Bildungsmonitoring: Rezeption und Konsequenzen am Beispiel von PISA und IGLU


Referat (Ausarbeitung), 2004

19 Seiten, Note: 1.0


Leseprobe

Inhalt

Einleitung

PISA und IGLU – die Studien und ihre Ergebnisse im Überblick

Unterschiede zwischen PISA und IGLU und Probleme der Ergebnisinterpretation

Ausgewählte Detailanalysen

Bildungsmonitoring in Deutschland – zwischen Wunsch und Wirklichkeit

Chancen und Risiken für die Zukunft

Literatur

Einleitung

Als Ende 2001 die Ergebnisse der PISA-Studie publik wurden, ging ein Aufschrei durch die deutschen Medien. „Deutsche Schüler schneiden im OECD-Vergleich miserabel ab“, hieß es beispielsweise in der Financial Times Deutschland am 3. Dezember 2001, während Die Tageszeitung am selben Tag feststellte der deutsche Bildungsnotstand sei nachgewiesen. Darauf folgte eine öffentliche Diskussion über das deutsche Bildungssystem. Bekannte Argumente und Standpunkte wurden „in PISA verpackt“ diskutiert.

Rund anderthalb Jahre später kamen die IGLU-Ergebnisse und sorgten bundesweit für Erleichterung. „Nach Pisa-Frust gibt es Iglu-Hoffnung“, so zum Beispiel Der Spiegel am 1. April 2003. Auch hier schloss sich eine große Bildungsdiskussion an. Doch anders als bei PISA wollten diesmal alle gemeinsam die Verantwortung für die Ergebnisse übernehmen.

Wann immer in Deutschland dieser Tage über Bildung diskutiert wird, ist eine derartige Diskussion verbunden mit der Frage der wirtschaftlichen Stärke unseres Landes. Das Bildungsniveau wird als Prädiktor für den langfristigen Erfolg des Landes gesehen. Da wundert es wenig, dass ein unterdurchschnittliches Ergebnis Deutschlands Besorgnis hervorruft. Zugleich werden je nach ideologischem Hintergrund Konzepte angeboten, wie Deutschlands Bildung zu retten sei.

Aber was genau steckt hinter PISA und IGLU? Wie hat Deutschland abgeschnitten? Wie stehen wir im Vergleich zu anderen Ländern da? Und inwieweit lassen sich die Ergebnisse beider Studien miteinander vergleichen. Um die Beantwortung dieser und weiterer Fragen wird es im folgenden gehen. Dabei wird zunächst ein grober Überblick über die Studieneigenschaften sowie die Ergebnisse gegeben, mit dem Ziel darzulegen, wofür PISA und IGLU im einzelnen stehen und welche Ergebnisse sich zeigen. Im Anschluss geht es um Rezeption und Konsequenzen der Studien. Hierbei wird thematisiert, was aus pädagogisch-psychologischer Sicht wünschenswert wäre und was tatsächlich passiert. Aber auch die Frage, wie andere Länder mit den Ergebnissen umgehen, wird in diesem Kontext Thema sein, bevor es zum Schluss um die Frage geht, wie die Zukunft des Bildungsmonitorings in Deutschland aussehen könnte.

PISA und IGLU – die Studien und ihre Ergebnisse im Überblick

PISA

Die Abkürzung PISA steht für Program for International Student Assessment. Dahinter verbirgt sich ein Programm der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) zur zyklischen Erfassung basaler Kompetenzen. Ziel ist es eine Beurteilung der Funktions- und Leistungsfähigkeit der nationalen Bildungssysteme zu erhalten (Artelt et al., 2001).

An der hier relevanten Erhebungswelle vom Frühjahr 2000, nahmen 15-Jährige Schülerinnen und Schüler aus 32 Staaten, davon 28 Mitgliedsstaaten der OECD, teil. In Deutschland bestand die Stichprobe aus ca. 5.000 Schülerinnen und Schülern aus insgesamt 219 Schulen, während weltweit ca. 180.000 Schülerinnen und Schüler untersucht wurden.

Die drei innerhalb der Studie untersuchten Konstrukte waren Lesekompetenz, mathematische sowie naturwissenschaftliche Grundbildung. Im folgenden wird allerdings nur auf das Basiskonstrukt Lesekompetenz (reading literacy) weiter eingegangen werden, das im ersten Zyklus auch den Schwerpunkt der Studie bildete. Im Sinne von PISA handelt es sich bei Lesekompetenz um die Fähigkeit, geschriebene Texte unterschiedlicher Art in ihren Aussagen, ihren Absichten und ihrer formalen Struktur verstehen und in einen größeren Zusammenhang einordnen zu können, sowie in der Lage zu sein, Texte für verschiedene Zwecke sachgerecht zu nutzen (Stanat et al., 2002).

