mit Hilfe verschiedener exegetischer Methoden. Dabei soll ein tieferes Verständnis der Erzählung und ihrer verschiedenen Ausprägungen gewonnen werden.
- Die Anwendung der historisch-kritischen Methode auf die biblische Narration
- Die Integration literaturwissenschaftlicher Erkenntnisse in die Exegese des Alten Testaments
- Die Analyse der verschiedenen Versionen der Erzählung von der Gefährdung der Ahnfrau
- Die Frage nach der ursprünglichen mündlichen Tradition der Erzählung
- Die Bedeutung der Erzählung für das Verständnis des Ersten Testaments
Zusammenfassung der Kapitel
Die Einleitung führt in das Thema der Arbeit ein und stellt die Relevanz der Erzählung von der Gefährdung der Ahnfrau für die Exegese des Ersten Testaments heraus. Kapitel 2 bietet einen theoretischen Überblick über die Methoden der Exegese im Alten Testament, wobei sowohl die historisch-kritische Methode als auch literaturwissenschaftliche Ansätze beleuchtet werden. Kapitel 3 widmet sich der detaillierten Analyse der Erzählung von der Gefährdung der Ahnfrau, wobei die Perikope Gen 12,10-20 exemplarisch untersucht wird. Die einzelnen Varianten der Erzählung werden dabei miteinander verglichen. Das Fazit fasst die Ergebnisse der Arbeit zusammen und diskutiert die Relevanz der Erkenntnisse für das Verständnis des Ersten Testaments.
Schlüsselwörter
Die Arbeit befasst sich mit den Themen Exegese, Altes Testament, Erzählung, Gefährdung der Ahnfrau, historisch-kritische Methode, Literarkritik, Textanalyse, Formkritik, Gattungskritik, mündliche Tradition, Geschichte Israels, intertextuelle Beziehungen.
Häufig gestellte Fragen
Was ist das Motiv der „Gefährdung der Ahnfrau“?
Es beschreibt biblische Erzählungen, in denen ein Ahnherr Israels seine Frau in der Fremde aus Furcht als seine Schwester ausgibt, um sein eigenes Leben zu schützen.
An welchen Stellen im Alten Testament findet sich diese Erzählung?
Das Motiv findet sich in drei Varianten: Genesis 12 (Abram in Ägypten), Genesis 20 (Abraham in Gerar) und Genesis 26 (Isaak in Gerar).
Was ist die historisch-kritische Methode?
Es ist der traditionelle Standard der Exegese, der Texte diachron untersucht, um ihre Entstehungsgeschichte, Quellenschichten und den historischen Kontext zu verstehen.
Wie wird die Literaturwissenschaft in die Bibelanalyse integriert?
Neben der historischen Kritik werden Erzähltheorien genutzt, um die Texte synchron als literarische Kunstwerke hinsichtlich Struktur, Perspektive und Spannungsaufbau zu analysieren.
War die Erzählung ursprünglich mündlich?
Die Arbeit geht der Frage nach, ob mit Hermann Gunkel von einer lebendigen mündlichen Tradition auszugehen ist, die erst später schriftlich fixiert wurde.
Was bedeutet „Profanität“ in Bezug auf diese Varianten?
Die verschiedenen Versionen weisen unterschiedliche Grade an religiöser Deutung auf; manche wirken weltlicher (profaner), während andere das Eingreifen Gottes stärker betonen.
- Quote paper
- M.Phil Lydia Einenkel (Author), 2010, Die Gefährdung der Ahnfrau. Eine literaturwissenschaftlich fokussierte Interpretation., Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/262958