Anhand der synchronen und diachronen Analyse des Textes soll die Vielschichtigkeit des Wortes "pleonexia" (Habsucht, Habgier) aufgezeigt werden und wie "pleonexisches" Verhalten Leben und Gemeinschaft korrumpiert.
Inhaltsverzeichnis
1. Textsicherung
1.1 Übersetzung und Segmentierung von Lk 12,13-21
1.2 Kontext
1.3 Textkritik
2. Synchrone Analyse
2.1 Morphologisch-syntaktische Analyse
2.2 Text-semantische Analyse
2.3 Wort-semantische Analyse
2.4 Narrative Analyse
2.5 Pragmatische Analyse
2.6 Textsortenbestimmung
3. Diachrone Analyse
3.1 Literar- und Quellenkritik
3.2 Vergleich mit EvThom 63 und 72
3.3 Traditions- und Motivgeschichte
3.4 Redaktionskritik
3.5 Gattungsbestimmung
4. Ergebnissicherung
4.1 Zusammenhangsexegese
4.2 Hermeneutische Reflexion
Zielsetzung und thematischer Fokus
Die vorliegende Arbeit widmet sich einer detaillierten exegetischen Untersuchung der Perikope Lk 12,13-21. Ziel ist es, durch eine Kombination von synchronen und diachronen Analysemethoden die Bedeutung der im Text zentralen Warnung vor der „pleonexia“ (Habgier) sowie das lukanische Verständnis von Besitz und Reichtum im Lichte der Nachfolge Jesu herauszuarbeiten.
- Exegetische Analyse von Lk 12,13-21
- Untersuchung der lukanischen Besitzethik
- Narrative und pragmatische Auslegung der Parabel vom reichen Kornbauern
- Vergleichende Analyse mit apokryphen Parallelüberlieferungen
- Hermeneutische Reflexion zur Aktualität des Textes
Auszug aus dem Buch
2.1 Morphologisch-syntaktische Analyse
Die Perikope weist eine hohe Kohärenz auf, so sind zunächst die drei Textsegmente eng durch den lk Ausdruck εἶπεν δὲ verknüpft. Ferner dominiert die Wortgruppe mit ökonomischem Gehalt den gesamten Text: κληρονομίαν (V 13), πλεονεξίας (V 15), τινὶ ἐστιν (V 15), τῶν ὑπαρχόντων (V 15), πλουσίου (V 16), ἔχω (V 17), ἀποθήκας (V 18), τὰ ἀγαθά (V 18.19), ἔχεις (V 19), ἀπαιτοῦσιν (V 20), τίνι ἔσται (V 20), θησαυρίζων (V 21) und πλουτῶν (V 20). Sicherlich wird deutlich, dass eine Häufung dieser Wortgruppe im dritten Segment auftritt. Ebenso zeigt sich in diesem Segment, besonders innerhalb der VV 18-19, eine Konzentration von Adjektiven, die eine Größe oder eine Vielzahl ausdrücken: μείζονας (V 18), πάντα (V 18) und zweimal πολλὰ (V 20). Charakteristisch für die V 17-19 ist auch der Innere Monolog, der mit διελογίζετο ἐν ἑαυτῷ und der Frage τί ποιήσω beginnt (V 17), mit καὶ εἶπεν und der zu der Frage in V 17 parallel strukturierten Antwort τοῦτο ποιήσω wiederaufgenommen (V 18) und mit ἐρῶ τῇ ψυχῇ μου (als Synonym für ἐν ἑαυτῷ) weitergeführt wird (V 19).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Textsicherung: Dieses Kapitel etabliert das Fundament der Arbeit durch eine genaue Übersetzung, die Einordnung in den lukanischen Kontext sowie eine erste kritische Auseinandersetzung mit dem vorliegenden Textbefund.
2. Synchrone Analyse: Hier wird der Text strukturell untersucht, wobei morphologische, semantische, narrative und pragmatische Aspekte analysiert werden, um die inhaltliche Kohärenz und die Erzählstruktur freizulegen.
3. Diachrone Analyse: Dieses Kapitel befasst sich mit der Entstehungsgeschichte des Textes, vergleicht ihn mit Parallelen im Thomasevangelium und prüft redaktionskritisch, wie Lukas das überlieferte Material bearbeitet und geformt hat.
4. Ergebnissicherung: Das abschließende Kapitel führt die gewonnenen Erkenntnisse in einer Zusammenhangsexegese zusammen und reflektiert die Bedeutung der Perikope für das heutige Verständnis von Besitz und ökonomischem Handeln.
Schlüsselwörter
Lk 12,13-21, Perikope, pleonexia, Habgier, Besitz, Reichtum, lukanische Theologie, Parabel, Habsucht, Besitzethik, synchrone Analyse, diachrone Analyse, Exegese, Neues Testament, Nächstenliebe.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit bietet eine umfassende wissenschaftliche Exegese der neutestamentlichen Perikope Lk 12,13-21, in der Jesus vor der Habgier warnt und die Parabel vom reichen Kornbauern erzählt.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Im Mittelpunkt stehen die lukanische Besitzethik, die Analyse von Habgier als menschlicher Charakterzug und das korrekte Verhältnis zum Reichtum aus theologischer Sicht.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Ziel ist es, die narrative Struktur und die theologische Intention der Erzählung zu entschlüsseln, um zu verstehen, wie Lukas die Warnung vor dem „Mehrhabenwollen“ in das Leben seiner Leserschaft integriert.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es werden methodisch sowohl synchron-exegesische Verfahren (wie narrative und pragmatische Analyse) als auch diachrone Zugänge (literarkritische und traditionsgeschichtliche Analysen) angewandt.
Welche Inhalte werden im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine detaillierte Textanalyse, die Untersuchung der Entstehungsgeschichte (Quellenkritik) sowie die Analyse der verwendeten Motive und Redaktionstechnik des Lukas.
Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit am stärksten?
Neben der Perikopenstelle „Lk 12,13-21“ prägen Begriffe wie „pleonexia“, „Besitzethik“, „Habsucht“, „Redaktionskritik“ und „Kohärenz“ die Untersuchung.
Warum ist die Unterscheidung zwischen „Habsucht“ und „Habgier“ im Kontext des Textes wichtig?
Der Autor argumentiert, dass diese Unterscheidung hilft, die Innensicht des reichen Mannes (Habsucht als Veranlagung) und die Außensicht des Erbstreits (Habgier als soziales Handeln) präziser zu erfassen.
Welche Bedeutung kommt der Parabel vom reichen Kornbauern zu?
Die Parabel dient als dramatisches Beispiel für das Scheitern des egozentrischen Strebens und führt dem Leser vor Augen, dass der Tod jeglichen rein materiellen Besitz entwertet.
Inwiefern beeinflusst der Vergleich mit dem Thomasevangelium die Exegese?
Der Vergleich verdeutlicht die spezifisch lukanische Bearbeitung der Tradition und unterstreicht, wie Lukas das Motiv des Erbstreits und die Rolle Jesu dramaturgisch akzentuiert.
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- Michael Martin Nachtrab (Author), 2008, Seht zu und hütet euch vor jeglicher pleonexia, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/262990