„Das Geld zieht nur den Eigennutz an und verführt stets unwiderstehlich zum Missbrauch“
[Albert Einstein]
Dieses Zitat von Albert Einstein, worin er das Streben nach Geld als Ursache des Missbrauchs bezeichnet, stammt aus dem Jahr 1953. Im Zuge der internationalen Finanzkrise und der daraus resultierenden Ursachenforschung wurde die Gier nach hohen Bonuszahlungen einiger Manager als ein Grund der Finanzkrise herausgestellt. Doch genau diese Maximierung des Eigennutzens beschreibt ein Grundprinzip der Ökonomie: das des homo oeconomicus. Allerdings hat die Vergangenheit gezeigt, dass dieser Eigennutz zur Ausblendung hoher Risiken geführt hat. Insbesondere in Krisenzeiten, wie der internationalen Finanzkrise, wird diese Vorgehensweise von Gesellschaft und Politik fokussiert und kritisiert.
Die Presse sprach während und nach der Finanzkrise von „Bankern ohne Gewissen“ mit einer „grenzenlosen Gier“, welche das eigene Wohl über das Wohl der Gesellschaft stellen. In Folge dieser negativen Berichterstattung wuchs die Wut und das Unverständnis über die Vergütungspraxis und die daraus resultierenden exzessiven Bonuszahlungen. Vor allem in den USA wurde diese Diskussion sehr heftig geführt, weil hier fast täglich über neue Millionen-Boni berichtet wurde.
Das Ziel dieser Arbeit ist liegt nicht darin, zu beurteilen, ob die Höhe der Vergütung für Manager gerecht oder ungerecht ist. Vielmehr soll der Frage nachgegangen werden, welche Anforderungen Anreizsysteme erfüllen müssen, damit sie nachhaltig wirken.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
1.1 Problemstellung
1.2 Aufbau der Arbeit
2. Konzeptionelle Grundlagen
2.1 Anreiz und Anreizsystem
2.2 Prinzipal-Agenten-Theorie
2.3 Motivationstheoretische Fundierung von Anreizsystemen
3. Die Finanzkrise und ihre Auswirkung auf die Gestaltung von Anreizsystemen
3.1 Die internationale Finanzkrise 2007 bis 2009
3.2 Forderungen zur Ausgestaltung von Anreizsystemen
3.2.1 Institute of International Finance
3.2.2 Kommission der Europäischen Gemeinschaften
3.2.3 G-20 Gipfel
3.3 Zentrale Anforderungen nachhaltig gestalteter Anreizsysteme
4. Gestaltung wertorientierter Anreizsysteme
4.1 Adressatenkreis
4.2 Bemessungsgrundlage
4.3 Auszahlungsmodus
4.4 Art der Incentivierung
4.5 Belohnungsfunktion
4.6 Kurzfazit
5. Vorstandsvergütung in Deutschland und den USA
5.1 Vorstandsvergütung in Deutschland
5.1.1 Das Gesetz zur Angemessenheit der Vorstandsvergütung
5.1.2 Entwicklung der Vergütungsstruktur
5.1.3 Eingeleitete Maßnahmen zur Umsetzung des VorstAG
5.2 Vorstandsvergütung in den USA
5.2.1 Der Dodd-Frank Act in den USA
5.2.2 Vergütungsstruktur in den USA
5.2.3 Say-on-Pay
5.3 Vergleich der Vergütung in den USA und Deutschland
6. Bonus-Malus-System
6.1 Bonus-Malus-Systeme in Deutschland
6.2 Wirkungsweise klassischer Bonussysteme
6.3 Die Bonusbank als Sonderform eines Bonus-Malus-System
6.3.1 Prinzip einer Bonusbank
6.3.2 Wirkung der Bonusbank
6.3.3 Bewertung der Bonusbank als nachhaltiges Anreizsystem
7. Clawbacks
7.1 Begriffsbestimmung
7.2 Anforderungen an Clawbacks
7.3 Umsetzung in der Praxis
7.3.1 Verbreitung von Clawbacks in den Fortune 100
7.3.2 Auslöser von Clawbacks
7.3.3 Betroffene Vergütungsbestandteile
7.3.4 Zusammenfassung
8. Wirkungsweise von Clawbacks
8.1 Wirkung von Clawbacks aus verhaltenswissenschaftlicher Sicht
8.2 Auswirkung von Clawback Vereinbarungen
8.3 Negative Wirkungen von Clawbacks
8.4 Bewertung von Clawbacks als nachhaltiges Anreizsystem
9. Diskussion der Ergebnisse
10. Fazit und Ausblick
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit analysiert, wie Anreizsysteme für Vorstände gestaltet sein müssen, um nachhaltiges Wirtschaften in Unternehmen zu fördern und exzessive, risikoorientierte Vergütungsstrukturen zu vermeiden, welche zur internationalen Finanzkrise beigetragen haben.