PISA besteht aus einer Mischung aus Multiple Choice-Aufgaben und offenen Fragen. Die Items sind in Gruppen so zusammengefasst, dass sie sich jeweils auf die Beschreibung einer realitätsnahen Situation beziehen. Zusätzlich zur Bearbeitung der Testitems beantworteten die Teilnehmer einen Schülerfragebogen mit Hintergrundfragen über ihre Person. Außerdem wurden die Schulleiter gebeten Fragen über ihre Schule zu beantworten. Zur qualitativen Beschreibung der Leistungsergebnisse der Teilnehmer werden fünf Kompetenzstufen unterschieden. Kompetenzstufe I steht für eine sehr elementare Lesefähigkeit. Ein Schüler auf dieser Kompetenzstufe ist lediglich in der Lage explizite Informationen aus einem vertrauten und einfachen Text zu ziehen. Demgegenüber können Schüler auf Kompetenzstufe V auch aus einem komplexen neuartigen Text die relevante Information extrahieren, auch wenn sie indirekt erschlossen werden muss (vgl. Stanat et al., 2002).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 1: PISA, Leistungen im Lesen im internationalen Vergleich, Gesamtskala Lesen.

(Quelle: Artelt et al., 2001).

Wie aus Abbildung 1 ersichtlich, belegt Deutschland im Vergleich mit den anderen Ländern Platz 21. Mit einem Durchschnittswert von 484 weichen die hier erzielten Ergebnisse um 16 Punkte vom OECD-Durchschnitt, und um eine halbe Standardabweichung von der internationalen Spitzengruppe ab. Im Ländervergleich ist zudem die Streuung innerhalb der deutschen Stichprobe als auffällig zu bewerten. In keinem anderen Land ist der Abstand zwischen den 5 Prozent stärksten und den 5 Prozent schwächsten Lesern so groß wie in Deutschland. Während im Durchschnitt 6 Prozent der Schülerinnen und Schüler unterhalb der Kompetenzstufe I liegen, sind es in Deutschland 10 Prozent. Weitere 13 Prozent befinden sich auf Kompetenzstufe I. Damit sind insgesamt 23 Prozent der untersuchten Schülerinnen und Schüler in Deutschland auf einem als kritisch zu bewertenden Niveau.

IGLU

IGLU steht für Internationale Grundschul-Lese-Untersuchung und ist die deutsche Bezeichnung für die international als PIRLS bekannte Progress in Reading Literacy Study.

An IGLU beteiligten sich weltweit rund 146.000 Grundschülerinnen und –schüler aus 35 Staaten. In Deutschland bestand die Stichprobe aus rund 10.000 Schülerinnen und Schülern aus vierten Klassen von 246 Schulen.

Wie der Titel verrät, geht es bei IGLU schwerpunktmäßig um die Lesekompetenz. Ähnlich wie in PISA wird diese konzipiert als „Fähigkeit, Lesen in unterschiedlichen, für die Lebensbewältigung praktisch bedeutsamen Verwendungssituationen einsetzen zu können“ (Bos et al., 2003, S. 6), wobei zwischen der Intention literarische Texte zu Lesen und der Intention Informationen zu ermitteln und zu gebrauchen unterschieden wird. Um relevante Umweltbedingungen zu ermitteln, wurden Fragebögen an Schulleitungen, Lehrkräfte, Eltern und Schülerinnen und Schüler gegeben.

Grundlage der Studie sind Multiple Choice sowie offene Aufgaben. Je nach Fähigkeit werden zur qualitativen Bewertung vier Kompetenzstufen unterschieden. Wie aus Tabelle 1 ersichtlich sind Grundschülerinnen und Grundschüler nach dieser Konzeption auf Stufe I anzusiedeln, wenn sie lediglich in der Lage sind gesuchte Wörter in einem Text zu erkennen. Grundschülerinnen und Grundschüler, die in der Lage sind mehrere Textpassagen sinnvoll miteinander in Beziehung zu setzen, sind auf Stufe IV anzusiedeln.

Tab. 1: IGLU, Kompetenzstufen und Skalenwerte – Leseverständnis (Quelle: Bos et al., 2003)

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

[...]

Ende der Leseprobe aus 19 Seiten

Details

Titel
Bildungsmonitoring: Rezeption und Konsequenzen am Beispiel von PISA und IGLU
Hochschule
Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt am Main  (Institut für Pädagogische Psychologie)
Veranstaltung
Evaluationsforschung in der Pädagogischen Psychologie
Note
1.0
Autor
Jahr
2004
Seiten
19
Katalognummer
V26328
ISBN (eBook)
9783638286916
Dateigröße
638 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Darstellung und Interpretation der Ergebnisse von PISA und IGLU vor dem Hintergrund methodischer Überlegungen.
Schlagworte
Bildungsmonitoring, Rezeption, Konsequenzen, Beispiel, PISA, IGLU, Evaluationsforschung, Pädagogischen, Psychologie
Arbeit zitieren
Tina Rasper (Autor), 2004, Bildungsmonitoring: Rezeption und Konsequenzen am Beispiel von PISA und IGLU, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/26328

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