In dieser Arbeit soll anhand einer Analyse der Auslegung Luthers des ersten Gebots im Großen Katechismus seine Gotteslehre aufgezeigt und kritisch durchleuchtet werden. Dabei beschränke ich mich auf die Untersuchung des Gottesbegriffes, Gottes Wesens und der Gotteserkenntnis. Als besondere Problemfelder treten hier das Verhältnis von Ontologie und Relationsontologie, das Verhältnis von Gottes ewig guten Wesen und seinem Zorn sowie die Vorstellung des Glaubens, der Gott macht, auf.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Textliche und systematische Untersuchung der Auslegung
des ersten Gebots im Großen Katechismus auf Luthers Gotteslehre hin
2.1 Textanalyse
2.1.1 Gliederung
2.1.2 Zusammenfassung
2.2 Systematische Analyse
2.2.1 Exkurs: Grundzüge der Anthropologie Luthers
2.2.2 Gottesbegriff
2.2.3 Gottes Wesen
2.2.4 Gotteserkenntnis
3 Kritische Reflexion
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht Luthers Auslegung des ersten Gebots im Großen Katechismus, um seine spezifische Gotteslehre zu erhellen. Dabei liegt der Fokus auf der theologischen Analyse des Gottesbegriffs, des Wesens Gottes und der Gotteserkenntnis, wobei die relationale Bestimmung von Gott und Mensch im Kontext existenzieller Betroffenheit zentral steht.
- Analyse der Auslegung des ersten Gebots im Großen Katechismus
- Untersuchung des Gottesbegriffs und der Anthropologie bei Luther
- Verhältnis zwischen ontologischen und relationsontologischen Ansätzen
- Kritische Reflexion der Gottesdarstellung im Kontext der existentiellen Betroffenheit
Auszug aus dem Buch
2.2.3 Gottes Wesen
Im Folgenden soll nun das Wesen Gottes, so wie Luther es in der Auslegung des ersten Gebots darlegt, skizziert werden. Hier treten vor allem zwei Attribute Gottes hervor. Dem ersten soll sich zunächst durch die via negationis genähert werden, d.h. indem aufgezeigt wird, was Gott nicht ist bzw. was das Wesen der Abgötter, die Gott ja antithetisch gegenüberstehen, ausmacht. So zeichnet sich der Mammon dadurch aus, dass er wie eine Münze in der Hand gehalten, in Tresoren verwahrt und in Scheunen gehortet werden kann, also materieller Natur ist, während der Mensch Gott eben nicht „mit den Fingern ergreifen und fassen noch in Beutel stecken oder in Kasten schließen kann.“
Ferner lassen sich menschliche Qualitäten wie Macht, Kunstfertigkeit und Intelligenz durch ihr rein ideelles Wesen charakterisieren. Ebenso verhält es sich mit den heidnischen Gottheiten, deren Wesen lediglich auf Fiktivität beruht. Beide, sowohl menschliche Qualitäten als auch die heidnischen Gottheiten, entspringen als solche folglich dem menschlichen Genius bzw. der menschlichen Phantasie. Sie haben ihren Ursprung im Menschen, welcher hingegen aber seinen Ursprung nicht in sich selbst hat. Denn zusammen mit der Erde, den Pflanzen und Tieren beruht sein Wesen vor allem auf seiner Endlichkeit und Kreatürlichkeit, d.h. der Mensch ist nicht Erschaffer, sondern erschaffen.
Daraus folgt also, dass Gott, im Gegensatz zu allem, was als Abgott zu gelten hat, nicht materiell, auch nicht ideell oder gar fiktiv und schon gar nicht endlich und kreatürlich ist. Gerade das letzte Wesensmerkmal führt zu der wichtigen Unterscheidung zwischen seiner Kreatur und kreatürlichen Mächten auf der einen Seite und dem Schöpfer auf der anderen und damit zu der Frage nach der causa prima alles Erschaffenen. Obwohl Luther in seiner Auslegung des ersten Gebots Gott nie explizit als Schöpfer bezeichnet, finden sich dort dennoch zahlreiche Hinweise auf Gottes schöpferisches Wesen. Am deutlichsten tritt dies zu Tage, als er die Metapher „ewiger Quellbrunn“ als Beschreibung für Gottes Wesen ins Feld führt, womit er Gott als causa prima aller Kreaturen charakterisiert. Doch Gottes Schöpfer-Sein erschöpft sich keineswegs darin, „nur“ Ursprung zu sein, sondern erfüllt sich gerade im Handeln als „allbewirkendes Urwesen“.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Diese Einleitung stellt das Ziel der Arbeit vor, Luthers Gotteslehre anhand der Auslegung des ersten Gebots im Großen Katechismus zu analysieren und kritisch zu durchleuchten.
2 Textliche und systematische Untersuchung der Auslegung des ersten Gebots im Großen Katechismus auf Luthers Gotteslehre hin: Dieses zentrale Kapitel analysiert Luthers Text, gliedert dessen Argumentationsstruktur und führt eine systematische Untersuchung zu Anthropologie, Gottesbegriff, Gottes Wesen und Gotteserkenntnis durch.
3 Kritische Reflexion: Der Autor reflektiert die Ergebnisse der Analyse und stellt Luthers Ansatz in einen kritischen Dialog mit anderen theologischen Modellen des 20. Jahrhunderts.
Schlüsselwörter
Martin Luther, Großer Katechismus, erstes Gebot, Gotteslehre, Gottesbegriff, Schöpfer, Abgott, Mammon, relationale Ontologie, Anthropologie, Existenzielle Betroffenheit, via negationis, Gotteserkenntnis, Barmherzigkeit, Zorn Gottes
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit Luthers Auslegung des ersten Gebots im Großen Katechismus und leitet daraus seine spezifische Gotteslehre ab.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themenfelder sind der Gottesbegriff bei Luther, sein Verständnis des Wesens Gottes sowie die Frage der Gotteserkenntnis im Kontext der menschlichen Anthropologie.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, Luthers Verständnis von Gott und dessen Verhältnis zum Menschen aufzuzeigen, insbesondere die Spannung zwischen Gott als Quell allen Guten und der Gefahr der Abgötterei.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird eine textanalytische und systematisch-theologische Untersuchung durchgeführt, die Luthers Auslegung als Ausgangspunkt nimmt und durch systematische Kategorien erschließt.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine detaillierte Textanalyse sowie eine systematische Analyse, die zentrale Aspekte wie Luthers Anthropologie, Gottesbegriff, Wesensattribute und die Erkenntnis Gottes beleuchtet.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind unter anderem Gotteslehre, erstes Gebot, Abgott, relationale Ontologie und existenzielle Betroffenheit.
Wie definiert Luther laut Arbeit den Gottesbegriff?
Luther vermeidet eine rein ontologische Definition und spricht stattdessen relational: „Worauf du dein Herz hängest und vertrauest, das ist eigentlich dein Gott.“
Welche Rolle spielt die „via negationis“ bei der Bestimmung von Gottes Wesen?
Sie dient als methodischer Weg, Gottes Wesen zu bestimmen, indem aufgezeigt wird, was Gott explizit nicht ist – nämlich materiell, ideell, fiktiv oder endlich wie ein Abgott.
- Arbeit zitieren
- Michael Martin Nachtrab (Autor:in), 2010, Von Gott in existentieller Betroffenheit sprechen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/262992