Von der Verweigerung zur Verschwörung. Kallisthenes von Olynth und die Proskynese bei Alexander dem Großen


Hausarbeit, 2013
17 Seiten, Note: 1,3

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung
1.1 Quellenlage und Forschungsstand.

2. Kallisthenes von Olynth – Kurzbiographie.

3. Die Verweigerung
3.1 Die Proskynese als Herrschaftssymbol
3.2 Um einen Kuss ärmer.

4. Die Verschwörung
4.1 Von Pagen und Wahrsagern.
4.2 Die 1000 Tode eines Philosophen.

5. Schlussbetrachtungen..

6. Quellen und Literaturverzeichnis
6.1 Quellen
6.2 Literatur
6.3 Sonstige.

1. Einleitung

Alexander und Alexanders Taten hängen von mir und meinem Geschichtswerk ab. Ich bin nicht gekommen, um Alexanders Achtung zu gewinnen, sondern um ihn vor den Menschen ruhmreich zu machen. “ (Kallisthenes)[1]

Alexander der Große ist wohl das Herrscherideal schlecht hin. Das mag in erster Linie am Fehlen einer objektiven Geschichtsschreibung liegen. Sein persönlicher Hofhistoriograph Kallisthenes von Olynth schrieb ihm eine göttliche Vita, war sich jedoch der Realitäten bewusst.[2] Sein Widerstand gegen die Herrschaftsgepflogenheiten Alexanders ist Thema dieser Arbeit - speziell die Verweigerung der Proskynese im Frühjahr Jahr 327 v. Chr.[3] Der Zwist zwischen Herrscher und Geschichtsschreiber endete mit einer Verschwörung unter Alexanders Pagen.

Zu Beginn wird die Person Kallisthenes kurz dargestellt, um im Anschluss die Proskynese, ihren Zweck und den Widerstand gegen sie, im Rahmen der Übernahme persischer Rituale, zu beleuchten. Zweiter Teil der Arbeit wird die schon angesprochene Pagenverschwörung sein, die mit dem Tod Kallisthenes endet. Doch kann man dabei immer auf die Darstellungen der späteren historischen Schriften vertrauen? Sie sollen mit kritischer Vorsicht verglichen werden.

1.1 Quellenlage und Forschungsstand

Die Geschichtsschreibung ist immer Gefangene ihrer Zeit. So konstituiert Sabine Müller in ihrer umfassenden Dissertation „Maßnahmen der Herrschaftssicherung gegenüber der makedonischen Opposition bei Alexander dem Großen “, dass das Alexanderbild seit Niebuhr (Napoleon-Vergleich), Droysen (Zweck heiligt die Mittel) sowie Vorkriegs- (dämonische Züge unterstreichen Herrschergenie) und Nachkriegshistorikern (Einigung der Menschheit) eine stetige Entwicklung durchlebte, bis man sich in der Gegenwart endlich „dem historischen Alexander nähern “ konnte.[4] Müller versuchte sich insbesondere auf die möglichen Intentionen von Kallisthenes, Alexander und anderen zu konzentrieren und Beurteilungen bestehender Literatur kritisch zu hinterfragen.

Zu Allem rund um Alexander lieferte der Brite Robin Lane Fox mit „Alexander der Grosse – Eroberer der Welt“[5] 2010 sein Werk ab. Er versucht, ähnlich der Geschichtsschreibung der Quellen aus der römischen Kaiserzeit, eine chronologische Erzählung zu bieten, in der sich weitreichende Konflikte in das Zeitgeschehen des Eroberungs- beziehungsweise Erkundungszuges einfügen. Der Schreibstil ist über die Wissenschaft hinaus lesenswert.

Um Alexander befanden sich, neben Kallisthenes selbst, einige weitere, die ihr Erlebtes niedergeschrieben haben – darunter Ptolemaios und Aristobulos. Letztere sind maßgebliche Quellen für lateinische und griechische Geschichtsschreiber der Kaiserzeit. Wie schon erwähnt, ist Geschichtsschreibung abhängig vom Zeitgeist und so war es in der römischen Kaiserzeit populär Alexander als „Unterhaltungsstoff “ zu präsentieren.[6] Auch Flavius Arrianus aus Nikomedeia, kurz als Arrian bezeichnet, konnte die Legende, trotz hohem Anspruch, nicht umgehen.[7] Er nutzte nach eigenen Angaben Ptolemaios und Aristobulos. Es finden sich jedoch weitere Quellen ohne Angabe.[8] Der Thematik, die auch diese Arbeit behandelt, widmet Arrian ganze fünf Kapitel in Buch IV. Die ersten drei behandeln den Streit um die Proskynese und die letzten beiden die Pagenverschwörung.[9] Auch wenn Arrian nicht zur Vulgata-Tradition zählt, so ist allein der Fakt, Geschriebenes von direkt Beteiligten zu nutzen, Mahnung genug, Arrian mit Bedacht zu verwenden.[10]

Neben jenem ist Plutarchs vergleichende Biographie zwischen Alexander und Caesar eine bedeutende Sekundärquelle. Er legte weniger Wert auf die Ereignisgeschichte als auf die Charakterisierung der Akteure.[11] Deshalb behandelt Plutarch wohl in Kapitel 52-55 die Streitigkeiten um die Proskynese als fließenden Übergang zwischen dem Mord an Kleitos und der Pagenverschwörung. Die Existenz von verschiedenen Versionen der Alexandergeschichte stellt er oft deutlich heraus.[12] Laut Müller, konnte sich Plutarch auf ein Gros an Quellen stützen, das weit über Ptolemaios und Aristobulos hinausging.[13]