- Analyse der Wirkung von Anreizsystemen basierend auf der Prinzipal-Agenten-Theorie.
- Untersuchung von Bonusbanken als Instrument zur langfristigen Ausrichtung der Vergütung.
- Bewertung von Clawback-Klauseln zur Rückforderung von Vergütungen.
- Vergleichende Analyse der Vorstandsvergütung in Deutschland und den USA.
- Ableitung zentraler Anforderungen für nachhaltige, wertorientierte Anreizsysteme.
Auszug aus dem Buch
7.1 Begriffsbestimmung
Bei dem Versuch Clawbacks zu definieren, wird ersichtlich, dass in der deutschen Literatur sehr wenige bis keine Definitionen existieren. Dies lässt schließen, dass der Begriff in Deutschland entweder nicht gebräuchlich ist oder unter einem Synonym definiert wird. Eine andere Möglichkeit, sich dem Begriff zu nähern, ist die Übersetzung der englischen Wortbestandteile claw und back. Claw bedeutet übersetzt ‚die Kralle‘ beziehungsweise ‚sich etwas krallen‘, wohingegen back der englische Begriff für ‚zurück‘ darstellt. Bei einer ganzheitlich wörtlichen Betrachtung bedeutet clawback: ‚die Kralle, die sich etwas zurück holt‘. Für eine wissenschaftlich exakte Definition ist diese Übersetzung unzureichend. Insofern es sich bei Clawbacks offensichtlich um eine englische Wortherkunft handelt, ist es angebracht, sich dem Begriff mithilfe englischer Literatur zu nähern. Dabei wird deutlich, dass der Begriff Clawback in den Vereinigen Staaten von Amerika in der jüngeren Vergangenheit sehr gebräuchlich ist.
Infolge von Bilanzmanipulationen von amerikanischen Großkonzernen, wie Enron und Worldcom, unterzeichnete Präsident George Bush am 30. Juli 2002 den Sarbanes-Oxley Act (SOX). Das Gesetz strebt den Schutz von Anlegern durch genauere und verlässlichere wertpapierrechtliche Publizitätspflichten an. Mithilfe dieses Gesetzes wurde die Securities and Exchange Comission (SEC) – die Aufsichtsbehörde für das Wertpapiergeschäft in den USA – ermächtigt, Zahlungen an den chief executive officer (CEO) und chief financial officer (CFO) zurückzufordern, wenn sie infolge von Betrug entstanden sind. Dieses Recht wird auch als Sarbanes-Oxley clawback bezeichnet. Jedoch wurde von dieser Möglichkeit zwischen 2002 und 2009 lediglich zwei Mal Gebrauch gemacht und somit weitestgehend ignoriert.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die Rolle exzessiver Bonuszahlungen in der Finanzkrise und formuliert das Ziel, Anforderungen an nachhaltige Anreizsysteme zu definieren.
2. Konzeptionelle Grundlagen: Dieses Kapitel definiert Anreizsysteme und legt mittels Prinzipal-Agenten-Theorie und motivationstheoretischen Ansätzen die Basis für das Verständnis des Managements von Anreizen.
3. Die Finanzkrise und ihre Auswirkung auf die Gestaltung von Anreizsystemen: Es werden die Ursachen der Finanzkrise analysiert und Forderungen internationaler Institutionen wie des G-20 Gipfels zur nachhaltigen Ausgestaltung von Vergütungssystemen abgeleitet.
4. Gestaltung wertorientierter Anreizsysteme: Das Kapitel erläutert die zentralen Gestaltungsdimensionen wie Bemessungsgrundlage, Auszahlungsmodus und Belohnungsfunktion für wertorientierte Anreizsysteme.
