Der Innovationsprozess in der Automobilindustrie am Beispiel aktueller Entwicklung


Seminararbeit, 2013

23 Seiten, Note: 1,7


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung.

2. Der Innovationsprozess und Innovationsarten in der Automobilindustrie
2.1 Grundlagen und Definition des Innovationsprozess
2.2 Innovationsarten in Bezug auf die Automobilindustrie
2.3 Innovationsfelder der Produktinnovation

3. Identifikation aktueller Entwicklungstrends der Automobilindustrie
3.1 Identifikation aktueller Megatrends
3.2 Probleme derzeitiger Antriebssysteme

4. Lösungsmöglichkeiten zur Sicherung der individuellen Mobilität
4.1 Hybridisierung
4.2 Elektrifizierung
4.3 Die Brennstoffzelle

5. Fazit

A Abkürzungsverzeichnis

B Abbildungsverzeichnis

C Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Die Erfindung des Automobils durch Karl Benz im Jahr 1886 war ein Meilenstein der unser Leben veränderte. Heutzutage ist das Auto fest in den Kernstrukturen unserer Gesellschaft verankert und weitreichend in unserem alltäglichen Leben vernetzt. Es ist ein Allzweckgerät das die verschiedensten Bereiche des Lebens miteinander verbindet und über seine grundlegende Funktion des Transports, nicht selten als Prestigeobjekt genutzt wird. Das Automobil ist aus Gesellschaftlicher Sicht nicht mehr weg zu denken und ebenso ist es eine der tragenden Säulen der Wirtschaft in den Industrieländern.[1] Europa, Japan und die USA dominieren die Entwicklung und das Geschehen auf dem Automobilmarkt von Personenkraftfahrzeugen weltweit. Deutschland ist dabei der drittgrößte Produzent von Kraftfahrzeugen und nimmt damit eine hervorgehobene Stellung ein.[2] Im Jahr 2005 lag der Wertschöpfungsanteil der Automobilindustrie gemessen an der gesamten Wertschöpfung Deutschlands bei 19 Prozent und der Anteil der direkt in der Automobilindustrie Beschäftigten bei 13,2 Prozent. Betrachtet man die vor- und nachgelagerten Sektoren steigt die Zahl der Beschäftigten nochmals, denn das Automobil benötigt eine intakte Infrastruktur wie zum Beispiel Straßen, Tankstellen, Mineralöl-Tanklager und Entschwefelungsanlagen für den Kraftstoff. Darüber hinaus entfalten die Versicherungs- und Rechtschutzdienstleistungen der Automobilindustrie positive Beschäftigungseffekte und tragen ihren Teil zur gesamten Wertschöpfung bei.[3] Die Branche zeichnet sich durch intensiven Wettbewerb der Akteure aus, wobei sich in einem Punkt alle einig sind, Stagnation bedeutet in der Automobilindustrie Rückschritt. Innovationen zählen zu den wichtigsten Erfolgsfaktoren in der Branche und damit sind hohe Ausgaben in Forschung und Entwicklung unabdingbar. Die Vergangenheit hat gezeigt, dass Innovationen für Unternehmen von großer Bedeutung sind, wenn sie eine starke Marktposition aufrechterhalten wollen oder ihren Marktanteil gar ausbauen. Letztendlich sind sie das einzige Mittel um im globalen Wettbewerb dieser Branche zu bestehen.[4] Daher ist das Ziel dieser Arbeit die Identifikation und Bewertung zukünftiger Entwicklungstrends in der Automobilindustrie, um der Frage nach zu gehen ob die individuelle Mobilität auch in Zukunft gesichert werden kann.