Zu guter Letzt die Abhandlung des lateinischen Schreibers Quintus Curtius Rufus: Er gehört der Vulgata-Tradition an,[14] was sich in der sagenhaften (im wörtlichen Sinne) Ausschmückung der Anekdoten zeigt. Besonders die rhetorisch perfekt arrangierten Streitgespräche zwischen Kallisthenes und Anarxarchos (wohl mit Kleon gleichzusetzen[15] ) irritieren unter der Fragestellung, wer die Reden wirklich wortwörtlich mitgeschrieben hätte. (Auch Arrian gibt dieses Gespräch wieder.[16] ) Man kann also davon ausgehen, dass Curtius kreativ war.[17] Der Lateiner stellt die hier relevante Geschichte in Kapitel 5 bis zum Tod Kallisthenes in Kapitel 8 größtenteils durch dichotome Wortgefechte dar.[18]

2. Kallisthenes von Olynth – Kurzbiographie

„Kallisthenes sei zwar ein fähiger und großartiger Redner gewesen, Verstand habe er aber keinen besessen.“ (Plut. Al. 54,2.)

Nur wenig ist über die Person Kallisthenes von Olynth wirklich sicher bekannt. Geboren wurde er wahrscheinlich um das Jahr 370 v. Chr.,[19] laut Plutarch als Neffe des Aristoteles.[20] Arrian befindet nur über Kallisthenes‘ Schülerschaft unter Aristoteles.[21] Unter einer Vielzahl von Historikern hält sich das Gerücht – beruhend auf Iustinus 12,6,7[22] –, Kallisthenes wäre zusammen mit Alexander bei Aristoteles unterrichtet worden, was schon allein durch den Altersunterschied von ca. 14 Jahren unwahrscheinlich scheint.[23]

Kallisthenes eigene Alexandergeschichte befasst sich mit dem Zug bis zum Jahre 330 v. Chr. und hob Alexander als Sohn des Zeus in die Höhe. Daneben schrieb er auch immer wieder wissenschaftliche Abhandlungen.[24]

Aristoteles soll, nach Plutarch, den Hofhistoriographen als undiplomatischen Rhetoriker charakterisiert haben.[25] Grundsätzlich wäre Kallisthenes „anständig und genügsam[26] gewesen, aber in seiner Art „etwas schroff[27], weshalb ihm Curtius Rufus eine Eignung für das höfische Leben absprach.[28] Seine Beliebtheit soll auch deshalb nicht besonders groß gewesen sein, weil man ihm nachsagte, er wäre nur mit auf den Zug gekommen, um Alexander zum Wiederaufbau seiner Heimatstadt Olynth zu bewegen, die Philipp II. zerstört hatte.[29]

[...]


[1] Lane Fox, S. 434. Alle Direktzitate sind im Rahmen dieser Arbeit ohne Überarbeitung von Rechtschreibung, Zeichensetzung et cetera übernommen worden.

[2] Müller, S. 150-152.

[3] Lane Fox, S. 791.

[4] Müller, S. 7-9.

[5] Lane Fox, 2010.

[6] Schwartz, S. 120 u. 144f.

[7] Ebenda, S. 130 u. 144f.

[8] Badian1, 454.

[9] Arr. Anab. 4,10-15.

[10] Badian1, 454. Müller, S. 14.

[11] Plut. Al. 1,1-3

[12] Plut. Al. 52-55. Hier speziell die unterschiedlichen Berichte über Kallisthenes Tod in Kapitel 55.

[13] Müller, S. 14.

[14] Badian1, 454.

[15] Müller, S. 148.

[16] Arr. Anab. 4,10,5-4,11,9.

[17] Curt. 8,5,10-24.

[18] Curt. 8,5-8.

[19] Kroll, 1675, 3-10.

[20] Plut. Al. 55,4-5. Kroll, 1675,10-19.

[21] Arr. Anab. 4,10,1. Müller, S. 135.

[22] Kroll, 1675,35-40.

[23] Müller, S. 135f. Laut Müller (Anm. 758 auf S. 136) wäre Kallisthenes 343 zu Beginn von Alexanders Ausbildung, welche er mit 13 Jahren begann, 27 gewesen.

[24] Badian², 204.

[25] Plut. Al. 54,2.

[26] Plut. A. 53,1-2.

[27] Arr. Anab. 4,10,1.

[28] Curt. 8,8,21.

[29] Plut. Al. 1-3. S. auch Anmerkung 99 auf Seite 108 von Plutarch: Alexander – Caesar, Ditzingen 2007.

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Details

Titel
Von der Verweigerung zur Verschwörung. Kallisthenes von Olynth und die Proskynese bei Alexander dem Großen
Hochschule
Universität Rostock  (Heinrich-Schliemann-Institut für Altertum)
Veranstaltung
Philipp II. und das Reich Alexander des Großen
Note
1,3
Autor
Jahr
2013
Seiten
17
Katalognummer
V263276
ISBN (eBook)
9783656520658
ISBN (Buch)
9783656524779
Dateigröße
491 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Alexander der Große, Hellenismus, Makedonien, Griechenland, Antike, Kallisthenes, Perser, Proskynese, Pagenverschwörung
Arbeit zitieren
Fritz Beise (Autor), 2013, Von der Verweigerung zur Verschwörung. Kallisthenes von Olynth und die Proskynese bei Alexander dem Großen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/263276

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