In Organisationen sind alle Organisationsmitglieder in einem Geflecht von Beziehungen involviert. Sie erfüllen im Rahmen einer Arbeitsteilung ihre Aufgaben und befinden sich demnach primär in Arbeitsbeziehungen. In diesem Geflecht treffen Organisationsmitglieder aufeinander, die entweder gleich mächtig sind, unterlegen oder überlegen, sprich, mehr oder weniger Macht haben als andere. Der Erwerb von Machtmitteln ist ein dynamischer Prozess, der von allen Organisationsmitgliedern unterschiedlich intensiv und erfolgsgekrönt anvisiert wird. Demnach ist es nicht verwunderlich, dass es in Organisationen zu Machtkämpfen kommt, deren Ausgang offen ist, denn nur dann werden diese auch ausgetragen (Haubl/ Daser 2007: 7).
Da die Ausübung von Macht konstruktive und destruktive Folgen haben kann, wird explizit gefordert, sie zu kontrollieren, da sonst eine Organisationskultur entsteht, die allen schadet (Haubl/ Daser 2007: 8).
Angesichts dieser Fakten stellt sich die Frage, ob und wie die Ausübung von Macht kontrollierbar ist. Ist es gar möglich, Macht in Organisationen abzuschaffen? Das Abschaffen ist nicht Ziel der Erforschung von Machtbeziehungen, vielmehr werden Ausprägungen und Formen beschrieben. Macht kann verwendet werden, um anderen Mitgliedern Angst zu machen, was nicht nur die Kreativität und Arbeitsmotivation lähmt; daraus folgen auch Feindseligkeiten untereinander, die das Funktionieren der Organisation beeinträchtigen. Hingegen bedeutet ein Ablehnen der Macht, also sich aus Machtkämpfen raushalten und nicht teilnehmen, das Verschleiern, was den Missbrauch wiederum begünstigt (Haubl/ Daser 2007: 8). Dass Macht scheinbar ein fester Bestandteil von Organisationen ist, sei nun bekannt. Fraglich ist, unter welchen Bedingungen und in welchem Rahmen sich Macht in Organisationen am besten entfalten kann. Hierbei wird zwischen formeller und informeller Struktur unterschieden.
Der vorliegende Beitrag setzt sich mit der zuletzt genannten Fragestellung auseinander. Es wird nicht explizit nach einer Lösung des Problems gesucht; vielmehr soll untersucht werden, durch welche Faktoren und unter welchen Gegebenheiten die Machtentfaltung begünstigt wird. Diesbezüglich werden zunächst Begriffsdefinitionen geklärt, um die nötigen Bedingungen zu schaffen: Was ist Macht? Was sind Organisationen und was ist zwischen informeller und formeller Verfassung zu verstehen? Danach wird Macht als Vakuum der Formalität und Informalität in Organisationen thematisiert.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Begriffsdefinitionen: Macht, Organisation und formelle/ informelle Struktur
2.1 Was ist Macht?
2.2 Was ist eine Organisation?
2.3 Formelle und informelle Strukturen in Organisationen
3. Macht in Organisationen – Möglichkeiten der Entfaltung zwischen formellen und informellen Strukturen
4. Fazit
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht das Spannungsfeld zwischen formellen und informellen Strukturen in Organisationen und wie diese die Entfaltung von Macht beeinflussen. Ziel ist es, ein besseres Verständnis dafür zu entwickeln, durch welche Faktoren und Gegebenheiten Machtbeziehungen außerhalb offizieller Hierarchien entstehen und wie sie sich in der Praxis auswirken.
