Eine neue Art von Tafel hat vor einigen Jahren ihren Einzug in deutsche Schulen gehalten – das interaktive Whiteboard. In vielen Fällen wird die Tafel auch nach ihrem Hersteller bezeichnet. So nennen Lehrer ihr interaktives Whiteboard: SMART-Board, Panaboard, Promethean oder einfach nur Whiteboard. Die eben erwähnten Hersteller SMART-Technologies, Conen und Promethean sind die größten Ausstatter in Deutschland.
Deutschland ist im internationalen Vergleich Schlusslicht. In Großbritannien sind etwa 60% aller Klassenräume mit diesen Tafeln ausgestattet. In Deutschland wird nach Schätzungen von unter 5% oder von 40'000 allgemein bildenden Schulen geredet, die eine oder mehrere dieser Tafeln in ihren Klassenzimmern haben. Leider sind diese Zahlen von 2009. Der Versuch, aktuelle Zahlen der Ausstattung mit interaktiven Whiteboards an Schulen zu erhalten, scheiterte am deutschen System. Die Bildungsministerien haben keine Übersicht, an welchen Schulen welche Tafeln zum Einsatz kommen und vor allem, wie viele Schulen überhaupt interaktive Tafeln einsetzen. Das liegt daran, dass unsere Schulen durch die zuständigen Träger ausgestattet werden und eine Statistik über bestehende Technik deutschlandweit nicht geführt wird.
Auch hat sich seit der allmählichen Verbreitung interaktiver Whiteboards ein Diskurs über den Sinn des Einsatzes dieser Tafeln und der Ausstattung der Schulen damit entwickelt. Die Befürworter sprechen im Allgemeinen davon, dass Schulen endlich im Computerzeitalter ankommen müssen, um ihre Schüler gut für die mediale Zukunft rüsten zu können. Interaktive Whiteboards bieten Chancen, Unterricht anders zu gestalten und Schüler durch den Computercharakter zu interessieren. „Schule wird von Schülern nicht selten als bestenfalls langweilig erlebt. Verglichen mit der Zeit, die nachmittags an Konsolen, Computern und Bildschirmen verbracht wird, ist der Unterricht am Vormittag langweilig.“ Gegner sprechen von einer zu starken Medialisierung der Schule, von den unglaublichen Kosten aber auch von der zusätzlichen Belastung der Lehrer. Während der Beschäftigung mit diesem Thema musste ich feststellen, dass Schulen oft nur ein interaktives Whiteboard besitzen, das häufig im Keller oder im Computerkabinett aufgestellt ist und kaum benutzt wird. Es hat sich gezeigt, dass die Möglichkeiten dieser interaktiven Tafeln nur in wenigen Fällen erkannt und genutzt werden. In vielen Fällen werden sie wie herkömmliche Tafeln nur zum Beschreiben genutzt.
Weiterhin stellte sich heraus, dass es nur wenige und dazu lückenhafte Untersuchungen zum Einsatz interaktiver Whiteboards an deutschen Schulen gibt. Die vorliegende Arbeit soll dazu beitragen, den Einsatz interaktiver Whiteboards im Mathematikunterricht an Grundschulen zu untersuchen. Aufgrund des eingeschränkten Rahmens dieser Untersuchung wurde das Untersuchungsgebiet auf Sachsen beschränkt. Zusätzlich wurde der befragte Personenkreis auf Mathematiklehrer an Grundschulen, denen interaktive Whiteboards zu Verfügung stehen, begrenzt.
Bei der Beschäftigung mit dem Thema ergaben sich folgende Untersuchungshypothesen:
H1: In Schulen, in denen nicht alle Klassenräume mit einem interaktiven Whiteboard ausgestattet sind, können sich die Lehrer nicht ausreichend mit dem Gerät vertraut machen und als neues Medium einsetzen.
H2: Die Lehrer werden nicht ausreichend für den Einsatz interaktiver Tafeln geschult.
H3: Die Möglichkeiten interaktiver Tafeln werden kaum ausgeschöpft.
H4: Die Nutzung interaktiver Whiteboards ist altersabhängig, wobei ältere Lehrer das interaktive Whiteboard vorrangig als herkömmliche Tafel nutzen und das Arbeiten mit interaktiven Whiteboards als Belastung ansehen.
