Macht in Organisationen - Möglichkeiten der Entfaltung zwischen formellen und informellen Strukturen


Hausarbeit, 2013

14 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhalt

1. Einleitung

2. Begriffsdefinitionen: Macht, Organisation und formelle/ informelle Struktur
2.1 Was ist Macht?
2.2 Was ist eine Organisation?
2.3 Formelle und informelle Strukturen in Organisationen

3. Macht in Organisationen – Möglichkeiten der Entfaltung zwischen formellen und informellen Strukturen

4. Fazit

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

In Organisationen sind alle Organisationsmitglieder in einem Geflecht von Beziehungen involviert. Sie erfüllen im Rahmen einer Arbeitsteilung ihre Aufgaben und befinden sich demnach primär in Arbeitsbeziehungen. In diesem Geflecht treffen Organisationsmitglieder aufeinander, die entweder gleich mächtig sind, unterlegen oder überlegen, sprich, mehr oder weniger Macht haben als andere. Der Erwerb von Machtmitteln ist ein dynamischer Prozess, der von allen Organisationsmitgliedern unterschiedlich intensiv und erfolgsgekrönt anvisiert wird. Demnach ist es nicht verwunderlich, dass es in Organisationen zu Machtkämpfen kommt, deren Ausgang offen ist, denn nur dann werden diese auch ausgetragen (Haubl/ Daser 2007: 7).

Da die Ausübung von Macht konstruktive und destruktive Folgen haben kann, wird explizit gefordert, sie zu kontrollieren, da sonst eine Organisationskultur entsteht, die allen schadet (Haubl/ Daser 2007: 8).

Angesichts dieser Fakten stellt sich die Frage, ob und wie die Ausübung von Macht kontrollierbar ist. Ist es gar möglich, Macht in Organisationen abzuschaffen? Das Abschaffen ist nicht Ziel der Erforschung von Machtbeziehungen, vielmehr werden Ausprägungen und Formen beschrieben. Macht kann verwendet werden, um anderen Mitgliedern Angst zu machen, was nicht nur die Kreativität und Arbeitsmotivation lähmt; daraus folgen auch Feindseligkeiten untereinander, die das Funktionieren der Organisation beeinträchtigen. Hingegen bedeutet ein Ablehnen der Macht, also sich aus Machtkämpfen raushalten und nicht teilnehmen, das Verschleiern, was den Missbrauch wiederum begünstigt (Haubl/ Daser 2007: 8). Dass Macht scheinbar ein fester Bestandteil von Organisationen ist, sei nun bekannt. Fraglich ist, unter welchen Bedingungen und in welchem Rahmen sich Macht in Organisationen am besten entfalten kann. Hierbei wird zwischen formeller und informeller Struktur unterschieden.

Der vorliegende Beitrag setzt sich mit der zuletzt genannten Fragestellung auseinander. Es wird nicht explizit nach einer Lösung des Problems gesucht; vielmehr soll untersucht werden, durch welche Faktoren und unter welchen Gegebenheiten die Machtentfaltung begünstigt wird. Diesbezüglich werden zunächst Begriffsdefinitionen geklärt, um die nötigen Bedingungen zu schaffen: Was ist Macht? Was sind Organisationen und was ist zwischen informeller und formeller Verfassung zu verstehen? Nach Beantwortung dieser Fragen widmen wir uns dann dem wesentlichen Teil dieses Beitrags: Hier wird Macht als Vakuum der Formalität und Informalität in Organisationen thematisiert und untersucht, welche Unterschiede es bezüglich der Machtentfaltung gibt. Abschließend wird ein kurzes Fazit verfasst.

2. Begriffsdefinitionen: Macht, Organisation und formelle/ informelle Struktur

Um sich einen besseren Überblick über das Thema zu verschaffen und eine Grundbasis an Wissen zu erlangen, werden in Kapitel 2 zunächst essentielle Begriffe wie Macht (2.1) und Organisation (2.2) erläutert. In Kapitel 2.3 wird auf die formelle und informelle Struktur eingegangen.

2.1 Was ist Macht?

„Macht bedeutet jede Chance, innerhalb einer sozialen Beziehung den eigenen Willen auch gegen Widerstreben durchzusetzen, gleichviel worauf diese Chance beruht.“ (Weber 1972: 28). So definiert Max Weber den Begriff der Macht. Dann fügt er hinzu, dass der Begriff der Macht soziologisch „amorph“ ist, weil die Vielfalt von Eigenschaften eines Akteurs, seien es seine Ressourcen, die Situation oder Position in der Organisationshierarchie, ihm die Möglichkeiten bieten können, seinen Willen durchzusetzen. Somit lässt sich aus soziologischer Sicht Macht nicht eindeutig genug identifizieren. Aus diesem Grund kann auf die Frage „Was ist Macht?“ keine allgemeingültige Antwort gegeben werden (Müller 2007: 121). Macht zeigt sich in den verschiedensten Varianten: Sie wird mit Freiheit und Unterdrückung, mit Ordnung und Zwang oder mit Willkür und Recht assoziiert (Kühne 2008: 61). Da Macht überall vorkommt, wirkt dieses Phänomen zunächst ersichtlich und klar. Im alltäglichen Sprachgebrauch kann Macht mit sehr unterschiedlichen Gegenständen in Verbindung gebracht werden: Liebe, Wissen, Geld, Zahlen, Drogen, usw. Umgekehrt gibt es nahezu keinen Zusammenhang, in dem Macht keine Rolle spielt; sie kann also in den unterschiedlichsten Formen auftreten, was diesen Begriff wiederum schwer greifbar und unübersichtlich macht. Anders ausgedrückt: Je intensiver man sich mit dem Begriff der Macht auseinandersetzt, desto komplexer wird dieser in seiner Erfassung (Schülein 2007: 13). Durch Umschreibungen und Definitionen kann man sich jedoch dem Gegenstand der Macht annähern (Müller 2007: 121).

