Erzählen und seine Bedeutung für das autobiographische Gedächtnis. Zu Helen Kellers "Mein Weg aus dem Dunkel"


Hausarbeit, 2013
14 Seiten, Note: 2,3

Leseprobe

INHALTVERZEICHNIS

1. EINLEITUNG

2. DEFINITION UND ENTWICKLUNG DES AUTOBIOGRAPHISCHES GEDÄCHTNISSES
2.1 DEFINITIONS
2.2 ENTWICKLUNG

3. DIE BEDEUTUNG DES AUTOBIOGRAPHISCHEN GEDÄCHTNISSES FÜR DAS ERZÄHLENS.

4. HELEN KELLER „MEIN WEG AUS DEM DUNKEL“
4.1 BIOGRAPHIE HELEN KELLER.
4.2 SPRACHERWERB, AUTOBIOGRAPHISCHES GEDÄCHTNIS UND ERZÄHLUNGEN BEI HELEN KELLER

5. FAZIT

6. LITERATURVERZEICHNIS

1. EINLEITUNG

In sozialen Interaktionen mit anderen Menschen erzählen wir viel. Vor allem aus unserem Leben: Wie unser Tag so war, was uns gerade Spannendes passiert ist. Lustige und traurige Geschichten, Dinge, die uns wütend gemacht haben, aber auch, Dinge, die uns dazu gebracht haben, herzlich zu lachen.

Fremden Menschen, die wir erst kennen lernen, denen erzählen wir jedoch unsere Geschichte, unser Leben, von Anfang bis zum Zeitpunkt des Gesprächs, oder sogar darüber hinaus, unsere Pläne für die Zukunft.

Damit wir all dies tun können, erzählen können, müssen wir jedoch eine Reihe von Kompetenzen entwickeln. Zu diesen Kompetenzen zählen unter anderem der Spracherwerb und die Ausbildung unseres Gedächtnisses, in diesem Falle die des autobiographischen Gedächtnisses. Diese und einige andere Faktoren, wie zum Beispiel ein Zeitkonzept, stehen in enger Wechselwirkung zueinander oder sind gar abhängig voneinander.

Im Folgenden soll das autobiographische Gedächtnis ansatzweise erklärt werden. Anschließend soll dann der Zusammenhang zwischen dem autobiographischen Gedächtnis, der Entwicklung von Sprache und dem Erzählen hergestellt werden.

Zum Schluss soll anhand des Beispiels Helen Keller, einer Frau, die schon in frühester Kindheit ihren Seh- sowie Hörsinn verlor, dieser Zusammenhang noch einmal verdeutlicht werden.

2. DEFINITION UND ENTSTEHUNG DES AUTOBIOGRAPHISCHEN GEDÄCHTNISSES

Bevor die komplexen Zusammenhängen zwischen den unterschiedlichen Instanzen erläutert werden, soll zunächst geklärt werden, was unter dem Begriff „autobiographisches Gedächtnis“ überhaupt zu verstehen ist und wie es entsteht.

2.1 DEFINITION

Schneider und Büttner definieren das autobiographische Gedächtnis „ in Anlehnung an Weber (1993) als Teilbereich des episodischen (Langzeit-) Ged ä chtnisses [ … ], indem Erinnerungen an komplex strukturierte Erlebnisse mit starken Selbstbezug repr ä sentiert sind1 Das autobiographische Gedächtnis kann also nicht als eigenständiges Gedächtnis 1 Schneider, Wolfgang; Büttner, Gerhard: Entwicklung des Gedächtnisses bei Kindern und Jugendlichen in Oerter, Montada (Hrsg.): Entwicklungspsychologie 5. Auflage Weinheim, Basel, Berlin: Beltz Verlage 2002 S. 513 betrachtet werden, vielmehr steht es in wechselseitiger Beziehung mit anderen Gedächtnisformen, bezieht sich jedoch hauptsächlich auf das Selbst.

Es handelt sich bei dieser Form also nicht um zusammenhangslose „Kurzgeschichten“, mit denen man unser episodisches Gedächtnis beschreiben könnte, sondern um das große Ganze, unser Selbst betreffend, das miteinander verknüpft ist, bewertet, reflektiert und aufeinander bezogen werden kann. Durch das autobiographische Gedächtnis werden uns Zusammenhänge klar.

