Das Ausbrechen aus den Geschlechterklischees als Weg zur Selbstfindung am Beispiel der Figur Sam Lopez aus dem Adoleszenzroman ‚Boy2Girl‘


Studienarbeit, 2012

19 Seiten, Note: 2,0


Leseprobe

INHALTSVERZEICHNIS

1. Pädagogische Situation der Klasse 8c

2. Didaktische Überlegungen
2.1 Thema der Stunde und Bezug zum Lehrplan
2.2 Einbettung der Lehrprobenstunde in die Unterrichtseinheit
2.3 Sachanalyse

3. Planung der Lehrprobenstunde
3.1 Ziele der Unterrichtsstunde
3.2 Geplanter Verlauf der Unterrichtsstunde
3.3 Medieneinsatz
3.4 Stundenskizze

4. Literaturverzeichnis

5. Anlagen

1. PÄDAGOGISCHE SITUATION DER KLASSE 8C

Die Klasse umfasst insgesamt Schülerinnen und Schüler. Im Fach Deutsch wird sie geteilt unterrichtet, sodass sich in meinem Unterricht Schülerinnen und Schüler befinden. Die Klassensituation ist geprägt durch die deutliche zahlenmäßige Überlegenheit der Mädchen. Dies führt manchmal dazu, dass sich die Schüler zurückziehen. Dem kann entgegengesteuert werden, indem die Jungen bei Gruppenarbeit in zwei verschiedene Gruppen eingeteilt werden. Denn dann arbeiten sie engagiert mit, was sich bei einigen Rollenspielen bemerkbar machte. In der Klasse herrscht ansonsten ein sehr offenes, angenehmes Klima. Die Schülerinnen und Schüler stehen neuen Lerninhalten offen gegenüber, was besonders bei der Einführung des inneren Monologs deutlich wurde. Die Arbeitsbereitschaft ist hoch. So muss bei einer Aufgabenstellung häufig die maximale Seitenanzahl vorgegeben und auf die Bearbeitungszeit hingewiesen werden, da andernfalls die „Gefahr“ besteht, dass sich die Klasse die ganze Unterrichtsstunde lang mit dieser Aufgabe beschäftigt und der Unterrichtsverlauf unterbrochen wird.

In der Klasse gibt es einige Schülerinnen, die leistungsstark sind und den Unterricht vorantreiben. Hier muss jedoch mit Vorsicht vorgegangen werden, da nicht alle Schülerinnen und Schüler der Klasse so zügig Zusammenhänge durchschauen und neue Erkenntnisse erwerben. Deswegen ist es von Vorteil, Wichtiges noch einmal durch andere Schüler wiederholen zu lassen, um deren Lernfortschritt sicher zu stellen.

2. DIDAKTISCHE ÜBERLEGUNGEN

2.1 Thema der Stunde und Bezug zum Lehrplan

In der 8. Klasse sind zwei Ganzschriften zu lesen1. Dabei wird aktuelle Jugendliteratur empfohlen; unter den Lektürevorschlägen findet sich auch das Jugendbuch „Boy2Girl“. Die Auswahl eines Jugendbuches als Klassenlektüre hängt eng mit der Entwicklung in diesem Alter zusammen. So weisen mehrere Didaktiker, unter anderem auch Ch. Garbe2, auf die sog. „Lesekrise“ in der Pubertät hin.Einige Jugendliche haben zwar andere Interessen als Bücherlesen, doch scheitert die Leselust häufiger daran, dass mit der gesteigerten Lesefähigkeit das Serielle des Verfassten begriffen wird. Anstatt das Lesen auf einer anderen Ebene zu gestalten, hören der eine und der andere Jugendliche mit dem lustvollen Lesen auf. Diese Entwicklung kann der Deutschunterricht paradoxerweise unterstützen, indem Texte gelesen werden, die zwar eine lange literarische Tradition haben, die jedoch die Jugendlichen nicht ansprechen.

„Boy2Girl“ hingegen beschäftigt sich mit der Entwicklung der eigenen Identität durch das Ausbrechen aus den konventionellen Geschlechterstereotypen3. Es bietet also die Möglichkeit, Parallelen zum eigenen Leben zu entdecken und lustvoll zu lesen.