2. Der Innovationsprozess und Innovationsarten in der Automobilindustrie

2.1 Grundlagen und Definition des Innovationsprozess

Joseph Alois Schumpeter erkannte schon früh die bedeutende Rolle von Innovationen für unsere Wirtschaft. In seinem 1912 veröffentlichten Werk „Die Theorie der wirtschaftlichen Entwicklung“ sprach er erstmals von der Durchsetzung neuer Kombinationen. Schumpeter unterscheidet fünf Arten von neuen Kombinationen, die er in einem späteren Werk selbst als Innovationen bezeichnet. Die Produktinnovation ist dabei die Herstellung eines neuen Gutes oder einer neuen Qualität eines Gutes, die Prozessinnovation als die Einführung einer neuen Produktionsmethode, die Erschließung eines neuen Absatzmarktes, die Eroberung einer neuen Rohstoffquelle und die Durchführung neuer Organisationsformen.[5]

Um einen Innovationsprozess zu verstehen, müssen vorab seine Bestandteile erläutert werden. Schumpeter war einer der ersten, die eine klare Unterteilung zwischen der Innovation und der Invention vorgenommen haben. Die Invention ist eine nötige Vorstufe der darauf folgenden Innovation. Die Invention ist das Ergebnis von Kreativität und Ideenfindung und damit die erstmalige Realisierung einer neuen Problemlösung. Sie kann geplant auftreten, als Lösung eines zuvor definierten Projektziels oder ungeplant als Zufallsprodukt.[6] Die Innovation bezeichnet hingegen die erste kommerzielle Nutzung einer erfolgsversprechenden Invention und ist auf eine wirtschaftliche Verwendung ausgerichtet. Schumpeter bezeichnet die Innovation als „schöpferische Zerstörung“, da durch die Einführung neuer Produkte oder Prozesse immer alte Paradigmen ersetzt oder abgelöst werden. Wird von einem Unternehmen eine bereits existierende Problemlösung nachgeahmt oder ein ähnliches Produkt am Markt platziert, welches zuvor von einem anderen Unternehmen bereits in diesen eingeführt wurde, so spricht man von einer Imitation. In Abbildung 1 wird der gesamte Innovationsprozess dargestellt. Ein Projektziel wird definiert und durch Ideengewinnung sowie Forschung und Entwicklung kommt es zu geplanten und nicht geplanten Inventionen. Erweist sich eine als erfolgsversprechend, erfolgt durch die Fertigung und das Marketing ein für kommerzielle Zwecke vorgesehenes Produkt. Innovation im weiteren Sinne umfasst dabei alle Bereiche die zu dem Ergebnis beitragen, es wird somit der gesamte Innovationsprozess betrachtet. Innovation im engeren Sinne schränkt den Blick auf das Innovationsereignis ein.[7]

Abbildung 1: Der Innovationsprozess

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: Eigene Darstellung, in Anlehnung an Brockhoff (1999), S.36.

Im weiteren Verlauf der Arbeit wird der Blick vor allem auf den Innovationsprozess im weiteren Sinne gelegt, da zukünftige Trajektorien in der Automobilindustrie sich noch im Entwicklungsstadium befinden und die Markteinführung einiger vielversprechender Technologien noch ungewiss ist.

