"Das Bild vor das Auge gestellt, da bleibt der Geist ein Knecht.“
Johann Wolfgang von Goethe
Wie Journalisten und Medien über andere Länder referieren, prägt unsere
Wahrnehmung und Vorstellung über diese Länder entscheidend und nachhaltig.
Massenmedien fungieren in der interkulturellen Kommunikation als Schnittstelle
zwischen dem Weltgeschehen und der Bevölkerung. Durch die Abbildung
bestimmter Themen und die Auslassung anderer konstruieren Medien eine
spezifische Realität, die, anders als bei Geschehnissen im Inland, bei
Geschehnissen im Ausland von den Zuschauern auf Grund der fehlenden eigenen
Erfahrungen oder alternativer Informationsquellen nicht oder nur schwer
überprüfbar sind. Diese konstruierte mediale Realität kann Auswirkungen auf den
gesellschaftlichen und politischen Umgang mit anderen Ländern und Nationen
haben. Insbesondere die als einseitig negativ und falsch kritisierte
Berichterstattung über die Konflikte im Nahen Osten, sprich der
Auseinandersetzung von Israelis und Palästinensern, steht seit Jahrzehnten lang
schon im Fokus. Gerade diese Berichterstattung ist besonders kontrovers, weil mit ihr oft eine Antisemitismusdebatte verbunden ist: Dürfen Medien Israel
kritisieren? Wo ist die Grenze zwischen legitimer Israelkritik und
Antisemitismus? Ist die Kritik nur ein Vorwand, um judenfeindliche Ideen und
Gefühle zu artikulieren? Werden gar antisemitische Vorurteile und Stereotype
transportiert? Welche Rolle nehmen die Medien bei der Vermittlung von
Informationen, speziell im Hinblick auf die Berichterstattung über den
Nahostkonflikt ein? Tatsache ist, dass die Gratwanderung zwischen
Antisemitismus und Israelkritik schmal ist.
Inhaltsverzeichnis
1. Israel und der Nahost-Konflikt in den deutschen Nachrichten
1.1 News Bias Theory
1.2 Studien und ihre Ergebnisse
2. Antisemitismus, Antizionismus und Israelbild in Deutschland
2.1 Zum Begriff des Antisemitismus
2.2 Antizionismus und sekundärer Antisemitismus im 20. Jahrhundert
2.3 Antisemitische Stereotype, Vorurteile und das Feindbild Islam
3. Zusammenfassung des theoretischen Teils
4. Die Berichterstattung der Tagesschau der ARD und ZDF heute als Untersuchungsgegenstand einer kommunikationswissenschaftlichen Inhaltsanalyse
4.1 Befunde bisheriger Studien
4.2 Forschungsfrage und Hypothese
4.3 Indikatoren einer antisemitischen & antizionistischen Berichterstattung
4.4 Indikatoren für News Bias
4.5 Methodik
5. Ergebnisse der quantitativen und qualitativen Auswertung der Inhaltsanalyse
5.1 Formale Variablen
5.2 Inhaltliche Variablen
5.3 Zusammenfassung der Ergebnisse
6. Resümee
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Berichterstattung der Nachrichtensendungen ARD Tagesschau und ZDF heute im November 2012 hinsichtlich einer möglichen einseitigen, anti-israelischen Tendenz. Das primäre Ziel ist es, mithilfe einer inhaltsanalytischen Untersuchung der Auslandsberichterstattung über den Nahost-Konflikt zu prüfen, ob die Medien ein verzerrtes Bild vermitteln, und damit eine Forschungslücke zu schließen.
- Analyse der Berichterstattung über den Nahost-Konflikt in ARD und ZDF
- Untersuchung von News Bias und potenziellen antisemitischen Tendenzen
- Abgrenzung der Begriffe Antisemitismus, Antizionismus und Israelkritik
- Identifikation dominierender Perspektiven und Bilder über Israel in den Medien
Auszug aus dem Buch
1. Israel und der Nahost-Konflikt in den deutschen Nachrichten
Kaum ein Thema ist in Deutschlands Medienlandschaft so präsent wie Israel und der Nahostkonflikt. Mehrmals die Woche, wenn nicht sogar täglich, präsentieren die heimischen Medien, seien es die Printmedien, das Fernsehen oder auch Internet und Radio, die Gewalt zwischen Israelis und Palästinensern im Nahen Osten. Der Bevölkerung werden jeden Tag aufs Neue unzählige Bilder von Anschlägen in Israel, Angriffen und militärischen Aktionen in den palästinensischen Gebieten und eine Vielzahl an Toten aus der Zivilbevölkerung präsentiert. Das Bild einer endlos laufenden Gewaltspirale zwischen Israelis und Palästinensern wird zugleich durch unzählige Beiträge in Zeitungen und Diskussionsrunden indoktriniert.