Mit der Lehrprobenstunde verbinden sich mehrere Lernbereiche des Lehrplans. So tauchen die Schülerinnen und Schüler in die „Lektürewelt“ hinein und entdecken die in der erzählten Welt herrschende, oft misslingende, Kommunikation. Sie untersuchen die Gründe für Missverständnisse, entwickeln eigene Standpunkte und Meinungen, verfolgen Gesprächsbeiträge anderer und bringen sich schließlich im Unterrichtsgespräch konstruktiv ein (vgl. Lehrplan, ebd., 8.1 und die BS, S…). Im Rahmen der Sprachbetrachtung setzen sie sich mit der Frage auseinander, wie die Veränderung der Sprache mit der Entwicklung von Identität zusammenhängen kann (vgl. Lehrplan, ebd., 8.3). Aber auch die Medienreflexion wird im Rahmen der Stunde gefördert, indem zwei verschiedene Medien zum gleichen Thema (Geschlechterklischees) untersucht werden: Eine Cartoon-Szene und ein Jugendroman. Schülerinnen und Schüler können so vergleichen, auf welche Weise Intentionen (in diesem Fall die Darstellung von Klischees) gestaltet werden und welche Wirkungen sie dabei erzielen4 (Komik oder persönliche Auseinandersetzung mit dem Thema). Der Hauptteil der Stunde bezieht sich jedoch vorrangig auf den Zusammenhang von Inhalt, Aussage und sprachlicher Gestaltung (vgl. Lehrplan, ebd., 8.4). Das im Buch dargestellte Problem der Geschlechterklischees wird unter dem Bezug auf die Interaktion der Figuren erarbeitet, dabei stehen die Handlungsmotive der Hauptfigur im Fokus. Somit lernen die Schülerinnen und Schüler, literarische Texte zu verstehen, indem sie wesentliche Elemente eines Textes erfassen und eigene Deutungen des Textes entwickeln5.

Über den Jahrgangsstufenlehrplan der achten Klasse hinaus trägt die Lehrprobenstunde zur Persönlichkeitsbildung der Schülerinnen und Schüler bei, die im Fachprofil des Faches Deutsch beschrieben wird6, indem es zur Auseinandersetzung zwischen der eigenen Einstellung und der Einstellung der Gesellschaft zu Geschlechterklischees anregt.

2.2 Einbettung der Lehrprobenstunde in die Unterrichtseinheit

Die Lehrprobenstunde steht am Ende einer Unterrichtseinheit, die die Lektüre des Jugendbuches „Boy2Girl“zum Thema hatte. In der vorletzten Stunde vor der Lehrprobenstunde fand der „Große Test“ statt, der neben Aufgaben zur Rechtschreibung und Grammatik auch Textverständnisfragen zum Roman, sowie das Verfassen eines inneren Monologs und eines Basissatzes enthielt.

Die letzte Stunde vor der Lehrprobe hatte das Thema Jugendgewalt zum Thema, das in Verbindung mit der Hauptfigur Sam erarbeitet wurde. Somit erarbeiteten die Schülerinnen und Schüler bereits ein kapitelübergreifendes Thema, wodurch sie auf die Lehrprobenstunde eingestimmtwurden.

Die Unterrichtseinheit erstreckte sich über fünf Wochen und folgte auf die dritte Schulaufgabe (Erörterung). Der Roman wurde mit Hilfe analytischer und produktions- und handlungsorientierter Methoden erarbeitet. So wurden beispielsweise Textverständnisfragen, sowohl in Form eines klassischen Schüler-Lehrer-Gesprächs, als auch durch einen inneren Dialog beantwortet.

Alle Unterlagen, die die Schülerinnen und Schüler erhielten oder selbst erstellten, wurden in einem Portfolio gesammelt. Die geschriebenen Arbeiten wurden dann entweder durch die Mitschüler oder durch die Lehrkraft korrigiert und anschließend überarbeitet. Die Schülerinnen und Schüler wählten am Ende der Lektürearbeit eine Arbeit aus, die sie abgegeben haben und die als kleiner Leistungsnachweis gewertet wird. Das Ziel dieses Vorgehens war eine Anleitung zum selbstständigen Arbeiten und zur Überarbeitung des Geschriebenen, das im Rahmen des sog. „Neuen Schreibens“ gefördert werden sollte7.

