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Lebens-Räume von Arbeiterkindern um die Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert

Title: Lebens-Räume von Arbeiterkindern um die Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert

Term Paper (Advanced seminar) , 1992 , 27 Pages , Grade: 1

Autor:in: Sabine Schleichert (Author)

History of Europe - Modern Times, Absolutism, Industrialization
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Seit einigen Jahren begreift die historische und pädagogische Forschung die Lebensphase Kindheit immer mehr als in ihrem Charakter historisch bedingt und nicht als Jahrhunderte hindurch unveränderlich, wie dies früher stillschweigend vorausgesetzt worden war. Vorreiter auf diesem Gebiet war Philippe Ariès, gefolgt beispielsweise von Lloyd de Mause, Elisabeth Badinter, Ingeborg Weber-Kellermann; inzwischen ist die Zahl der Titel kaum noch übersehbar.
Zu nennen wären hier Stichworte wie die Pädagogisierung der Kindheit, ihre Wahrnehmung als eigenständige Lebensphase, die Entstehung der "Mutterliebe", das Verschwinden der Kindheit -Aspekte, die in ihrer genauen Bedeutung und Relevanz durchaus umstritten sind. Viele dieser Überlegungen und Aussagen stehen vor dem Hintergrund von Norbert Elias' Theorie vom "Prozeß der Zivilisation". Kindheit war danach wie alle anderen Bereiche und Phasen menschlicher Existenz im Laufe der Zeit einem allmählichen Prozeß der Ausdifferenzierung und Spezialisierung unterworfen. Funktionen und Lebensbereiche wie Spiel, Lernen und Arbeit, Privatsphäre und Öffentlichkeit wurden zeitlich wie räumlich immer deutlicher voneinander getrennt.
Unterschiedliche Bedingungen für Kindheit galten aber nicht nur in Abhängigkeit von der Zeit, sondern auch von den verschiedenen Bevölkerungsschichten. Kinder von Bauern lebten zwangsläufig unter völlig anderen Voraussetzungen als Bürgerkinder, Arbeiterkinder waren in eineranderen Situation als Nachkommen von Adligen.
Die folgende Untersuchung behandelt als ein Beispiel der sehr vielfältigen Beschäftigung mit der Geschichte der Kindheit die Arbeiterkindheit Ende des 19. und in den ersten Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts. Es sollen die Lebens-Räume der Arbeiterkinder betrachtet werden, die Orteund Stationen also, die in ihrem Leben eine Rolle spielten, an und zwischen denen sie sich bewegtenund um die sich eine Art "subjektive Geographie" des jeweiligen Kindes entwickelte. Behnken u.a.definieren den vergleichbaren Begriff des "primären Raumes" als die "lebensgeschichtlich erste und zugleich prägende Erfahrung gesellschaftlichen Handlungsraumes".

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Charakterisierung: Wiesbadener und Leidener Arbeiterquartiere

3. Die verschiedenen Orte der Kindheit

3.1. Elternhaus und Familie

3.2. Schule

3.3. Arbeit und Broterwerb

3.4. Straße

3.5. Vereine und vergleichbare Institutionen

4. Schluß

Zielsetzung & Themen

Die Untersuchung analysiert die Lebens-Räume von Arbeiterkindern in Wiesbaden und Leiden am Ende des 19. und zu Beginn des 20. Jahrhunderts, um zu ergründen, welche Orte ihr Leben prägten und wie sich eine spezifische kindliche "subjektive Geographie" entwickelte.

  • Historische und pädagogische Einordnung der Lebensphase Kindheit.
  • Vergleich der Wohnverhältnisse und der räumlichen Enge in Arbeitervierteln.
  • Bedeutung von Elternhaus, Schule und Arbeitsplatz für den kindlichen Alltag.
  • Die Straße als zentraler Sozialisationsraum und Spielort.
  • Einfluss von sozioökonomischen Zwängen auf die kindliche Entwicklung.

Auszug aus dem Buch

3.2. Schule

Die Schule nahm für die überwiegende Mehrzahl der Kinder einen sehr großen Teil ihrer Zeit in Anspruch; allgemein galt offenbar die Regel, daß außer dem Sonntag nur der Mittwoch- und Samstagnachmittag schulfrei waren. In den Erzählungen der Interviewpartner wie auch in den meisten gedruckten Autobiographien scheint sie aber einen im Vergleich zur aufgewendeten Zeit ausgesprochen geringen Stellenwert gehabt zu haben.

Der Grund dürfte darin liegen, daß für Arbeiterkinder Mittel- und höhere Schulen weitgehend unerreichbar blieben, da das geforderte Schulgeld nicht aufgebracht werden konnte. Behnken u.a. nennen dies einen Aspekt der "Plutokratie des Alltagslebens", die Proletarier von vielen Bereichen von vornherein ausschloß und sozialen Aufstieg unmöglich machte. Diese Abgrenzung kam schon darin zum Ausdruck, daß Gymnasien in keinem der untersuchten Arbeiterviertel gelegen waren; die Wiesbadener Quartiere, die zum Teil auch von Kleinbürgern bewohnt wurden, wiesen immerhin auch Mittelschulen auf, die auch einige Arbeiterkinder besuchten.