Das Verhältnis zwischen Deutschland und Israel ist schwierig und einzigartig. Begründet ist dieses durch die Verantwortung Deutschlands für die Shoa, den systematischen Mord an etwa sechs Millionen Juden Europas durch die Nazis in der Zeit des Nationalsozialismus. Diese Vergangenheit ist und bleibt das tragende Element für die deutsch-israelische Beziehung und prägt bis heute das Verhältnis zwischen Juden und Deutschen. Dementsprechend sind die deutsch-israelischen Beziehungen vielschichtig und äußerst kompliziert und vor allem „keine normalen Beziehungen“ (Oz, 2005, S. 7). Diese gemeinsame Vergangenheit liegt auch in der Tatsache begründet, dass die deutschen Medien den Konflikt im Nahen Osten zwischen den Israelis und den Palästinensern mit besonderer Aufmerksamkeit verfolgen. In diesem Zusammenhang ist auch die Diskussion, ob Deutsche aufgrund der nationalsozialistischen Vergangenheit ihres Landes Kritik an Israel üben dürfen, so aktuell wie nie.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Israel und der Nahost-Konflikt in den deutschen Nachrichten: Dieses Kapitel erörtert die besondere Präsenz Israels in deutschen Medien und führt in die News Bias Theory sowie bisherige Studien zum Thema ein.
2. Antisemitismus, Antizionismus und Israelbild in Deutschland: Es werden die theoretischen Begrifflichkeiten von Antisemitismus, Antizionismus sowie die Rolle von Stereotypen und Feindbildern detailliert voneinander abgegrenzt.
3. Zusammenfassung des theoretischen Teils: Hier werden die theoretischen Grundlagen als Basis für die empirische Analyse zusammengefasst.
4. Die Berichterstattung der Tagesschau der ARD und ZDF heute als Untersuchungsgegenstand einer kommunikationswissenschaftlichen Inhaltsanalyse: Dieses Kapitel begründet die Auswahl der Untersuchungsobjekte, stellt Forschungsfragen und erläutert die methodische Herangehensweise.
5. Ergebnisse der quantitativen und qualitativen Auswertung der Inhaltsanalyse: Hier werden die erhobenen Daten präsentiert, die zeigen, dass die Berichterstattung im untersuchten Zeitraum neutral verlief.
6. Resümee: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und bewertet diese kritisch vor dem Hintergrund der Erkenntnisse aus dem theoretischen Teil.
Schlüsselwörter
Israel, Nahostkonflikt, ARD, ZDF, Tagesschau, heute-Sendung, Antisemitismus, Antizionismus, News Bias, Medienanalyse, Inhaltsanalyse, Berichterstattung, Stereotype, Israelkritik, Auslandsberichterstattung
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Bachelorarbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die journalistische Berichterstattung der öffentlich-rechtlichen Hauptnachrichtensendungen ARD Tagesschau und ZDF heute über den Nahost-Konflikt im November 2012.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Die zentralen Felder umfassen die News Bias Theory, die Abgrenzung von Antisemitismus und Antizionismus, das Israelbild in Deutschland sowie die Analyse der Medienwirklichkeit.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, zu prüfen, ob die Berichterstattung über den Nahost-Konflikt in den genannten Sendungen einen einseitigen, anti-israelischen Bias aufweist und ob antisemitische Stereotype vermittelt werden.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Die Autorin führt eine quantitative und qualitative Inhaltsanalyse durch, um die Berichterstattung systematisch auf Indikatoren für Bias, Wertungen und die Darstellung von Aggressor- bzw. Opferrollen zu untersuchen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in einen theoretischen Teil zur Begriffsbestimmung und einen empirischen Teil, der das Untersuchungsobjekt, die Methodik und die Auswertung der Nachrichtenbeiträge beinhaltet.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit lässt sich durch Begriffe wie Israel, Nahostkonflikt, News Bias, Antisemitismus, Antizionismus und Inhaltsanalyse charakterisieren.
Wie bewertet die Autorin die Rolle der Medien bei der Vermittlung von Nahost-Nachrichten?
Sie betont, dass Medien als wichtige Schnittstelle fungieren und durch die Konstruktion medialer Realität einen zentralen Einfluss auf die Wahrnehmung des Konflikts und die Einstellungen der Bevölkerung haben.
Welche spezifische Schlussfolgerung zieht die Arbeit aus der Inhaltsanalyse?
Basierend auf der Analyse des Untersuchungszeitraums von einer Woche kommt die Autorin zu dem Schluss, dass die untersuchte Berichterstattung der ARD und des ZDF als neutral zu bewerten ist und kein anti-israelischer Bias nachgewiesen werden konnte.
- Arbeit zitieren
- Aline Kaplan (Autor:in), 2013, Israelisch-Palästinensischer Konflikt am Beispiel der Fernsehnachrichten der öffentlich-rechtlichen Sender, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/263289