Die Lektürearbeit begann mit einem Brainstorming zum Thema „Typisch weiblich - typisch männlich“. Danach erfolgte das Lesen des ersten Kapitels im Unterricht. Die restlichen Kapitel haben die Schülerinnen und Schüler als Hausaufgabe gelesen. Hierzu erstellten sie selbstständig eine Kapitelübersicht,auf die bei verschiedenen Schreibaufträgen zurückgegriffen wurde. Im Rahmen der Vorbereitung auf den „Großen Test“ wurden die Merkmale des inneren Monologs erarbeitet und mehrere innere Monologe verfasst. Ähnlich wurde auch mit der Inhaltsangabe vorgegangen. Aber auch die Besonderheiten des Romans wurden nicht außer Acht gelassen. Die Schülerinnen und Schüler setzten sich beispielsweise mit der ausgefallenen Erzählweise und der Figurenkonstellation auseinander, oder füllten die Leerstellen des Romans durch das Bilden einer inneren Stimme.

Das Thema der Stunde: „Das Ausbrechen aus den Geschlechterklischees als Weg zur Selbstfindung am Beispiel der Figur Sam Lopez aus dem Adoleszenzroman ‚Boy2Girl‘“rundet die Lektürearbeit ab, indem es eine kapitelübergreifende Auseinandersetzung mit der Frage „Wer bin ich“ und den Geschlechterrollen bildet. Somit entsteht ein Rückbezug zu dem Beginn der Lektürearbeit. Während die Schülerinnen und Schüler zunächst ihre eigenen Eindrücke in Bezug auf „typisch weiblich - typisch männlich“ geäußert haben, stießen sie im Laufe der Lektüre immer wieder auf die Frage, was ein Mädchen / einen Jungen ausmacht.Nun wird die Thematik der Geschlechterrollen und - klischees in der Lehrprobestunde vertieft, indem die Notwendigkeit zur Sprache kommt, manchmal aus diesen herauszubrechen. Somit führt die Lehrprobenstunde über die eigentliche Lektürearbeit hinaus und erstellt einen Bezug zu der Lebenswelt der Schülerinnen und Schüler. Die Lehrprobenstunde dient als ein Anstoß zum Nachdenken über festgefahrene Geschlechterzuschreibungen.

2.3 Sachanalyse

Boy2Girl ist der Gattung des Adoleszenzromans zuzuordnen, dessen Kennzeichen in Folgendem an Textbeispielen dargelegt werden.Der Hauptcharakter, ein dreizehnjähriger Junge namens Sam Lopez8, kommt nach dem Tod seiner Mutter zu Verwandten nach England. Er ist aggressiv, spöttisch und grenzt sich gegen sein Umfeld ab. Er wird in die „Bunkerbande“ seines Cousins Matthew aufgenommen, als er jedoch auf einen Witz des Jungen Jake überzogen reagiert und diesen verprügelt, wird die Polizei eingeschaltet. Die „Bunkerbande“ weigert sich, Sam als Mitglied zu behalten, woraufhin dieser das erste Mal seine Gefühle zeigt und darum bittet, eine Mutprobe machen zu dürfen, um wieder dazu zu gehören. Die „Bunkerbande“ überlegt sich folgendes: Sam soll sich eine Woche lang in der Schule als Mädchen verkleiden, in die Mädchengruppe der „Zicken“ eindringen und den Mädchen ihre Geheimnisse entlocken. Nach anfänglichem Zögern beschließt Sam, sich auf die Mutprobe einzulassen. Er nutzt seine neue Rolle als Bühne, genießt es, im Mittelpunkt zu stehen und testet auch die neuen Grenzen. Denn das, was „ihm als Junge richtig Ärger eingebacht hätte“9, darf er als ein Mädchen sagen, da es nicht mehr provokant, sondern selbstbewusst wirkt.