- Grundlagen der Machtsoziologie in Organisationen
- Differenzierung zwischen formeller und informeller Organisationsstruktur
- Die Bedeutung von Unsicherheitszonen für die Machtausübung
- Analyse der Dynamik von Machtentfaltung abseits formaler Pläne
Auszug aus dem Buch
2.1 Was ist Macht?
„Macht bedeutet jede Chance, innerhalb einer sozialen Beziehung den eigenen Willen auch gegen Widerstreben durchzusetzen, gleichviel worauf diese Chance beruht.“ (Weber 1972: 28). So definiert Max Weber den Begriff der Macht. Dann fügt er hinzu, dass der Begriff der Macht soziologisch „amorph“ ist, weil die Vielfalt von Eigenschaften eines Akteurs, seien es seine Ressourcen, die Situation oder Position in der Organisationshierarchie, ihm die Möglichkeiten bieten können, seinen Willen durchzusetzen. Somit lässt sich aus soziologischer Sicht Macht nicht eindeutig genug identifizieren. Aus diesem Grund kann auf die Frage „Was ist Macht?“ keine allgemeingültige Antwort gegeben werden (Müller 2007: 121). Macht zeigt sich in den verschiedensten Varianten: Sie wird mit Freiheit und Unterdrückung, mit Ordnung und Zwang oder mit Willkür und Recht assoziiert (Kühne 2008: 61). Da Macht überall vorkommt, wirkt dieses Phänomen zunächst ersichtlich und klar. Im alltäglichen Sprachgebrauch kann Macht mit sehr unterschiedlichen Gegenständen in Verbindung gebracht werden: Liebe, Wissen, Geld, Zahlen, Drogen, usw. Umgekehrt gibt es nahezu keinen Zusammenhang, in dem Macht keine Rolle spielt; sie kann also in den unterschiedlichsten Formen auftreten, was diesen Begriff wiederum schwer greifbar und unübersichtlich macht. Anders ausgedrückt: Je intensiver man sich mit dem Begriff der Macht auseinandersetzt, desto komplexer wird dieser in seiner Erfassung (Schülein 2007: 13). Durch Umschreibungen und Definitionen kann man sich jedoch dem Gegenstand der Macht annähern (Müller 2007: 121).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die Rolle von Macht in Arbeitsbeziehungen und führt in die Fragestellung ein, wie Macht in Organisationen zwischen formellen und informellen Strukturen kontrolliert und entfaltet werden kann.
2. Begriffsdefinitionen: Macht, Organisation und formelle/ informelle Struktur: Dieses Kapitel definiert die zentralen Begrifflichkeiten, erläutert verschiedene Machtformen sowie die grundlegenden Charakteristika von Organisationen und deren duale Struktur.
3. Macht in Organisationen – Möglichkeiten der Entfaltung zwischen formellen und informellen Strukturen: Hier wird untersucht, wie Macht durch die Kontrolle von Unsicherheitszonen jenseits formaler Hierarchien entstehen kann und warum die tatsächliche Machtverteilung oft von den offiziellen Plänen abweicht.
4. Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und stellt fest, dass Macht in Organisationen allgegenwärtig ist, sich aber in informellen Strukturen aufgrund bestehender Rationalitätslücken deutlich stärker entfalten kann als in formellen.
Schlüsselwörter
Macht, Organisation, formelle Struktur, informelle Struktur, Machtentfaltung, Mikropolitik, Unsicherheitszonen, Arbeitsteilung, Organisationskultur, Rationalitätslücken, Machttypen, soziale Beziehung, Hierarchie, Führungsinstanz, Handlungsspielraum.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der soziologischen Analyse von Machtbeziehungen innerhalb von Organisationen und der Unterscheidung zwischen offiziellen Hierarchien und inoffiziellen Machtprozessen.
Was sind die zentralen Themenfelder der Publikation?
Die zentralen Themen sind Machtdefinitionen nach Max Weber, die Merkmale von Organisationen, der Gegensatz von formellen zu informellen Strukturen und die Entstehung von Macht in sogenannten Unsicherheitszonen.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das primäre Ziel ist es zu untersuchen, durch welche Faktoren die Machtentfaltung in Organisationen begünstigt wird und wie Mitglieder Einfluss nehmen, der ihnen formal nicht explizit zugewiesen wurde.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine theoretische Arbeit, die auf einer fundierten Literaturanalyse soziologischer und organisationswissenschaftlicher Theorien basiert.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil werden zunächst theoretische Begriffsdefinitionen geklärt, bevor die Dynamiken zwischen formeller Steuerung und informeller "Mikropolitik" analysiert werden.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit am besten?
Macht, Organisation, formelle und informelle Strukturen, Unsicherheitszonen sowie Rationalitätslücken sind die prägendsten Begriffe.
Wie definiert die Arbeit das Konzept der "Unsicherheitszone"?
Unsicherheitszonen sind Bereiche, die nicht vollständig transparent oder formal geregelt sind, wodurch Akteure Handlungsspielräume gewinnen und diese zur Machtausübung nutzen können.
Warum unterscheidet der Autor zwischen formeller und informeller Macht?
Die Unterscheidung ist notwendig, da formelle Macht an Positionen gebunden ist, während informelle Macht ungeplant und verborgen durch persönliche Beziehungen und Wissensvorsprünge entsteht.
- Quote paper
- Besnik Tahiri (Author), 2013, Macht in Organisationen - Möglichkeiten der Entfaltung zwischen formellen und informellen Strukturen, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/263244