2.2 Innovationsarten in Bezug auf die Automobilindustrie

Eine Stärke der europäischen und im Besonderen des deutschen Automobilindustrie lag in den letzten Jahrzehnten vor allem darin, durch eine Vielzahl neuer Modelle und enormen Innovationsanstrengungen sich einen Vorteil im globalen Wettbewerb zu verschaffen. Im Jahr 2002 entfielen über 33 Prozent aller Innovationsaufwendungen des verarbeitenden Gewerbes in Deutschland auf die Automobilindustrie.[8] In den Jahren 2007 und 2008 stiegen diese Aufwendungen auf 34,8 und 37,1 Prozent. Darüber hinaus entfielen im Jahr 2004 fast 80 Prozent der Forschungs- und Entwicklungsausgaben der Automobilindustrie weltweit auf die USA, Deutschland und Japan.[9] Da Unternehmen nur in Forschung und Entwicklung investieren wenn sie mit ökonomischen Rückflüssen rechnen können, stellt sich nun die Frage, welche Innovationskraft aus diesen Aufwendungen resultiert. Geschätzte 40 Prozent der Investitionen aus F&E fließen in Inventionen die nicht Serienreif werden, von den restlichen 60 Prozent fließen 20 Prozent in Innovationen die gesetzliche Vorgaben erfüllen und weitere 20 Prozent in die notwendige Serienentwicklung. Somit fließen lediglich 20 Prozent der Investitionen in Innovationen die profitabel sind und es dem Unternehmen ermöglicht sich vom Wettbewerb abzuheben.[10] In welche Art der Innovation investiert wird, hängt von zuvor definierten Projektzielen ab. Im Rückgriff auf die Einteilung nach Schumpeter bestehen mehrere Möglichkeiten, welche am Beispiel der Automobilindustrie verdeutlicht werden. Die Prozessinnovation, die aus der Einführung einer neuen Produktionsmethode resultiert wie dem Fließband, dem Laserschweißen, der Flexibilisierung der Produktionsanlage oder auch dem Absatz durch Leasing als Ergänzung zum Direktverkauf. Organisatorische Innovationen, wie neue Logistikkonzepte oder die Optimierung zwischen innerbetrieblichen Schnittstellen wie der F&E Abteilung und des Marketing. Die Eroberung einer neuen Bezugsquelle richtet sich auf Rohstoffe oder Halbfabrikate wie Ölquellen oder neue Zulieferer, um der Abhängigkeit von Preisdiktaten zu entgehen. Die Erschließung neuer Absatzmärkte im Ausland und damit neuen Käuferschichten und soziale Innovationen wie die Errichtung von Netzwerken zur Problemlösung und Förderung der Kommunikation innerhalb des Unternehmens. Die Produktinnovation steht jedoch seit vielen Jahren im Vordergrund und überlagert die anderen Innovationsarten, obwohl diese in fast allen Fällen mit der Produktinnovation im Zusammenhang stehen. Im nachfolgenden Kapitel wird nun die Produktinnovation im Detail betrachtet, um über zukünftige Entwicklungspfade vor allem auf Produktebene einen Überblick zu geben.[11]

2.3 Innovationsfelder der Produktinnovation

Analysen der derzeitigen Innovationstätigkeit der Automobilbranche legen nahe, dass nur etwas mehr als die Hälfte der derzeitigen Innovationsprojekte in der Automobilindustrie eine hohe Erfolgschance haben.[12] Nur rund 10 Prozent dieser Projekte besitzen den Charakter einer radikalen Innovation, deren Markteinführung die Dynamik der Branche verändern könnte. Diese zeichnen sich durch eine hohe Kundenakzeptanz aus und kommen nicht in Konflikt mit gesetzlichen Regelungen. Je höher jedoch der Innovationsgrad, umso größer ist die Gefahr, dass sich die Innovation nicht durchsetzen kann. Dies ist vor allem in einem frühen Stadium der technologischen Entwicklung der Fall. Ein Beispiel hierfür ist die Brennstoffzelle, die eine Emissionsfreie Zukunft garantieren könnte. Die noch fragwürdige Alltagstauglichkeit aufgrund der Abhängigkeit von der Verbreitung des Kraftstoffs und die schwer zu kalkulierende Lebensdauer machen eine weite Diffusion derzeit jedoch nicht möglich.[13] Seit dem Jahr 2000 stehen beinahe alle Produktinnovationen im Zusammenhang mit der Mikrosystemtechnik und der Elektrifizierung des Fahrzeugs.[14] Da zunehmend Funktionen im Fahrzeug elektronisch gesteuert werden, ist ein eindeutiger Trend von Einzel- hin zu Systeminnovationen zu beobachten, da hierdurch neue Standards geschaffen und Kosten optimiert werden. Dabei werden bereits existierende Module um neue Funktionen ergänzt. Ein Beispiel ist das PRE-SAFE-System von Mercedes Benz, dieses verbindet Crash-Sensoren und ESP mit dem Sicherheitsgurt, der elektronischen Sitzverstellung und dem Schiebedach.[15] Die Planung von Innovationsprojekten der europäischen Automobilindustrie kann in vier Felder unterteilt werden. Die Ausstattung des Fahrzeugs, der Antrieb, das Fahrwerk und die Karosserie.[16] Betrachtet man den Bereich der Ausstattung spielt die externe Vernetzung des Fahrzeugs eine zentrale Rolle. Die Möglichkeit der Nutzung von sozialen Netzwerken im Auto bestimmt derzeit die Entwicklungsrichtung. Kunden wünschen sich zunehmend, Informationen über neuste Ereignisse aus diesen Netzwerken auch hinter dem Steuer abrufen zu können. Um eine sichere Fahrt zu garantieren, müssen daher Inhalte speziell aufbereitet und in die Fahrzeugbedienung integriert werden.[17]