Die Volksschulen wiederum vermittelten allenfalls Grundkenntnisse im Lesen und Schreiben und darüber hinaus in erster Linie religiöse Kenntnisse und gesellschaftlich erwünschte Tugenden wie Fleiß oder Gehorsam. Daß dies kaum zur Motivierung der Schüler beitragen konnte, liegt nahe. Gerade die Arbeiterautobiographen berichten in vielen Fällen, ihr Wunsch, mehr zu lernen, sei in der Schule nicht erfüllt worden, was die vorhandene Motivation nicht selten vollständig zerstörte.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Diese Einführung verortet die Untersuchung in der historischen Kindheitsforschung und definiert die Forschungsfrage nach den Lebens-Räumen von Arbeiterkindern.

2. Charakterisierung: Wiesbadener und Leidener Arbeiterquartiere: Das Kapitel beschreibt und vergleicht die baulichen und sozialen Strukturen der untersuchten Arbeiterviertel in Leiden und Wiesbaden.

3. Die verschiedenen Orte der Kindheit: Dieser Abschnitt analysiert detailliert die zentralen Lebensbereiche der Kinder, wie Familie, Schule, Arbeit und den öffentlichen Raum.

3.1. Elternhaus und Familie: Das Kapitel beleuchtet die beengten Wohnverhältnisse, die zur "halboffenen Familienstruktur" führten und den privaten Rückzugsraum minimierten.

3.2. Schule: Hier wird der geringe Stellenwert und die eingeschränkte Zugänglichkeit von Bildung für Arbeiterkinder thematisiert.

3.3. Arbeit und Broterwerb: Dieser Teil beschreibt den Zwang zur Mithilfe beim Lebensunterhalt, der den Alltag und die Spielmöglichkeiten der Kinder stark einschränkte.

3.4. Straße: Die Straße wird als wesentlicher, oft konkurrenzloser Sozialisationsort und Spielplatz für Arbeiterkinder identifiziert.

3.5. Vereine und vergleichbare Institutionen: Das Kapitel untersucht die Rolle von Vereinen, die für Kinder meist erst mit dem Eintritt in das Berufsleben an Bedeutung gewannen.

4. Schluß: Das Fazit fasst zusammen, wie das Leben am Existenzminimum und die räumliche Enge die Kindheit der Arbeiterklasse fundamental prägten und vom Leben bürgerlicher Kinder unterschieden.

Schlüsselwörter

Arbeiterkindheit, Kindheitsgeschichte, Lebens-Räume, Industrialisierung, Sozialisation, Wohnverhältnisse, Straßenkindheit, Proletariat, Kinderarbeit, Schulbildung, Wiesbaden, Leiden, Stadtgeschichte, Zivilisationsprozess, Existenzminimum

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in der vorliegenden Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit beschäftigt sich mit den Lebensbedingungen und den prägenden Räumen von Arbeiterkindern um die Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert in Wiesbaden und Leiden.

Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?

Im Zentrum stehen die Wohnverhältnisse, die Schule, die Erwerbsarbeit von Kindern sowie die Bedeutung des öffentlichen Raumes für die Sozialisation.

Was ist das primäre Ziel der Studie?

Ziel ist es, die Orte und Stationen zu identifizieren, an denen Arbeiterkinder aufwuchsen, und zu verstehen, wie sich daraus eine spezifische "subjektive Geographie" entwickelte.

Welche wissenschaftliche Methode verwendet die Autorin?

Die Autorin nutzt einen sozialgeschichtlichen Ansatz, der sich auf eine Auswertung von Autobiographien und lokalen, quartiersbezogenen Zeitzeugenbefragungen stützt.

Welche Inhalte werden im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil analysiert differenziert das familiäre Umfeld, den Schulalltag, die ökonomischen Zwänge der Kinderarbeit sowie die Funktion der Straße und verschiedener Vereine.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Die Arbeit lässt sich durch Begriffe wie Arbeiterkindheit, Lebens-Räume, Sozialisation und den historischen Kontext des 19. und 20. Jahrhunderts charakterisieren.

Warum war das Elternhaus für Arbeiterkinder kein privater Rückzugsort?

Aufgrund der extremen räumlichen Enge und der Notwendigkeit, Schlaf- und Kostgänger aufzunehmen, waren Wohnungen oft "halboffene Familienstrukturen" ohne Rückzugsmöglichkeit.

Welche Rolle spielte die Straße im Leben dieser Kinder?

Die Straße fungierte als primärer Lebensraum, in dem sich Kindercliquen bildeten und ihre soziale Identität und Spielkultur außerhalb der häuslichen Kontrolle entwickelten.

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Details

Title
Lebens-Räume von Arbeiterkindern um die Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert
College
University of Marburg  (FB Erziehungswissenschaften)
Grade
1
Author
Sabine Schleichert (Author)
Publication Year
1992
Pages
27
Catalog Number
V26324
ISBN (eBook)
9783638286893
Language
German
Tags
Arbeiterkindheit Kindheit Arbeiter Geschichte Sozialgeschichte Wiesbaden Leiden (Holland)
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Sabine Schleichert (Author), 1992, Lebens-Räume von Arbeiterkindern um die Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/26324
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