Macht kann beschrieben werden als ein „komplexes Geflecht asymmetrischer und wechselseitiger Beziehungen, in dem mehrere Personen, Gruppen oder Parteien miteinander verknüpft sind und in dem Veränderungen einer Relation auch die anderen Relationen verändern“ (Sofsky/Paris 1994: 14). Sie kann also nur in Verbindung zu anderen Menschen existieren (Kühne 2008: 61), genauer gesagt zwischen mindestens zwei willensfähigen Personen, die Wünsche und Absichten haben (Schwietring 2011: 220) und die Fähigkeit zum Widerstand verfügen (Schwietring 2011: 225). Folglich kann man beispielsweise nicht von Macht sprechen, wenn es um die Bedienung einer Maschine geht (Schwietring 2011: 225). Macht muss als normal akzeptiert werden, da sie Normalität im Sinne einer Ordnung schafft (Kühne 2008: 61). Ferner bewirkt Macht eine Unterdrückung, obgleich sie im selben Moment eine Struktur schafft. Macht bedeutet, den Gegner direkt oder indirekt zu animieren, auf sein eigenes Vorhaben zu verzichten und von diesem nachzulassen (Kühne 2008: 62). Eine wichtige Unterscheidung, die aus Max Webers o.g. Zitat hervorgehoben werden muss, ist die Formulierung „auch gegen Widerstreben“. Demnach heißt Macht nicht ausschließlich, dem Willen einer Person zu folgen, denn dies kann auch aus eigener Initiative geschehen (Schwietring 2011: 224); überdies bedeutet Macht den eigenen Willen auch dann durchzusetzen, wenn er im Widerspruch zum Willen oder zur Absicht der anderen steht; letztere müssten folglich ihren eigenen Willen demjenigen nachgeben, der die Macht innehat (Schwietring 2011: 225).

Macht kann jedoch nicht als eine Eigenschaft einer Person oder Personengruppe dargestellt werden (Kühne 2008: 62), vielmehr bezeichnet Macht ein soziales Verhältnis (Schwietring 2011: 222); sie ist instabil, situationsabhängig und kann sich durch den Einsatz von Instrumenten verschiedenartig ausprägen (Kühne 2008: 62). Der Begriff der Macht ist von einer Ambivalenz geprägt: Zum einen könnte man annehmen, jemand grenze durch seine Macht den Raum für Freiheit und Selbstbestimmung anderer ein. Zum anderen kann Macht auch positiv ausgelegt werden, denn nur wer Macht besitzt, ist fähig, im Sinne eines selbstbestimmten Lebens seine eigenen Ziele und Wünsche umzusetzen. Dies zeigt, dass wer keine Macht hat, mehr oder minder den zufälligen oder spontanen Gegebenheiten des Lebens nachgeben muss (Schwietring 2011: 221). Weber spricht von „jeder[r] Chance […] den eigenen Willen durchzusetzen, gleichviel worauf diese Chance beruht“. Mit dieser Formulierung werden nicht nur spezifische Bereiche sozialen Lebens angesprochen, zum Beispiel Politik oder Wirtschaft. Weber möchte ein sehr breites Spektrum an Machtformen abfangen: Ökonomische Macht, Hierarchien, Drohungen, körperliche Überlegenheit, Ausnutzen von Notlagen oder emotionale Abhängigkeiten in einer Liebesbeziehung (Schwietring 2011: 224). Man unterscheidet deshalb vier Machttypen:

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Details

Titel
Macht in Organisationen - Möglichkeiten der Entfaltung zwischen formellen und informellen Strukturen
Hochschule
Johannes Gutenberg-Universität Mainz  (Soziologie)
Veranstaltung
Soziologie der Organisationen
Note
1,3
Autor
Jahr
2013
Seiten
14
Katalognummer
V263244
ISBN (eBook)
9783656519430
ISBN (Buch)
9783656519874
Dateigröße
481 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
macht, organisationen, möglichkeiten, entfaltung, strukturen
Arbeit zitieren
Besnik Tahiri (Autor), 2013, Macht in Organisationen - Möglichkeiten der Entfaltung zwischen formellen und informellen Strukturen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/263244

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