Meine Facharbeit beleuchtet ein Thema, das bis jetzt nur sehr wenig Interesse in der Öffentlichkeit fand: die Integration der schlesischen Heimatvertriebenen im Landkreis Main-Spessart. Zwar gerieten durch Günter Grass Buch „Im Krebsgang“ in den letzten Jahren sehr oft die Leidengeschichten der Flüchtlinge aus den ehemaligen Reichsgebieten östlich der Oder-Neiße-Linie ins öffentliche Gespräch und auch die Diskussion über die Entschädigungen der Heimatvertriebenen durch die polnische Regierung wurde durch diverse Gesellschaften vorangetrieben – in jüngster Zeit durch die Preußische Treuhand - doch über die Schicksale dieser Personen, die im Nachkriegsdeutschland massiv unter Vorurteilen, Hunger und einem Gefühl, im eigenen Land nicht erwünscht zu sein, litten, erfährt man nur sehr wenig bis rein gar nichts. Als im Jahr 1969 das Vertriebenministerium der Bundesregierung schließt, gilt die Integration der Flüchtlinge und Vertriebenen als erfolgreich abgeschlossen. Doch kann man wirklich davon ausgehen, dass die Regierung die Integration erfolgreich vorantrieb und beendete? Oder entspricht vielmehr die Behauptung, die Flüchtlinge hätten sich selbst ohne Hilfe von außen integriert, der Wahrheit? Brachte das Wirtschaftswunder der 50er Jahre den entscheidenden Faktor zur Integration oder waren es – wie Hans Georg Lehmann in seinem Buch „Der Oder-Neiße-Konflikt“ behauptet – die Flüchtlinge und Vertriebenen, denen Deutschland das Wirtschaftswunder zu verdanken hat? Unter dem Titel „Nicht auf den Koffern sitzen geblieben ... – eine exemplarische Untersuchung der Integration der schlesischen Flüchtlinge und Heimatvertriebenen im Main Spessart“ versuche ich mögliche Antworten auf diese Fragen zu geben.
Inhaltsverzeichnis
- Vorwort
- Der historische Hintergrund
- Die Problematik der deutschen Minderheiten vor dem Zweiten Weltkrieg
- Die Flucht und Vertreibung der Schlesier
- Aufnahmegebiete und -orte
- Zeitzeugen berichten über die Integration im Landkreis Main-Spessart
- Wally Henning
- Heinz Häring
- Irmgard Grimm
- Vergleich der Einzelschicksale untereinander und mit der allgemeinen Lage der Flüchtlinge und Vertriebenen in Bayern
- Integration von staatlicher Seite
- Integration seitens der Bevölkerung
- Integration von den Schlesiern ausgehend
- Resümee
- Nachwort
- Dokumente
- Quellen- und Literaturverzeichnis
Zielsetzung und Themenschwerpunkte
Diese Facharbeit befasst sich mit der Integration der schlesischen Flüchtlinge und Heimatvertriebenen im Landkreis Main-Spessart. Sie analysiert den historischen Hintergrund der Vertreibung, präsentiert Zeitzeugenberichte und vergleicht die Einzelschicksale mit der allgemeinen Lage der Flüchtlinge und Vertriebenen in Bayern.
- Der historische Kontext der deutschen Minderheiten in Europa vor dem Zweiten Weltkrieg
- Die Flucht und Vertreibung der Schlesier nach 1945
- Die Integration der Schlesier im Landkreis Main-Spessart anhand von Zeitzeugenberichten
- Die Rolle des Staates, der Bevölkerung und der Schlesier selbst bei der Integration
- Ein Vergleich der Integrationserfahrungen mit der allgemeinen Situation in Bayern
Zusammenfassung der Kapitel
Das erste Kapitel behandelt den historischen Hintergrund der Vertreibung der Schlesier. Es analysiert die Problematik der deutschen Minderheiten in Europa seit den Pariser Vorortverträgen von 1919 und beleuchtet die Rolle der Nationalsozialisten bei der Eskalation der Situation. Das zweite Kapitel präsentiert drei Zeitzeugenberichte, die Einblicke in die Integration der Schlesier im Landkreis Main-Spessart geben. Das dritte Kapitel vergleicht die Einzelschicksale der Zeitzeugen miteinander und mit der allgemeinen Lage der Flüchtlinge und Vertriebenen in Bayern. Es analysiert die Integration von staatlicher Seite, seitens der Bevölkerung und aus der Perspektive der Schlesier selbst.
Schlüsselwörter
Schlesische Flüchtlinge, Heimatvertriebene, Integration, Landkreis Main-Spessart, Zeitzeugenberichte, Zweiter Weltkrieg, deutsche Minderheiten, Vertreibung, Aufnahmegebiete, Bayern, staatliche Integration, Integration durch die Bevölkerung, Selbstintegration.
Häufig gestellte Fragen
Wie verlief die Integration schlesischer Vertriebener im Main-Spessart-Kreis?
Die Integration war ein schwieriger Prozess, geprägt von Vorurteilen der einheimischen Bevölkerung, Hunger und dem Gefühl, im eigenen Land unerwünscht zu sein, obwohl sie offiziell 1969 als abgeschlossen galt.
Welche Rolle spielten Zeitzeugen für die Untersuchung?
Zeitzeugen wie Wally Henning, Heinz Häring und Irmgard Grimm geben durch ihre Berichte persönliche Einblicke in die individuellen Schicksale und die praktischen Herausforderungen der Eingliederung nach 1945.
War das Wirtschaftswunder entscheidend für die Integration?
Die Arbeit diskutiert, ob das Wirtschaftswunder der 50er Jahre die Integration ermöglichte oder ob umgekehrt die Vertriebenen durch ihre Arbeitskraft maßgeblich zum Wirtschaftswunder beigetragen haben.
Wie unterschied sich die staatliche von der privaten Integration?
Während der Staat die Integration durch Gesetze und das Vertriebenenministerium vorantrieb, fand die tatsächliche soziale Integration oft durch Eigeninitiative der Vertriebenen und trotz anfänglicher Widerstände der lokalen Bevölkerung statt.
Was war der historische Hintergrund der Vertreibung aus Schlesien?
Der Hintergrund liegt in der Problematik der deutschen Minderheiten nach dem Ersten Weltkrieg und der anschließenden Flucht und Vertreibung am Ende des Zweiten Weltkriegs aus den Gebieten östlich der Oder-Neiße-Linie.
- Citar trabajo
- Michael Martin Nachtrab (Autor), 2005, Eine exemplarische Untersuchung der Integration der schlesischen Flüchtlinge und Heimatvertriebenen im Landkreis Main-Spessart, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/262993