Es handelt sich um eine narrative Form des Gedächtnisses, mit dem Erlebenden oder „Gedächtnis-Autor“ als Hauptperson. Hier wird nicht faktisches Wissen abgespeichert, sondern subjektive Wahrnehmungen, Empfindungen und Erfahrungen.2 Das autobiographische Gedächtnis unterscheidet uns von anderen Primaten oder Säugetieren generell. Es befähigt uns dazu ein „Ich-Bewusstsein“ zu haben und dieses Bewusstsein auf die Vergangenheit, die Gegenwart und die Zukunft zu beziehen. Es lässt uns „ mentale Zeitreisen3 machen und wir können uns selbst z.B. in der Gesellschaft, oder - größer gedacht - dem Raum-Zeit-Kontinuum einordnen. Das wichtigste hierbei ist der Selbstbezug: Die Erfahrungen selber gemacht zu haben beeinflusst uns und unser autobiographisches Gedächtnis weitaus mehr, als die z.B. erzählten oder medial vermittelten Erfahrungen anderer.

Erinnerungen, die wir mit unserem autobiographischen Gedächtnis abrufen, sind autonoetisch, das heißt, das Erinnern findet bewusst statt und Erinnerungen sind explizit abrufbar, beispielsweise in einer Situation, die in unserer Vergangenheit schon ähnlich stattgefunden hat.

Auch das Durchspielen vergangener Situationen mit neugewonnenen, in der Gegenwart vorhandenen Handlungs- und/oder Problemlösestrategien wird durch das autobiographische Gedächtnis ermöglicht.4

2.2 ENTWICKLUNG

Das Interesse am autobiographischen Gedächtnis entstand durch die „infantile Amnesie“, also den Zeitraum von der Geburt bis zu einem kulturabhängigen Zeitpunkt in der Kindheit (in westlich geprägten Kulturen ca. bis zum dritten Lebensjahr), in dem man sich an nichts erinnert.

Niemand wird uns heute sagen können, wie es war, seine Mutter das erste Mal zu sehen, das erste Mal zu laufen, oder wie die erste feste Mahlzeit geschmeckt hat.

Jedoch haben jüngere Kinder, sowie sogar Säuglinge Erinnerungen.

Katherine Nelson beschreibt die die Entstehung des autobiographischen Gedächtnisses in einer Graphik.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Die Entwicklung des autobiographischen Ged ä chtnisses

Die Abbildung zeigt sie Entwicklung des autobiographischen Gedächtnisses, welches sich natürlich stetig weiter entwickelt, bis zum 5. Lebensjahr. In diesem Alter entsteht das autobiographische Gedächtnis.

Die Pfeile, welche überwiegend in beide Richtungen weisen, machen deutlich, dass es sich um wechselseitige Einflüsse oder miteinander kooperierenden Instanzen handelt. Die Gespräche über Vergangenheit und Zukunft sind ein zentraler Knotenpunkt in dieser Graphik. Hier ist auch deutlich der erste Zusammenhang zwischen narrative Strukturen und unserem autobiographischen Gedächtnis zu erkennen.

[...]


1

2 Vgl.: Nelson, Katherine: Über Erinnerungen reden: Ein soziokultureller Zugang zur Entwicklung des Autobiographischen Gedächtnisses in Welzer und Markowitsch (Hrsg.): Warum Menschen sich erinnern können Stuttgart: Klett-Cotta Verlag 2006 S. 80-81

3 Markowitsch, Hans; Welzer, Harald: Das autobiographische Gedächtnis Stuttgart: Klett-Cotta Verlag 2005 S. 11

4 Vgl.: ebd.

Ende der Leseprobe aus 14 Seiten

Details

Titel
Erzählen und seine Bedeutung für das autobiographische Gedächtnis. Zu Helen Kellers "Mein Weg aus dem Dunkel"
Hochschule
Europa-Universität Flensburg (ehem. Universität Flensburg)
Note
2,3
Autor
Jahr
2013
Seiten
14
Katalognummer
V263292
ISBN (eBook)
9783656520627
ISBN (Buch)
9783656521259
Dateigröße
852 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
erzählen, bedeutung, gedächtnis, beispiel, helen, kellers, mein, dunkel
Arbeit zitieren
Ann-Christin Oelerich (Autor), 2013, Erzählen und seine Bedeutung für das autobiographische Gedächtnis. Zu Helen Kellers "Mein Weg aus dem Dunkel", München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/263292

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