Geschmack, Distinktion und Konsum


Hausarbeit, 2013
18 Seiten, Note: 1,7
Laura Schiemann (Autor)

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

I. Einleitung

II. Hauptteil
2.1 Definitorische Grundlagen
2.2 Theoretische Grundlagen
2.2.1 Habitus
2.2.2 Feld
2.2.3 Kapital
2.2.4 Sozialer Raum, Klassen und Geschmack
2.3 Distinktion durch Konsum

III. Schlussteil

IV. Literaturverzeichnis

I. Einleitung

Über Geschmack lässt sich bekanntlich streiten. Doch wie kommt es, dass diese Geschmäcker so variieren? Ist jeder lediglich verschieden oder lassen sich strukturelle Unterschiede und Gründe erkennen? In seinem wohl bekanntesten Werk „Die feinen Unterschiede“ untersucht Bourdieu das Verhältnis von Ungleichheit, Kultur und Herrschaft. Seine Theorie basiert auf empirischen Analysen der französischen Gesellschaft der 60er Jahre. Dennoch geht Bourdieu von einer Übertragbarkeit seines Konzeptes auf alle (Klassen-) Gesellschaften aus, wie im Vorwort der deutschen Ausgabe erläutert ist. So wird die Theorie von Bourdieu auch in dieser Hausarbeit die tragende Säule des theoretischen Konzeptes darstellen.

Mehr als je zuvor prägen Statusobjekte und demonstrativer Konsum unser tägliches Leben. Dies ist nicht zuletzt der medialen Präsenz und geschickten Vermarktungstechniken zu verdanken. Ob es sich dabei um ein bestimmtes Smartphone, ein hochpreisiges Auto oder um exklusive Markenmode handelt - das kann jeweils unterschiedlich zutreffen. Ziel dieses Konsums kann unter anderem der Wunsch nach Inklusion oder auch Exklusion sein.

Das Forschungsinteresse am Phänomen des Konsums und deren Entwicklung ist in den vergangenen Jahren deutlich angestiegen, wie die Zunahme der Literatur und Untersuchungen in diesen Bereichen zeigen. Dieses Interessenwachstum entsteht unter anderem durch die Interdisziplinarität dieses Forschungsbereiches. Das individuelle Konsumverhalten wird von verschiedensten kulturellen, sozialen und wirtschaftlichen Faktoren beeinflusst. Auch für die Soziologie ist der Konsum ein bedeutsames Phänomen, beispielsweise für die Kommunikation unter den Personen (vgl. Hellmann 2011, S. 212). So wird in vielen Situationen über die Symbolik bestimmter Konsumgüter ein sogenannter Distinktionseffekt erzielt, d.h., man erfüllt damit das Bedürfnis sich von anderen abzugrenzen. Somit stellt der Konsum einen Mechanismus sozialer Ungleichheit dar. Das Konzept des Soziologen Pierre Bourdieu schreibt dem Konsum exemplarisch eine klassenbildende Wirkung zu.

Die leitenden Fragestellungen dieser Hausarbeit sind: Welche Zusammenhänge existieren zwischen dem Konzept des Geschmacks bzw. der Distinktion nach Bourdieu und dem Konsumverhalten?

Im ersten Kapitel werden zunächst die definitorischen Grundlagen gelegt, bevor im zweiten Kapitel dann die theoretischen Fundamente des Habitus, des Kapitals, des Feldes, des sozialen Raumes und nicht zuletzt der sozialen Distinktion dargelegt werden. Im dritten Kapitel folgen zunächst eine Eingrenzung des Begriffes Konsum sowie die Erläuterungen zu Distinktion durch Konsum, sowohl allgemein als auch am Beispiel von (Marken-) Kleidung. Im letzten Teil werden Schlussfolgerungen gezogen, Kritikpunkte angemerkt sowie ein Ausblick auf folgende mögliche Arbeiten gegeben.

II. Hauptteil

2.1 Definitorische Grundlagen

In den folgenden Abschnitten werden zunächst Definitionen relevanter Schlüsselbegriffe für diese Arbeit angeführt, um ein Basisverständnis für ebenjene in folgenden Kapiteln voraussetzen zu können. Die theoretischen Grundlagen und Zusammenhänge werden in den entsprechenden Kapiteln ausführlicher erläutert.

Bourdieu definiert den Habitus folgendermaßen:

„Die Konditionierungen, die mit einer bestimmten Klasse von Existenzbedingungen verknüpft sind, erzeugen die Habitusformen als Systeme dauerhafter und übertragbarer Dispositionen, als strukturierte Strukturen, die wie geschaffen sind, als strukturierende Strukturen zu fungieren, d.h. als Erzeugungs- und Ordnungsgrundlagen für Praktiken und Vorstellungen, die objektiv an ihr Ziel angepaßt sein können [...]“ (Bourdieu 1999, S. 99).

Vereinfacht ausgedrückt ist der Habitus eine generelle Grundhaltung gegenüber allem, gemeint sind kollektive Wahrnehmungs-, Denk- und Handlungsschemata der Individuen, die ihnen nur zu kleinen Teilen - wenn überhaupt - bewusst sind (vgl. Burzan 2011, S. 130).