Zur Ermittlung der Daten wurden zunächst Grundschulen in Sachsen gesucht, die eine oder mehrere interaktive Tafeln in ihren Klassenzimmern haben. Danach wurden die Schulen kontaktiert und das Anliegen der Befragung vorgetragen. War die Schulleitung mit der Befragung einverstanden, wurden an die Schule eine ausreichende Anzahl von Fragebögen und ein frankierter Rückumschlag gesendet.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Theoretische Einordnung
2.1 Medien
2.2 Unterrichtsmedien, die im interaktiven Whiteboard vereint sind
2.2.1 Die Tafel und Tafelvariationen
2.2.2 Tafelzubehör
2.2.3 Tageslichtprojektoren
2.2.4 Computer
2.2.5 Beamer
2.2.6 Schulfernsehen
3. Interaktive Whiteboards
3.1 Funktionsweisen der verschiedenen interaktiven Whiteboards
3.1.1 Analog resistive interaktive Whiteboards
3.1.2 Elektromagnetische interaktive Whiteboards
3.1.3 Trigonometrische interaktiven Whiteboards
3.1.4 Kapazitive interaktive Whiteboards
3.2 Zubehör und Bauweisen interaktiver Whiteboards
3.3 Kompetenzbeschreibung im Umgang mit interaktiven Whiteboards
3.4 Forschungen zu interaktiven Whiteboards
3.5 Fortbildung zu interaktiven Whiteboards
3.6 Vor- und Nachteile interaktiver Whiteboards
4.1 Untersuchungsvorgehen
4.2 Konzeption des Fragebogens
4.3 Kritik und Grenzen der Untersuchung
5. Forschungsraum
6. Ergebnisse der Studie
6.1 Ergebnisse der Untersuchung
7. Zusammenfassung
8. Kritik und Ausblick
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht den Einsatz interaktiver Whiteboards im Mathematikunterricht an Grundschulen. Ziel ist es, die Nutzungsgewohnheiten, die Akzeptanz des Mediums durch Lehrkräfte sowie bestehende Herausforderungen und Verbesserungspotenziale zu identifizieren, um fundierte Aussagen über die Integration digitaler Tafeln in den sächsischen Grundschulalltag zu treffen.
- Technische und didaktische Grundlagen interaktiver Whiteboards
- Einfluss der Schulausstattung auf die Nutzungshäufigkeit
- Anforderungen an Fortbildungsprogramme für Lehrkräfte
- Vergleich von Nutzungsverhalten in Abhängigkeit vom Alter der Lehrkräfte
- Evaluation von lehrwerksgebundener Software für den Mathematikunterricht
Auszug aus dem Buch
1. Einleitung
„Mit dem Zeigefinger kritzelt Jens Haase das Wort »Schule« an die riesige Computertafel vorne im Klassenzimmer. Ein Fingertippen verwandelt den Schriftzug in Druckschrift. Blitzschnell kopiert er einen Wikipedia-Text über das menschliche Ohr aus dem Internet-Browser, färbt darin einzelne Wörter weiß und macht sie so, für ein kleines Ratespiel, unsichtbar. Dann malt er eine grüne Kreisfläche, »meine Lösungslupe«, schiebt sie unter eines der unsichtbaren Wörter, und da steht es wieder, weiß auf grün. Handgemalte Kreise und Rechtecke werden von der Tafel-Software perfekt zurechtgerückt, Linien können alle Farben und Formen annehmen. »Und wenn ein Kind erst mal nicht schreiben will«, sagt Haase, »dann sieht es vielleicht, dass es hier auch eine Sternenschrift gibt« – er zaubert eine geschwungene Linie aus goldenen Sternen auf den Bildschirm und beendet seine kleine Vorführung mit den triumphierenden Worten: »und dann will es plötzlich doch an die Tafel.«“
Eine neue Art von Tafel hat vor einigen Jahren ihren Einzug in deutsche Schulen gehalten – das interaktive Whiteboard. In vielen Fällen wird die Tafel auch nach ihrem Hersteller bezeichnet. So nennen Lehrer ihr interaktives Whiteboard: SMART-Board, Panaboard, Promethean oder einfach nur Whiteboard. Die eben erwähnten Hersteller SMART-Technologies, Conen und Promethean sind die größten Ausstatter in Deutschland.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einführung verdeutlicht die Vielseitigkeit interaktiver Whiteboards im Unterricht und thematisiert deren bisher geringe Verbreitung in deutschen Schulen im Vergleich zum Ausland.