5. Vorstandsvergütung in Deutschland und den USA: Es erfolgt ein Vergleich der Vorstandsvergütung, der gesetzlichen Rahmenbedingungen (VorstAG vs. Dodd-Frank Act) und der tatsächlichen Vergütungsstrukturen in beiden Ländern.
6. Bonus-Malus-System: Bonus-Malus-Systeme und insbesondere die Bonusbank werden als Instrumente vorgestellt, um negative Geschäftsentwicklungen in der Vergütung abzubilden.
7. Clawbacks: Das Kapitel definiert den Begriff Clawback, erläutert die Anforderungen an deren rechtssichere Gestaltung und untersucht ihre Verbreitung in der Praxis.
8. Wirkungsweise von Clawbacks: Die verhaltenswissenschaftliche Wirkung sowie empirische Studien zur Wirksamkeit von Clawbacks bei der Vermeidung von Bilanzkorrekturen werden analysiert.
9. Diskussion der Ergebnisse: Die Ergebnisse zu Bonusbanken und Clawbacks werden kritisch zusammengeführt, um deren Eignung zur Förderung nachhaltigen Wirtschaftens zu bewerten.
10. Fazit und Ausblick: Das Fazit stellt fest, dass Bonusbanken eher geeignet sind als Clawbacks, welche primär als Bestrafung wahrgenommen werden, und diskutiert die unterschiedliche Durchsetzbarkeit in den USA und Deutschland.
Schlüsselwörter
Anreizsysteme, Finanzkrise, Vorstandsvergütung, Bonusbank, Clawbacks, Nachhaltigkeit, Prinzipal-Agenten-Theorie, Risikomanagement, Dodd-Frank Act, VorstAG, wertorientierte Steuerung, Performance, Vergütungsstruktur, Bonus-Malus-Systeme, Unternehmenswert.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Gestaltung nachhaltiger Anreizsysteme für Vorstände als Lehre aus der internationalen Finanzkrise, um risikobehaftete, kurzfristige Anreizstrukturen zu vermeiden.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen sind die Prinzipal-Agenten-Theorie, der Vergleich der Vorstandsvergütung in Deutschland und den USA sowie die Funktionsweise und Bewertung von Bonusbanken und Clawbacks.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, Anforderungen an Anreizsysteme zu bestimmen, damit diese nachhaltig wirken und Führungskräfte langfristig am Unternehmenserfolg sowie an Risiken beteiligen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit stützt sich auf eine Literaturanalyse, die Auswertung von Studien zur Vergütungspraxis sowie den Vergleich regulatorischer Rahmenbedingungen.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert die Gestaltung wertorientierter Anreizsysteme, vergleicht die Vergütungspraxis in Deutschland und den USA und untersucht detailliert Bonus-Malus-Systeme, Bonusbanken und Clawbacks.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Anreizsysteme, Finanzkrise, Vorstandsvergütung, Bonusbank, Clawbacks und Nachhaltigkeit.
Warum werden Clawbacks in den USA häufiger angewendet als in Deutschland?
Dies liegt primär an der unterschiedlichen Arbeitsmarktsstruktur: Das deutsche Arbeitsrecht ist sozialverträglich gestaltet und schützt Arbeitnehmer stärker, was massive Rückforderungen (Clawbacks) erschwert.
Inwiefern unterscheiden sich Bonusbanken von klassischen Bonussystemen?
Im Gegensatz zu klassischen Systemen mit festen Schwellenwerten (Floor/Cap) ermöglicht die Bonusbank eine zeitliche Streckung der Bonuszahlungen und eine Verrechnung negativer Boni ohne Rückforderungen.
Warum gelten Clawbacks oft als "Bestrafungsinstrument"?
Da Clawbacks lediglich das Recht zur Rückforderung bereits erhaltener Leistungen bei negativen Ereignissen (z. B. Bilanzkorrekturen) beinhalten, setzen sie keine positiven Anreize für zukünftiges Verhalten, sondern werden als Sanktion wahrgenommen.
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- Steve Noack (Author), 2013, Bonusbanken, Clawbacks und die Finanzkrise, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/263212