Das Kapital sind "Bei P. Bourdieu diejenigen Ressourcen, welche ungleiche Lebenschancen zuweisen und die innerhalb der [...] Felder [...] als "Trümpfe" benutzt werden können [...]." (Fuchs-Heinritz 2010, S. 331). Bourdieus Begriff des sozialen Feldes wiederum meint ein Netz von objektiven Relationen zwischen Positionen, welche sich aus der Verteilung oder Entwicklung der in diesem Feld relevanten Formen von Macht bzw. Kapital ergeben (vgl. ebd., S. 202). Das Feld ist gekennzeichnet durch die verschiedenen Kapitalsorten, spezifischen Spielregeln und Denkweisen. Um diese Verteilung herrscht im sozialen Feld ein ständiger Kampf.

Bourdieu geht von einem Klassenkonzept aus. Eine Klasse wird in seinen Theorien als eine Großgruppe verstanden, die mittels der Struktur der Beziehungen zwischen verschiedenen Merkmalen (wie z. B. Alter, Beruf, Geschlecht), die wiederum ihre Stellung in der Sozialstruktur bestimmen, bestimmt ist (vgl. Fuchs-Heinritz 2010, S. 340).

Es gibt verschiedenste Definitionen des Begriffes Konsum, daher wird sich in dieser Arbeit auf eine weiter gefasste Definition bezogen, in der alle Verhaltensweisen, welche auf die Erlangung sowie auf die private Nutzung ökonomischer Güter und Dienstleistungen gerichtet sind, einbezogen sind (vgl. Wiswede 2000, S. 24). Eine genauere Eingrenzung erfolgt in einem gesonderten Kapitel.

2.2 Theoretische Grundlagen

Im Folgenden werden zunächst die theoretischen Grundlagen von Pierre Bourdieus Theoriekonzepten konstruiert, welche zum tieferen Verständnis der Zusammenhänge unabdingbar sind.

2.2.1 Habitus

Der Begriff „Habitus“ ist nicht neu. Er findet sich bereits in der Philosophie und der Soziologie schon früh unter anderem bei Emil Durkheim, Max Weber und Norbert Elias wieder. Jedoch war es Pierre Bourdieu, der diesem Terminus die systematische Bedeutung im Rahmen der Theorie der sozialen Welt gab. Damit wendete Bourdieu sich von der Vorstellung eines sozialen Handelns als Resultat bewusster Entscheidungen ab (vgl. Krais/ Gebauer 2002, S. 5). Der Habitus ist bei ihm zu verstehen als „System dauerhafter und übertragbarer Dispositionen“ (Bourdieu 1987).

Grundlagen des Habitus hängen von der jeweiligen sozialen Herkunft ab und bestimmen den individuellen Lebenslauf. Demzufolge kann die Sozialisation als Habitualisierung verstanden werden. Der Habitus wird entweder in der Praxis (durch die Nachahmung von konkreten Handlungen) oder im pädagogischen Apparat des Bildungssystems einer Gesellschaft umgesetzt. Er wird durch die Ausübung bestimmter Handlungs-, Denk- und Wahrnehmungsweisen in einem bestimmten sozialen Umfeld unbewusst eingeübt und verinnerlicht (inkorporiert) (vgl. Bosch 2010, S. 51).

Zusätzlich ist der Habitus sozial-strukturell bedingt, z. B. durch die Stellung oder soziale Klasse, die das Individuum innerhalb dieser Struktur inne hat. So wird der Habitus auch durch die äußeren gesellschaftlichen materiellen und immateriellen Bedingungen geformt. Diese jedoch sind in den modernen Gesellschaften ungleich - klassenspezifisch - verteilt (vgl. Schwingel 2009, S. 60). Der strukturelle Rahmen (Sozialstruktur) ist dennoch nicht determinierend für den Habitus, obgleich er bestimmte Stilformen und Ausprägungen wahrscheinlicher und naheliegender macht als andere. Ein stilistisches Handeln entgegen der eigenen sozialen Herkunft ist nicht unmöglich, jedoch kostet dieser Aufstieg die Individuen mehr Anstrengung und Selbstaufklärung. Beispielsweise ist das Erlernen der im neuen Schichtgefüge gängigen Kulturformen notwendig (vgl. Bosch 2010, S. 51 f.).

So ist es denkbar, dass auch die individuellen Konsumpräferenzen in engem Zusammenhang mit dem Habitus stehen. Die Eigenschaften bzw. Objektivationen des Eigentums, mit denen sich die verschiedenen Akteure umgeben, z. B. Häuser, Autos, Kleidung, aber auch die Praktiken, mit denen ebenjene ihre Verschiedenheit zur Schau stellen, beispielsweise in sportlichen oder kulturellen Aktivitäten, sind in ihrer Systematik auf den Habitus zurückzuführen, welcher das Erzeugungsprinzip der Praxisformen darstellt (vgl. Bourdieu 1982, S. 283). Denn jeder Aspekt des Habitus steht in einem sinnhaften Zusammenhang mit den anderen Verhaltensformen einer Schicht (vgl. Bosch 2010, S. 53).

[...]

Ende der Leseprobe aus 18 Seiten

Details

Titel
Geschmack, Distinktion und Konsum
Hochschule
Universität Rostock
Veranstaltung
Seminar: Pierre Bourdieu
Note
1,7
Autor
Jahr
2013
Seiten
18
Katalognummer
V263100
ISBN (eBook)
9783656518273
ISBN (Buch)
9783656517788
Dateigröße
733 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Pierre Bourdieu, Konsum, Geschmack, Distinktion
Arbeit zitieren
Laura Schiemann (Autor), 2013, Geschmack, Distinktion und Konsum, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/263100

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