Untersuchungsgegenstand dieser Arbeit sind die Milizen der seit 1980 unter Mugabe in Simbabwe regierenden Partei ZANU-PF (Zimbabwe African National Union – Patriotic Front). Dieses Gruppenprofil ist im Rahmen des Forschungsprojekts „Security Governance durch Milizen“ entstanden und untersucht die Rolle zweier Milizen – der Fünften Brigade und des National Youth Service - bei der Herstellung und Gewährleistung von Security Governance.
Im deskriptiven Teil gehe ich auf die Vorgeschichte und die Entstehung der Milizen ein. Hierbei ist auch ein kurzer geschichtlicher Überblick hilfreich, da historische Faktoren wie die Kolonialherrschaft und ethnische Konflikte für die Entstehung und die politische Ausrichtung der Milizen von großer Bedeutung sind. Außerdem werden die Rolle des Auftraggebers, der ZANU-PF bzw. Robert Mugabes sowie die spezifischen Charakteristika, grundlegende Informationen und das Gewaltpotential der Milizen beschrieben.
Im analytischen Teil stehen die Governance-Leistungen und –Modi, das Verhältnis zwischen Auftraggeber und der jeweiligen Miliz sowie die Zuordnung zu einem oder mehreren Miliztypen im Zentrum. Warum handelt es sich um eine Miliz? Welche spezifischen Ziele erwartet der Auftraggeber von der Miliz? Inwiefern und mit welchen Mitteln werden diese Ziele umgesetzt? Welchen Einfluss hat der Faktor der Kontrolle bzw. des Kontrollverlustes zwischen Auftraggeber und Miliz auf die Governance-Leistung?
Zum Schluss fasse ich die Untersuchungsergebnisse in einem Fazit zusammen. Außerdem werde ich die aktuelle Situation der Milizen in Simbabwe beschreiben und versuchen, die weitere Entwicklung zu prognostizieren.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Deskriptiver Teil
2.1 Historischer Überblick
2.1.1 Koloniale Zeit
2.1.2 Befreiungskampf, Unabhängigkeit und Entstehung der ZANU-PF
2.2 Milizen (1) – Die Fünfte Brigade
2.2.1 Historischer Hintergrund und Entstehung
2.2.2 Aufgaben, Opfer und Gewaltpotential
2.2.3 Struktur
2.3 Milizen (2) – National Youth Service
2.3.1 Hintergrund und Entstehung im Kontext der politischen und ökonomischen Entwicklung
2.3.2 Aufgaben, Opfer und Gewaltpotential
2.3.3 Struktur
3. Analytischer Teil
3.1 Die Fünfte Brigade
3.1.1 Charakterisierung als Miliz
3.1.2 Einordnung in Miliztypen
3.1.3 Governance-Leistung
3.1.4 Verhältnis zwischen Auftraggeber und Miliz
3.1.5 Effektivität und Legitimität
3.1.6 Analyseschaubild „Fünfte Brigade“
3.2 National Youth Service
3.2.1 Charakterisierung als Miliz
3.2.2 Einordnung in Miliztypen
3.2.3 Governance-Leistung
3.2.4 Verhältnis zwischen Auftraggeber und Milizen
3.2.5 Effektivität und Legitimität
3.2.6 Analyseschaubild „National Youth Service“
4. Ausblick und Fazit
4.1 Gegenwärtige Situation
4.2 Ausblick
4.3 Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht im Rahmen des Forschungsprojekts „Security Governance durch Milizen“ die Rolle der Fünften Brigade und des National Youth Service in Simbabwe unter der Regierung von Robert Mugabe. Ziel ist es zu analysieren, wie diese Milizen zur Herstellung von Security Governance eingesetzt wurden und welchen Einfluss ihre Tätigkeit auf die politische Stabilität und die öffentliche Sicherheit hatte.
- Historische Entstehung und ideologische Ausrichtung der ZANU-PF Milizen
- Vergleich der Miliztypen und deren Governance-Leistungen
- Analyse des Kontrollverhältnisses zwischen dem Auftraggeber (ZANU-PF/Mugabe) und den Milizen
- Untersuchung von Effektivität und Legitimität paramilitärischer Gruppen
- Bewertung des Einflusses der Milizen auf die öffentliche Sicherheit in Simbabwe
Auszug aus dem Buch
2.2.2 Aufgabe, Opfer und Gewaltpotential
Auslöser der Gewalt war die Entdeckung eines Waffenlagers im Februar 1982 bei vermeintlichen Anhängern Nkomos im Matabeleland, der Region Simbabwes, in denen die Ndebele die Bevölkerungsmehrheit darstellen.