Mercedes Benz hat mit der Einführung der neuen S-Klasse in diesem Jahr eine Innovation im Bereich des Fahrwerks auf den Markt gebracht. Hinter dem Namen Magic-Body-Control verbirgt sich ein System das jegliche Unebenheiten der Straße ausgleichen und somit den Fahrkomfort deutlich steigern soll. Eine hinter dem Innenspiegel montierte Kamera beobachtet die Straße vor dem Fahrzeug, erscheint eine Unebenheit wird diese Information an das Fahrwerk weitergeleitet, welches jedes Rad einzeln ansteuert, wodurch ein schwanken der Karosserie vermieden wird.[18] Des Weiteren werde Funktionen wie die Bremsen oder auch die Lenkung in Zukunft rein elektronisch gesteuert. In der Forschungs- und Entwicklungsrealität lassen sich die Innovationsformen wie zuvor vorgenommen nur schwer Trennen, da Innovationen meist sehr komplex sind und sich über verschiedene Bereiche erstrecken. Ein Beispiel hierfür sind Systeme die die Sicherheit des Fahrzeugs betreffen. Fahrassistenzsysteme stehen unter anderem in Verbindung mit Bremsen, Fahrwerk und Lenkung, so dass eine Innovation in diesem Bereich abhängig ist von der Entwicklung der Querschnittsbereiche.[19]

[...]


[1] Vgl. Popp, Schüll (2009), S. 328.

[2] Vgl. Haffke (2010), S. 4.

[3] Vgl. Popp, Schüll (2009), S. 329.

[4] Vgl. Oliver Wyman (2007), S. 4.

[5] Naderer (1990), S.79.

[6] Strebel (2007), S.20.

[7] Vgl. Strebel (2007), S.21f.

[8] Vgl. Popp, Schüll (2009), S. 328.

[9] Vgl. Meißner (2009), S. 1.

[10] Vgl. Oliver Wyman (2007), S. 11.

[11] Vgl. Meißner (2009), S. 3.

[12] Vgl. Oliver Wyman (2007), S. 12.

[13] Vgl. Ebenda, S.11

[14] Vgl. Meißner (2009), S. 3.

[15] Vgl. Oliver Wyman (2007), S. 12.

[16] Vgl. Meißner (2009), S. 4.

[17] Vgl. Grünweg (2011)

[18] Vgl. Handelsblatt (2013)

[19] Vgl. Meißner (2009), S. 5.

Ende der Leseprobe aus 23 Seiten

Details

Titel
Der Innovationsprozess in der Automobilindustrie am Beispiel aktueller Entwicklung
Hochschule
Universität Hohenheim  (Lehrstuhl für Innovationsökonomik)
Note
1,7
Autor
Jahr
2013
Seiten
23
Katalognummer
V263004
ISBN (eBook)
9783656518532
ISBN (Buch)
9783656517771
Dateigröße
836 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
innovationsprozess, automobilindustrie, beispiel, entwicklung
Arbeit zitieren
Tim Hampel (Autor), 2013, Der Innovationsprozess in der Automobilindustrie am Beispiel aktueller Entwicklung, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/263004

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