Im Laufe des Romans entwickelt sich Sam immer weiter, er verliert seine anfänglichen Hemmungen und öffnet sich. Er wechselt zwischen „typisch weiblichen“ (tratschen, ein Tagebuch führen) und „typisch männlichen“ Verhaltensweisen (sich an Fußballrandalen beteiligen, rülpsen) und bringt dadurch die Mädchen an der Schule dazu, ihr bisheriges „weibliches“ Benehmen zu verändern.

Da Sam von seiner Mutter ein großes Vermögen geerbt hat, beschließt sein Vater, der gerade aus dem Gefängnis entlassen wurde, seinen Sohn zu sich zu holen. Sams Rollentausch findet nun nicht mehr nur in der Schule statt, sondern erstreckt sich auf seinen Alltag, in der Hoffnung, so vom Vater unerkannt zu bleiben, der ihn seit Jahren nicht mehr gesehen hatte. Diese Taktik zeigt sich als erfolgreich.

Die wöchentliche Mutprobe neigt sich dem Ende zu und gipfelt in der Talentshow der Schule. Sam tritt mit seiner Mädchengruppe als Sänger auf. Als er im Publikum seinen Vater bemerkt, erinnert er sich an alles, was er mit ihm erlebt hatte10 und beschließt, sein wahres Ich zu zeigen11.

Somit endet seine Entwicklung von einem zurückgezogenen, von Wutanfällen heimgesuchten dreizehnjährigen Jungen zu einem selbstbewussten jungen Mann12

[...]


1 Vgl. Lehrplan für das Fach Deutsch, Klasse 8, Bereich 8.4.

2 Vgl. Ch. Garbe: Literarische Sozialisation - Mediensozialisation, S. 29f.

3 Vgl. Sachanalyse, S. 4f.

4 Vgl. Die Bildungsstandards für den mittleren Abschluss im Fach Deutsch, S. 14.

5 Vgl. Ebd.

6 Vgl. Die 2. Ebene des Lehrplans (Das Fachprofil des Faches Deutsch).

7 Vgl. Staatsinstitut für Schulqualität und Bildungsforschung - Neues Schreiben, S. 23.

8 1. Kennzeichen des Adoleszenzromans: Die Darstellung des Romans befasst sich mit der Jugendphase des Protagonisten. Vgl. hierzu C. Gansel - Zur Entwicklung in der Kinder- und Jugendliteratur, S. 115.

9 Vgl. Boy2Girl, S. 107.

10 Er wurde z.B. bei seinen „Geschäften“ als Ablenkung benutzt, indem er mit fünf Jahren an einer hohen Mauer laufen sollte. Dabei wurde er jedoch panisch, schrie und zeigte auf seinen Vater, dessen „Geschäft“ aus diesem Grund entdeckt wird. Vgl. Hierzu Boy2Girl, S. 276.

11 Und ich wusste, im Bauch und im Kopf und im Herzen, dass ich nicht mehr weglaufen wollte. Es war so weit. Es war Zeit, dass ich ich wurde.“ Vgl. Boy2Girl, S. 272.

12 Adoleszenzromane werden durch die Gestaltung bestimmter Bereiche abgrenzbar, einer davon ist die „Aus- bildung eigener Wertvorstellungen, das Entwickeln eigener Sozialbeziehungen und [vor allem] das Hinein- wachsen in eine eigene soziale Rolle“. Vgl. C. Gansel - Zur Entwicklung in der Kinder- und Jugendliteratur, S. 116.

Ende der Leseprobe aus 19 Seiten

Details

Titel
Das Ausbrechen aus den Geschlechterklischees als Weg zur Selbstfindung am Beispiel der Figur Sam Lopez aus dem Adoleszenzroman ‚Boy2Girl‘
Veranstaltung
1. Lehrprobe
Note
2,0
Autor
Jahr
2012
Seiten
19
Katalognummer
V263314
ISBN (eBook)
9783656522867
ISBN (Buch)
9783656530916
Dateigröße
781 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
ausbrechen, geschlechterklischees, selbstfindung, beispiel, figur, lopez, adoleszenzroman
Arbeit zitieren
Pavla Hecht (Autor), 2012, Das Ausbrechen aus den Geschlechterklischees als Weg zur Selbstfindung am Beispiel der Figur Sam Lopez aus dem Adoleszenzroman ‚Boy2Girl‘, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/263314

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