2. Theoretische Einordnung: Dieses Kapitel definiert Unterrichtsmedien und analysiert klassische Werkzeuge wie Tafeln, Tageslichtprojektoren und Computer, die im interaktiven Whiteboard technisch integriert sind.
3. Interaktive Whiteboards: Hier werden verschiedene technische Funktionsweisen, Zubehör, Kompetenzstufen der Lehrkräfte sowie aktuelle Forschungsstände und Fortbildungsangebote detailliert erläutert.
4. Methodisches Vorgehen: Dieses Kapitel erläutert das Forschungsdesign der deskriptiven Studie, die Konzeption des Fragebogens und reflektiert die methodischen Grenzen der durchgeführten Untersuchung.
5. Forschungsraum: Die Auswertung der Lehrerbefragung liefert hier demografische Daten wie das Durchschnittsalter der Probanden, die Dienstjahre und die Ausstattungsqualität der beteiligten Schulen.
6. Ergebnisse der Studie: Die erhobenen Daten werden analysiert, um Hypothesen zur Lehrerfortbildung, zur tatsächlichen Nutzung der Möglichkeiten und zum Zusammenhang von Alter und Medienakzeptanz zu prüfen.
7. Zusammenfassung: Die Arbeit resümiert die Ergebnisse und betont die Notwendigkeit einer flächendeckenden, hochwertigen Ausstattung der Grundschulen sowie einer verbesserten, fachdidaktischen Fortbildung.
8. Kritik und Ausblick: Der Autor reflektiert die Einschränkungen der eigenen Studie und fordert weiterführende Forschung sowie die Integration der Whiteboard-Nutzung in die universitäre Lehrerausbildung.
Schlüsselwörter
Interaktive Whiteboards, Mathematikunterricht, Grundschule, Unterrichtsmedien, Lehrerfortbildung, Medieneinsatz, digitale Tafeln, Lehrerkompetenz, Schulausstattung, SMART-Board, Unterrichtsgestaltung, Computergestützter Unterricht, Medienpädagogik, Sächsische Schulen, Lernmotivation.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht den aktuellen Einsatz und die Akzeptanz von interaktiven Whiteboards im Mathematikunterricht sächsischer Grundschulen auf Basis einer empirischen Lehrerbefragung.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Zentrale Aspekte sind der technische Funktionsumfang der Geräte, die Einbindung in den Unterricht, die Qualität der Lehrerfortbildung und die Auswirkung der Schulausstattung auf die Nutzung.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Ziel ist es, den tatsächlichen Nutzen und die Barrieren beim Einsatz interaktiver Whiteboards im Grundschulalltag deskriptiv zu erfassen und Empfehlungen für eine bessere Integration abzuleiten.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Der Verfasser nutzt eine deskriptive Studie auf Basis einer schriftlichen Befragung von Mathematiklehrern an Grundschulen in Sachsen.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in theoretische Grundlagen zu Medien, die Erläuterung der Whiteboard-Technologien sowie die detaillierte statistische Auswertung der Umfragedaten zu vier zentralen Hypothesen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind interaktive Whiteboards, Grundschulunterricht, Lehrerkompetenz, Medienakzeptanz und Unterrichtsgestaltung.
Wie bewerten die befragten Lehrer die Zukunftsaussichten von Whiteboards?
Die Mehrheit der befragten Lehrer betrachtet das interaktive Whiteboard als Tafel der Zukunft, fordert jedoch eine bessere Ausstattung und gezieltere Schulungen, um das Potenzial voll ausschöpfen zu können.
Welche Probleme bei der Nutzung werden von den Lehrkräften genannt?
Häufig genannte Probleme sind mangelnde Zeit für die Vorbereitung, technische Störanfälligkeit, fehlende Hardware in jedem Klassenraum und eine unzureichende Einweisung in die Software.
- Quote paper
- Martin Notroff (Author), 2012, Der Einsatz des interaktiven Whiteboards im Fach Mathematik in der Grundsschule, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/263337