Dieser Fund war für Mugabe Grund genug, Nkomo und zwei weitere ZAPU-Minister aus der Regierung zu entlassen, der ZAPU öffentlich vorzuwerfen, einen Bürgerkrieg vorzubereiten und die Fünfte Brigade zum Einsatz kommen zu lassen. Offiziell konnte jedoch nie bewiesen werden, dass für das Waffenlager tatsächlich hochrangige ZAPU-Mitglieder verantwortlich waren (Iwanowski 1991: 33).
Zwischen 1982 und 1987 sollen zwischen 10.000 und 20.000 Menschen - überwiegend Angehörige der Volksgruppe der Ndebele aus dem Matabeleland – der Fünften Brigade zum Opfer gefallen sein (Eppel 2008: 1). Der Begriff Gukurahundi ist bis heute ein Ausdruck für die Gewalttaten dieser Miliz. Gukurahundi bedeutet auf der Sprache der Shona „der frühe Regen wäscht die Spreu weg vor dem Frühlingsregen“ und ist ähnlich dem deutschen Sprichwort „die Spreu vom Weizen trennen“. Mugabe selbst soll diesen Begriff in Bezug auf die Fünfte Brigade genannt haben, um die Aufgabe dieser Sondereinheit zu benennen: Die Vernichtung potentieller Rebellen und Dissidenten (Eppel 2008: 4). Unter den Opfern waren jedoch bei weiten nicht nur tatsächliche Dissidenten oder potentielle Rebellen sondern auch zahlreiche Zivilisten und Kinder (New York Times 2011).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung definiert den Untersuchungsgegenstand und die methodische Herangehensweise zur Analyse der Milizen der ZANU-PF in Simbabwe.
2. Deskriptiver Teil: Dieser Teil beleuchtet den historischen Kontext der Kolonialisierung, den Befreiungskampf und die Entstehung der spezifischen Milizeinheiten sowie deren Aufgaben und Strukturen.
3. Analytischer Teil: Hier werden die Milizen in Typen eingeordnet, ihre Governance-Leistungen bewertet und das Verhältnis zum Auftraggeber auf Basis der Variablen Kontrolle und Effektivität untersucht.
4. Ausblick und Fazit: Das abschließende Kapitel fasst die Ergebnisse zusammen, beleuchtet die aktuelle politische Situation in Simbabwe und wagt eine Prognose zur weiteren Entwicklung.
Schlüsselwörter
Simbabwe, ZANU-PF, Milizen, Fünfte Brigade, National Youth Service, Security Governance, Robert Mugabe, Gukurahundi, Aufstandsbekämpfung, politischer Machterhalt, Counter-rival, ZAPU, ethnische Konflikte, Paramilitär, politische Gewalt.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Rolle paramilitärischer Milizen als Instrument der ZANU-PF zur Sicherung der Macht in Simbabwe zwischen 1980 und heute.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen sind die historische Genese der Milizen, deren strukturelle Organisation, das Verhältnis zur politischen Führung unter Robert Mugabe sowie deren Auswirkungen auf die Zivilgesellschaft.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist die Analyse, wie die Fünfte Brigade und der National Youth Service Security Governance ausübten und inwiefern diese zur Stabilisierung des Regimes beitrugen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine vergleichende Fallstudie, die Konzepte der Sicherheitsforschung (Security Governance) auf zwei spezifische Milizen anwendet.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil ist zweigeteilt in eine deskriptive Darstellung der Milizen (Hintergrund, Aufgaben, Gewaltpotential) und eine analytische Einordnung in Miliztypen sowie die Bewertung ihrer Effektivität.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Schlagworte sind Simbabwe, ZANU-PF, Fünfte Brigade, National Youth Service, Security Governance und politischer Machterhalt.
Was unterscheidet die Fünfte Brigade vom National Youth Service?
Die Fünfte Brigade agierte primär als Instrument zur Bekämpfung einer ethnisch-politischen Konkurrenz (ZAPU), während der National Youth Service später als jugendpolitisches Instrument zur Einschüchterung der Opposition (MDC) eingesetzt wurde.
Wie bewertet der Autor die Legitimität der Milizen?
Der Autor kommt zu dem Schluss, dass die Legitimität der Milizen bei der Bevölkerung extrem gering ist und ihr Einsatz vielmehr die Verzweiflung und Sturköpfigkeit des Regimes verdeutlicht.
- Arbeit zitieren
- B.A. Karsten Stöber (Autor:in), 2012, Die Milizen der ZANU-PF in Simbabwe, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/263265